mini|Aly Keïta bei der Verleihung des Deutschen Jazzpreises 2024 in Köln. Aly Keïta (* 1969 in Abidjan) ist ein ivorischer Balafonspieler, Komponist, Improvisator, Instrumentenbauer und Musikpädagoge. Er entwickelte eigene diatonische und chromatische Formen des Balafons und trug dazu bei, das Instrument als solistische Stimme im Jazz und in der zeitgenössischen improvisierten Musik zu etablieren.

Leben und Wirken Aly Keïta wurde 1969 in Adjamé, einem Stadtteil von Abidjan, geboren. Er stammt aus einer Griot-Familie der Malinké und erlernte das Spielen und den Bau des Balafons zunächst von seinem Vater. Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er in Mali, wo er das traditionelle pentatonisch gestimmte Balafon studierte und ebenfalls Instrumente baute. Später wurde er von Zouratié Coulibaly unterrichtet.

1986 begann Keïta mit dem Musiker Georges Makinto Jazz zu spielen. Eine wichtige musikalische Orientierung bot ihm außerdem der malische Balafonist Kélétigui Diabaté, den Keïta Anfang der 1990er Jahre in Abidjan hörte und mit dem er später auch aufnahm.

Keïta entwickelte ein diatonisches Balafon, das an westliche Tonsysteme angepasst ist und ihm den Zugang zu weiteren musikalischen Repertoires eröffnete. Später entwickelte er ein chromatisches Balafon und erweiterte die harmonischen und melodischen Möglichkeiten des Instruments. Das traditionell häufig rhythmisch oder begleitend verwendete Balafon setzte er zunehmend als Melodie- und Soloinstrument im Jazz und in der improvisierten Musik ein.

Keïta baut seine Balafone selbst. Seine Instrumente unterscheiden sich in Stimmung, Tonumfang und Größe und werden von ihm an unterschiedliche musikalische Kontexte angepasst. 1999 konstruierte er gemeinsam mit seinen Brüdern auf Initiative des französischen Vereins Y’a pas son deux in Tarascon-sur-Ariège ein rund drei Meter langes Instrument, das in zeitgenössischen Veröffentlichungen als das größte Balafon der Welt bezeichnet wurde.

Von 1989 bis 1995 leitete Keïta in Niamey im Auftrag des Centre de Formation et de Promotion musicale Workshops für traditionelle und moderne Musik. Von 1998 bis 1999 unterrichtete er an einer Kunsthochschule in Abidjan und arbeitete dort unter anderem mit den Arrangeuren Maiga Bogana und Paul Wassaba zusammen.

Internationale Kulturinstitute in Abidjan, darunter das Goethe-Institut, luden Keïta zu Projekten mit ausländischen Musikern ein. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er unter anderem mit Omar Sosa, Joe Zawinul, Trilok Gurtu, Paco Séry, Rhoda Scott, Pharoah Sanders, Paolo Fresu, Jan Garbarek, Majid Bekkas, Lukas Ligeti, Tuur Florizoone und Guo Gan zusammen.

1999 begegnete Keïta in Abidjan dem Pianisten Hans Lüdemann. Aus dieser Begegnung entstand das Trio Ivoire, zunächst mit dem Schlagzeuger Steve Argüelles. Später gehörte Chander Sardjoe zur Besetzung; seit 2013 spielt Christian Thomé im Trio. Das Ensemble verbindet westafrikanische Musiktraditionen mit europäischem Jazz und Improvisation und veröffentlichte seit 2000 mehrere Alben.

2008 erschien Keïtas erstes Album als Bandleader, Akwaba Iniséné, beim belgischen Label Contre-Jour. Neben seiner Band wirkten daran unter anderem die ivorische Sängerin Dobet Gnahoré und die Bläser des Gbanbé Brass Band mit. Rose Skelton hob in Songlines sowohl Keïtas Spiel als auch die Verbindung des Balafons mit Bass, Schlagzeug, Gitarre, Gesang und Blasinstrumenten hervor.

2010 veröffentlichte Keïta bei Contre-Jour das überwiegend solistisch eingespielte Album Farafinko (Contre-Jour). Das Album umfasst eigene Kompositionen, in denen er persönliche Erinnerungen, seine Herkunft aus einer Griot-Familie und gesellschaftliche Themen instrumental verarbeitet. Das Stück „Bamana Folie“ nahm er gemeinsam mit Kélétigui Diabaté auf.

Die Zeitschrift Slagwerkkrant bezeichnete Keïta anlässlich von Farafinko als einen der besten Balafonspieler und hob hervor, dass er ein vollständiges Album fast ohne Overdubs ausschließlich mit dem Balafon gestaltet hatte.

Mit dem Schweizer Bassklarinettisten und Saxophonisten Jan Galega Brönnimann und dem Schlagzeuger Lucas Niggli bildete Keïta ein weiteres Trio. Es veröffentlichte die Alben Kalo-Yele bei Intakt Records im Jahr 2016 und Kalan Teban bei Intakt Records im Jahr 2020. Die Musik des Trios verbindet westafrikanische Rhythmik mit europäischem Jazz und freier Improvisation.

2009 wurde Keïta mit seiner Gruppe The Magic Balafon Bundessieger des Wettbewerbs creole – Weltmusik aus Deutschland.

2022 erhielt Keïta den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie „Besondere Instrumente“.

Zu Keïtas neueren Projekten gehört das Aly Keïta Trio mit dem italienischen E-Bassisten Roberto Badoglio und dem niederländischen Schlagzeuger Marcel van Cleef. Keïta und van Cleef arbeiten seit 2008 zusammen; Badoglio kam 2014 hinzu.

Am 6. März 2026 veröffentlichte das Aly Keïta Trio das Album Balafon Evolution beim dänischen Label One World Records. Keïta spielt darauf Balafone, Kalimba und übernimmt Gesangsparts; Badoglio spielt E-Bass, van Cleef Schlagzeug und Perkussion. Als Gast wirkt die Sängerin Mariam Koné mit. Das Album stellt das chromatische Balafon in den Mittelpunkt und verbindet westafrikanische Musiktraditionen mit Jazz, Fusion und zeitgenössischer Improvisation.

2026 veröffentlichte das Aly Keïta Trio das Album Balafon Evolution beim dänischen Label One World Records. Das britische Magazin Songlines hob dabei die stilistische Vielseitigkeit des Balafons zwischen afrikanischer Tradition und futuristisch anmutenden Klangwelten hervor.

Rezeption Die internationale Musikpresse würdigte insbesondere Keïtas virtuose Spielweise und die Erweiterung der klanglichen Möglichkeiten des Balafons. Thierry Coljon beschrieb ihn nach einem Solokonzert im Brüsseler Opernhaus La Monnaie als einen Musiker, der vollständig mit seinem Instrument verschmelze und durch seine Kunst Lebensfreude vermittle.

Rose Skelton bezeichnete Akwaba Iniséné in Songlines als Musik von außergewöhnlicher Qualität und hob die zugleich filigranen und kraftvollen Ausdrucksmöglichkeiten des Balafons hervor.

Nige Tassell betonte in seiner Rezension von Farafinko Keïtas dynamisches und ausdrucksstarkes Spiel sowie die Vielfalt an Tempi, Klangfarben und Stimmungen, die er einem einzelnen Instrument entlocke.

Das Album Balafon Evolution erhielt in Songlines und Jazzthetik jeweils vier von fünf Sternen. Nigel Williamson hob die Verbindung afrikanischer Traditionen mit einem modernen, teilweise futuristisch wirkenden Klangbild hervor. Andreas Ebert betonte in Jazzthetik die zentrale Rolle des Balafons, die ausgeprägte Rhythmik des Trios und die Verbindung mit dem Fusion-Jazz.

Diskographische Hinweis 1997: Lukas Ligeti & Beta Foly – Lukas Ligeti & Beta Foly (Intuition Music) 1998: Paco Séry – Voyages (Blue Note Records) 2000: Omar Sosa – Prietos (Midnight Sun) 2000: Trio Ivoire – Trio Ivoire (Enja) 2006: Trio Ivoire – Touching Africa (RISM/Alive) 2008: Aly Keïta – Akwaba Iniséné (Contre-Jour) 2009: Trio Ivoire – Across the Oceans (Enja) 2009: Omar Sosa und Mark Weinstein – Tales from the Earth (Otá Records) 2010: Aly Keïta – Farafinko (Contre-Jour) 2010: Marula – In All (Morgenland Records; mit Majid Bekkas, Michael Heupel und Uwe Kropinski) 2010: Majid Bekkas – Makenba (Igloo Records) 2011: Lukas Ligeti – Pattern Time (Innova Recordings; mit Benoît Delbecq, Gianni Gebbia und Michael Manring) 2011: Tuur Florizoone – Mixtuur (W.E.R.F. Records) 2014: Trio Ivoire – Timbuktu (Intuition Records) 2015: Africa Express – Terry Riley’s In C Mali 2016: Aly Keïta, Jan Galega Brönnimann und Lucas Niggli – Kalo-Yele (Intakt Records) 2016: Aly Keïta und Guo Gan – Peace in the World (Felmay) 2017: Trio Ivoire – Desert Pulse (Intuition Records) 2020: Aly Keïta, Jan Galega Brönnimann und Lucas Niggli – Kalan Teban (Intakt Records) 2020: Trio Ivoire – Enchanted Forest (Intuition Records) 2024: Minino Garay, Lucas Dorado und Aly Keïta – MetaMadera (Sound Surveyor Music) 2025: Trio Ivoire – Resurrection (Intuition Records) 2026: Aly Keïta Trio – Balafon Evolution (One World Records)

Weblinks

Website Aly Keita Aly Keïta at Urban Lys

Einzelnachweise

Kategorie:Fusion-Musiker Kategorie:Weltmusik-Künstler Kategorie:Musiker (Elfenbeinküste) Kategorie:Person (Abidjan) Kategorie:Ivorer Kategorie:Geboren 1969 Kategorie:Mann