Thérèse Jeanne Marie Brenet (* 22. Oktober 1935 in Paris; † 5. September 2026Musik Fabrik Music Publishing (Paul Wehage): Thérèse Brenet – In Memoriam, abgerufen am 9. September 2026. in Paris) war eine französische Komponistin und Musikpädagogin.
Leben und Karriere Brenet stammte aus einer Familie, die seit dem 18. Jahrhundert begabte Musikerinnen und Musiker hervorgebracht hat. Ihre Schwester Antoinette (1933–2016) wurde Professorin für Klassische Philologie.Paul Wehage: Thérèse Brenet: Music of the Earth and the Cosmos, in: serenademagazin.com, Artikel vom 1. September 2021, abgerufen am 9. September 2026. Als Kind hatte Thérèse Brenet Klavierunterricht bei Marguerite Long und Unterricht in Solfège bei Germaine Hugueniot. Am Konservatorium von Reims studierte sie Klavier bei Simone Glotz, bevor sie 1954 in das Conservatoire de Paris eintrat. Zu ihren Lehrern dort zählten Maurice Duruflé, Noël Gallon, Darius Milhaud und Jean Rivier.Sax, Mule & co, Jean-Pierre Thiollet, H & D, 2004, S. 104–105.
1965 gewann Thérèse Brenet am Konservatorium nicht nur die höchsten Preise in den Fächern Harmonielehre, Kontrapunkt, Fuge, Orchestrierung und Komposition, sondern auch den Premier Grand Prix de Rome mit der Kantate Les Visions prophétiques de Cassandre auf einen Text von Robert Brasillach nach Aischylos. Diesen bedeutendsten Kompositionspreis der Welt erhielt sie in diesem Jahr gemeinsam mit Lucie Robert-Diessel, die ihn nachträglich für das Jahr 1964, in dem kein Preis vergeben wurde, erhielt. Dass 1965 gleich vier Frauen ausgezeichnet wurden (Monique Cecconi-Botella gewann den Premier Second Prix und Édith Lejet den Deuxième Second Prix), löste in der französischen Musikpresse heftige Diskussionen aus, gilt aber bis heute als Meilenstein in der Geschichte des Prix de Rome.
Thérèse Brenet wirkte anschließend von 1966 bis 1969 als Fellow der Villa Medici.Villa Medici (Hg.): Thérèse Jeanne Marie Brenet, abgerufen am 9. September 2026. Zuvor hatte sie bereits den Halphen-Preis für Fuge und Komposition sowie ein Stipendium der Coplay Foundation Chicago gewonnen und war zum Ehrenmitglied der Académie national in Reims ernannt worden.
Trotz ihrer immensen Begabung beschloss Thérèse Brenet nach ihrem Studium, Busfahrerin zu werden und ihren Führerschein für Lastkraftwagen und Busse zu machen, dessen Prüfung sie mit Bravour bestand. Ihr Ziel war nicht das Lehrerinnen-Dasein am Konservatorium, sondern mit einem Reisebus Europa entdecken zu können. Aus diesem Wunsch entstand allerdings ein Streit mit ihrem Vater, der darauf bestand, dass sie eine ihr angebotene Stelle am Pariser Konservatorium auch annahm, um Solfège zu unterrichten.
Nach ihrer Rückkehr von dem mit dem Preis verbundenen Aufenthaltsstipendium in der Villa Medici in Rom unterrichtete Brenet dann tatsächlich als Nachfolgerin von Pierre Lantier am Conservatoire de Paris Solfège und „musikalische Bildung“, war häufig in Prüfungsgremien für Musiktheorie, Komposition und elektroakustische Musik tätig und unternahm zahlreiche Studienreisen ins Ausland und besonders nach Polen, wo sie bei Witold Lutosławski weiterstudierte und von ihm stark beeinflusst wurde. 1971 erhielt sie den Stéphane-Chapelier-Clergue-Gabriel-Marie-Preis der SACEM und 1973 die Silbermedaille der Stadt Paris.
Zu ihren Schülerinnen und Schülern zählten unter anderem die Pianistin Marie-Laure Gallier, der Bratscher Alain Tresallet, die Geiger Luc Héry und Denis Clavier, der Perkussionist Dominique Probst, die Saxophonisten Jacques Charles und Paul Wehage, der Gitarrist Nicolas Courtin, die Harfenistin Serika Nakano und der Komponist und Pianist Mark Robson.
Neben ihrer Lehrtätigkeit entstand ein umfangreiches kompositorisches Werk, das Kammer- und Vokalmusik ebenso umfasst wie Stücke in sinfonischer Besetzung. Im Jahr 2000 trat Thérèse Brenet nach umfassender Lehrtätigkeit am Pariser Konservatorium in den Ruhestand und widmete sich dann ganz dem Komponieren. Keine der beiden Schwestern Brenet heiratete; sie verbrachten ihr ganzes Leben in ihrem Elternhaus im 16. Arrondissement in Paris. Nach Aussagen von Thérèse Brenets Schüler und späterem Herausgeber Paul Wehage war der Schaffensprozess beider Schwestern so eng miteinander verbunden, dass Thérèse nach dem Tod ihrer Schwester Antoinette 2016 keine einzige Note mehr geschrieben hatte.
Wirkung Brenets Musik ist mit ihren deutlichen Anklängen an Claude Debussy zwar fest verwurzelt in der französischen Tradition und greift sowohl auf tonale als auch auf atonale Ausdrucksmittel zurück, ist aber gleichzeitig von einer starken Originalität geprägt, die sie in einem höchst eigenen persönlichen Stil einsetzte. Ihr Werk ist stark von Literatur, Malerei und Wissenschaft geprägt – insbesondere von der Astronomie, die einer ganzen Reihe ihrer Kompositionen Titel und strukturelle Ideen geliefert hatte. Brenet war der Überzeugung, dass ein Komponist oder eine Komponistin alle zeitgenössischen technischen Mittel beherrschen sollte, um sie sich anzueignen, anstatt sich von ihnen beherrschen zu lassen. Viele ihrer Texte wurden von Werken lateinisch-römischer, griechischer und arabischer Mystiker aus dem Schaffen ihrer Schwester Antoinette inspiriert.
Ihr erster Auftrag des französischen Rundfunks – Clamavit für Sprecher, Chor und Orchester (1965; Uraufführung durch das Orchestre Lyrique de l’O.R.T.F. unter Leitung von André Girard mit Michel Bouquet als Sprecher) – wurde ausgewählt, um Frankreich beim UNESCO-Komponistenforum zu vertreten. Dieses Werk wurde anschließend in vielen Ländern aufgeführt, darunter in der Schweiz, in England, Deutschland, Belgien, Irland, im ehemaligen Jugoslawien, in Italien, Portugal, den Niederlanden, Libyen, Kanada, Uruguay, Japan und den Vereinigten Staaten.
Brenet arbeitete mit vielen namhaften Künstlerinnen und Künstlern wie Dense Mégevan (Harfenist) und Christian Schneider (Mandolinist) zusammen, was dazu führte, dass sich deren Instrumente in der französischen Musikszene etablieren konnten.
Werke Fantasio für zwei Klaviere, 1961 La Nuit de Maldoror für Sopran, Cello und Klavier, 1962 Quatuor à cordes, 1963 Clamavit für Sprecher, Solosopran, Chor und Orchester, 1965 Sept poèmes chinois für Bariton und Kammerorchester, 1966 Aube morte für Bariton und Orchester, 1966 Six Pièces brèves für Orchester, 1966 Concerto pour un poème inconnu für Klavier und Streichorchester, 1966 Hommage à Signorelli für Sopran, Klavier, Ondes Martenot und zwei Perkussionisten, 1967 Le Chant des Mondes, „Evren dile geldi“, sinfonische Dichtung, 1968 Inter silentia für Trompete oder Kornett und Klavier, 1969 Fragor für zwei Klaviere und Orchester, 1969 Sidérales für Orchester und Sprecher, 1970 Les Mains für zwei Stimmen und zwei Instrumente, 1970 Six pièces für Trompete und Klavier oder Orgel, 1972 Hapax, vier Lieder für Orchester, 1977 Tétrapyle für Saxophonquartett und Klavier, 1978 Pantomime für Flöte, 1979 Lyre d’Etoiles, Nocturne für Streichtrio und Sprecher, 1979 Caprice d’une chatte anglaise, Gitarrenduo, 1979 Ce que pensent les Etoiles für Perkussionsquartett, 1980 Accordance für keltische Harfe und Oboe, 1980 Calligramme für Saxophon solo, 1981 Suite fantasque für keltische Harfe, 1982 Anamnèse für Frauenstimme und Viola, 1982 Cristaux für Mandoline und keltische Harfe, 1982 Thrène für Tubaquartett, 1983 Vibration für keltische Harfe und Streichorchester, 1983 Moires für Ondes-Martenot-Sextett und Streichorchester, 1983 Les Chants du Sommeil et de la Mort für Flöte, Viola und keltische Harfe, 1984 Incandescence für Baritonsaxophon und Klavier, 1984 Ophiucus V.P.8B für Gitarre und Alt, 1984 Boustrophédon für Flöte, Klarinette, Violine, Cello und Klavier, 1986 Océanides für Klavier, 1986 Phoinix für Saxophon, 1986 Gémeaux I et II für zwei Saxophonquartette, 1986 Plus souple que l’eau für Ondes Martenot und Schlagzeug, 1986 Vision flamboyante für Violine und Klavier, 1987 Née du rire de l’Eclair für Gitarre solo, 1987 Madrépore für keltische Harfe, 1987 Tout l’azur pour émail, 1988 Des grains de sable d’or aux mains, Konzert für Gitarre und Streichorchester, 1988 Le Fascinateur für Sprecher, keltische Harfe und Klavier, 1989 Le tambour des dunes für keltische Harfe, Mandoline und Gitarre, 1989 Petite suite pour M. Ré Dièze et Mlle Mi Bémol für Saxiophon, 1989 Aeterno certamine für Viola, Cello, Streichorchester und Perkussion, 1990 Odi et amo für Violine und Orchester, 1992 Chimères, Konzert für Mandoline und Streichorchester, 1993 Poème für Violine und Orchester, 1994 Aréthuse für Flöte und Harfe, 1994 Oneiros für Violine solo, 1994 Le retour de Quetzalcoatl, sinfonische Dichtung für Cello und Orchester, 1995 Anamnèse II für Mezzosopran und Viola, 1996 Pour le tombeau de Memnon für Violine und Klavier, 1996 Tout l’or des nuits... für Klavier, 1997 Ophiucus II für Mandoline, Viola, keltische Harfe und Gitarre, 1997 Tout l’azur pour émail II für Mandoline, keltische Harfe und Gitarre, 1997 Née du rire de l'éclair II für Mandoline, keltische Harfe und Gitarre, 1997 Caprice d’une chatte anglaise II für Mandoline, keltische Harfe und Gitarre, 1997 Des grains de sable d’or aux mains II für Mandoline, keltische Harfe und Gitarre, 1997 (5523) Luminet 1991 PH8 für Blasorchester, 1999 Seuls tes yeux demeurèrent für Violine und Orchester, 2000 Au Vent d’Ouest, Laviersuite, 2000 Ciels für gemischten Chor, Orchester und Orgel, 2003 Rondel für gemischten Chor, Orchester und Orgel, 2003 Le bois amical für Chor, Orchester und Orgel, 2003 Never more, Klaviersuite nach dem Gedicht "Der Rabe" von Edgar Allan Poe, 2004 Le Chemin qui mène aux étoiles für Kontrabass und Klavier, 2005 À travers le silence amical de la lune (per amica silentia lunæ) für Flöte und Gitarre, 2006 Avec des éclats dorés d’espérance für Klavier, 2007 De bronze et de lumière für Serpent und Klavier, 2008
Literatur Sax, Mule & co, Jean-Pierre Thiollet, H & D, 2004, S. 104–105.
Weblinks
Musik Fabrik Music Publishing (Hausverlag)
Einzelnachweise
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