Die Ölpalme (Elaeis guineensis) gehört zu den wirtschaftlich bedeutendsten Palmenarten. Ursprünglich in Afrika beheimatet, wird sie inzwischen auch im tropischen Amerika und insbesondere in Südostasien kultiviert. Die bis zu 30 Meter hohe Fiederpalme produziert Fruchtstände mit einem Gewicht von bis zu 50 Kilogramm. Die Palme trägt 3000 bis 6000 Früchte.

Die Früchte sind schnell verderblich und müssen daher sofort nach der Ernte verarbeitet werden. Dabei werden die Fruchtstände mit Wasserdampf behandelt, um ein fettspaltendes Enzym zu zerstören. Anschließend werden die Früchte gequetscht und die Steinkerne abgetrennt. Die harte Schale wird geknackt und die Samen werden getrocknet. Das durch einen hohen Carotingehalt orangefarbige Fruchtfleisch liefert das Palmöl, der Samen das Palmkernöl.

Merkmale Die Ölpalme ist eine einhäusig getrenntgeschlechtige (monözische) Palme. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 32.Der Abschnitt Merkmale beruht auf: Gunther Franke (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band 3: Spezieller Pflanzenbau. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1769-8, S. 221–227. mini|Junge Ölpalme

Wurzeln Die primären Wurzeln streichen in einer Tiefe von 20 bis 60 cm horizontal im Boden. Ein kleiner Teil dringt bis in mehrere Meter Tiefe vor. Ein Teil der Seitenwurzeln erster Ordnung wächst negativ gravitrop nach oben und bildet direkt unter der Bodenoberfläche ein dann horizontales, stark verzweigtes Wurzelsystem. Die höchste Wurzeldichte wird in zwei bis drei Metern Entfernung vom Stamm erreicht. Die Nährstoffaufnahme erfolgt vorwiegend durch die unverholzten Seitenwurzeln dritter Ordnung, die rund einen Zentimeter lang und 0,5 mm dick sind.

An erwachsenen Palmen finden sich häufig Luftwurzeln, die den Stamm bis in einen Meter Höhe bedecken können.

Stamm Der Stamm entwickelt sich, wenn die Palme 3 bis 4 Jahre alt ist, und hat einen Durchmesser von 25 bis 75 cm. Das jährliche Höhenwachstum liegt zwischen 20 und 60 cm. Ab einem Alter von etwa 15 Jahren beginnen die Blattstümpfe, von der Palme abzufallen. Erst dann wird der eigentliche Stamm sichtbar. Ab einer Stammhöhe von 20 bis 30 m Höhe stellen sich Alterserscheinungen ein, die Fruchtproduktion geht zurück, die Blätter werden kleiner. Die Palme stirbt dann recht plötzlich ab. Sie kann ein Alter von 200 Jahren erreichen. mini|Ölpalmenplantage in Malaysia

Blätter An der Jungpflanze sind die ersten sieben Blätter lanzettlich. Die nächsten paar Blätter sind an der Spitze der Spreite gespalten, die nächsten dann mehr und mehr gefiedert. Die Anzahl der Fiedern pro Blatt nimmt bis ins Alter von 12 oder 15 Jahren zu. Unter konstanten Wachstumsbedingungen ist das jeweils nächste Blatt länger und hat mehr, breitere und längere Fiederblättchen. Vom Erscheinen der Blattanlage am Vegetationskegel bis zur Ausbildung des Blattes vergehen bei ausgewachsenen Palmen rund 2 bis 2,5 Jahre. Unter günstigen Bedingungen bildet eine Palme pro Jahr 25 bis 35 Blätter, bei Trockenperioden nur rund 20.

Die Blätter können bis 7,5 m lang sein. Sie verbleiben etwa zwei Jahre an der Palme, bevor sie absterben. Sie brechen ab und am Stamm verbleibt die Blattbasis. In deren Achseln sammeln sich Staub, Pflanzenreste und Samen, sodass sich hier etliche Epiphyten ansiedeln.

Blütenstand und Blüten Der Blütenstand besteht aus einer etwa 5 bis 10 cm dicken Blütenstandsachse, an der spiralig etwa 200 Seitenachsen stehen, die Ähren. Ein Blütenstand trägt entweder nur männliche oder nur weibliche Blüten. Bei jungen Palmen kommen auch gemischte Blütenstände vor.

Bei weiblichen Blütenständen stehen die Ähren in den Achseln von dornigen Deckblättern. Der lange Dorn bleibt auch am reifen Fruchtstand erhalten. Männliche Ähren sind länger als weibliche, ihre Deckblätter tragen aber keine Dornen. Eine einzelne Ähre trägt 700 bis 2000 Blüten, ein Blütenstand besteht aus 150.000 bis 200.000 Blüten. Die weiblichen Blüten haben einen dreifächrigen Fruchtknoten mit je einer Samenanlage.

In jeder Achsel eines Laubblattes bildet sich eine Anlage zu einem Blütenstand. Bei ausgewachsenen Palmen benötigt der Blütenstand etwa zwei Jahre zur Entwicklung. Bis zwei Wochen vor der Anthese ist er von zwei Hochblättern verhüllt.

Die Bestäubung erfolgt durch Rüsselkäfer, vor allem solchen der Gattung Elaeidobius. In Malaysia mussten Ölpalmen von Hand bestäubt werden, bis in den 80er Jahren der Rüsselkäfer Elaeidobius kamerunensis aus dem ursprünglichen Verbreitungsgebiet der Palme eingeführt wurde. Vorher im Land vorkommende Bestäuber waren nicht effizient genug. Durch die verbesserte Bestäubung durch den Rüsselkäfer stieg der Ertrag um 20–50 % an.Teo, Tze Min. (2015). Effectiveness of the Oil Palm Pollinating Weevil, Elaeidobius kamerunicus, in Malaysia. UTAR Agriculture Science Journal. 1.

Früchte und Samen mini|Früchte der Ölpalme, Bolivien thumb|Elaeis guineensis idolatrica Museum von Toulouse Die Früchte sind etwa 5,5 bis 9 Monate nach der Bestäubung reif. Einen Monat vor der Reife werden im Fruchtfleisch Öltröpfchen und Carotine gebildet. Die zunächst harten Früchte werden weich. Der Ölgehalt ist dann am höchsten, wenn sich die ersten Früchte vom Fruchtverband ablösen. Dies ist auch der Erntezeitpunkt.

Die Steinfrüchte sind 3 bis 6 cm lang und 2 bis 4 cm breit. Sie wiegen rund 20 g. Das Exokarp, die äußere Schale, ist dünn. Das Fruchtfleisch (Mesokarp) ist fasrig und besteht zu 45 bis 50 % aus Öl. Durch die Carotine ist das Fruchtfleisch gelb bis rötlich. Innerhalb der Steinschale (Endokarp) befindet sich der meist einzelne Samen, der 48 bis 52 % Öl enthält.

Die Ölpalmen sind sehr variabel in Bezug auf Form, Farbe, Anzahl und Größe der Früchte sowie in Anzahl und Größe der Fruchtstände. Afrikanische Dura-Palmen liefern im Schnitt etwa 18 kg Früchte, ostasiatische Deli-Palmen etwa 25 kg. Ein Fruchtstand enthält 800 bis 4000 Früchte.

Keimpflanze Die Pflanzen brauchen eine Temperatur von 20 bis 30 Grad Celsius.

Das Keimpflanzenstadium dauert etwa zwei Monate. Zunächst erscheinen die Keimwurzel und das Keimblatt durch eines der drei Keimlöcher in der Schale. Das Ende des Keimlingsstadiums wird mit der Bildung des sechsten Blattes angesetzt. Bis dahin lebt die Pflanze praktisch nur von den Nährstoffen des Endosperm.

Die Keimwurzel (Radicula) wird bis zu 20 cm lang. An ihrer Ansatzstelle bildet sich ein Kranz von dünnen Adventivwurzeln. Das erste, noch ungefiederte Laubblatt erscheint rund einen Monat nach der Keimung. Wenn die erste primäre Wurzel gebildet wurde, stirbt die Keimwurzel ab.

Krankheiten und Herbivoren In Kultur sind wichtige Schädlinge an Keimlingen Engerlinge und Termiten. Blatterkrankungen sind in Anzucht- und Saatbeeten von Bedeutung, vor allem der Blattfleckenerreger Leptosphaeria elaeidisC. Booth, J. S. Robertson: Leptosphaeria elaeidis sp. nov. isolated from anthracnosed tissue of oil palm seedlings. In: Transactions of the British Mycological Society. Band 44, Nr. 1, 1961, S. 24–26. (Anamorphe Pestalotiopsis palmarumK. Mani, R. N. Swamy: Induction of sporulation in Pestalotiopsis palmarum by sodium chloride. In: Transactions of the British Mycological Society. Band 80, Nr. 1, 1983, S. 151–156.). Er verursacht gelbbraune bis graue Blattflecken, das Gewebe trocknet aus und die Blätter sterben ab. Es gibt drei bedeutende Erreger von Anthraknose, die unterschiedliche Symptome auslösen: Botrydiploida palmarum verursacht zunächst kleine Flecken an Spitzen oder Rändern von jungen Blättern, die später größer und dunkelbraun werden. Eine Melancomium-Art führt zu helleren Flecken mit hellgelbem Saum, die rasch trocknen. Glomerella cingulata führt zu langgestreckten dunklen Flecken zwischen den Blattadern.

In Produktionsanlagen sind Wurzel- und Stammfäulen, die von etlichen bodenbewohnenden Pilzen ausgelöst werden, von Bedeutung. Das Myzel des Hallimasch-Pilzes, der weltweit verbreiteter Erreger einer wurzelbürtigen Weißfäule ist, soll nicht nur in Mango-, sondern auch in Ölpalm-Plantagen in vielen Fällen zum Absterben der befallenen Bäume führen. In Afrika ist auch die Tracheomykose, verursacht durch Fusarium oxysporum f. sp. elaeidis und f. sp. redolens, virulent.

In Süd- und Zentralamerika verursacht die Nematode Rhadiphanelenchus cocophilus Welke das Abwerfen von Früchten sowie Absterben junger Palmen. Die Nematoden gelangen über den Palmrüssler Rhynchophorus palmarum in die Pflanzen. Die in Lateinamerika als Marchitez oder Plötzliche Welke bekannte Krankheit wird durch den Flagellaten Phytomonas staheli (Trypanosomatida) ausgelöst. Verursacher der von den Philippinen ausgehenden Cadang-Cadang-Krankheit, der neben Millionen Kokospalmen auch viele Ölpalmen zum Opfer fielen, ist das Viroid coconut cadang cadang viroid (CCCV).

Unter den Insekten sind neben Nashornkäfern der Gattung Oryctes und den Palmbohrern Phynchophorus vor allem eine Unzahl von blattfressenden Raupen von Bedeutung, besonders aus den Familien Limacodidae, Psychidae und Nymphalidae.Gunther Franke (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band 3: Spezieller Pflanzenbau. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1769-8, S. 233–236.

Geschichte Die Ölpalme ist ursprünglich in den Regenwäldern von Westafrika beheimatet und wurde dort als Nutzpflanze genutzt. Über Ölpalmen wird in Europa erstmals 1443 von dem portugiesischen Seefahrer Gil Eanes berichtet.

Die Ölpalme wurde 1763 durch Nikolaus Joseph von Jacquin wissenschaftlich beschrieben und illustriert. Wahrscheinlich über Sklaventransporte kam die Ölpalme nach Südamerika. Nach Asien kam die Ölpalme Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst als Zierpflanze in Botanischen Gärten: 1848 kamen je zwei Palmen aus dem Botanischen Garten von Amsterdam und von Réunion nach Bogor (Indonesien). Von hier gelangten Exemplare nach Singapur und von diesen beiden Orten später nach Deli auf Sumatra. Nachdem eine industrielle Aufbereitung des Öls möglich war, wurden ab etwa 1900 Großplantagen angelegt: in Westafrika ab 1908, in Indonesien ab 1911 und in Malaysia ab 1919.Gunther Franke (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band 3: Spezieller Pflanzenbau. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1769-8, S. 219–221. mini|Früchte der Ölpalme auf einem Markt in Burkina Faso

Systematik Die Erstbeschreibung unter dem Namen Elaeis guineensis durch den österreichischen Botaniker Nikolaus Joseph Freiherr von Jacquin ist 1763 in Selectarum stirpium americanum historia Seite 280 Tafel 177 veröffentlicht worden.Selectarum stirpium Americanarum historia: 280 (1763). Von 1910 bis 1914 sind durch Odoardo Beccari und Auguste Jean Baptiste Chevalier viele Varietäten beschrieben worden, die heute allesamt als Synonyme für den Typ selbst angesehen werden.Artenliste der Gattung Elaeis bei Kew Checklists (Elaeis in der Suchbox eingeben); abgerufen am 29. März 2008.

Die Ölpalmen werden nach den Eigenschaften der Früchte in mehrere Typen unterteilt. Nach der Farbe des Exokarp unterscheidet man:Gunther Franke (Hrsg.): Nutzpflanzen der Tropen und Subtropen. Band 3: Spezieller Pflanzenbau. Ulmer, Stuttgart 1994, ISBN 3-8252-1769-8, S. 222f.

nigrescens ist weit verbreitet. Die dem Sonnenlicht ausgesetzten Teile der unreifen Früchte sind durch Anthocyane violett bis schwarz gefärbt, die beschatteten sind elfenbeinfarben. Reife Früchte werden noch weiter unterteilt: rubro-nigrescens: die Frucht ist tief rotorange. der obere Fruchtteil ist braun. Das Fruchtfleisch ist orange bis rot, das Öl rötlich. rutilo-nigrescens: das Exokarp ist fahlorange, der obere Fruchtteil ist schwarz. virescens ist wenig verbreitet. Die unreifen Früchte sind grün, die reifen rötlich-orange, die Spitze ist grün. Sie haben wenig bis kein Anthocyan. albescens ist sehr selten. Die Früchte sind elfenbeinfarben oder fahl gelb. Zur Reife ist die Spitze schwärzlich oder grün. Das Fruchtfleisch enthält kein Carotin.

Nach der Dicke des Endokarps werden drei Typen unterschieden: Dura mit 2 bis 8 mm dickem Endokarp, das Fruchtfleisch nimmt 35 bis 55 % ein.