mini|250px|Jan Fabre (rechts) im Gespräch mit Jörg Schellmann
Jan Fabre (* 14. Dezember 1958 in Antwerpen) ist ein belgischer Maler, Dramatiker, Regisseur und Choreograf.
Leben Fabres Vater war Biologe und arbeitete als städtischer Gärtner in Antwerpen. Mit ihm machte er Spaziergänge durch die Altstadt und ließ sich die Skulpturen und Museen zeigen.Interview mit Jan Fabre, In: Belgisch Atelier: dertien kunstenaars over hun identiteit. Renaissance du livre, 2001, ISBN 2-87193-275-1, S. XVI. Jan Fabre studierte nach einer Ausbildung zum Schaufensterdekorateur am Stedelijk Instituut voor Sierkunsten en Ambachten (Städtisches Institut für Kunst und Gewerbe), Antwerpen, und an der Koninklijke Academie voor Schone Kunsten (Königliche Kunstakademie), Antwerpen. Seit 1979 trat er mit zahlreichen Ausstellungen, Solo-Performances und Theaterspektakeln an die Öffentlichkeit.Christine Dössel: Theaterlexikon: Personen. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3. In seinen Zeichnungen, die er mit blauen Schraffuren aus BIC-Kugelschreibern herstellte, entwickelte er ein eigenes Formenvokabular, wobei ein grün schillernder Käferpanzer ein wiederkehrendes Bildmotiv war.
Die über seine Malerei entwickelte Bühnenarbeit, bei der er anfangs Autor, Schauspieler, Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner zugleich war, entwickelte Fabre zu einem genreübergreifenden Geschehen zwischen Tanz, Theater und Performance. Seine Arbeit ist „[...] hervorragend geeignet als Beispiel, um die Entwicklung hin zum performativen Charakter des Theaters zu beschreiben.“Ingrid Hentschel: Dionysos kann nicht sterben: Theater in der Gegenwart. LIT Verlag, Berlin / Hamburg / Münster 2008, ISBN 978-3-8258-0910-2, S. 24. In ihnen werden Schmerz und Verletzungsgefahr „...durch exzessive Wiederholung und Beschleunigung, die die Tänzer bis zur physischen Erschöpfung treiben, zur körperlichen Erfahrung gemacht.“Gerald Siegmund: Abwesenheit: Eine performative Ästhetik des Tanzes; William Forsythe, Jerome BEL, Xavier Le Roy, Meg Stuart. transcript Verlag, 2006, ISBN 3-89942-478-6, S. 214.
Machtmissbrauch, Mobbing, sexuelle Belästigung 2018 warfen ihm ehemalige Tänzerinnen seiner Company Troubleyn in einem offenen Brief vor, er habe seine Macht als Choreograf missbraucht, im Probenprozess sei es zu demütigenden Situationen gekommen. Einige stellten Strafanzeige.Demütigung während der Proben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 17. September 2021, S. 13. Mitte 2022 wurde Fabre zu 18 Monate Haft (zur Bewährung ausgesetzt), dem Verlust der Bürgerrechte für die Dauer von fünf Jahren und zu Entschädigungszahlung an die Nebenkläger verurteilt.Dorion Weickmann: Machtmissbrauch, Mobbing, sexuelle Belästigung: Ein Gericht verurteilt den Choreografen Jan Fabre zu einer Gefängnisstrafe. In: Süddeutsche Zeitung. 29. April 2022.
Werk Von Fabre sind bisher mehr als dreißig Tanz-, Theater- und Opernproduktionen (Stand 2008) entstanden. Sein erstes Theaterstück „Theater geschreven met een K is een kater“ (Theater geschrieben mit einem ’K' ist ein Kater) wurde 1980 im Ankerrui Theater, Antwerpen uraufgeführt. Internationale Beachtung fand seine Bühnenarbeit 1982 erstmals mit der achtstündigen Performance „Het is theater zoals te verwachten en te voorzien was“ (It is Theatre as to be Expected and Foreseen) (Uraufführung: Stalker, Brüssel). 1984 wurde mit seinem Theaterspektakel „De macht der theaterlijke dwaasheden“ (The Power of Theatrical Madness) die 41. Biennale Venedig im Goldoni Theater öffnet.
1992 hatte seine poetisch rätselhaften Oper „Silent Screams, Difficult Dreams“ zur Documenta IX im Staatstheater Kassel Uraufführung, in der seine Tendenz zum Gesamtkunstwerk sichtbar wurde. Für die Salzburger Festspiele 2007 erarbeitet er mit „Requiem für eine Metamorphose“ eine „theatralischen Totenmesse mit Schauspielern, Tänzern und Musikern“, bei dem er das bei ihm wiederkehrende Thema der Verwandlung durch den Tod in den Mittelpunkt stellte. Mit seiner aktuellen Performance Orgy of Tolerance (Stand Dezember 2009) gastierte Fabre an verschiedenen europäischen Spielstätten, darunter auch an der Muffathalle in München.
2012 schuf Fabre zusammen mit dem US-amerikanischen Tänzer Antony Rizzi im Rahmen der Veranstaltungen der Kulturhauptstadt Europas 2012 Maribor in Slowenien das autobiografische Solostück Drugs Kept Me Alive. Dies wurde im März 2013 am Künstlerhaus Mousonturm in Frankfurt am Main, Rizzis Arbeits- und Wohnort, aufgeführt.Vom Leben in einer Seifenblase. In: FAZ. 21. März 2013, S. 40. In Fabres Serie Tribute to Belgian Congo aus 2013 wird die brutale Herrschaft der Europäer und ausländischer Firmen im Kongo des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts geschildert.Was ist eigentlich Victor Pinchuk füreiner? In: FAZ. 19. Februar 2014, S. 33.
Fabre lebt und arbeitet in Antwerpen.
Ausstellungen (Auswahl) 1984: 41. Biennale von Venedig. 1990: Kunsthalle Basel. 1992: Documenta IX Kassel. 1995: Galerie der Stadt Stuttgart, Kunstmuseum, Der Leimrutenmann. 1997: 47. Biennale Venedig. 2000: 5. Biennale d’art contemporain de Lyon. 2001: 49. Biennale Venedig. 2007: 52. Biennale Venedig. 2011: Hortus/Corpus, Kröller-Müller Museum, Otterlo, Niederlande. 2013–14: Jan Fabre. Stigmata. Actions & Performances 1976- 2013, MAXXI Museo nazionale delle arti del XXI secolo, Rom. 2014: Llotja de Palma, Palma de Mallorca. 2016: Jan Fabre Stigmata - Actions & Performances 1976–2016, Musée d’art contemporain, Lyon. 2018: Jan Fabre. My Nation: The Imagination, Fondation Maeght, Saint-Paul-de-Vence. 2018: Ecstasy & Oracles, Valle dei Templi, Agrigent / Cattedrale di Monreale. 2019: Jan Fabre. Red Gold, Capodimonte Museum, Neapel. 2023: Allegory of Caritas (An Act of Love), Mucciaccia Gallery, Singapur. 2024: Stella, Galleria Gaburro, Mailand.
Tanz- und Theaterstücke (Auswahl) 1980: Theater geschreven met een K is een kater 1982: Het is theater zoals te verwachten en te voorzien was 1984: De macht der theaterlijke dwaasheden 1987: Das Glas im Kopf wird vom Glas 1988: Prometheus Landschaft 1989: Das Interview das stirbt... 1989: Der Palast um vier Uhr morgens... A.G. 1989: Die Reinkarnation Gottes 1991: Sie war und sie ist, sogar 1991: Sweet Temptations 1991: Wer spricht meinen Gedanken ... 1992: Fälschung wie sie ist, unverfälscht 1995: Eine Familientragödie ... ein Theatertext 1995: Eine tot-normale Frau 1996: Der Kaiser der Verluste 2001: Der Salzverkäufer und die Fliege 2004: Ich bin Blut 2005: Der König des Plagiats 2007: Körperchen, Körperchen an der Wand... 2007: Requiem für eine Metamorphose 2009: Orgy of Tolerance 2010: The Servant of Beauty 2010: Preparatio Mortis 2011: Prometheus Landschaft II 2013: Tragedy of a Friendship 2014: Attends attends, attends... (Pour mon père) 2015: Mount Olympus. To glorify the cult of tragedy 2018: The Generosity of Dorcas 2019: Resurrexit Cassandra 2021: The Fluid Force of Love
Literatur Jan Fabre, Eckhard Schneider: Jan Fabre 1991–1992. Kunstverein Hannover; Nykytaiteen Museo, Helsinki, Kunstverein. 1992, ISBN 3-926820-16-0. Documenta IX. Kassel, Edition Cantz, 1992, ISBN 3-89322-381-9, S. 139. Jan Fabre, Johann-Karl Schmidt, Ursula Zeller, Tijs Visser: Jan Fabre: Der Leimrutenmann (Jan Fabre: The Lime Twig man). Galerie der Stadt Stuttgart. Cantz, 1995, ISBN 3-89322-751-2. Jan Fabre: The Servant of Beauty: Seven Monologues for the Theatre. The Martin E. Segal Theatre Center Publications, New York 2011, ISBN 978-0-9846160-1-5. Jan Fabre: Folklore Sexuel Belge (2017–2018) Mer du Nord Sexuelle Belge (2018). Communic'Art, Paris 2019, ISBN 978-2-917515-32-7. Melania Rossi, Barbara De Coninck, Sara Liuzzi, Dimitri Ozerkov: Jan Fabre: Allegory of Caritas (An Act of Love). Silvana, 2023, ISBN 978-8836653522. Katerina Koskina, Yuko Hasegawa, Dimitri Ozerkov: Jan Fabre. Mosaics. Forma Edizioni, 2024, ISBN 978-8855211536.
Weblinks
Website als bildender Künstler Website als Theatermacher Fabre im Kunsthaus Bregenz
Einzelnachweise
Kategorie:Mitglied der Koninklijke Vlaamse Academie van België voor Wetenschappen en Kunsten Kategorie:Dramaturg Kategorie:Choreograf Kategorie:Maler (Belgien) Kategorie:Künstler (documenta) Kategorie:Belgier Kategorie:Geboren 1958 Kategorie:Mann