mini|hochkant=1.2|Dorfteich und Turm der Dorfkirche Jübar Jübar ist eine Gemeinde der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf im Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt.
Geographie Lage Jübar, ein Angerdorf mit Kirche, liegt 25 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Salzwedel in der Altmark. Östlich des Dorfes fließt der Jübarer Abzugsgraben, der in Lüdelsen in die Hartau mündet. Im Norden liegt der fast 108 Meter hohe Kahnberg, die höchste Erhebung in der Gemeinde Jübar. Im Süden liegt der knapp 94 Meter hohe Bromer Berg.
Der Westen grenzt das Gemeindegebiet an die Landesgrenze zu Niedersachsen, die in diesem Gebiet großenteils entlang der Ohre verläuft.
Gemeindegliederung Ortsteile der Gemeinde sind Bornsen, Drebenstedt, Gladdenstedt, Hanum, Jübar, Lüdelsen, Nettgau und Wendischbrome. Splittersiedlungen der Gemeinde sind Neuenstall, Klein Wismar und Groß Wismar.
Geschichte Mittelalter bis Neuzeit Jübar fand als Jubere im Jahr 1240 seine erste urkundliche Erwähnung, als Albertus und Hogerus de Jubere dem Stift Hamersleben eine Hufe in Bergmoor übergaben. Als Dorf () selbst wurde es erstmals 1308 erwähnt.
Die Ortschaft befand sich im 13./14. Jahrhundert in geographischer Grenzlage des deutsch-slawischen Gebiets. Es war weder der eine noch der andere Ursprung nachzuweisen. Der Ortsname wechselte im Laufe der Jahrhunderte oft von Inbere über Jobere und Inber bis Jübar. Die Bezeichnung soll nach Aussagen von Mediävisten auf die „Linde“ hinweisen. In der Tat stehen im Nord- und Südteil des ovalen Rundlings zwei jahrhundertealte – bereits hohle – Linden, die als Naturdenkmale dem Dorf sein eigenes Gepräge geben und im Volksmund die „tausendjährigen Linden“ genannt werden. Deshalb wurde auf Beschluss des Gemeinderates die Linde dem Grafiker als Symbol für die Gestaltung des Gemeindewappens vorgegeben. Der rote märkische Adler deutet auf die einstige Zugehörigkeit zur Mark Brandenburg hin.
Im Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 gehörte Jübar dem Kloster Isenhagen. Das Hufenland umfasste 22 Hufen, von denen 14 wüst lagen. Noch im Entstehungsjahr des Urbars ging das Dorf an das Stift Diesdorf über.
Im Mittelalter und darüber hinaus betreute Jübar als Kirchdorf einige umliegende Ortschaften. Dazu zählten das kirchlose Bornsen, vermutlich Lüdelsen und Gladdenstedt (beide mittelalterliche Wüstungen) sowie die Tochterkirchen in Hanum und Mellin. Die historische Bevölkerung des Sprengels von 1674 bis 1814 dokumentiert ein Ortsfamilienbuch.
Auszeichnungen
Das Dorf Jübar wurde mehrfach ausgezeichnet. 1996 und 1999 war Jübar schönstes Dorf des Altmarkkreises Salzwedel, 1997 sowie 2001 siegte es im Regierungsbezirk Magdeburg im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ bzw. „Unser Dorf hat Zukunft“. 2001 gewann Jübar die Bronzeplakette im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.
Eingemeindungen Jübar gehörte ursprünglich zum Salzwedelischen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Von 1807 bis 1808 lag es im Kanton Brome und von 1808 bis 1813 im Kanton Jübar auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Nach weiteren Änderungen kam es 1816 in den Kreis Salzwedel, den späteren Landkreis Salzwedel im Regierungsbezirk Magdeburg in der preußischen Provinz Sachsen.
Am 25. Juli 1952 kam die Gemeinde Jübar zum Kreis Salzwedel im DDR-Bezirk Magdeburg (ab 1990 im Land Sachsen-Anhalt), seit der Kreisreform 1994 gehört sie zum Altmarkkreis Salzwedel.
Ab 1991 gehörte Jübar zur Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf, die ab 2005 in der Verwaltungsgemeinschaft Beetzendorf-Diesdorf aufging. Seit dem 1. Januar 2010 gehört Jübar zur Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf.
Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinden Bornsen, Hanum, Jübar, Lüdelsen und Nettgau, dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Jübar vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.StBA: Gebietsänderungen vom 1. Januar bis 31. Dezember 2010
Bevölkerung Jahr Einwohner 1734 124 1801 214 1840 385 1871 578 1905 750 1925 755 Jahr Einwohner 1939 769 1946 1.113 1964 872 1971 869 1981 751 Jahr Einwohner 1990 670 2005 668 2010 1.758 2015 1.660 2020 1.567 Jahr Einwohner 2021 1.569 2022 1.539 2023 1.524 2024 1.508 2025 1.505
Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.
Quelle bis 1981: ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022
Religion Die evangelische Kirchengemeinde Jübar, die früher zur Pfarrei Jübar gehörte, wird heute betreut vom Pfarrbereich Diesdorf des Kirchenkreises Salzwedel im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Im Jahre 1903 gehörten zur Pfarrei Jübar die Kirchengemeinde Jübar, in welche die Dörfer Bornsen, Gladdenstedt, Lüdelsen und Neuenstall eingepfarrt waren, sowie die Kirchengemeinden Hanum und Mellin. Nach Einweihung der Gedächtniskirche Lüdelsen 1924 entstand dort die Kirchengemeinde Lüdelsen, in die Neuenstall eingekircht wurde. Im Jahr 1973 bilden die Kirchengemeinden Jübar, Lüdelsen und Hanum das Kirchspiel Jübar.
Die katholischen Christen gehören zur Pfarrei St. Hildegard in Gardelegen im Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Jübar besteht aus 12 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 75,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024
Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Pro Gemeinde Jübar . 3 24,8 % 3 Freie Wählergemeinschaft . – 22,3 % 3 Pro Lüdelsen . 2 18,4 % 2 Wählergemeinschaft Nettgau, Gladdenstedt, Wendischbrome . 1 15,6 % 2 Bornsener Dorfgemeinschaft . 1 7,8 % 1 Wir für Euch . 1 7,5 % 1 Einzelbewerber Lutz Kluge – – 3,6 % – CDU 12,6 % 1 – – Pro Drebenstedt, Bornsen . 1 – – Einzelbewerber Roland Klingler . 1 – – Einzelbewerber Michael Richter . 1 – – Insgesamt 100 % 12 100 % 12
Bürgermeister seit 1994: Carsten Borchert (CDU)
Borchert wurde bei der Bürgermeisterwahl am 25. September 2016 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen wiedergewählt.
Am 24. September 2023 wurde er mit 61,4 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. September 2023 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
Sehenswürdigkeiten
Dorfkirche Jübar, mittelalterlicher Feldsteinbau aus dem 13. Jahrhundert. Im Jahr 1899 wurde ein neoromanischer Westturm aus Backstein angebaut. Die Orgel der Kirche wurde 1866 vom Orgelbaumeister August Troch aus Neuhaldensleben geschaffen. Dorfkirche Drebenstedt, gotische Saalkirche aus dem 14. und 15. Jahrhundert Etwa 1000-jährige Linde in der Dorfmitte (Naturdenkmal), gilt als Wahrzeichen JübarsVerwaltungsgemeinschaft Beetzendorf - Diesdorf: Jübar Gedenkstein für den KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann auf dem Schulhof Mehmker Weg 1, dessen Namen die Schule in der DDR trug
Wirtschaft Größter Arbeitgeber der Gemeinde Jübar ist das Spanplattenwerk der Sonae Arauco Deutschland in Nettgau.
Persönlichkeiten Hartmut Bock (* 1944), Museologe und Heimatforscher, Ehrenbürger von Jübar, in Hanum geboren Hans-Heinrich Jordan (1948–2019), Politiker (CDU), in Jübar geboren
Literatur
Weblinks
Gemeinde Jübar Gemeinde Jübar auf der Website der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf
Einzelnachweise D. Kultur und Lebensweise in Stadt und Land. I. Kirche, Geistlichkeit und religiöse Gemeinschaften. 1. Kirchen- und Pfarrorganisation. Großparochien, S. 1169–1174, Jübar In:
Kategorie:Ort im Altmarkkreis Salzwedel Kategorie:Kirchdorf (Siedlungstyp) Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Ersterwähnung 1240