mini|Conrad Grünenberg, Wappen „Graue von Nuwenar“ als Kölner Erbvogt (ohne heraldischen Bezug auf die Grafschaft Limburg), um 1480/85|200px

Gumprecht II. von Neuenahr (* um 1400; † 9. März 1484 in Köln) war ein durch Erbe Herr von Rösberg, Alpen und Garsdorf und Kölner Erbvogt, ab 1442 Graf von Neuenahr und Limburg und 1441–1443 königlicher Hofrichter Friedrichs III.

Leben Gumprecht kam als Sohn von Gumprecht I. von Neuenahr (* um 1370; † zwischen 1409 und 1413) und dessen Ehefrau (⚭ 1398/99) Gräfin Philippa von Loon-Heinsberg (* um 1370; † um 1410 bzw. vor 1429) aus dem Haus Sponheim zur Welt.Sie war in erster Ehe verheiratet mit Gerhard von Tomberg; vgl. Anton Fahne: Geschichte der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheid, sowie ihrer Länder und Sitze, nebst Genealogie derjenigen Familien, aus denen sie ihre Frauen genommen. Band I/2. J. M. Heberle, H. Lempertz, Köln 1866, S. 10 (Google-Books). Johann VIII. von Heinsberg, 1419 bis 1455 Bischof von Lüttich, war sein Cousin, Jakoba van Loen-Heinsberg, 1446 bis 1451 Äbtissin des Reichsstiftes Thorn, seine Cousine.Vgl. Regest einer Urkunde vom 10. November 1442; Repertorium Germanicum, Bd. V, 03534 (Digitalisat bei Repertorium Germanicum Online).

Vormundschaft von Johann II. von Loen und Gumprecht II. von Alpen Nach dem Tod seines Vaters Gumprechts I. von Neuenahr erbte Gumprecht II. die Herrschaft Rösberg sowie Schloss und Amt Hardt.

Bereits 1413 übertrug der Kölner Erbvogt Gumprecht II. von Alpen († 1423) „seinem noch unmündigen Neffen Gumprecht von Neuenahr Burg, Stadt und Herrlichkeit Alpen“ mit dem Vorbehalt des lebenslangen Nießbrauchs.Urkunde vom 14. September 1413; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 425, S. 134. Der Sohn seiner Schwester Alveradis von Alpen († nach 1416), Gumprecht I. von Neuenahr, war um 1370 geboren und hatte bereits vor 1400 viele selbstständige Rechtsgeschäfte abgeschlossen, so dass die Übertragung nicht an ihn, sondern an den GroßneffenAngela Kulenkampff: Die Grafen und Herren von Neuenahr 1276-1521. In: Zeitschrift für historische Forschung 24 (1997), S. 161–178, bes. S. 167. Gumprecht II. von Neuenahr erfolgte. Gumprecht I. von Neuenahr war 1413 bereits verstorben.Erster ausdrücklicher Beleg in einer Urkunde vom 15. November 1422: „nach dessen Tode“; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 453, S. 142. 1415 und 1415 traten für den noch unmündigen Gumprecht II. von Neuenahr seine Großmutter Alveradis von Alpen und seine „Oheime“ (Onkel und Großonkel) Johann II. von Loen († 1438), Herr zu Jülich, Heinsberg und Lewenberg, und Gumprecht II. von Alpen als Vormünder auf. „Alverait von Alpen“ verpfändete dabei ihre Güter an den Wynden (angen Weinden) zwischen Issum und AlpenNorbert Andernach: Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 12/2 Namen- und Sachindex zu den Bänden 8–12,1". (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 21,12/2). Droste, Düsseldorf 2001, S. 474. als Sicherheit für zwei Darlehen über 150 und 50 Gulden, die ihr und ihrem Sohn (oder Enkel) Gumprecht von Neuenahr gewährt worden waren, an Bernd d. J. von Wevort genannt Bulver zu Ossenberg; Johann II. von Loen und Gumprecht II. von Alpen siegelten die Verschreibungen als Vormünder des Gumprecht II. von Neuenahr mit.Urkunden vom 16. Juni 1415 und 19. April 1416; vgl. Urkunden vom 28. Oktober 1407 (Gumprecht II. von Alpen) und vom 29. November 1438 (Gumprecht II. von Neuenahr über 200 Gulden Schulden seiner „Ahnfrau“ (Großmutter) Alverait von Alpen); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 409a, 427, 429, 546 und 659, S. 128, 134f, 135, 164 und 194. 1416 beglich Johann II. von Loen 600 Gulden Schulden, die der Jülicher Erbmarschall Frambach II. von Birgel († um 1439), Herr zu Tomberg und Eschweiler,Richard Pick: Die Eschweiler Burg. In: Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein 3 (1866), S. 224–264, bes. S. 246 (Google-Books). als Bürge für seinen (verstorbenen) Schwager Gumprecht I. von Neuenahr, Herrn zu Drimborn und zu Dollendorf, hatte zahlen müssen.Quittung vom 1. November 1416; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0581 / Heinsberg, Urkunden AA 0581, Nr. 304; Regest).

Eheberedung mit Isabelle von der Marck 1418 wurde für „Gumprecht von Neuenahr“ und Isabella von der Marck, Tochter „Eberhards von der Marck-Arenberg“, ein Ehevertrag geschlossen. Vermittler und Mitsiegler des Ehevertrags waren auf Seiten des Bräutigams Johann II. von Loen und Erbvogt Gumprecht II. von Alpen (ein Sohn der Elisabeth von der Mark), auf Seiten der Braut Eberhard II. von der Marck-Arenberg und Erbmarschall Frambach II. von Birgel.Eheberedung vom 2. August 1418; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (AA 0581 / Heinsberg, Urkunden AA 0581, Nr. 311). Isabella war vermutlich eine – sonst nicht erwähnte – Tochter von Eberhard II. von der Marck-Arenberg und (⚭ 1410) Marie de Bracquemont, dame de Sedan (1380–1415), die noch im Kindesalter stand.

Eberhards II. Schwester Isabelle (Ysabiel) de la Marck († 1452), Tochter von Eberhard I. von der Marck-Arenberg und (⚭ 1351) Maria von Loon (Looz) (* um 1336; † 1400), dame de Neufchâteau et de Lummen, war seit 1375 Kanonisse am Stift Sainte-Waudru in Mons und amtierte dort von 1390 bis 1451 als Äbtissin.Léopold Devillers (Hrsg.): Cartulaire des comtes de Hainaut, de l'avènement de Guillaume II. à la mort de Jacqueline de Bavière, Bd. II. Lamertin, Brüssel 1883, S. 235f (Google-Books). Weitere Geschwister des Eberhard II. von der Marck-Arenberg waren u. a. Johann I. von der Marck-Arenberg (* 1364; † vor 1427), verheiratet mit Elisabeth von Kerpen († 1443), Margarete von der Marck-Arenberg (* um 1355/65; † 1429), von 1390 bis 1412 Pröpstin und von 1412 bis 1426 (resigniert) Fürstäbtissin des Stiftes Essen, begraben in der Kreuzbrüderkirche in Köln, und Anna von der Marck-Arenberg (* um 1355/65; † 1436), Kanonisse in Essen und seit 1426/27 (resigniert vor 1433) Äbtissin im Stift Freckenhorst.Wilhelm Kohl: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster, Bd. 3 Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst. (Germania Sacra. NF 10). Walter de Gruyter, Berlin 1975, S. 320f.

Kinder aus dieser Verbindung sind nicht bekannt. Wahrscheinlich wurde die Verlobung aufgelöst und die Ehe nicht vollzogen, oder die Braut starb, bevor sie im heiratsfähigen Alter war bzw. vor 1425.

Kölner Erbvogt Der Kölner Erbvogt Gumprecht II. von Alpen († 1423) aus dem Haus Heppendorf hatte keine „legitimen“ männlichen Nachkommen. Sein „Bastardsohn“ Gomprecht von AlpenEintrag vom 2. Mai 1405 im Fehderegister, Bl. 76f, und Urkunde vom 6. November 1406; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/7384B). war nicht erbberechtigt. Gumprecht II. leitete noch zu Lebzeiten 1418 – unter dem Vorbehalt der lebenslänglichen Nutzung durch ihn selbst – die Übertragung der Erbvogtei sowie der Herrschaften Alpen und Garsdorf an seinen Großneffen Gumprecht II. von Neuenahr, Herrn zu Rösberg (Rodisberg) ein.Urkunden und Briefe vom 27. Januar und 2. Februar 1418; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln, Urkunde Nr. 1570); Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/9858; Bestand 21 Briefeingänge datiert, A 1702 und 1703); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 435, S. 137. Am 18. Mai 1422 übergab er die Erbvogtei und die Herrschaft Alpen endgültig an seinen Großneffen („Neffen“) und Erben Gumprecht II. (als Erbvogt Gumprecht III.) von Neuenahr.Urkunden vom 18. Mai 1422; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Kurköln, Urkunde Nr. 1630); Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 2/8944A); Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 446–448; S. 140f. Das Abkommen wurde durch Gumprechts II. von Neuenahr Onkel Johann II. von Loen vermittelt.Revers vom 18. Mai 1422; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 448; S. 141. Ab 1422 nahm Gumprecht II. (III.) von Neuenahr zahlreiche Belehnungen als Kölner Erbvogt und Herr von Alpen vor.Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 449–451, 454–485, 487, 489, 492, 494ab, 495a; S. 140–150. Zu diesem Zeitpunkt war er noch keine 25 Jahre alt und ist vermutlich für majorenn erklärt worden.Vgl. etwa Deutschenspiegel 55 § 2 „Ez enmac nieman phleger noch voget gesîn, er sî fünf unde zweinzic jâr alt“ nach den Institutiones Iustiniani I 25 § 13 u. a.; Karl August Eckhardt, Alfred Hübner (Hrsg.): Deutschenspiegel und Augsburger Sachsenspiegel. 2. Auflage Hahn, Hannover 1933, S. 126 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Johann II. (III.) von Heppendorf († 1435), Herr von Rheydt, wurde zwar 1424 als angeblicher Erbe des Gumprecht II. von Alpen von König Sigismund von Luxemburg mit der Erbvogtei der Stadt und des Stiftes Köln als Reichslehen belehnt,Regest einer Urkunde vom 27. Januar 1424, ausgestellt in Visegrád (Plintenburg); RI XI,1 n. 5756 (Digitalisat in Regesta Imperii Online); Urkunde von 1424; Gelders Archief Arnhem (0567 Familie Van Verschuer, Nr. 2164). konnte seinen Anspruch aber nicht gegen Gumprecht II. von Neuenahr durchsetzen.

Als Erbvogt erhielt Gumprechts II. von Neuenahr jährlich, fällig auf Remigius (1. Oktober), von der Stadt Köln eine Mannlehensrente von 25 Gulden.Vgl. Urkunden vom 1. Oktober 1428 oder 14. November 1452; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 3 Haupturkundenarchiv, U 1/10477A; Haupturkundenarchiv – Nachträge, U 1/96 u. ö.). Ein jährliches Mannlehen von 100 Gulden erhielt Erbvogt Gumprecht II. auch vom Rentmeister des Herzogtums Geldern.Quittung vom 19. Januar 1434, Rekeningen van Rembol(d)t Henrichssoen, sluiter te Gelre, 1431-1437; Gelders Archief Arnhem (0001 Graven en hertogen van Gelre, graven van Zutphen, 3821); Urkunde vom 13. Dezember 1461; Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 663, S. 195.

Eheschließung mit Margarethe von Limburg