miniatur|Stefan Petzner (2019) Stefan Petzner (* 17. Jänner 1981 in Tamsweg, Land Salzburg) ist ein ehemaliger österreichischer Politiker (Bündnis Zukunft Österreich; BZÖ). Von 2008 bis zum 1. Oktober 2013 war er Abgeordneter des BZÖ im Nationalrat und dessen stellvertretender Klubobmann. Seit seinem Rückzug aus der Politik ist Petzner als Buchautor sowie als Politik- und PR-Berater tätig.

Herkunft und Jugend Petzner wuchs am elterlichen Hof im steirisch-kärntnerischen Grenzland in Laßnitz bei Murau auf. Sein Urgroßvater Friedrich Kocher war von 1919 bis 1920 Mitglied der Konstituierenden Nationalversammlung gewesen.Friedrich Kocher auf der Seite des Parlaments Sein Vater, Hubert Petzner, engagierte sich als Gemeinderat und Ortsparteiobmann jahrzehntelang für die FPÖ. Nach der Matura im Jahr 1999 studierte Stefan Petzner Publizistik an der Universität Klagenfurt, brach das Studium aber 2004 ohne Abschluss ab. An der Universität trat er als Sprecher des – mandatslosen – Rings Freiheitlicher Studenten auf.

Politische Laufbahn im BZÖ Mit 21 Jahren wurde Petzner, der zu dieser Zeit „Publizistik und Kommunikationswissenschaften“ studierte und nebenbei als freier Journalist tätig war, vom damaligen Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider im Rahmen eines Interviews, welches Petzner mit ihm zu führen hatte, als politisches Talent „entdeckt“ und von da an seitens Haiders gezielt gefördert und protegiert. Anfangs arbeitete Petzner auf Basis eines 30-Wochenstunden-Jobs im Landespressedienst der Kärntner Landesregierung, bekam in Wahlkämpfen erste kleine Projekte zugewiesen, während er im Zuge der Kärntner Landtagswahlen im Jahr 2004 bereits zu einem der engsten persönlichen Vertrauten Haiders avancierte, wenngleich völlig abgeschirmt von der Öffentlichkeit und in dieser Rolle selbst innerhalb der FPÖ nur den innersten Zirkeln der Partei bekannt. Nachdem Jörg Haider wider Erwarten als Wahlsieger, zu diesem Zeitpunkt noch FPÖ, aus der Kärntner Landtagswahl 2004 hervorging und seine Position als Landeshauptmann von Kärnten erfolgreich verteidigte, rückte der bis dahin in der Öffentlichkeit völlig unbekannte Stefan Petzner in die erste Reihe vor, indem ihn Haider als gerade wiedergewählter Landeshauptmann zu seinem Pressesprecher und Spin-Doctor ernannte. Obwohl Petzner zu dem Zeitpunkt erst 23 Jahre alt war, ist er zeitgeschichtlich betrachtet nicht mehr zur Generation der sogenannten Buberlpartie zu zählen. Nach der Gründung des BZÖ durch Haider im Jahr 2005, dessen Gründung als Abspaltung von der FPÖ seitens Petzners als politischer Fehler angesehen wurde, übernahm Stefan Petzner von 2006 bis 2008 sowie von 2009 bis 2011 das Amt als geschäftsführender Landesparteiobmann des BZÖ Kärnten, bekleidete von Juni 2006 bis Oktober 2008 auch die Funktion des stellvertretenden Bundesparteiobmannes des BZÖ und war zudem von 2008 bis 2010 mit einer kurzen Unterbrechung auch Generalsekretär des BZÖ.

Petzner war BZÖ-Wahlkampfleiter für das Bundesland Kärnten bei den Nationalratswahlen 2006, bundesweit bei den Nationalratswahlen 2008 und den EU-Wahlen 2009 sowie bei den Kärntner Landtagswahlen 2009 und 2013. Petzner war als Wahlkampfleiter bei allen diesen Wahlen erfolgreich, wenn auch mitunter mit sehr umstrittenen Methoden. Auf entsprechende Kritik konterte Petzner stets gleich: „Als Wahlkampfleiter ist es dein Job zu gewinnen, egal wie.“ Seine persönlichen roten Linien, seien keine politischen, sondern ausschließlich jene des Medienrechtes und Rechts auf freie Meinungsäußerung. „Alles was sich innerhalb dieses Rahmens bewegt, ist für mich zulässig“, erklärte dieser immer wieder in Interviews Tatsächlich wurde Petzner wegen zahlreicher seiner Slogans und Wahlplakate immer wieder mit Strafanzeigen eingedeckt, jedoch erfolgte in sämtlichen Fällen stets eine Einstellung des Verfahrens seitens der jeweils zuständigen Staatsanwaltschaften. Davon unabhängig, lösten zahlreiche seiner Kampagnen für das BZÖ, teils heftige öffentliche Debatten und politische Kontroversen aus.Kleine Zeitung: , 19. Februar 2012 Im Mai 2007 wurde Petzner von den Kärntner Grünen aufgrund seines Slogans „Wollen Sie eine endgültige Lösung der Ortstafelfrage?“ wegen des Verdachts der Verhetzung angezeigt.Kärntner Grüne klagen Haider und BZÖ-Vizechef Petzner. In: Der Standard, 4. Mai 2007 Das Verfahren wurde von der Staatsanwaltschaft Klagenfurt eingestellt, denn der Straftatbestand der „Verhetzung“ war laut dieser nicht gegeben. Im Juli 2008 trat die damalige Kärntner Landeshauptmannstellvertreterin Gabriele Schaunig-Kandut (SPÖ) infolge der permanenten Kampagnen gegen ihre Person zurück.Kärntens SP-Chefin Schaunig tritt zurück. In: Der Standard, 10. Juli 2008 Petzner hatte sie zuvor unter anderem als „rote Quak-Ente“ karikiert und in Inseraten ihre Familie angegriffen. Auch in diesem Fall wiesen die Justizbehörden sämtliche Strafanzeigen gegen Petzner ab. Im Falle das damaligen Villacher Bürgermeisters Helmut Manzenreiter (SPÖ), den Petzner in einer Pressekonferenz als Teil der „roten Mietenmafia“ bezeichnete, strengte Manzenreiter zahlreiche Prozesse gegen Petzner an, bekam seitens aller juristischen Instanzen in Österreich auch Recht gesprochen, worauf hin Petzner den Weg bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte beschritt, der sämtliche in diesem Fall gegenüber Petzner zuvor von den österreichischen Justizbehörden verhängten Urteile gegen Petzner wieder aufhob. Im Oktober 2011 sorgte ein Zeichentrick-Werbespot von Petzner für Proteste der römisch-katholischen Kirche.Kirche: BZÖ diffamiert Sternsinger. In: oe24, 12. Oktober 2011 Im Jahr 2013 verweigerten Kinobetreiber die Ausstrahlung eines von Petzner produzierten Spots, in welchem damals amtierende Kärntner Landespolitiker mit Diktatoren wie Erich Honecker, Slobodan Milošević oder Nicolae Ceaușescu gleichgestellt werden, da der Spot „verhetzend und menschenverachtend“ sei. In der Folge stellte Petzner ihn auf Youtube, wo er innerhalb weniger Stunden über 80.000 Zugriffe erreichte.Kinobetreiber verweigern Ausstrahlung von BZÖ-Spot. In: Die Presse, 4. Februar 2013 Andererseits wiederum wurde seine Kampagne für den Nationalratswahlkampf 2008 mit Landeshauptmann Jörg Haider als Spitzenkandidat von Kritikern und politischen Werbeprofis sehr gelobt und als handwerklich äußerst gelungen bezeichnet. Petzners Hauptslogan für diesen Wahlkampf: „Deinetwegen.Österreich.“ In den Umfragen bei 2 % startend landete das BZÖ am Wahlabend mit fast 12 % der Wählerstimmen schließlich einen völlig unerwarteten Wahlerfolg.

Nach Jörg Haiders Unfalltod wurde Petzner vom Parteivorstand des BZÖ am 12. Oktober 2008 einstimmig zum neuen Parteichef nominiert. Er trat für die Eigenständigkeit der Partei und gegen eine Vereinigung mit der FPÖ ein und erklärte es zum vorrangigen Ziel, eine Neuauflage der rot-schwarzen Koalition in Österreich zu verhindern.

Petzner galt zunächst auch als alleiniger Kandidat für die Position des Klubobmanns im Nationalrat. Nach emotionalen Statements und Interviews, in denen er Jörg Haider unter anderem als seinen „Lebensmenschen“ bezeichnet hatte, geriet Petzner jedoch in parteiinterne Kritik.Jörg Haiders Witwer – Die Tränen von Stefan Petzner. In: die tageszeitung vom 25. Oktober 2008 Am 22. Oktober 2008 wurde Josef Bucher einstimmig zum Klubobmann gewählt. Petzner erklärte nach der Abstimmung, er selbst habe Bucher vorgeschlagen. Petzner wurde zu einem der fünf Stellvertreter Buchers gewählt.BZÖ: Josef Bucher zum Klubobmann gewählt. In: www.orf.at vom 22. Oktober 2008 Am 19. November 2008 trat er als geschäftsführender BZÖ-Chef freiwillig zurück, sein Nachfolger bis zum Konvent im Frühjahr 2009 wurde Herbert Scheibner.BZÖ: Petzner tritt als BZÖ-Chef zurück. In: www.orf.at vom 19. November 2008

Infolge der Abspaltung der „Freiheitlichen in Kärnten“ kam es am 30. Jänner 2010 zur Neugründung des BZÖ Kärnten. Josef Bucher wurde hierbei zum Landesobmann gewählt und Stefan Petzner einstimmig zum geschäftsführenden Landesobmann.ots.at: Bucher mit 99,6 Prozent zum BZÖ-Landesobmann gewählt. 30. Januar 2010. Am 8. April 2010 trat Petzner als Generalsekretär des BZÖ zurück, weil er sich auf seine Aufgabe als geschäftsführender Landesparteiobmann des BZÖ Kärnten konzentrieren wollte.Rücktritt Petzners vom Amt des Generalsekretärs

Am 9. März 2011 verpflichtete er sich im Rahmen einer Diversion zur Zahlung von 38.000 Euro, weil er im Jahr 2007 in seiner Funktion als Sprecher des ehemaligen Kärntner Landeshauptmanns Jörg Haider die Inhalte eines Negativ-Bescheides zur Verleihung der österreichischen Staatsbürgerschaft unrechtmäßig veröffentlicht und damit das Amtsgeheimnis verletzt hatte.Stefan Petzner belastet Jörg Haider schwer In: Die Presse 9. März 2011 ORF: Petzner-Prozess endet mit Diversion, 9. März 2011

Am 25. März 2011 trat Petzner vom Posten des geschäftsführenden Kärntner BZÖ-Landesparteichefs zurück. Auslöser war, dass er im Frühjahr 2011 zweimal beim Lenken eines Kraftfahrzeugs ohne Fahrerlaubnis ertappt worden war. Der Führerschein war ihm im Dezember 2010 wegen massiver Geschwindigkeitsübertretung entzogen worden. Petzner behielt sein Nationalratsmandat, neuer geschäftsführender BZÖ-Landesparteiobmann wurde Sigisbert Dolinschek.

Bei der Nationalratswahl 2013 erlitt das BZÖ mit Josef Bucher als Spitzenkandidat schwere Verluste und zog nicht wieder in den Nationalrat ein. Weil Petzner gemeinsam mit Ewald Stadler daraufhin den Rücktritt Buchers als Bundesparteiobmann forderte, wurden beide am 1. Oktober 2013 wegen „parteischädigenden Verhaltens“ aus dem BZÖ ausgeschlossen.Stefan Petzner aus BZÖ ausgeschlossen. In: Der Standard vom 1. Oktober 2013

Am 5. November 2013 erhob die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft gegen Petzner, Uwe Scheuch, Harald Dobernig und Gerhard Dörfler in der sogenannten „Broschüren-Affäre“ Anklage wegen Untreue. Den Angeklagten wurde vorgeworfen, eine Werbebroschüre für den Wirtschaftsstandort Kärnten in leicht abgewandelter Form als Wahlkampfbroschüre des BZÖ im Landtagswahlkampf 2009 verwendet zu haben. Der Schaden soll laut Anklageschrift 219.000 Euro betragen haben. Im Jahre 2014 wurde die Anklage vom Oberlandesgericht Graz nach Einsprüchen der Verteidiger zurückgewiesen. Die Staatsanwaltschaft erneuerte jedoch 2015 nach Einholung eines Gutachtens des Sachverständigen Georg Jeitler die Anklage. Diesmal wurden die Einsprüche der Beschuldigten vom Oberlandesgericht Graz zurückgewiesen. In dem Prozess, der am 17. Jänner 2017 am Landesgericht Klagenfurt begann, bekannte sich Petzner schuldig und wurde am 16. März 2017 zu einer bedingten Haft von zehn Monaten verurteilt. Nach der Urteilsverkündung verzichtete er auf Rechtsmittel, da er das Urteil als „gerechte Strafe“ ansah. Das Verfahren sei „positiv für die politische Hygiene in diesem Land“ gewesen. Hinsichtlich des Privatbeteiligtenzuspruchs fand am 19. April 2018 eine Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof statt. Der Berufung über die privatrechtlichen Ansprüche wurde Folge gegeben und die Privatbeteiligten wurden mit ihren Ansprüchen auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Spätere Tätigkeiten Nach seiner aktiven Laufbahn als Politiker trat Petzner bei zahlreichen Medienauftritten in Österreich, Deutschland und der Schweiz als Politikexperte in Erscheinung. Mit seinem Unternehmen „petzner communications“ ist er als Politik-Berater und Experte für Public Relations mit Schwerpunkt „Litigation-PR“ tätig.