miniatur|hochkant=1.6|Das Böhmische Mittelgebirge, Blick von Süden westlich von Litoměřice miniatur|Lage des Böhmischen Mittelgebirges Die Geologie des Böhmischen Mittelgebirges wird dominiert von überwiegend basischen tertiärzeitlichen Vulkangesteinen des Egergrabens, die das eingesunkene variszisch gefaltete kristalline Grundgebirge der Böhmischen Masse durchschlagen und auf diesem lagern. Ferner kommen Relikte des postvariszischen Vulkanismus und kreidezeitlicher Sedimentation vor. Es ist Teil des Böhmischen Beckens.

Kulturelle Wirkungen des Landschaftsreliefs mini|Überfahrt am Schreckenstein, Adrian Ludwig Richter (1837) mini|Böhmische Landschaft mit dem Milleschauer, Caspar David Friedrich (um 1810) Das Böhmische Mittelgebirge mit seinen zahlreichen Kegelbergen zählt zu den markanten Gebirgslandschaften in Mitteleuropa. Seine Berglandschaft, die Thermalbäder sowie die Kleinstädte an seinem nördlichen Rand spielten und spielen in den vergangenen drei Jahrhunderten eine bemerkenswerte Rolle. In vielseitiger Weise übte das Böhmische Mittelgebirge und der durchschneidende Elbstrom mit seinen ungewöhnlichen landschaftlichen Reizen bemerkenswerte Einflüsse in Kunst und auf das Geistesleben aus.

In den Epochen der Aufklärung und Romantik kommt die Wahrnehmung der Landschaft besonders ausdrucksstark zur Entfaltung. Adrian Ludwig Richter hinterließ mit seinem Gemälde Die Überfahrt am Schreckenstein (1837) ein bewundernswertes Zeugnis von der vergangenen romantischen Flusslandschaft bei Aussig. Caspar David Friedrich malte die Böhmische Landschaft mit dem Mileschauer (1824) und Johann Wolfgang von Goethe hielt den Bořeň (Borschen bei Billin, 1810) mittels einer lavierten Tuschzeichnung fest. Sein künstlerisches und wissenschaftliches Interesse an diesem Bergland ist wahrscheinlich nicht zu trennen. Die geologisch geprägten Landschaftsmerkmale sind durch die Malerei und verwandter Kunstformen der Gegenwart meisterhaft überliefert. Seither hat sich die Region an vielen Punkten stark verändert.

Regionale Maler wie Alois Gustav Schultz, Karl Quarck und Felix Bibus hielten ihre Eindrücke von der Landschaft mit zahlreichen Werken fest. Eine wichtige Sammlung von Gemälden, die ein vielseitiges künstlerisches Zeugnis von der historischen Oberflächengestalt in der Region ablegen, befindet sich im Museum vom Leitmeritz. Die markante Landschaft nahm sogar ihren Einfluss auf die Musik, als sich Richard Wagner angesichts der spätgotischen Ruine Schreckenstein sowie der oberhalb liegenden Hohen Wostrey einschließlich der sie umgebenden Szenerie zur Oper Tannhäuser ursprünglich inspirieren ließ.

Wichtige Etappen der geowissenschaftlichen Erkundung In älterer Literatur, besonders vor etwa 1850 findet man die Bezeichnung Böhmisches Mittelgebirge nur sehr selten. Der übliche Name war Mittelgebirge.Paul Partsch: Geognostische Skizze der österreichischen Monarchie mit Rücksicht auf Steinkohlenführende Formationen. In: JB d. k.k. geol. Reichsanstalt, Jg. 2, 1851, Wien (Wilhelm Braumüller), S. 103 Auf der von Johann Criginger 1568 erstellten Karte von Böhmen ist es bereits als Mittelgebirg ausgewiesen. Vom böhmischen Schriftsteller Bohuslav Balbín ist aus dem Jahr 1679 die lateinische Form Montes Medii überliefert.Zdeněk Kučera / Michal Hájek / Jana Chladná / Kateřina Rafflerová: Schulnaturlehrpfad Borschen. Informationstafel 2 Böhmisches Mittelgebirge auf alten Karten. (ohne Datum, ca. 2005)

Die Anfänge Friedrich Carl Watterich von Watterichsburg notiert in seinem Handwörterbuch der Landeskunde des Königreichs Böhmen (Prag 1845) über das Gebirge eine bemerkenswerte Einschätzung: In geognostischer Hinsicht gehört das ganze Mittelgebirge zur vulkanischen Trappformation, welches in Hinsicht auf äußere Schönheit und innere Merkwürdigkeit mit den interessantesten Gebirgen dieser Art in Schottland, Frankreich u. Italien ehrenvoll verglichen werden darf.

Im 19. Jahrhundert tritt zunehmend der Begriff Leitmeritzer Mittelgebirge auf, wie es Friedrich Katzer in seinem Werk Geologie von Böhmen ausführlich beschrieb.Friedrich Katzer: Geologie von Böhmen. S. 1350 Diese Bezeichnung korrespondiert mit dem Leitmeritzer Kreis, einem ehemaligen Verwaltungsbezirk. Er ordnete es neben dem Duppauer und dem Semiler Gebirge einem gesamten böhmischen Kegelgebirge zu und teilt in diesem Zusammenhang mit, dass Karl Kořistka 1869 das Leitmeritzer Mittelgebirge in drei Bereiche gliederte. Das waren eine südwestliche, nordöstliche und nordwestliche Gruppe, die durch das Elbtal und das Bielatal voneinander unterschieden wurden. Auch unter deutschen Geologen fand der Begriff Leitmeritzer Mittelgebirge Verwendung, beispielsweise von H. Engelhardt.

mini|August Emanuel Reuss Zu den frühen geologischen Beschreibungen dieser Region zählen die Arbeiten von August Emanuel von Reuss. Er beschreibt in seinen Geognostischen Skizzen aus Böhmen (Prag 1840–44) die Geologie in der Umgebung von Teplitz und Bilin. Sein Vater, ehemaliger Werner-Schüler und später Bergrat sowie fürstlich Lobkowitz’scher Brunnenarzt Franz Ambrosius Reuss (1761–1830), befasste sich stärker mit den Mineralquellen und posthum erschien 1844 (2. Aufl.) dessen Abhandlung Die Thermen von Teplitz.

In Bilin existierte ein fürstlich Lobkowitz’sches Mineralien-Kabinett, das zu den frühesten Sammlungen aus dieser Region zählt (Ferdinand von Lobkowitz).August E. Reuss / Joseph Rubesch: Die Versteinerungen der böhmischen Kreideformation. Zweite Abtheilung, Stuttgart (Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung) 1846 Der Fürst August Longin von Lobkowitz (1797–1842), Präsident der k.k. Hofkammer für Münz- und Bergwesen beauftragte Friedrich Mohs mit geognostischen Reisen im gesamten Kaiserreich, um Mineralien und andere Sammlungsstücke aufzunehmen. Im Jahr 1837 führte ihn diese Aufgabe nach Böhmen, wo er zuerst die Sammlung des vaterländischen Museums besuchte und dann weiter nach Teplitz reiste, um dort mit Alexander von Humboldt zusammenzutreffen. Gemeinsam begaben sie sich von Teplitz weiter nach Freiberg in Sachsen.Claudia Schweizer: Wissenschaftspolitik im Spiegel geistiger Nachfolge. Zur Korrespondenz von Friedrich Mohs an Franz-Xaver Zippe aus den Jahren 1825-1839. In: Berichte der Geologischen Bundesanstalt Bd. 71, Wien 2007 , S. 17

Frühe Kartenaufnahmen und Einzelstudien miniatur|Ferdinand von Hochstetter Die ersten systematischen geologischen Kartenaufnahmen (Manuskriptkarten 1:28.800) des Böhmischen Mittelgebirges erfolgten zwischen 1856 und 1858 in Regie der k.k. geologische Reichsanstalt durch Ferdinand von Hochstetter und Johann Jokély im Gebiet zwischen Komotau und Leitmeritz. Als Hochstetter für die Novara-Expedition ausgewählt wurde, übernahm Jokély ab 24. März 1857 als Sektionsgeologe in alleiniger Verantwortung die Aufnahmeregion zwischen Leitmeritz und Tetschen. Im Folgejahr erfolgten durch ihn Kartierungsarbeiten bis nach Böhmisch-Leipa und in die Region Schluckenau.W. Haidinger: Johann Jokély. Nachruf. In: Verh. d. geolog. Reichsanstalt. 12. Bd. Jg. 1861/62, S. 261J. Loeschner, G. Ritter von Hochberger (Hrsg.): Amtlicher Bericht über die sieben und dreissigste Versammlung Deutscher Naturforscher und Aerzte in Karlsbad im September 1862. Karlsbad 1863

Der Prager Mineraloge und Petrograph Emanuel Bořický untersuchte um 1877 die Vulkangesteine des Böhmischen Mittelgebirges und erwarb sich auf diesem Feld große Verdienste. Durch seine Arbeiten konnten die in der Region auftretenden vulkanischen Gesteinsarten detailliert aufgenommen, klassifiziert und ihre mineralogische Zusammensetzung erstmals umfassend beschrieben werden. Innerhalb dieser Arbeit entstanden Hunderte von Dünnschliffen.

Sehr früh äußerte Eduard Reyer, ein Geologe der k.k. geologischen Reichsanstalt, die Auffassung, dass einige Erscheinungen auf singuläre vulkanische Ereignisse zurückgehen, beispielsweise die Rongstocker (Roztoky nad Labem) Intrusionen. Darüber berichtete er in seinem 1879 erschienenen Aufsatz Ueber die Tektonik der Vulcane von Böhmen.

Die Verwitterungsprodukte von Basalten und Phonolithen sowie die Böden über den kreidezeitlichen Plänerschichten am Südabfall des Böhmischen Mittelgebirges zwischen Egertal und Lobositz, waren zum Ende der 1880er Jahre Untersuchungsgegenstand von Jos. Hanamann, dem Vorstand der agriculturchemischen Versuchsstation in Lobositz. Die Böden aus den Teplitzer Plänerschichten zusammen mit den aufgelagerten Mergeln bilden ein kalkiges, toniges und sandiges Substrat. Seine Erkenntnisse förderten das Verständnis über die fruchtbaren Nährstoffgehalte und die ungünstigen hydrogeologischen Umstände am südlich-südwestlichen Abfall des Mittelgebirges.Jos. Hanamann: Über die chemische Zusammensetzung verschiedener Ackererden und Gesteine Böhmen’s und über ihren agronomischen Werth. Prag (Fr. Řivnáč) 1890

Eduard Suess untersuchte 1897 die Teplitzer Thermalquellen und die tertiären Kohlelagerstätten um Brüx.Zdeněk Kukal: Address of a Czech Geologist dedicated to the 150 Years Jubilee of the Geological Survey of Austria (Geologische Bundesanstalt). In: Abh. d. Geolog. BA Bd. 56/1, Wien (Geolog. Bundesanstalt) 1999, S. 45–56.

Die herausragendsten Feld- und Kartierungsarbeiten im Böhmischen Mittelgebirge leistete Josef Emanuel Hibsch. Dieser lehrte seit 1880 an der Königlich Böhmischen Landwirtschaftlichen Akademie in Tetschen-Liebwerd naturwissenschaftliche Fächer und widmete darüber hinaus ab dem Jahr 1881 sein gesamtes Schaffen der geologisch-geographischen Erforschung dieses Gebirges. Hibschs kartographisch-geologische Aufnahme begann 1891. Zwischen 1896 und 1932 erschienen zwanzig Kartenblätter (1:25.000) mit den jeweiligen Erläuterungsberichten. Die späten Arbeiten entstanden unter Mitwirkung von Anton Senger, F. Seemann, H. Michel und G. Irrgang. Hibschs fachliches Ansehen war so groß, dass seine nach 1918 erschienenen Erläuterungsberichte der Geologischen Staatsanstalt (Státní Geologický Ústav) in deutscher Sprache erschienen. Die dazugehörenden Karten waren allerdings zweisprachig. Dieser abschließende Publikationsabschnitt gelang in besonderer Weise durch die direkte Unterstützung von Cyrill Purkyně, dem ersten Direktor der damaligen Tschechischen Geologischen Staatsanstalt.Hermann Michel: Prof. Dr. Josef Emanuel Hibsch. Sein Leben und sein Werk. Reichenberg (Sudetendeutsche Anstalt für Landes- und Volksforschung) 1941. Spätere Erkundungen und neue Kartierungen im Böhmischen Mittelgebirge durch tschechische Geologen bauen auf dem Werk von Hibsch auf.

Spätere Kartierungsarbeiten und Einzelstudien Später kartierte Čeněk Zahálka im südlichen Teil vom Böhmischen Mittelgebirge und veröffentlichte seine Arbeit 1938.Josef Svoboda: Ústřední ústav geologický ČSSR 1919-1969. Praha (Academia Praha) 1969, S. 88 Unter den moderneren Bearbeitern des Gebietes sind Jaroslav Domas, V. Klein, Otakar Shrbený und Jaroslav Valečka zu nennen, die zur geologischen Kartierung im Maßstab 1:50.000 in den 1970er und 1980er Jahren maßgeblich beitrugen. Erwähnenswert sind ferner unvollendet gebliebene Arbeiten an Kartenblättern (Maßstab 1:25.000) in den 1970er Jahren.

Zu den jüngsten umfassenden Ergebnissen, speziell über den Vulkanismus in der Region zählen die 1987 und 1988 veröffentlichten Untersuchungen von Lubomír Kopecký, der allgemein als Experte für Vulkanite gilt.Ivo Chlupáč et al.: Geologická minulost České Republiky. S. 326–328L. Kopecký: Mladý vulkanismus Českého masívu. Strukturně geologická a vulkanologická studie. In: Geologie a hydrometalurgie uranu. (Jg/Heft 11/3, 11/4, 12/1, 12/2, 12/3, 12/4) Stráž pod Ralskem 1887-1988

Geomorphologie mini|Blick vom abfallenden Böhmischen Mittelgebirge über das Nordböhmische Becken zum Erzgebirge mini|Blick vom Berg Wostrey (Ostrý) nach Süden in das flacher werdende Mittelgebirge In Bezug auf seine geomorphologische Einordnung ist das Böhmische Mittelgebirge ein Teil der Krušnohorská subprovincie.