mini|Namen-Jesu-Kirche, Luftaufnahme (2016) mini|alternativtext=|Namen-Jesu-Kirche, Frontalansicht von Westen (2020) mini|hochkant|Namen-Jesu-Kirche in Bonn mini|Mittelschiff Die Namen-Jesu-Kirche ist ein nachgotischer Kirchbau in der Bonngasse der Bonner Innenstadt. Die Kirche befindet sich im Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen und wird von der Alt-Katholischen Kirche in Deutschland als Kathedrale und Citykirche genutzt. Sie steht als Baudenkmal unter Denkmalschutz..

Geschichte Die Auffindung eines Buchenholzstücks mit dem Namen Jesu (IHS) veranlasste den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Maximilian Heinrich von Bayern, der in Bonn residierte, eine Kirche zu Ehren des wunderbaren NamensJoseph Braun: Die Kirchenbauten der deutschen Jesuiten. Ein Beitrag zur Kultur- und Kunstgeschichte des 17. und 18. Jh. Freiburg i. Br. 1908, S. 173. für die Bonner Jesuiten zu errichten.

Die Namen-Jesu-Kirche wurde zwischen 1686 und 1717 errichtet. Die Grundsteinlegung erfolgte unter Maximilian Heinrich am 14. September 1686.Obere Inschrift des Grundsteines: Maximilianus Henricus Archiep(iscopus) Colon(iensis) Dux Bav(ar)iae Sacro Iesu Nomini devotissimus in eiusdem nominis honorem hoc templum a fundamentis erexit 1686 14. Sept(em)bris. Am 24. Juli 1689, beim Mörser-Angriff auf die Stadt im Pfälzischen Erbfolgekrieg, wurde die Kirche zwar nicht zerstört, aber sehr beschädigt. Im gleichen Jahr wurden die Jesuiten von den Franzosen gewaltsam aus der Stadt vertrieben, weil sie für Verbündete des Kurfürsten Joseph Clemens von Bayern gehalten wurden und sich weigerten, die Stadt zu verlassen. Nach der Eroberung durch die Verbündeten kehrten die Jesuiten zurück. Die Bauarbeiten wurden um das Jahr 1692 wieder aufgenommen, sodass man am 3. Dezember 1694, dem Fest des heiligen Franz Xaver, in die Kirche einziehen konnte; der Bau wurde im Jahre 1698 fertiggestellt. In den darauffolgenden Jahren wurde das Mobiliar angeschafft, bis 1704 letzte Verzierungen an Hochaltar, Seitenaltären und Beichtstühlen erfolgten und die Ausstattung vollständig war. Im Jahr 1717 weihte der Erzbischof von Köln, Kurfürst Joseph Clemens, den Kirchbau.

Nach dem Weggang der Jesuiten im Jahre 1774 stand das Gebäude leer. Von 1794 bis 1800, der sogenannten Franzosenzeit, wurde ein Großteil des Mobiliars vernichtet und der Innenraum als Pferdestall und Soldatenunterkunft zweckentfremdet.Werner Hesse: Geschichte der Stadt Bonn während der französischen Herrschaft, 1792-1815. Bonn 1879, S. 83. Zudem wurde die Kirche wie alles kirchliche Eigentum (außer den Pfarrkirchen) enteignet. Sie ist seitdem in staatlichem Besitz.

Von 1877 bis 1934 diente sie der alt-katholischen Gemeinde Bonn als Pfarrkirche. Anschließend wurde sie als römisch-katholische Universitätskirche genutzt, in der auch der damalige Bonner Theologieprofessor Joseph Ratzinger zu Beginn der 1960er Jahre predigte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Kirche im alliierten Luftkrieg schwer beschädigt: Zerstört wurde die Dachdeckung von Langhaus und Türmen, beschädigt die Konstruktion insbesondere an der Südseite sowie durch Sprengstücke und Splitter die Fassade und das Maßwerk. Die südliche Sakristei brannte aus, das Gewölbe erlitt einen Einschlag. Eine weitere Folge war die Neigung des Giebels nach Westen. Der nachfolgende Wiederaufbau erfolgte im Wesentlichen bis Ende 1950 und wurde endgültig 1954, hinsichtlich der Ausstattung 1957 abgeschlossen.Kriegsschicksale Deutscher Architektur. Verluste – Schäden – Wiederaufbau. Eine Dokumentation für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland. Band 1: Nord, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1988, ISBN 3-529-02685-9, S. 382.

Zuletzt fanden in der Kirche die Gottesdienste der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG) statt. Nachdem das Erzbistum Köln die Nutzung im Jahr 2009 aufgegeben hat,domradio.de-Meldung vom 28. Juni 2007 dient die Kirche seit 2012 dem Deutschen Bistum der Alt-Katholiken als Bistums- und Kathedralkirche. Die Stiftung Namen-Jesu-Kirche sorgt für den Unterhalt und die satzungsgemäße Nutzung; neben der Liturgie finden auch Konzerte und Ausstellungen statt.Gottesdienste und geistliche Angebote auf namenjesukirche.wordpress.com, abgerufen am 13. März 2024.

Architektur mini|hochkant|Wappen über dem Hauptportal mini|hochkant|Kreuzrippengewölbe Paul Clemen urteilt über den Bau wie folgt: „Die Kirche ist eine der interessantesten norddeutschen Jesuitenkirchen, in der die romanisierenden und gotischen Elemente fast unvermittelt neben die barocken Formen treten.“

Erbaut wurde die Kirche nach Plänen des Graubündner Architekten Giacomo de Candrea im Stil der sogenannten Jesuiten-Gotik, die barocke Elemente mit denen anderer Stilrichtungen verbindet.

Fassade In den beiden Türmen sind romanische Doppelfenster eingelassen, während sich in der Mitte spitzbogige, gotische Fenster befinden. Hingegen sind die Säulen mit barocken Dekorationen versehen. Die Türme sind jeweils mit einer welschen Haube bekrönt.

Portal Über dem Hauptportal war folgende Inschrift angebracht: A PATROVO ERECTVM NEPOS DICAVIT (Vom Onkel aufgerichtet, hat es der Neffe geweiht). Das Chronogramm ergab das Jahr der Weihe: VCVMDICVI = MDCCVVVII = 1717. Das Christusmonogramm IHS nahm Bezug auf das Patrozinium.

Innenraum und Maße Im Inneren der Kirche stellt sich der Eindruck einer Hallenkirche ein. Höhe der Türme: rund 53 Meter Länge: 33,5 Meter Breite: 16,5 Meter, davon Mittelschiff 8,5 Meter Höhe des Mittelschiffes: 16 Meter

Gruft mini|Gedenktafel für den im Kolumbarium der Namen-Jesu-Kirche bestatteten Ulrich Heifer Unter dem Altarraum der Kirche befindet sich ein Tonnengewölbe, in dem sich noch die Grabstätten von 66 Jesuiten-Patres aus der Zeit des Jesuitenklosters (bis 1774) erhalten haben.

Die alt-katholische Kirche hat in dieser Gruft einen Urnenfriedhof geschaffen.http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/bonn/bonns-unterirdischer-friedhof-article889351.html Dieses Kolumbarium steht allen Menschen offen, die sich mit der Namen-Jesu-Kirche verbunden fühlen. Unter den hier Bestatteten ist z. B. der Hochschullehrer Ulrich Heifer (1930–2018).

Restaurierungsarbeiten Seit 2006 soll das Land rund 1,1 Millionen Euro für die Turmsanierung und die Fassadensicherung ausgegeben haben. Die Restaurierungsarbeiten dauerten bis in das Jahr 2012. Der Eigentümer, das Land Nordrhein-Westfalen, stellte weitere 7,5 Millionen Euro zur Verfügung, um die gesamte Außenfassade zu restaurieren. Hierzu wurde ein Gerüst aufgebaut, das sechs Meter in die Bonngasse ragt. Die Kirche wurde zusätzlich überdacht, sodass Arbeiten auch bei schlechtem Wetter stattfinden konnten. Da Teile der Fassade abzubrechen drohten, schützte bis zum Beginn der Arbeiten ein Gerüst die Passanten vor Schäden.

Ausstattung mini|hochkant|Hochaltar mini|hochkant|Figur des Erzengels Michael auf der Kanzel mini|Hochaltar, Kanzel, neue Prinzipalien Von der ursprünglichen Ausstattung sind nur Teile des Gestühls (zweimal vierzehn Kniebänke mit geschnitzten Wangenstücken) und die Kanzel (1698) erhalten. Die Altäre, die Melchior Jouanny anfertigte, entstammen der 1897 abgerissenen Kapuzinerkirche. Die in die Seitenmauern eingelassenen Beichtstühle stammen aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Hochaltar Der Hochaltar wurde von Bartholomäus Dierix um 1755 geschaffen. Den Hochaltar schmückt ein in Weiß und Gold gehaltenes Antependium, das mittig mit einem strahlenverzierten Kreuz versehen ist. Oberhalb der Altarmensa erhebt sich das Tabernakel. Der beeindruckende Aufbau, der von einer von Putten gehaltenen Draperie umrahmt wird, besteht aus zwei seitlichen Pilastern, denen Säulen vortreten. Der Aufbau schließt nach oben hin mit einer strahlenbekränzten Plastik ab, die Gottvater in den Wolken thronend mit einem Globus in der Hand und umgeben von Putten und Engeln zeigt. In einem reich geschnitzten Rahmen befindet sich ein Gemälde des 18. Jahrhunderts mit der Darstellung der Heiligen Familie, über dem das kurfürstliche Wappen mit dem Kurhut angebracht ist. Im Vordergrund ist der Hl. Josef in sitzender Position zu sehen, während hinter ihm Maria, das Jesuskind am rechten Arm haltend, steht. Nachdenklich betrachtet dieses ein Kreuz in seiner Linken.

Auf den beiden hölzernen Brücken, die den Altar zur Chorwand hin abschließen, steht jeweils eine Heiligen-Skulptur: links der Hl. Felix und rechts die Hl. Elisabeth von Thüringen.

Seitenaltäre Die beiden Seitenaltäre stammen von Melchior Jauanny und sind ebenfalls aus Lindenholz gefertigt. Die lange verschollen geglaubten Bilder konnten 2013 in die Kirche zurückgeführt werden, nachdem sie über Jahre aufwändig restauriert wurden. Das rechte Altarbild zeigt den Heiligen Antonius von Padua, das linke den Heiligen Franz von Assisi.

Kanzel Der Schalldeckel der Kanzel ist gekrönt von der Figur des drachentötenden hl. Michael.

Moderne Prinzipalien Die neuen Prinzipalien für die Namen-Jesu-Kirche gestaltete der Künstler Klaus Simon im Sommer 2011. Am 27. Dezember 2010 war im Kottenforst die 300 Jahre alte Dicke Eiche, ein Naturdenkmal, umgestürzt. Klaus Simon durfte hiervon einen Abschnitt von 1,2 m Länge verwenden. In einem Waldatelier beim Standort der Dicken Eiche, am Jägerhäuschen, schuf er Altar, Lesepult, Osterkerzenständer und die Rückenlehne der Kathedra, des Bischofsstuhls. Gottesdienste und Diskussionen im Waldatelier begleiteten die Arbeiten. Die Möbel zeigen die Lebensgeschichte der Dicken Eiche, unter anderem überlebte sie zwei Blitzschläge. Dies soll an menschliche Wunden erinnern. Auch die übrigen Sedilien stammen von Klaus Simon. Der „Verein Ausstellungshaus für christliche Kunst“ in München und das Land Nordrhein-Westfalen unterstützten diese Arbeit.

Beichtstühle Die Beichtstühle aus der Mitte des 18. Jahrhunderts sind sehr typisch für eine Jesuitenkirche. Die alt-katholische Kirche benötigt keine Beichtstühle. Daher werden sie in der Namen-Jesu-Kirche anders genutzt: Als Hör- oder Leseorte bieten sie die Möglichkeit, Musik zu hören oder zu lesen.

Orgel mini|Orgelempore Die nachweislich erste Orgel wurde 1870 von Georg Stahlhuth errichtet. Dieses Werk verfügte über 19 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Orgel wurde während des Zweiten Weltkrieges so sehr beschädigt, dass sie 1951 abgebrochen werden musste.Orgel-Databank | Beschreibung der alten Orgel Im Jahre 1958 wurde von der Orgelbaufirma Johannes Klais in Bonn eine neue Orgel gebaut (Opus Nr. 1147). Sie verfügt über 25 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, die der Register ist elektrisch. Die Windlade ist als Schleiflade ausgeführt.Orgel-Databank | Beschreibung der neuen Orgel

I Hauptwerk C–g3Quintade 16′Principal 8′Rohrflöte 8′Octave 4′Holzflöte 4′Nasard (ab c0) ′Superoctav 2′Terz (ab f0) ′Mixtur V Trompete 8′ II Rückpositiv C–g3Holzgedackt 8′Spitzgamba 8′Principal 4′Koppelflöte 4′Blockflöte 2′Siffquinte ′Scharff IV Sifflet 1′Musette 8′Tremulant Pedal C–f1Subbass 16′Principalbass 8′Bartpfeife 8′Octavflöte 4′Hintersatz IV Posaune 16′ Koppeln: II/I, I/P, II/P. Spielhilfen: 2 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Tutti, 4 Einzelzungenabsteller

Glocken In der Glockenstube des Südturmes (romanische Schallfenster) befindet sich ein historischer Nadelholzglockenstuhl, der aus der Zeit der Fertigstellung der Türme stammt. Seine Unterzüge sind in die Turmmauern eingelassen. Der dreifeldrige Glockenstuhl wird seit seiner Erbauung nie eine Glocke getragen haben, da keine Aussparungen für die notwendigen Jochlager vorhanden sind.