mini|Rathaus St. Johann mit Phönixbrunnen mini|Ludwigskirche in Alt-Saarbrücken mini|Blick von St. Johann über die Alte Brücke nach Alt-Saarbrücken mit Schlossfelsen und Schlosskirche mini|Berliner Promenade am Saarufer mit Blick auf den Winterberg mini|Der Rathausplatz in Saarbrücken Saarbrücken (, rheinfränkisch Sabrigge, ) ist die Landeshauptstadt des Saarlandes und mit Einwohnern zugleich dessen größte Stadt und einzige Großstadt.
Die Universitätsstadt liegt an der Saar und entstand im Jahr 1909 aus dem Zusammenschluss der drei bis dahin selbständigen Städte Saarbrücken (Stadterhebung 1322), St. Johann a. d. Saar (Stadterhebung 1322) und Malstatt-Burbach (Stadterhebung 1874). Saarbrücken ist Zentrum und Regiopole eines Ballungsraumes, der sich über die saarländisch-lothringische Grenze hinaus erstreckt, und steht hinsichtlich seiner Bevölkerungszahl an 43. Stelle der größten Städte der Bundesrepublik Deutschland. Mit ihrer Lage an der deutsch-französischen Grenze zum Département Moselle ist sie die einzige deutsche Landeshauptstadt mit direkter Grenzlage. Im grenzüberschreitenden Großraum Saarbrücken (Einzugsgebiet 45 Minuten) wohnen über 1,5 Millionen Menschen.
Als Sitz der Landesregierung, des Landtags und zahlreicher Landesbehörden ist Saarbrücken das politische Zentrum des Saarlandes. Die Stadt ist Sitz des Regionalverbandes Saarbrücken, eines Kommunalverbandes besonderer Art (§ 209 KSVG). Darüber hinaus ist Saarbrücken das wirtschaftliche, gesellschaftliche und kulturelle Zentrum des Saarlandes.
Sprachliches Stadtname Erklärung Im Jahr 999 wird der Ortsname urkundlich zuerst in der Form „Sarabruca“ genannt. Im Jahr 1065 dann „Sarebrucca“ und 1126 „Sarebrugge“. Der Name der Stadt bedeutet genau das, als was er heute erscheint: eine Brücke über die Saar. Der Name geht auf ein frühalthochdeutsches *Sara-bruggja zurück. Im späten 8. Jahrhundert schwand das „j“ (Frühalthochdeutsch *bruggja < althochdeutsch brugga < mittelhochdeutsch brücke, brucke < neuhochdeutsch Brücke). Das Wort „Brücke“ kann hier aber auch Landungsbrücke, Landungssteg oder Pier bedeuten. Eine steinerne Brücke über die Saar, die sogenannte Alte Brücke, die den St. Johanner Markt und den Saarbrücker Schlossplatz verbindet, wurde 1546/47 unter Graf Philipp II. erbaut, nachdem Kaiser Karl V. den Fluss an dieser Stelle wegen Hochwassers mehrere Tage lang nicht überqueren konnte. Nach der etwas weiter flussaufwärts gelegenen Römerbrücke, die im frühen Mittelalter verfiel, war die Alte Brücke nach Jahrhunderten die erste Saar-Brücke vor Ort.
Bei dem zugrundeliegenden Flussnamen Saar handelt es sich um einen vorgermanischen Gewässernamen, der sich von indogermanisch *Sarawa ableitet. Er setzt sich zusammen aus der indogermanischen Wurzel *sor-, *sar- (deutsch: strömen) mit dem Suffix -ava. Das erste Element des Ortsnamens („Saar“) ist nach den Regeln der germanischen und deutschen Wortbildung das determinierende Bestimmungswort, das das Grundwort („Brücke“) näher eingrenzt.
Der moderne Stadtname auf „-en“ entstand aus der dativischen Bezeichnung *bi der Sarebrücken (deutsch: bei der Saarbrücke). Eine ähnliche Endungsentwicklung gibt es auch bei Orten der Umgebung, die aus Gewässernamen, Flurnamen und Stellennamen entstanden: etwa Bliesbrücken (bei der Bliesbrücke), Bliesen (am Fluss Blies), Differten (bei der tiefen Furt der Bist), Wadern (am Watt der Wadrill).
Es ergeben sich nun zwei Möglichkeiten zur Motivation der Ortsbenennung: Die germanisch-fränkische Ortsbenennung des ursprünglich römischen Vicus an der alten Saarbrücke ist bei einer Verlegung des Ortszentrums an den heutigen Burg- bzw. Schlossfelsen saarabwärts mitgewandert. Der Ort erhielt seinen Namen von einer Landungsbrücke an der Saar, vermutlich im Bereich des jetzigen Neumarktes, seinen Namen.Wolfgang Haubrichs, Frauke Stein: Frühmittelalterliche Siedlung im Saarbrücker Raum. In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1860). Saarbrücken 1999, S. 111–158, hier S. 129–130.Sabine Penth: Saarbrücken. In: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin / Boston 2012, ISBN 978-3-11-018908-7, S. 543 f.
Erklärungen des Stadtnamens, die auf einen keltischen Ursprung abheben, gelten als veraltet.
Fremdsprachliche Bezeichnungen In einigen anderen Sprachen wird das Wort für Saarbrücken dem Klang nach, in einigen mit der wörtlichen Übersetzung des Bestandteils -brücke gebildet. In vielen Sprachen lautet der Name auch schlicht „Saarbrucken“. Einige davon abweichende Formen sind heute mehr, einige weniger gebräuchlich.
Sprache Name GebräuchlichkeitFranzösischSarrebruckausschließlich Luxemburgisch Saarbrécken ausschließlich Niederländisch Saarbruggen neben Saarbrücken z. B. Englisch Saarbrücken neben Saarbrucken
Einwohner Die Einwohner der Stadt werden „Saarbrücker“ (im rheinfränkischen Dialekt „Saarbrigga“, im moselfränkischen Dialekt „Saarbrekger“) genannt, nicht, wie oft angenommen, „Saarbrückener“. Gleiches gilt für das zugehörige Adjektiv; so heißt es beispielsweise „Saarbrücker Zeitung“ und „Saarbrücker Zoo“.
Dialekt
Sprachgeschichtlich kommt es zwischen dem Ende des 17. und der Mitte des 19. Jahrhunderts auf Grund der wechselnden politischen Einflüsse zu einer Verschiebung vom ursprünglich moselfränkischen hin zum heute gebräuchlichen rheinfränkischen Dialekt, schließlich zu einem einheitlichen Stadtdialekt, dem Saarbrigga Platt.
Geographie mini|Saarbrücken im Saartal zwischen Schwarzenberg (Vordergrund) und Stiftswald
Naturräumliche Gliederung Im Bereich des heutigen Stadtgebietes Saarbrückens herrscht folgende naturräumliche Gliederung vor:Hans Helmut Ebert: Stadt und Naturraum. In: Rolf Wittenbrock (Hrsg.): Geschichte der Stadt Saarbrücken. Band 1: Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch (1860). Saarbrücken 1999, S. 25–58, hier S. 54–58.
Saarbrücker Talweitung Die 4 km breite und 10 km lange Talweitung der Saar im Mittleren Buntsandstein ist ein von bewaldeten Höhen umrahmtes, klimatisch begünstigtes, asymmetrisches Becken. Durch die Einmündung zahlreicher Seitentäler ist die Saarbrücker Talweitung mit den angrenzenden Räumen verbunden:
im Norden und Osten mit dem Saarkohlenwald und dem Saarbrücken-Kirkeler Wald im Südosten mit den offenen Ackerebenen des Saar-Blies-Gaues und dem sich am gegenüberliegenden Ufer des Güdinger Saartales erhebenden, bewaldeten Steilabfall der Spicherer Höhen im Süden die Saarbrücken-Forbacher Senke im Südwesten die bewaldeten Höhen des Warndts
Die breite Sohle und die weiten Flachhänge des Tales sind fast ganz von der Siedlungs- und Industriefläche der Stadt Saarbrücken bedeckt. Die untere Talsohle (190 m) ist etwa ein km breit und grenzt im Südwesten an einen 60 m hohen Steilanstieg, der durch kleine Trockentäler gegliedert ist (Reppersberg und Triller). Dieser Steilanstieg wird vom Winterberg (301 m), einer isolierten Kuppe mit einem Dach aus Kordeler Sandstein, überragt.
Am Ostrand der Talsohle erheben sich die beiden ähnlich aufgebauten Kuppen des Halberges (270 m) und des Kaninchenberges (266 m) im Mündungsbereich des Scheidterbaches. Der Scheidterbach hat mit dem Saarbach (Fechinger Bach) einen ausgedehnten Schwemmkegel in den Ausgangstaltrichter vorgebaut. Im Süden brechen die Spicherer Höhen in einem 120 m hohen Steilhang mit überhängenden Felsen im Buntsandstein unvermittelt gegen die Saar ab. Der im Norden langsam zum Saarkohlenwald ansteigende Gegenhang (200–240 m) zu den Spicherer Höhen ist durch enge Ausgänge der beiden Kohlentäler und kurze Kerbtäler in Buntsandsteinsporne und breite Geländerücken zergliedert. Die Geländerücken tragen zwei Niveaus ausgedehnter Flussterrassen. Der ehemals windungsreiche Lauf der Saar wurde durch Kanalisierung begradigt und im Gefolge von Straßenbaumaßnahmen mehrfach verlegt.
Die alten Siedlungskerne der heutigen Großstadt Saarbrücken liegen auf der nur wenig erhöhten Niederterrasse und der benachbarten Terrassenleiste. Die Siedlungen dehnten sich zuerst über die ganze Talsohle, dann über die umliegenden Hänge aus. An den Hängen fanden neuere Wohngebiete ihren Platz. Die anmoorigen Hochflutrinnen wurden anfangs unbesiedelt gelassen. Im engen, heute kanalisierten Bett der Saar kann das Hochwasser infolge des großen Wasserdrucks bis zu 6 m steigen und überschwemmt dann die längs des Ufers in den 1960er Jahren gebaute Stadtautobahn. Der südöstliche Teil der Talniederung wird von Fettwiesen eingenommen. Die Werksanlagen der Burbacher Hütte beherrschten früher das Stadtgebiet im Westen, die der Halberger Hütte am Ausgang des Scheidterbachtales im Osten. Die steilen Randhöhen der Saartalweitung weisen Parkanlagen und Wälder auf: Halberg, Kaninchenberg, Winterberg und Zoogelände unterhalb des Eschberges.
St. Johanner Wald und Scheidter Berg Von Wäldern umgebene offene Platten bzw. waldbedeckte Rücken und Kuppen, die nach allen Seiten steil abfallen, und tiefeingeschnittene, steilwandige Täler werden nach Süden gegen den Saar-Blies-Gau abgegrenzt. Das Scheidterbachtal bildet die Verbindung zwischen dem Mittleren Saartal im Südwesten und der St. Ingbert-Kaiserslauterer Senke im Nordosten.
Schmalsohlige Täler sind mit bis zu 100 m hohen Wänden in den Buntsandstein eingekerbt. Im dicht besiedelten Scheidterbachtal verläuft der alte Verkehrsweg der napoleonischen Kaiserstraße. Abseits davon liegt das Grumbachtal. Die Platten werden von Flächen aus Kordeler Sandstein bedeckt. Zu den waldlosen Inseln aus Muschelsandsteininseln zählen der Scheidter Berg (340 m) und der Eschberg (350 m). Dem Steilabfall des Eschberges am Rande der Saarbrücker Talweitung sind zwei kleinere Kuppen vorgelagert. Schwarzenberg (377 m), Bartenberg (359 m) und Gehlenberg (359 m) sind auf der Wasserscheide zwischen Scheidterbach und Saar nach Norden gegen die Neuweiler-Spiesener Höhe vorgeschoben und überragen diese in Steillagen bis zu 100 m. Auf dem ehemals als Ackerland genutzten Eschberg entstand in den 1960er Jahren das Wohnviertel Eschberg. Die ehemalige Streuobstfläche des Scheidter Berges ist heute größtenteils überbaut. Von Buchenhochwald bestanden ist der Halberg. Das wald- und wiesenreiche Grumbachtal dient der Naherholung. Das Scheidterbachtal ist durch alte Siedlungskerne und ausgedehnte Industrieanlagen umgestaltet.
Saarkohlenwald Das niederschlagsreiche Gebiet ist ein stark gekammertes und reliefiertes bewaldetes Bergland, das überwiegend durch parallele Längstäler kräftig zerschnitten wird und von geschlossenen Siedlungen durchzogen ist. Im Nordosten geschieht dies durch das Quertal der Blies, im Nordwesten durch das Köllertal. Das mittlere Saartal bildet die südliche Begrenzung, die südöstliche ist die St. Ingbert-Kaiserslauterer Senke (192 m). Das Gebiet stößt an den Saarbrücken-Kirkeler Wald und im Norden an das Prims-Blies-Hügelland. Die Höhen erreichen ein durchschnittliches Niveau von 350 bis 400 m Höhe. Höchster Punkt ist dabei die Göttelborner Höhe (444 m) auf der Hauptwasserscheide zwischen Saar und Blies. Die zur Saar entwässernden Täler sind auf 210–250 m eingetieft und durch quer- und längs verlaufende Wasserscheiden scharf voneinander getrennt. Das sich in südwest-nordöstlicher Richtung ausdehnende Bergland ist 8 km lang und 20 km breit. Die Kohlentäler, die zur Saar hin ausgerichtet sind, folgen dem langsamen Absinken des Hauptsattels unter den Buntsandstein und reißen die flözführenden Schichten auf. So wurde der historische Kohlenabbau möglich und die Saarindustrie konnte hier beginnen. Durch großflächige Wiederaufforstungsgebiete aus Buchen und Nadelbäumen werden die Siedlungen begrenzt.
Kohlentäler