mini|Fischbeck von Südwesten mit dem Süntel im Hintergrund Fischbeck ist ein Stadtteil der niedersächsischen Stadt Hessisch Oldendorf im Landkreis Hameln-Pyrmont. Der Ort liegt gut 5 km östlich der Kernstadt von Hessisch Oldendorf und ca. 6 km nordwestlich der Kreisstadt Hameln.

Geografie Fischbeck liegt im Naturpark Weserbergland Schaumburg-Hameln südlich des Süntelgebirges auf 71 m ü. NHN, nahe der Mündung des Nährenbachs in die Weser bei Stromkilometer 142. Der Nährenbach fließt als rechter Zufluss der Weser durch Fischbeck. Südöstlich der Ortschaft erstreckt sich das 21 Hektar große Naturschutzgebiet Heineberg.

Am nördlichen Rand der Ortschaft verläuft die Landesstraße L 423, am westlichen und südlichen Rand die Bundesstraße B 83 und durch die Ortschaft die Kreisstraße K 88.

Geschichte

Vorgeschichte (bis 27 v. Chr.)

Menschliche Anwesenheit in der Region um Fischbeck von der Altsteinzeit bis zur Eisenzeit Am Ende der Altsteinzeit (2.500.000-9.500 v. Chr.) und in der Mittelsteinzeit (9.500-5.500 v. Chr.) diente das Wesertal, in dem Fischbeck liegt, den nomadisierenden Jägern und Sammlern als Wander- und Jagdroute. Altsteinzeitliche Funde sind wegen der in dieser Zeitstellung im Weserbergland vorherrschenden rauen klimatischen Bedingungen jedoch sehr selten. In der Gemarkung Kirchohsen südöstlich von Hameln wurde in den Weserschottern ein ca. 60.000 Jahre alter Faustkeil aus der AltsteinzeitQuellen:

a) Oskar Grupe: Über jüngeren und älteren Löß im Flussgebiet der Weser, in: Jahrbuch F., 37/1, 1916, S. 144-163;

b) Zeitschrift Eiszeitalter und Gegenwart. Quarternary Science Journal, Vol. 60, Nr. 1, 2011, S. 27-41, .

c) Für den übergreifenden regionalen Kontekt der altsteinzeitlichen Besiedlung: Jens Berthold: Archäologie zwischen Hameln und Hoya. Die neue Kommunalarchäologie der Schaumburger Landschaft, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte (NNU), Band 80, S. 3-11, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart. gefunden, der sich im Museum Hameln befindet.Quelle:

Museum Hameln: Katalog der archäologischen Dauerausstellung: Abteilung Ur- und Frühgeschichte, Exponat Faustkeil aus den Weserkiesen von Emmerthal/Kirchohsen, Hameln. Im weiter südlich liegenden Landkreis Höxter wurden Jägerlager und typische Steinartefakte altsteinzeitlicher Gruppen gefunden.Quelle: Michael Baales, Hans-Otto Pollmann & Bernhard Stapel: Westfalen in der Alt- und Mittelsteinzeit, hrsg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), Münster, 2013, ISBN 978-3-8053-4793-8.

Seit der letzten Eiszeit lagerten sich kalkreiche Gesteinsstäube in den Gletschervorfeldern in windgeschützten Lagen der Mittelgebirge ab. Die hochwassergeschützten Terrassen des Flusstals der Weser, wie bei Fischbeck und Weibeck, bestehen daher aus fruchtbaren Lößböden.Quelle: K.-H. Hartge & F. Bailly: Beziehungen zwischen Staunässemerkmalen, Wasserleitfähigkeit und Porenkontinuität in Löß-Parabraunerden im südlichen Niedersachsen, in: Zeitschrift für Pflanzenernährung, Düngung und Bodenkunde, 1967, .Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat: Lößboden - Boden des Jahres 2021, in: https://www.bmleh.de/DE/themen/landwirtschaft/pflanzenbau/bodenschutz/boden2021.html, abgerufen am 22. Juli 2026. Sie eigneten sich gut für frühen Ackerbau und Viehzucht. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz sagt: „Erste dauerhafte Siedlungen sind (im zentralen Weserbergland) für das 6. Jahrtausend v. Chr. zu vermuten.“Quelle:

Christian Wiegand, Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (Hrsg.): Kulturlandschaftsräume und historische Kulturlandschaften landesweiter Bedeutung in Niedersachsen. Landesweite Erfassung, Darstellung und Bewertung, Hannover, 2019, S. 261. Mit dem Beginn der Sesshaftigkeit in der Jungsteinzeit (5.500-2.200 v. Chr.) wurde das Wesertal, in dem Fischbeck liegt, zu einem dauerhaften Siedlungsraum.Quellen:

a) Thomas Saile: Aspekte der Neolithisierung in der Weser-Harz-Region, Germania: Anzeiger der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts, Vol. 85, 2007, S. 181-197, ;

b) Ernst Sprockhoff: Altlas der Megalithgräber Deutschlands, Rudolf Habelt Verlag, Bonn, 1975;

c) Waltraud Schrickel: Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes, Band 4 und 5, Rudolf Habelt Verlag, Bonn, 1966. Im Weserbergland ist Fernhandel und Warentausch seit der Jungsteinzeit belegbar.Quelle: Geologischer Dienst NRW: Geologie im Weser- und Osnabrücker Bergland, Krefeld, 2003, S. 109, ISBN 978-3-86029-932-6. Bis zum Ende der Mittelsteinzeit bauten die als Jäger und Sammler nomadisch lebenden (nicht sesshaften) Menschen noch einfache Laubhütten. Seit der Jungsteinzeit bauten die im Weserbergland, vermutlich auch im Gebiet um Fischbeck sesshaft gewordenen Menschen auf gerodeten Waldinseln in kleinen weilerartigen Siedlungen und auf einzelnen Gehöften feste Pfosten- und Grubenhäuser, zumeist in der Nähe von Bachläufen (im Fall von Fischbeck war es der Nährenbach). Dörfer, wie wir sie heute kennen, sind erst im Hochmittelalter entstanden; ab dem 12./13. Jahrhundert wurden Bauernhäuser in Ständerbauweise, z. T. mit Steinfundamenten üblich.

Archäologische Forschung zur Vorgeschichte des Raumes Hameln und Hessisch Oldendorf ergibt folgendes Bild: Im gesamten Landkreis Hameln-Pyrmont wurden immer wieder bearbeitete Feuersteinreste, Schaber, Steinbeile und Äxte entdeckt, die von der Mittelsteinzeit bis zur vorrömischen Eisenzeit auf anfänglich halbnomadische Kulturen, sowie auf spätere frühbäuerliche Kulturen hinweisen.

Das Gebiet am Süntel bei Welliehausen, einem Stadtteil von Hameln, wurde bereits in der Mittelsteinzeit von Menschen aufgesucht, wie die Funde von drei verschiedenartigen Schabern zeigen, die zur Bearbeitung von Tierhäuten, Holz oder Knochen dienten.Quelle: Stadt Hameln (Hrsg.): Archäologische Fundchronik. In Tündern, einem Stadtteil von Hameln, wurde ein spitznackiges Felsovalbeil gefunden. Der Archäologe Daniel Lau (* 1978) berichtet: „Dieses Beil ist mit einer jungsteinzeitlichen Nutzung des Gebietes am Hastebach in der Zeit um 4.000 v. Chr. in Verbindung zu bringen.“Quelle: Daniel Lau, Archäologische Fundchronik 2022 für die Stadt Hameln, in: Museumsverein Hameln e. V. (Hrsg.): Hamelner Jahrbuch 2023, S. 136, . Das Steinkistengrab in Rohden, einem Stadtteil von Hessisch Oldendorf, ist wissenschaftlich präzise als Galeriegrab der jungsteinzeitlichen Wartberg-Kultur, ca. 3.500-2.800 v. Chr., klassifiziert; es gehört zu den seltenen westfälisch-hessischen Megalithanlagen in Niedersachsen.Quelle: Waldtraut Schrickel: Westeuropäische Elemente im neolithischen Gräberfeld Mitteldeutschlands und die westlichen Beziehungen der mitteldeutschen Steinkisten, Verlag Rudolf Habelt, 1966. Auf dem Finnenberg östlich von Fischbeck gab es bronzezeitliche Funde. In der Weseraue bei Tündern wurde eine Hirschgeweihaxt der jüngeren Bronzezeit (1.300–800 v. Chr.) gefunden.Quelle: Joachim Schween: Die Augen der Axt. Bemerkungen zur Punktkreisverzierung einer Hirschgeweihaxt der jüngeren Bronzezeit aus der Weseraue bei Tündern, Landkreis Hameln-Pyrmont, in: Niedersächsischer Landesverein für Urgeschichte (Hrsg.): Die Kunde, Band 53, Hannover, 2002, S. 225–241, . In der Gemarkung von Kirchohsen gibt es vorgeschichtliche Fundstellen wie den undatierten Ohsener Grabhügel mit einem Durchmesser von 7,5 Meter und einer erhaltenen Höhe von ca. 0,6 Meter und Grabhügelfelder, die im Denkmalatlas Niedersachsen aufgeführt sind.Quelle: Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Archäologische Fundchronik Niedersachsen: Gemarkung Kirchohsen/Emmerthal, Fundstelle Altsteinzeit, Hannover, erreichbar über das ADABweb. Sie belegen die Nutzung des Geländes in der Bronze- oder Eisenzeit. In Wangelist, einem Stadtteil von Hameln, wurde ein jungbronze- und eisenzeitliches Gräberfeld (1.100-600 v. Chr.) gefunden.Quelle: Erhard Cosack: Das jungbronze- und eisenzeitliche Gräberfeld von Wangelist, Stadt Hameln, in der Reihe: Materialhefte zur Ur- und Frühgeschichte Niedersachsens, Heft 20, Hildesheim, 1986, . Jungsteinzeitliche Funde und Keramik aus der Eisenzeit (800-1 v. Chr.) weisen nach dem Archäologen Erhard Cosack (* 1941; † 2022) auf frühe Besiedlungsphasen des Geländes bei Hastenbeck, einem Stadtteil von Hameln, hin.Quelle: Jürgen Schlieckau: Die Geschichte der Dörfer Diedersen und Dadersen, Verlag Jörg Mitzkat, Holzminden 2025, S. 19, ISBN 978-3-95954-174-9. Bei Afferde, einem Stadtteil von Hameln, rechnete der Archäologe Daniel Lau Keramikbruchstücke, wie die von Harpstedter Rauhtöpfen, der vorrömischen Eisenzeit zu.Quelle: Daniel Lau: Archäologische Fundchronik 2023 für die Stadt Hameln, in: Museumsverein Hameln e. V. (Hrsg.): Hamelner Jahrbuch 2024, S. 157 ff, . Bei Hilligsfeld, einem Stadtteil von Hameln, wurde beim Bau der Landstraße von Hameln nach Hannover, der heutigen Bundesstraße B217, ein vorgeschichtliches Gräberfeld gefunden.

Römische Kaiserzeit (27 v. Chr.-476 n. Chr.)

Die rhein-weser-germanischen Stämme der Cherusker und der Angrivarier im Siedlungsraum Weserbergland Es gibt im Weserbergland nur wenige archäologische Nachweise über frühe Siedlungen aus der Römischen Kaiserzeit. Eine Ausnahme bildet eine kleine Siedlung bei Hastenbeck, einem Ortsteil von Hameln, die in den ersten Jahrhunderten n. Chr. direkt an der Weser lag, deren Flussbett sich in der Folgezeit nach Westen verlagert hat. Diese Siedlung aus dem ersten bis dritten Jahrhundert n. Chr. wurde am östlichen Rand der heutigen Gemarkung von Tündern, einem Ortsteil von Hameln,Die kaiserzeitliche Siedlung bei Hastenbeck lag direkt an der Weser, die in dieser Zeitstellung einen anderen Verlauf hatte.

Quelle:

Erhard Cosack: Ein kaiserzeitlicher Siedlungsplatz des 1. bis 3. Jahrhunderts bei Tündern, Stadt Hameln, Ldkr. Hameln-Pyrmont, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte (NNU), Band 68. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1999, S. 39–57, . gefunden. Der Archäologe Erhard Cosack ordnet sie ein: „Diese ist dem Fundmaterial nach dem westgermanischen Kulturkreis zuzuordnen.“Quelle: Erhard Cosack, Ein kaiserzeitlicher Siedlungsplatz des 1. bis 3. Jahrhunderts bei Tündern, Stadt Hameln, Ldkr. Hameln-Pyrmont, in: Nachrichten aus Niedersachsens Urgeschichte (NNU), Band 68, Konrad Theiss Verlag, Stuttgart, 1999, S. 39, . Das Weserbergland, in dem Fischbeck liegt, war nach Edward Schröder in der Römischen Kaiserzeit das Kernland des germanischen Stammes der Cherusker. Stämme waren nach Auffassung der jüngeren Forschung aber flüchtige Bündnisse. Der Kontakt zum Römischen Reich trieb die Bildung neuer Gruppen erst voran. Das Weserbergland fungierte eher als dynamischer Bewegungsraum zwischen wechselnden Verbänden, denn als angestammtes Kernland eines einzigen, gleichbleibenden Stammes.

Am Ende der Römischen Kaiserzeit gehörte die Region um Fischbeck wahrscheinlich zum Siedlungsgebiet des germanischen Stammes der Angrivarier, der in der frühen Römischen Kaiserzeit in der gleichen Zeitstellung wie der Stamm der Cherusker lebte und an der Mittelweser,Die Verortung des Siedlungsraums der Angrivarier in der Römischen Kaiserzeit an der Mittelweser ist wissenschaftlicher Standardkonsens. Quelle: Reinhard Wenskus: Angrivarier, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), 2. Auflage, Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 1973, S. 333, .Quelle: Reinhard Wenskus: Angrivarier, in: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA), 2. Auflage, Band 1, Walter de Gruyter, Berlin/New York, 1973, S. 333, . vornehmlich auf der rechten Weserseite siedelte.Quellen: a) Ludwig Schmidt: Geschichte der deutschen Stämme bis zum Ausgange der Völkerwanderung, Nachdruck des Originals von 1907, Salzwasser Verlag, 2015, ISBN 978-3-86382-485-3.