mini|Das Hildebrandhaus von Südwesten, 2019 mini|Selten gezeigte Nordfassade, beim Eingang Siebertstraße

Das Hildebrandhaus ist eine Künstlervilla im Münchner Stadtteil Bogenhausen, Maria-Theresia-Straße 23, die 1898 für den Bildhauer Adolf von Hildebrand nach dessen eigenen Plänen errichtet wurde und für ihn und seine Familie sowohl Wohnung als auch Ateliers bot. Das Haus im Heimatstil an den Maximiliansanlagen auf dem Hochufer der Isar wurde durch den Architekten und Bauunternehmer Gabriel von Seidl erbaut.

Es war bis 1934 im Eigentum der Familie von Hildebrand. Nach dem Verkauf wurde es 1941 arisiert. Nach dem Ende der NS-Zeit gehörte es der amerikanischen Militärregierung und anschließend der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Von 1967 bis zum Jahr 1974 war es Spekulationsobjekt und sollte abgerissen werden. Es wurde durch das Denkmalschutzrecht gerettet und saniert.

Seit 1977 beherbergt es das städtische Literaturarchiv Monacensia mit Bibliothek und Ausstellung. Von 2013 bis 2016 wurde es denkmalgerecht generalsaniert, dabei wurde durch den Architekten Lorenz Wallnöfer ein kleiner moderner Anbau aus Glas ergänzt. Das Gebäude ist seit 1973 in der bayerischen Denkmalliste verzeichnet.Liste der Baudenkmäler in Bogenhausen: D-1-62-000-6516

Architektur mini|Bauplan mit Ergänzungen durch von Hildebrand, Erdgeschoss. Osten ist oben mini|1. Obergeschoss mini|Das Turmzimmer mini|Das große Tor aus dem Atelier Das Hildebrandhaus ist seit der Sanierung von 2013 bis 2016 wieder fast vollständig im Originalzustand. Von außen weicht nur der an den Ostflügel nach Süden vorgesetzte Glasanbau vom Erscheinungsbild der Bauzeit ab.

Der Grundriss zeigt drei Flügel in T-Form. Das Wohnhaus besteht aus einem Winkel nach Westen und Süden, ausgerichtet nach der Sonne und den Isaranlagen.Ausführliche Baubeschreibung bei: Christine Hoh-Slodczyk: Das Hildebrandhaus, In: Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk (Hrsg.): Das Hildebrandhaus in München: Sein Erbauer – Seine Bewohner. Hugendubel 1981, ISBN 3-88034-066-8, S. 37–61, 48ff. Im Osten schließt sich der Ateliertrakt an. Das Wohnhaus weist zwei Hauptgeschosse und ein Dachgeschoss auf, letzteres hat die volle Raumhöhe und wirkt nur durch das Mansardwalmdach den anderen Stockwerken untergeordnet. Im Winkel des Wohnhauses steht, weitgehend in die Fassade eingezogen, das Türmchen mit leicht ovalem Querschnitt. Seine Zwiebelturmhaube ragt nur leicht über den First hinaus. Der Atelierflügel besteht äußerlich aus dem 12 × 12 Meter großen und 7,5 Meter hohen Hauptatelier mit einem einfachen Walmdach, ihm sind weitere Räume im Norden des Baukörpers zugeordnet.

Die Fassaden des Wohnbereichs sind aufgelockert durch Fensterbekrönungen in barockem Schwung, einen kleinen Balkon mit bauchigem Geländer und kontrastreichen Fensterläden. Ein Relief mit der Darstellung einer Nymphe aus der eigenen Hand von Hildebrands ist nach Westen ausgerichtet. Der Westseite des Südflügels ist eine Terrasse vorgelagert, zu ihr öffnen sich die Wohnräume in großzügigen Rundbögen. Neben der Terrassentreppe steht ein kleines Bassin mit einem Wandbrunnen. Die Dachlandschaft ist geprägt durch eine auffällig plastische Form des Mansarddaches. Das Dach des Mansardgeschosses ist durch eine Hohlkehle eingezogen, so dass es über dem Knick ausschwingend wirkt. Das Dach ist durch Gauben im Mansardgeschoss, Fledermausgauben im Spitzboden und Kamine, sowie der Turmhaube stark gegliedert. Die Fassade war ursprünglich gelblich verputzt, die Dekorelemente blieben weiß und die Lamellenfensterläden waren in einem dunklen Grün gehalten.

Der Eingang ist von der Nordseite, durch eine bescheidene Tür mit kleinem Vordach. Das Vestibül dahinter öffnet sich nach links zum Ateliertrakt, geradeaus geht es einige Stufen hinauf in den Wohnbereich. Der Wohntrakt wird durch einen Gang erschlossen, der sich in einer Kurve zu einer Halle wendet, zu der sich die Wendeltreppe im leicht ovalen Turm öffnet. Die Außenwand des Gangs ist durch eine tief gezogene Hohlkehle genauso plastisch ausgeprägt wie die als Rundbogen gestalteten Zugänge zum Turm. Um die Halle sind Speisezimmer, Salon und Terrasse angeordnet, von hier führt auch ein zweites, schmuckloses Treppenhaus im Osten zu den anderen Geschossen. In Gang und Halle werden heute Wechselausstellungen gezeigt, Speise- und Wohnraum dienen kleinen Veranstaltungen und Arbeitsgesprächen.

Im Obergeschoss lagen neben den Schlafräumen noch zwei kleinere Atelierräume, die von Hildebrand für seine Töchter Irene und Elisabeth einrichtete. Sie waren nach Norden ausgerichtet. Heute werden Zentrum und Südflügel für die Bibliothek der Monacensia genutzt, der Westflügel enthält Büro und Leseraum des Literaturarchivs. Im Dachgeschoss waren Kinderzimmer, Räume für Gäste und das Personal, heute sind hier Büros und ein Arbeitsraum für Wissenschaftler. Küche und Wirtschaftsräume lagen im Souterrain unter dem Südflügel. Das Turmzimmer in dessen Dachgeschoss mit einem winzigen Balkon nach Südwest nutzte von Hildebrand als seine Bibliothek, die Decke wurde von seinen Töchtern mit italienischen Pflanzenmotiven ausgemalt.

Der Ateliertrakt im Osten hat eine gegenüber dem Wohnhaus leicht eingezogene Nordwand, die durch große Fenster aufgebrochen und gegliedert wird. Dadurch vermeidet das Haus eine monumentale Front auf der Nordseite an der Siebertstraße. Er beginnt links vom Vestibül mit einem kleinen Raum, in dem von Hildebrand nur Büsten fertigte und dessen Südwand der Kurve des dahinter liegenden Ganges folgt. Hier zeigt die Monacensia heute eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Hauses. Dahinter liegt von Hildebrands Haupt-Arbeitsraum, heute Ausstellung über Zeit und Kultur Adolf von Hildebrands mit Exponaten über die Dichter, Maler und Volkskünstler um die Wende zum 20. Jahrhundert in München, die bei der Familie von Hildebrand ein und aus gingen. Von Hildebrand hatte hier große Regale mit Vorlagen und Modellen in Gips und gestaltete hier seine Werke. Der große Atelierraum im Osten mit siebeneinhalb Metern Raumhöhe und einem gewaltigen Tor zum Hof, diente überwiegend den Gehilfen und Assistenten von Hildebrands, die seine Entwürfe in Stein ausführten. Heute ist dies ein großzügiger Aufenthalts- und Leseraum für Besucher, zudem finden hier große Veranstaltungen statt wie Lesungen und Konzerte.

Das Haus wird als „offen und doch zurückhaltend“ beschrieben, vor allem im Vergleich zu anderen Villen, die sich Künstler in München errichten ließen. Franz von Lenbach und Franz von Stuck setzten mit Portikus und Ehrenhof am Lenbachhaus und gewaltigen Säulen und Friesen an der Villa Stuck auf Repräsentation. Dagegen blieb von Hildebrand in der Tradition der gerade zu „ländlich“ wirkenden konservativen Architektursprache eines „Barockschlösschens und Gutshofes“, eingebunden in den damaligen vorstädtischen Charakter des Viertels abseits der Hauptstraßen und die landschaftlich geprägte Lage an Hangkante und Isar.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 127

Die ursprüngliche Einrichtung wurde vorwiegend von Irene von Hildebrand ausgewählt. Sie wird als „streng, fast spartanisch“ beschrieben. Frei stehende Möbel italienischen Stils in lichten, hellen Räumen. Keine prätentiösen Repräsentationsräume, sondern ein privates Wohnhaus für die Familie und Gäste. Gang und Salon hatte von Hildebrand mit Gemälden seines ehemaligen Freundes Hans von Marées geschmückt, die er als „große, reine Naturanschauung“ schätzte.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 128

Baugeschichte mini|Das Hildebrandhaus nach der Fertigstellung. Foto um 1900. Der Bildhauer Adolf von Hildebrand lebte und arbeitete seit 1874 in Florenz, wo er das ehemalige Kloster San Francesco di Paola als Atelier- und Wohnhaus hergerichtet hatte. Er war aber fast ausschließlich für deutsche Auftraggeber tätig. Nachdem er sich 1888 am Architektenwettbewerb für das Denkmal für Kaiser Wilhelm I. in Berlin beteiligt hatte, wurde er 1889 in die Jury des Wettbewerbs berufen, die über einen Brunnen am Münchner Lenbachplatz entscheiden sollte. Das Projekt war als Abschluss der ersten Wasserversorgung Münchens vorgesehen und es waren nur Münchner Künstler zugelassen.Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 19 Als die Jury den Eindruck gewann, dass keiner der eingereichten Entwürfe der architektonischen und zugleich der skulpturalen Aufgabe gerecht wurde, legte Hildebrand die Arbeit in der Jury nieder um sich selbst am Wettbewerb zu beteiligen. Trotz der Proteste Münchner Künstler gewann sein Entwurf für den Wittelsbacher Brunnen, nachdem er die Bereitschaft erklärt hatte, sich in München niederzulassen.Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 22

Nach der Fertigstellung des Brunnens 1895 wurde Hildebrand gefeiert und er beschloss nicht zuletzt wegen seines 1897 bevorstehenden 50. Geburtstages, für sich und seine Familie ein Haus in München zu errichten.Enno Burmeister, Christine Hoh-Slodczyk 1981, S. 28–32, 137 Das Künstlerhaus war seit der späten Renaissance zu einem eigenständigen Bautypus herangereift. Bildende Künstler, vor allem Maler und Bildhauer, suchten nicht nur zweckmäßige Arbeitsbedingungen in für ihre Bedürfnisse errichteten Ateliers, sie drückten auch ihre schöpferische Persönlichkeit aus, das Haus „wurde zur Demonstration einer Idee, zur programmatischen Sichtbarmachung der künstlerischen Erfahrung und Existenz“.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 9f In Deutschland schuf erst die Gründerzeit die Voraussetzungen für die Verbreitung dieser Gebäudeform. Vor der Reichseinigung 1871 hatten die „beengenden Verhältnisse“, der „Partikularismus seiner Teilstaaten“ und der „Irrationalismus der politisch einflusslosen, bürgerlichen Intelligenz“ dessen Ausprägung verzögert.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 26 Die Selbstinszenierung und Repräsentation des Künstlers durch die Gestaltung des eigenen Hauses gilt als spezifisch für München in dieser Zeit.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 50

Von Hildebrand erbat und erhielt von der Stadt München eine Unterstützung von 15.000 Mark für den Hausbau in Anerkennung der Leistung am Wittelsbacherbrunnen und um „einen hervorragenden Künstler München zu erhalten“.Christine Hoh-Slodczyk: Das Haus des Künstlers im 19. Jahrhundert. Prestel 1985, ISBN 3-7913-0734-7, S. 122 Daraus erwarb er ein Baugrundstück in prominenter Lage. Das frühere Bauerndorf Bogenhausen war 1892 nach München eingemeindet und in den Folgejahren erschlossen worden. Es sollte zum vornehmsten Villenviertel der Stadt werden.

Die Maria-Theresia-Straße konnte nur einseitig im Osten bebaut werden. Im Westen lagen die Maximiliansanlagen, direkt an der Hangkante der Isarterrasse. Adolf von Hildebrand sicherte sich 1895 eines der Grundstücke mit unverbaubarem Blick auf die Parkanlagen am Fluss. Das Grundstück Maria-Theresia-Straße 23 hatte 2179 Quadratmeter und kostete 76.611 Mark.Dorle Gribl: Prominenz in Bogenhausen. Volk Verlag 2009, ISBN 978-3-937200-61-3, S. 114 Die Lage an der Ecke Siebertstraße garantierte, dass die für das Atelier notwendige Nordseite nicht durch eine Nachbarbebauung verschattet werden könnte.