mini|Kunsthalle zu Kiel 2017 Die Kunsthalle zu Kiel ist ein Kunstmuseum in Kiel und mit 2.000 m² Ausstellungsfläche das größte Museum der Landeshauptstadt. Die Kunsthalle liegt nördlich der Innenstadt am Düsternbrooker Weg – nahe dem Schlossgarten und der Kieler Förde. Seit dem 25. September 2023 sind die Kunsthalle zu Kiel und die Antikensammlung sanierungsbedingt geschlossen. Rund 49,5 Millionen Euro fließen insgesamt in die Sanierung des historischen Gebäudes. Hiervon kommen rund 30 Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Modernisierungsprogramm IMPULS des Landes Schleswig-Holstein sowie knapp 19,5 Millionen Euro aus dem Programm KulturInvest des Bundes.Infrastrukturbericht 2022 (PDF), S. 53, auf schleswig-holstein.de, abgerufen am 4. Oktober 2023
Gebäude Das Grundstück wurde 1903 von Lotte Hegewisch der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel zum Zweck der Errichtung einer Kunsthalle gestiftet. Das Gebäude wurde nach Plänen des Architekten Georg Lohr von 1908 bis 1909 erbaut. Am 15. November 1909 fand die feierliche Eröffnung durch den Vorsitzenden des Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins, Carl Neumann, statt.Lilli Martius: 125 Jahre Schleswig-Holsteinischer Kunstverein 1843–1968. Herausgegeben vom Schleswig-Holsteinischer Kunstverein. Wachholtz, Neumünster 1968, S. 45. Seine Fassade aus Muschelkalk zeigt sich dem Neobarock und dem Jugendstil verpflichtet.Hartwig Beseler, Niels Gutschow: Kriegsschicksale deutscher Architektur. Band I: Nord. Wachholtz, Neumünster o. J., S. 9 f. Vor dem Eingangsportal stehen zwei Wisent-Skulpturen von August Gaul.
In den 1950er Jahren wurde ein neues Treppenhaus hinzugefügt. Nach der schweren Zerstörung des Gebäudes im Zweiten Weltkrieg und dem Wiederaufbau 1958, wurde 1986 ein Erweiterungsbau von Diethelm Hoffmann geschaffen, der neben weiterer Ausstellungsfläche unter anderem die Einrichtung der Malklasse, des Videostudios und der Fachbibliothek ermöglicht hat. Ein neuer Eingangsbereich des Architekturbüros Sunder-Plassmann öffnet die Kunsthalle seit 2012 zur Kieler Förde hin.Neuer Eingang für Kieler Kunsthalle, NDR online, 1. Juni 2012, abgerufen am 1. Juni 2012 Zusätzlich besitzt die Kunsthalle einen Vortragssaal, eine Bibliothek, einen Studiensaal, ein kleines Café und einen Skulpturengarten.
Sammlung Das Museum beherbergt die Sammlung des 1843 gegründeten Schleswig-Holsteinischen Kunstvereins. Die Sammlung der Kunsthalle reicht von der Dürerzeit bis zur Gegenwart: Kunst des 19. Jahrhunderts (Romantische Malerei und Gemälde der russischen „Wandermaler“), Werke der klassischen Moderne (deutsche Impressionisten und Expressionisten, Neue Sachlichkeit) sowie internationale Kunst seit 1945.
1937 beschlagnahmten Nationalsozialisten in der zentralen Aktion „Entartete Kunst“ aus der Kunsthalle nachweislich eine bedeutende Zahl von Werken folgender Künstler: Ernst Barlach, Georg Burmester, Lovis Corinth, Heinrich Ehmsen, Lyonel Feininger, Hans Fuglsang, Willi Graba, Hans Grohs, Erich Heckel, Karl Hofer, Hans Holtorf, Gerhard von Kieseritzky (1869–1922), Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Kokoschka, Werner Lange, Wilhelm Lehmbruck, Alfred Mahlau, Otto Möller, Otto Müller, Edvard Munch, Heinrich Nauen, Otto Niemeyer-Holstein, Emil Nolde, Max Pechstein, Christian Rohlfs, Karl Schmidt-Rottluff, Elisabeth Sittig, Heinrich Stegemann, Else Wex-Cleemann und Niko Wöhlk.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion "Entartete Kunst", Forschungsstelle "Entartete Kunst", FU Berlin
Die Sammlung umfasst heute mehr als 1.200 Gemälde und 300 Skulpturen, darunter Werke von Nolde, Georg Baselitz, Neo Rauch und Gerhard Richter. Die Grafische Sammlung zählt etwa 30.000 Werke, darunter Blätter von Rembrandt, Adolf Menzel und Otto Dix sowie Fotografien und Videoarbeiten.
Der Bestand wurde in jährlich wechselnden Präsentationen gezeigt. 2011 erhielt auch die Grafische Sammlung ein permanentes Schaufenster. Zudem wurde einmal jährlich ein Künstler eingeladen, in der Sammlungspräsentation zu arbeiten.
In dem Gebäude befindet sich auch die 1895 eingerichtete Antikensammlung Kiel mit einer umfangreichen, 1838 begonnenen Abgusssammlung und vielen Originalstücken. Sie ist unter eigener Leitung ebenfalls an die Universität angeschlossen. Ein großer Teil der ursprünglichen Sammlung wurde im Zweiten Weltkrieg infolge von Luftangriffen vernichtet.
Ausstellungen (Auswahl) 1947: Ernst Barlach. Plastik, Zeichnungen Graphik. 1948: Das graphische Werk von Edvard Munch. 1949: Christian Rohlfs. Zum 100. Geburtstag. 1952: Emil Nolde. Zum 85. Geburtstag. 1954: Karl Schmidt-Rottluff. Zum 70. Geburtstag. 1963: Rolf Nesch. Maler und Graphiker. 1970: Art Nouveau und Jugendstil. Kunstwerke aus dem Besitz der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz. 1971: Richard Mortensen. Gemälde, Wandteppiche, Reliefs, Graphik. 1972: Carl Spitzweg und sein Münchner Malerkreis. 1975: Der Bildhauer Robert Jacobsen und seine Welt. 1979: Hans Peter Feddersen, ein Maler in Schleswig-Holstein. 1982: 100 Jahre Kieler Woche – Lyonel Feininger: Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, Druckgraphik. 1984: Paul Flora – Zeichnungen. 1997: Kunstturner – Kunst und Sport 1997. Kunstturner der Uniwettkampfmannschaft am Schwebebalken, am Seitpferd und Boden. In Zusammenarbeit mit dem Museum für Moderne Kunst München. 2002: Katharina Grosse: Cool Puppen 2004: Candida Höfer 2006: Isa Genzken. Skulptur 2008: Harald Giersing. Protagonist der dänischen Avantgarde 2009: TAL R. You laugh an ugly laugh 2010: Welten-Segler. Theodore Lux Feininger zum 100.Geburtstag. Werke 1929–1942 2010: Max Pechstein. Ein Expressionist aus Leidenschaft. Retrospektive 2011: From Trash To Treasure. Vom Wert des Wertlosen in der Kunst 2012 Chiharu Shiota 2012: Überwältigend kühn. Der ganze Rohlfs in Kiel 2013: Dritte Welle. Die Gruppe SPUR, der Pop und die Politik 2014: Corinne Wasmuth. Supraflux 2014 Angela Glajcar 2015/2016: Via Lewandowsky – Hokuspokus 2015/2016: Furios Virtuos. Italienische Handzeichnungen des 16. bis 18. Jahrhunderts 2016: Zeitgenossen. Dumas, Doig und die anderen 2016: miriam cahn – AUF AUGENHÖHE 2016: Faust fürs Auge. Illustrationen zu Goethes Meisterwerk 2016/2017: Gott und die Welt. Vom sakralen zum autonomen Bild 1871–1918 2016/2017: Käthe Kollwitz. Ich will wirken 2017: Ludger Gerdes.: Von Angst bis Wollen 2017: Anita Albus –: Die Kunst zu sehen 2017/2018: Nolde und die Brücke. Gemeinsam mit dem Museum der bildenden Künste Leipzig konzipierte Ausstellung. 2018: Pipilotti Rist. Videos 1986–1992 2018: Alicja Kwade – AMBO 2018/2019: globalocal – Sammlungspräsentation mit den Gästen Cao Fei, Hiwa K und Mika Rottenberg 2018/2019: Goya. Grafische Meisterblätter 2018/2019: Franz Gertsch. Bilder sind meine Biografie 2019: Universum Picasso: Die Suite Vollard 2019: Intuition. Rudolf Jahns 2019: Lotte Laserstein. Von Angesicht zu Angesicht. Eine Ausstellung des Städel Museums in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle zu Kiel 2020: Rachel Maclean 2020: Right here. Right now. Jeppe Hein zu Gast in der Sammlung 2021: Zauber der Wirklichkeit. Der Maler Albert Aereboe 2021: Joseph Beuys – Kunst für alle. Multiples und Grafiken aus der Sammlung 2021: Amazons of Pop! Künstlerinnen, Superheldinnen, Ikonen 1961–1973. Eine Ausstellung des MAMAC Nizza in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle zu Kiel und dem Kunsthaus Graz sowie der Unterstützung von Manifesto Expo. 2021: Als die Grafik boomte. Pop-Art auf Papier 2022: Wildes, Wüstes, Wunderschönes. Natur im Fokus der Sammlung 2022: Annette Kelm. Die Bücher 2022: ÜberLeben. Die Dreigroschenoper und die Kunst ihrer Zeit 2022: 1+1=3 Die Kunstwelten der Mary Bauermeister 2025: Wagehe Raufi. Das geliehene Haus – Shell in Transition (Pop-up mit einem Werk) 2025: Von Lovis Corinth bis Corinne Wasmuht. Die Kunsthalle mit Werken des Stifterkreises zu Gast in der Gerisch-Stiftung
2025: Maruša Sagadin. Zwischen Barock und Romanik liegt die Botanik (Pop-up mit einem Werk)
Bilder
Direktion 1971–1990: Jens Christian Jensen 1992–2000: Hans-Werner Schmidt 2002–2009: Dirk LuckowAnke Drrzapf, Ralf Meyer: Basis-Demokratie im Museum. In: art, Nr. 10/2001, S. 12f. 2010–2025: Anette HüschKieler Kunsthalle unter neuer Leitung, in: Informationsdienst Wissenschaft vom 14. Juli 2010, abgerufen am 2. August 2010 ab September 2026: Stefanie Böttcher
Literatur
Der Finanzminister des Landes Schleswig-Holstein (Hrsg.): Kunsthalle zu Kiel Christian-Albrechts-Universität. Sammlungen und Baugeschichte 1854 bis 1986. Christians Verlag, Hamburg 1986, ISBN 3-7672-0960-8 Anette Hüsch (Hrsg.): Lotte Hegewisch, die Kunst und das Mäzenatentum. Ausstellungskatalog Kunsthalle zu Kiel, München 2012. Jens Christian Jensen (Hrsg.) 100 Jahre Kieler Woche – Lyonel Feininger: Gemälde, Aquarelle und Zeichnungen, Druckgraphik. Verlag Kunsthalle zu Kiel der Christian-Albrechts-Universität, Kiel 1982. Dirk Luckow (Hrsg.): Kunsthalle zu Kiel. DuMont, Köln 2007, ISBN 978-3-8321-9011-8. Hans Tintelnot: Die Kunsthalle zu Kiel. Zur Geschichte eines Museumsbaus. Nordelbingen 1960.
Weblinks
Kunsthalle zu Kiel Antikensammlung Kiel
Einzelnachweise
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