mini|Ansicht des Spitals von Dreilinden aus Das Kantonsspital St. Gallen (KSSG) ist das sechstgrösste Spital der Schweiz und darf aufgrund einer Ermächtigung des Kantons St. Gallen den Namenszusatz «universitäres Lehr- und Forschungsspital» verwenden. Als «Spitalverbund Kantonsspital St. Gallen» mit dem Spital in St. Gallen, dem Ambi Rorschach sowie dem Ambi Flawil übernimmt es als einer der insgesamt vier St. Galler Spitalverbunde die medizinische Grundversorgung für die Bewohner des Einzugsgebiets. Das Spital umfasst über 50 Kliniken, die primär auf dem Hauptareal in der St. Galler Innenstadt ansässig sind.
Auf den 1. Januar 2025 schlossen sich die bislang vier Spitalverbunde «Kantonsspital St.Gallen», «Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland», «Spital Linth» und «Spitalregion Fürstenland Toggenburg» zu einem gemeinsamen Unternehmen mit dem neuen Namen «HOCH Health Ostschweiz» zusammen. Die Spitalstandorte tragen weiterhin ihre bisherigen Namen, in Kombination mit dem neuen Logo und Akronym des neuen Namens.
Das Kantonsspital St. Gallen Zum mit dem 31. Dezember 2024 endenden «Spitalverbund Kantonsspital St. Gallen» gehörten das Kantonsspital in St. Gallen, das Ambi Rorschach und, zusammen mit dem Spital Wil, das Ambi Flawil sowie das Adipositaszentrum in der Oberwaid. Das Kantonsspital in St. Gallen ist das Zentrumsspital der Ostschweiz. Stand 2024 stehen 652 Betten bei etwa 4000 Vollzeitstellen, 727 Ausbildungsplätzen, 380 dienstleistenden Temporären und 118 fremdfinanzierten Dritten zur Verfügung.
Als sechstgrösstes und grösstes nicht-universitäres Spital der Schweiz übernimmt das Kantonsspital St. Gallen neben Grundversorgungsaufgaben für die Bevölkerung der Stadt St. Gallen Zentrumsfunktionen für die Einwohner des ganzen Kantons St. Gallen sowie der angrenzenden Regionen.
2024 wurden 584 Publikationen unter Beteiligung von Forschenden des Kantonsspitals veröffentlicht.
Geschäftsgang Der Geschäftsgang ist seit einigen Jahren unbefriedigend und von Verlusten gekennzeichnet. Nachdem bereits in den Vorjahren Verluste zu bewältigen waren, sind auch für das Jahr 2023 Verluste zu verbuchen. Für 2022 wies das KSSG (Spitalverbund 1) einen Verlust von 23 Mio. CHF aus, und die Gruppe der St. Galler Spitäler summiert einen Verlust von 52,6 Mio. CHF. Für 2023 resultierte beim KSSG ein Verlust von 25,5 Mio. CHF und für die Gruppe ein operativer Verlust von rund 60 Mio. CHF, während sich die Gesamtverluste aufgrund von Wertberichtigungen wieder auf rund 100 Mio. CHF beliefen. Im Jahr 2024 konnte ein Jahresergebnis von 7,58 Mio. CHF erzielt werden.
Massenentlassungen Am 28. September 2023 räumten Geschäftsleitung und Verwaltungsrat in einer Orientierung der Medien eine dramatische finanzielle Lage ein und kündigten eine Massenentlassung im Umfang von 440 Arbeitsstellen in den St. Galler Spitalverbunden an, davon allein 260 Stellen in St. Gallen selbst. Hiergegen regte sich Widerstand in der Bevölkerung, insbesondere aber bei den von den Entlassungen nicht betroffenen Mitarbeitenden der Pflege. Diese befürchten, dass sich die bereits vor den Entlassungen angespannte Personalsituation nun noch weiter verschlechtert und auch die Versorgung der Patienten gefährdet. Im November 2023 wurde bekannt, dass mit 117 betroffenen Mitarbeitenden in allen vier Spitalverbunden weniger Kündigungen ausgesprochen werden mussten, als ursprünglich angenommen. Das KSSG erhielt die Vorgabe, Personalkosten im Umfang von rund 260 Vollzeitstellen einzusparen.
Im Frühjahr 2024 häufen sich Meldungen seitens der Beschäftigten, die einen «Pflegeexodus» und die daraus resultierenden Folgen für die Pflegequalität reklamieren. Seitens des KSSG wird hierzu lediglich auf die übliche Fluktuation von jährlich etwa 10–11 % der Mitarbeitenden, das wären derzeit 600–700 Mitarbeitende jährlich, verwiesen.
Personelles Am 28. Mai 2024 trat die seit dem 1. Juli 2021 amtierende Leiterin (Chief Nursing Officer) des Departements Pflege mit sofortiger Wirkung zurück und schied aus der Geschäftsleitung aus. Das seither interimistisch geführte Departement erhält auf den 1. Mai 2025 eine neue Leiterin, die in dieser Funktion auch Mitglied der Geschäftsleitung des neuen Gesamtunternehmens HOCH Health Ostschweiz und spitalstandortübergreifend dem Departement Pflege & Therapeutische Dienste vorstehen wird.
Am 4. Dezember 2024 schied der seit 1. Mai 2022 amtierende und ab dem 1. Januar 2025 für das neue Gesamtunternehmen Hoch Health Ostschweiz vorgesehene CEO mit sofortiger Wirkung aus. Laut St. Galler Tagblatt sorgt dies, nach den zurückliegenden einschneidenden Massnahmen in allen Kostenbereichen, für erneute Verunsicherung unter den Mitarbeitenden. Und auch bei den politischen Parteien, wie auch ehemaligen Ärzten, löst diese überraschende Trennung Besorgnis aus und gerät nun auch der Verwaltungsrat der vier Spitalverbünde in die Kritik.
Herzchirurgie Als Zentrumsspital der Ostschweiz bietet das KSSG seit Jahrzehnten ein umfangreiches Leistungsspektrum in der Kardiologie. Es verfügte bislang jedoch über keinen Leistungsauftrag für die Herzchirurgie. Das KSSG plante daher zusammen mit dem Universitätsspital Zürich (USZ) und dem Stadtspital Zürich (STZ) den Auf- und Ausbau einer gemeinsamen «Allianz in der Herzchirurgie». Die Infrastruktur hierfür hat das KSSG mit dem 2024 fertiggestellten Neubau des Hauses 07A bereits geschaffen. In diesem Neubau sind die für eine Herzchirurgie notwendigen speziellen Räumlichkeiten schon realisiert worden.
Die drei Spitäler haben sich im Rahmen der Spitalplanung 2024 bei den Kantonen Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und St. Gallen um Leistungsaufträge im Bereich der Herzchirurgie beworben. Mit erstmalig gleichlautenden Spitallisten dieser drei Kantone wurde der Bewerbung entsprochen. Seitens der Kantone wurde dies damit begründet, dass so der Unterversorgung in der Ostschweiz entgegengewirkt werde.
Diese Pläne für eine Herzchirurgie am KSSG stossen jedoch auf vielfachen Widerstand. Die Krankenversicherer befürchten eine – mangels entsprechender Fallzahlen und Auslastung – nur ungenügende Behandlungsroutine und damit ungenügende Behandlungsqualität, wie auch unnötig steigende Kosten für den Leistungsausbau, den die Beitragszahler berappen müssten. Die beiden Dachverbände Curafutura und Santésuisse beklagen die Dichte an Herzentren in der Schweiz als bereits nahezu doppelt so hoch, wie in den Nachbarländern, mit der Folge, dass von den bislang 16 Zentren in der Schweiz bereits fünf die von der Europäischen Gesellschaft für Herzchirurgie und Kardiologie angeratene jährliche Mindestfallzahl von 200 Eingriffen nicht erreichten. In nur einer Fahrstunde seien die Herzchirurgien im Herz-Neuro-Zentrum Bodensee in Münsterlingen, in der Klinik Hirslanden Zürich und in der Herzchirurgie am USZ/STZ Triemli erreichbar. Die Krankenversicherer haben deshalb beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht und verlangen, dass dem KSSG der Leistungsauftrag im Bereich der Herzchirurgie wieder entzogen wird. Auch der benachbarte Kanton Thurgau hat beim Bundesverwaltungsgericht Beschwerde eingelegt, will sich aber wegen des laufenden Verfahrens nicht zu den Gründen äußern.
Der bekannte Schweizer Herzchirurg Thierry Carrel weist darauf hin, dass die Fallzahlen bei der Herzchirurgie zurückgehen, weshalb in der ganzen Schweiz sechs Herzchirurgien vollauf genügten, vier an Universitätsspitälern und zwei an grossen Privatkliniken. Der Gesundheitsökonom Heinz Locher stellt fest: «Die Ostschweiz braucht kein eigenes Herzzentrum – weder in St.Gallen noch im Thurgau.» Locher hält für eine genügende schweizweite Versorgung lediglich zwei Zentren für notwendig, eines in Lausanne und eines in Zürich, und allenfalls ein drittes Zentrum in Bern.
Das KSSG kann daher wohl noch eine ganze Weile keine Herzchirurgie einführen.
Universitäres Lehr- und Forschungsspital Nachdem das KSSG sich aufgrund fehlender Vollfakultät nicht als «Universitätsspital» oder «Universitäre Klinik» bezeichnen darf, hat die Regierung des Kantons das Spital am 26. April 2024 ermächtigt, den Namenszusatz «universitäres Lehr- und Forschungsspital» zu verwenden. Hiervon versprechen sich das Spital und der Kanton positive Effekte in Bezug auf die Attraktivität als Arbeitgeber, die Reputation bei Patientinnen und Patienten, den Zugang zu Forschungsmitteln und die Aushandlung der Basistarife.
Der Begriff «Universitäres Lehrspital» soll für die Bezeichnung von Spitälern an Standorten verwendet werden, an denen die Universität eine akkreditierte universitäre Masterausbildung in Humanmedizin anbietet, das Angebot jedoch begrenzt ist (keine Vollfakultät). Die Bezeichnung soll als Namenszusatz verwendet werden.
Bautätigkeiten Neubauprojekt 2016–2028 Zur zentralisierteren Patientenversorgung und Optimierung des Behandlungsprozesses begann im Jahr 2016 das Bauprojekt «come together». Durch den Abbruch mehrerer kleinerer Gebäude und dem Neubau der Häuser 10, 07A, 07B sowie des Ostschweizer Kinderspitals soll eine Infrastruktur geschaffen werden, welche der Entwicklung der medizinischen Leistungserbringung Rechnung trägt. Durch den Neubau erhält das Kantonsspital St. Gallen nicht nur ein neues Aussehen, sondern auch die Prozesse können optimiert werden, was effizientere und kostengünstigere Abläufe zur Folge hat. Das Generationenprojekt wird in verschiedene Bauetappen unterteilt und soll 2028 mit dem Bezug des Hauses 07B abgeschlossen werden.
Geschichte In der Stadt St. Gallen wurde der Heilung immer schon eine besondere Stellung zuteil. Die Fürstabtei St. Gallen dominierte die Stadt und deren Tradition. Dazu gehörte auch die Benediktinerregel, die besagt, dass Krankenpflege zu einer «der vornehmen Pflichten der Mönche» gehört. So zeigt der St. Galler Klosterplan von 820 eine bis ins Detail gehende Spitalabteilung im Innern des Klosters und einen dazugehörigen Arzneikräutergarten auf. Zudem ist bekannt, dass Abt Otmar nicht weit vom Kloster entfernt ein Spital für Kranke und kranke Wallfahrer errichtet hatte. Das weitere Schicksal dieses Spitals ist nicht bekannt. Es fiel wahrscheinlich 937 dem Klosterbrand zum Opfer oder wurde durch einen Angriff der Ungarn zerstört. Im Nordwesten des Klosterareals wurde darauf das «Bruederhus» als neue Krankenanstalt in Betrieb genommen, welches dann 1532 von der Stadt übernommen wurde und einging.
Im späteren Mittelalter gehörte die Gründung von Spitälern zur Ehrenpflicht. So entstand auch im Jahr 1228 in der Stadt St. Gallen, die sich allmählich an die Abtei angegliedert hatte, im Namen des Ritters und Truchsesses Ulrich von Singenberg und des gutbetuchten Stadtbürgers Ulrich Blarer 1228 ein Heiliggeistspital als wohltätige Stiftung.Vgl. Conrad Brunner: Über Medizin und Krankenpflege im Mittelalter in Schweizerischen Landen (= Veröffentlichungen der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften. Band 1). Orell Füssli, Zürich 1922, S. 104–105.
Das «Seelhaus» für Pilger, fremde Arme und Kranke Das sogenannte «Seelhaus», 1503 gegründet, war Zufluchtsstätte für Pilger, fremde Arme und Kranke. Im Laufe der Jahrhunderte wurde es mehr und mehr zu einer Krankenanstalt umfunktioniert, in der auch chirurgische Eingriffe vorgenommen wurden. Es wurde vor allem von den in der Stadt niedergelassenen Fremden und Dienstboten der Bürger beherbergt. Da das alte «Seelhaus» im Laufe der Neuzeit baufällig geworden war, verkaufte es der Rat 1820 und kaufte ein grösseres Gebäude für die Insassen. Diese Anstalt wurde meistens als «Fremdenspital» bezeichnet und war der Vorläufer des heutigen Kantonsspitals St. Gallen.
Das «Fremdenspital» – der Vorläufer des Kantonsspital St. Gallen