Hermann Hildebrandt (* 10. Mai 1910 in Straßburg, Elsass; † 11. November 1982 in Ingelheim am Rhein) war ein deutscher Dirigent.

Leben

In Frankfurt am Main aufgewachsen, studierte Hildebrandt in Berlin und Köln u. a. bei Hermann Abendroth. Auf seine Staatsexamina folgte bis zur Einberufung zum Kriegsdienst (1940) eine kurze Zeit pädagogischer Tätigkeit. Am 7. April 1940 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Juli desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.169.136).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/15610880

Nach der Entlassung aus US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft konnte er 1945 seine eigentliche berufliche Entwicklung in Heidelberg beginnen und wurde schon bald darauf Chefdirigent der Stuttgarter Philharmoniker.

Der Filmkomponist Herbert Trantow machte den Ost-Berliner Magistrat auf Hildebrandt aufmerksam, als dieser einen Chefdirigenten für das „Städtische Berliner Sinfonieorchester“ (später BSO) suchte. Das Orchester war letztlich eine Neugründung, die vom Magistrat mit dem Ziel der Gewinnung eines hochqualifizierten Klangkörpers im Ostteil der Stadt – unabhängig von der Bindung an ein Opernhaus – verfolgt und durchgesetzt worden war. Nach einem Konzert im November 1951 votierten die Orchestermitglieder für Hildebrandt, und der Magistrat berief ihn als ersten Chefdirigenten des Orchesters, ein Amt, das er 1952 bis 1959 innehatte.

Hildebrandt widmete sich als Orchestererzieher und Dirigent der schwierigen Doppelaufgabe des Aufbaus eines neuen Klangkörpers und der Entwicklung eines neu erwachenden Publikums. Rezensionen dieser Zeit belegen die wachsende Ausstrahlung des Orchesters. Seine Programmgestaltung spannte den Bogen von Johann Sebastian Bach bis Igor Fjodorowitsch Strawinski, manifestierte sich aber auch in großangelegten Zyklen der Sinfonien von Ludwig van Beethoven, Johannes Brahms oder Anton Bruckner.

Die Rezensionen belegen jedoch auch bald den wachsenden „Kulturkampf“ zwischen Ost und West. Während Hans Heinz Stuckenschmidt (Frankfurter Allgemeine Zeitung) Programm und Interpretationen eines Konzerts im März 1959 ausdrücklich lobt („erfreuliches Zeugnis für den selbstständigen Willen des Dirigenten“), wirft ihm Karl Schönewolf (Musik und Gesellschaft) in der Besprechung des gleichen Konzerts vor, sich „einseitig … meist vornehmlich nach Westen“ zu orientieren.Zit. nach:

Da Hildebrandt als Westberliner Bürger nicht bereit war, seinen Wohnsitz nach Ostberlin zu verlegen, scheiterten 1959 die Verhandlungen über die Verlängerung seines Vertrags. Sein Abschiedskonzert 1959 enthielt das gleiche Programm wie das Antrittskonzert Jahre zuvor: Bachs 4. Brandenburgisches Konzert und Bruckners 8. Sinfonie.Die Welt vom 24./25. Juni 1959

Die Skizze der folgenden Lebensstationen ist seinem selbstverfassten Lebenslauf entnommen:

„Als die politischen Gegebenheiten der Berliner Tätigkeit ein Ende setzten, übernahm Hildebrandt als Generalmusikdirektor die Leitung der Nordwestdeutschen Philharmonie Herford. Von hier aus wurde er 1962 als Chefdirigent und Berater für das musikalische Programm zum Zweiten Deutschen Fernsehen berufen. Aufgabengebiet: sinfonische Produktionen, Fernsehopern, öffentliche Konzerte. …Seine erfolgreiche Reihe 'Wie schön ist doch Musik' – Fernsehkonzerte, die von ihm kommentiert und dirigiert wurden – war Jahre hindurch wesentlicher Bestandteil des ZDF-Musikprogramms. Als Gast dirigierte er eine Reihe bedeutender Orchester: u. a. die Berliner Philharmoniker, das Radio-Symphonieorchester Berlin, die Münchner Philharmoniker, das Orchester der Bayerischen Staatsoper (Plattenaufnahme mit Anneliese Rothenberger), die Bamberger Symphoniker, die Dresdner Philharmoniker, die Wiener Symphoniker …“

Hermann Hildebrandt engagierte sich für praxisorientierte und zeitgemäße Ausbildung des Dirigentennachwuchses und verlangte vor allem weitergehende Förderung junger Dirigentinnen und Dirigenten nach deren Hochschulabschluss. Dieser Idee ist die 1990 von seiner Tochter Regine Hildebrandt in Mainz gegründete Hermann-Hildebrandt-Stiftung verpflichtet.

Literatur Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. (auf CD-ROM) 2. Auflage, Kiel 2009, S. 3194. (online auf archive.org)

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Dirigent Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Generalmusikdirektor Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1910 Kategorie:Gestorben 1982 Kategorie:Mann