Guardamar del Segura (bis 1916 Guardamar) ist ein beschaulicher Erholungsort in der autonomen Region Valencia in Spanien. 2023 war Guardamar Kulturhauptstadt der Autonomen Region Valencia. Guardamars Markenzeichen sind lange, naturbelassene Strände und üppige Grünanlagen. Die Kleinstadt liegt an der Costa Blanca im Südosten Spaniens am Mittelmeer in der Provinz Alicante, in der dortigen Comarca Vega Baja del Segura oder kurz Vega Baja. Die Ortsmitte von Guardamar del Segura liegt von Alicante im Norden rund 35 km und von Torrevieja im Süden rund 14 km entfernt.

Auf dem Gemeindegebiet befindet sich die Mündung des Río Segura ins Mittelmeer. Der Ort ist für seine Pinienwälder am Meer bekannt, die zu Anfang des 20. Jahrhunderts gepflanzt wurden, um die ständige Fortbewegung der Dünen in Küstennähe einzudämmen. Seit 2010 ist wichtigstes kommunalpolitisches Thema das spanische Küstenschutzgesetz, dessen Umsetzung hunderte Immobilienbesitzer in Guardamar betrifft.

Bevölkerung Guardamar hat Einwohner (Stand: ), doch steigt diese Zahl nach Schätzungen auf 45.000 über die Ostertage sowie im Juli und August, wenn die Spanier (vor allem Madrider), die Ferienwohnungen im Ort besitzen, dort ihren Urlaub verbringen.

Die Einwohnerentwicklung Guardamars verlief lange Zeit nur langsam wachsend. Die Zahl von 2.237 im Jahre 1842 hatte sich erst 1940 (4.751) verdoppelt. Auch als in anderen Gemeinden der Costa Blanca schon die Gemeinden durch den Tourismus expandierten, blieb die Einwohnerzahl in Guardamar noch einstellig. Eine dynamische Entwicklung setzte erst ab 2000 ein und führte seither zu einer Verdreifachung auf mehr als 18.000 Einwohner. mini|Skandinavischer Shop „Casa Tre Toppar“ in Guardamar|zentriert +Einwohnerzahlen Guardamar del Segura20212011200119911981197019601950194019301920191019001887187718601841Einwohner15.85015.5209.4806.8995.7094.6184.6574.754.7514.0253.0702.8562.8402.5502.6582.8502.237 Neben den Spaniern gibt es nennenswerte Gruppen europäischer Residenten, vor allem Briten, aber auch Deutsche, Russen, Marokkaner und Skandinavier (mehr Norweger als Schweden).

Klima An der Costa Blanca, zu der Guardamar zählt, herrscht ein mildes mediterranes Klima. Die Küstenregion wird durch die Betische Kordillere von Zentralspanien abgegrenzt und stellt dadurch das trockenste Gebiet der iberischen Halbinsel dar. Die gesamte Landschaft und Vegetation zeigt schon deutlich afrikanische Züge. Die Meerestemperatur beträgt 28 Grad im Sommer, die Tagestemperaturen liegen im Sommer um 30 Grad, im Winter 16 bis 18 Grad. Guardamars Küstenlage garantiert im Sommer aber auch eine willkommene Meeresbrise, während im Hinterland, in den Städten Orihuela und Murcia, tagsüber eine große Hitze vorherrscht, welche die Bewohner jeden Sommer in die Sommerfrische der Küstenorte treibt.

Geografie Strände Der feinsandige, elf Kilometer lange Strand von Guardamar gilt als einer der schönsten in Spanien, nicht zuletzt wegen des langen, parallel zu ihm verlaufenden Pinienwaldes. Von Norden nach Süden gibt es folgende Strände: Los Tusales, der nördlichste Strand beginnt an der Südgrenze von Elche. Er wird vom restlichen Gemeindegebiet durch die Mündung der Segura abgeschnitten. Er ist ein Nacktbadestrand. Los Viveros Babilonia Centro, die „Playa Centro“ ist ein Sandstrand, an den im Norden die „Playa de Babilonia“ und im Süden die „Playa de la Roqueta“ grenzt. Die Playa Centro hat eine Länge von rund 2450 m und ist 30 m breit. Sie befindet sich in einem städtischen Umfeld und kann über Straßen gut erreicht werden. Sie hat ein Strandpromenade. Dieser Strand wird seit 1987 mit der blauen Flagge ausgezeichnet. La Roqueta, Sandstrand, der im Norden an die „Play Centro“ und im Süden die „Playa el Moncayo“ grenzt. Der Strand ist 1180 m lang und 35 m breit. Er befindet sich in einem städtischen Umfeld und ist über Straßen gut erreichbar. Er verfügt über einen behindertengerechten Zugang. Er wird seit 1987 mit der blauen Flagge ausgezeichnet. Moncayo, rund 1460 m langer Sandstrand mit direktem Zugang zum ‚Hotel Playas de Guardamar‘. Campo, rund 1200 m lang. Las Ortigas. Sandstrand, der im Süden an das Gemeindegebiet von Torrevieja grenzt.

Mündung des Segura Auf dem Gemeindegebiet von Guardamar mündet der Fluss Río Segura ins Mittelmeer.mini|200px|In Guardamar mündet der Río Segura ins Mittelmeer Das Wasserwirtschaftsamt des Segura (CHS) hat dort 2014 Exemplare der asiatischen Körbchenmuschel entdeckt. Die asiatische Körbchenmuschel, lat. Corbicula fluminea, stellt als invasive Art eine Bedrohung für die einheimischen Arten dar. Der Eindringling in das Ökosystem der Segura ist besonders robust und anpassungsfähig.

Die Pinienwälder der „Pinada de Guardamar“ Guardamar ist insbesondere bekannt für seine Pinada de Guardamar in der Dünenlandschaft. Die Pinada ist eine großflächige Kiefernanpflanzung aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts, mit der der Wanderung der Sanddünen am Strand Einhalt geboten wurde. Seit dem 18. Jahrhundert hatte man zunächst den Wald an der Küste abgeholzt. Das Holz wurde unter anderem für Kriegsschiffe gebraucht. Die Abholzung vollzog sich schrittweise. Die Folgen waren dann im 19. Jahrhundert gewaltig. Eine Welle aus Sand wuchs aus dem Boden der Küste und die Wanderdünen verschlangen bald die ersten Häuser von Guardamar. Die Folge des menschlichen Eingreifens in die Natur war eine zunehmende Erosion des Bodens gewesen, die durch den Schwemmsand der Seguramündung und die starken Ostwinde zusätzlich gefördert wurde. Über die Jahrhunderte formten sich aus dem Sand schließlich Dünen, die so hoch waren, dass sie ab 1896 die nördlichen Teile des Dorfes in Gefahr brachten. Die Stadt wäre als versandetes Atlantis geendet, wäre nicht Bauingenieur Franco Mira y Botella gewesen, ein bekannter spanischer Landschaftsingenieur aus der Region Alicante. In einem mühsamen Projekt ließ er zum Schutz des Dorfes ab 1897 Bäume anpflanzen und die Dünen mit unterirdischen Wällen befestigen. Der Großteil der heute 800 Hektar Dünenlandschaft umfassenden Pinada de Guardamar wurde mit Pinien, Palmen, Zypressen und Eukalyptusbäumen aufgeforstet, um das stetige Vordringen der Sanddünen zu verhindern. Der Wald war die Rettung der heutigen Stadt. Er gilt heute als ihr kostbarstes Erbe und Markenzeichen.

Die Pinada machte Guardamar zu einem beliebten Ausflugsziel an der südlichen Costa Blanca. Nirgendwo sonst zwischen Alicante und Cartagena lassen sich solch kilometerlangen und naturbelassene Dünenlandschaften auf ausgedehnten Spaziergängen erwandern. Die Dünen liegen heute in einem Naturschutzgebiet. Es sind vor allem zwei große Parkanlagen, die den Reiz der Gemeinde ausmachen. Die Grünanlagen Parque Alfonso XII. und Parque Reina Sofia locken Jahr für Jahr Tausende von Besuchern – für Wanderungen, Picknicken im Grünen, zum Joggen oder Spazierengehen.

Ortsbild Früher war Guardamar ein Fischer- und Bauerndorf. Das Ortsbild wird heute vornehmlich von städtebaulich moderaten fünf- bis sechsstöckigen Häusern geprägt, was gegenüber der oftmals als „Betonwüste“ bezeichneten Nachbargemeinde Torrevieja als städtebauliche Zurückhaltung zu werten ist. Allerdings sind im Norden der Gemeinde in jüngster Vergangenheit Hochhäuser errichtet worden, die das Ortsbild mittlerweile ebenfalls nachteilig prägen.

Guardamar del Segura ist der südlichste Ort Spaniens, in dem Katalanisch gesprochen wird.

Pinada von Guardamar mini|200px|Dünen in Guardamar mini|200px|Weg durch die Pinada

Die Pinada ist eine Waldfläche mit einer Ausdehnung von 800 Hektar. Sie dehnt sich auf ehemaligen Wanderdünen aus, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts befestigt wurden, indem man verschiedene Pflanzenarten anbaute, wie vornehmlich Pinien, Palmen, Zypressen und Eukalyptusbäume. Das Projekt der Anpflanzung wurde 1900 begonnen und 1930 beendet. Seitdem zeigt sich die Pinada in der heutigen Gestalt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Meer. Die Dünen sind ein Produkt von Meeressedimenten, des Flusses Segura und des Ostwindes. Heute ist die Pinada in zwei Parks unterteilt, von denen der eine Park Alfonso XII. und der andere Park Königin Sofia genannt wird. Die Parks erstrecken sich zwischen dem Stadtzentrum und den Stränden von „Babilonia“ und „Los Viveros“.

Auf dem Gemeindegebiet hatte es schon immer einen dichten Pinienwald gegeben. Aber im 18. Jahrhundert wurde dieser Pinienwald für den Bau von Kriegsschiffen abgeholzt, ohne rekultiviert zu werden. Die Verwüstung wurde durch den Schwemmsand der Seguramündung gefördert, der vom Meer her wieder angeschwemmt wurde. Der Wind formte aus diesem Sand Dünen, die ab 1896 in den Nordteil des Dorfes eindrangen und dessen Häuser und Gärten bedrohte.

Geschichte Wie viele Regionen entlang der Mittelmeerküste ist die Stadt über die Jahrhunderte hinweg von den verschiedensten Seefahrerkulturen stark beeinflusst worden. Auf dem Gemeindegebiet von Guardamar del Segura kam es zu verschiedenen archäologischen Funden, die auf eine phönizische und eine spätere iberische Besiedlung schließen lassen. Auch fand sich dort eine islamische Rabat, also eine islamische Grenzbefestigung.

Phönizier Die phönizische Kolonie Alonis gilt als die älteste Siedlung in Guardamar und ist besonders reich an archäologischen Fundstücken. Die heute noch sichtbaren Überreste dieser phönizischen Hafenstadt stammen aus dem 8. Jahrhundert vor Christus. In der Ausgrabungsstätte La Fonteta wurde eine Mauer aus der Zeit der Phönizier gefunden. Diese war vier Meter hoch und verlief parallel zur Küstenlinie. Ihre Errichtung wird auf das siebte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung datiert. Die Ziegel sind in einem unvergleichlich guten Zustand. In einigen kann man sogar Fingerabdrücke erkennen. Die Phönizier kamen aus dem nahen Osten (heutiges Palästina, Libanon) und besiedelten noch vor den Römern die spanische Küste.

Iberer Ein bedeutender Fund aus der iberischen Zeit ist die berühmte Dama de Guardamar. Das archäologische Museum zeigt in einer Dauerausstellung die Ausgrabungen der Gegend und als dessen Prunkstück die über 2.300 Jahre alte „Dama de Guardamar“. Die iberische Büste wurde 1987 entdeckt.

Araber Später nannten die Araber den Platz وادالرمل „Guad-al-ramal“ („Sandfluss“), wovon der heutige Name wohl herrührt. Im Spanischen bedeutet „guardar“ „sicher halten“ und „mar“ bedeutet „Meer“, was eine andere Erklärung für den heutigen Ortsnamen ist.

In den Dünen von Guardamar del Segura befindet sich die erste und älteste Fundstätte eines islamischen Ribat in Spanien, also einer arabischen Grenzbefestigung in unmittelbarer Küstennähe. Es handelt sich um die archäologischen Ausgrabungsstätten La Fonteta und La Rabita. Die Festungen, von denen heute nur noch die Grundmauern erhalten sind, stammen aus dem 10. Jahrhundert n. Chr. und sind in den 1980er Jahren entdeckt worden. Derzeit wird dort von der Universität Alicante ein Ausstellungsprojekt geplant, das die Funde der Öffentlichkeit zugänglich machen soll. In alter Zeit lebten in der Festung nicht nur kampfbereite arabische Soldaten, sondern auch islamische Gelehrte, die die Kämpfer moralisch unterstützten. Die Architektur von La Rabita weist im untersten Geschoss der Festung Mönchszellen auf, im zweiten Stock war eine Moschee mit dem alles überragendem Wehrturm untergebracht. Zusammen mit dem Ribat von Sousse in Tunesien ist La Rabita die älteste Anlage dieser Art im Mittelmeerraum.

Christliche Rückeroberung