Die Heinz-von-Heiden-Arena (vormals AWD Arena und HDI Arena, Eigenschreibweise Heinz von Heiden Arena), ursprünglich und im Sprachgebrauch auch Niedersachsenstadion, ist ein Fußballstadion mit 49.000 überdachten Zuschauerplätzen in der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Es befindet sich im Sportpark Hannover in der Calenberger Neustadt in der Nähe des Maschsees. Das Stadion wurde 1954 als Niedersachsenstadion für ursprünglich 86.656 Zuschauer errichtet und seither anlässlich der Durchführung verschiedener Fußball-Großereignisse mehrfach umgebaut. Mit diesem Platzangebot war es zur damaligen Zeit, nach dem Olympiastadion Berlin, das zweitgrößte Stadion der alten Bundesrepublik.

Geschichte Bau auf Trümmerschutt mini|links|Mannschaftsaufstellung vor der ursprünglichen Tribünenkonstruktion des Niedersachsenstadions (1963)

mini|links|„Dauer-Ehrenkarte“ für Fritz Deike für 1968/69

Das Niedersachsenstadion wurde Anfang der 1950er Jahre von den Architekten Heinz Goesmann und Richard Konwiarz unter Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht geplant. Das Bauwerk gründete zum Teil auf Frankipfählen.o. V.: Kubald-Leuchten – ein Begriff, in Georg Barke, Wilhelm Hatopp (Bearb.): Neues Bauen in Hannover: Bauherren, Architekten, Baugewerbe, Bauindustrie berichten über Planung und Ausführung der Aufbaujahre 1948 bis 1954 (= Monographien des Bauwesens, Folge 23), Bd. 1, hrsg. vom Presseamt der Hauptstadt Hannover in Zusammenarbeit mit der Städtischen Bauverwaltung, Stuttgart: Aweg Verlag Max Kurz, 1955, [im Wirtschaftsteil ohne Seitennummer]

Beim Bau des Stadions zwischen 1952 und 1954 wurde Trümmerschutt zur Anlage eines riesigen Walls verwendet, an dem die Plätze der damals beherrschenden Westtribüne gebaut wurden. Der Schutt stammte von hannoverschen Gebäuden, die durch die Luftangriffe auf Hannover im Zweiten Weltkrieg zerstört worden waren. Die Baukosten betrugen vier Millionen DM. Der Ober- und der Unterrang waren damals eine kleine bauliche Sensation, die Planer sprachen von einem „äußeren“ und einem „inneren“ Stadion. Eingeweiht wurde die Sportarena am 26. September 1954. Nach der Übergabe waren verschiedene Sportarten und Disziplinen wie Staffelläufe, Rugby, Bodenturnen, Gymnastik sowie Volkstanz zu sehen. Das erste Fußballspiel bestritten Hannover 96 und der Stadtrivale Arminia. Das Kurzspiel gewannen die 96er mit 1:0 durch ein Tor von Hannes Tkotz.

Im Jahr 1962 schuf Eduard Bargheer in den Werkstätten August Wagner in Berlin ein großes Glasmosaik zum Thema Sport, das heute am Südeingang des Stadions steht. Bis 2003 befand es sich an der Außenwand einer inzwischen abgerissenen Turnhalle neben der Osttribüne.

Die erste Fußballmannschaft von Hannover 96, die zuvor im Eilenriedestadion gespielt hatte, trug ab 1959 regelmäßig ihre Heimspiele im Niedersachsenstadion aus. Auch die Vereine SV Arminia Hannover, OSV Hannover, TSV Havelse und Sportfreunde Ricklingen, die zwischenzeitlich Aufstiege in die zweiten und dritten Fußball-Spielklassen geschafft hatten, trugen zahlreiche Spiele im Niedersachsenstadion aus.

Bis zum Umbau 2003 fanden im Stadion 29 Fußball-Länderspiele, vier Endspiele um die deutsche Meisterschaft, neun DFB-Pokal-Endspiele, zwei DFB-Supercup-Finals und ein Spiel im Europapokal der Pokalsieger statt.

Umbauten 1974 bis 2000 mini|hochkant=1.8|links|Das Glasmosaik „Sport“ von Eduard Bargheer wurde 1962 in den Werkstätten August Wagner gefertigt und steht heute neben dem Südeingang des Stadions.

Zur Fußball-WM 1974 fand ein Umbau des Stadions statt. Dabei wurde die Zahl der Sitzplätze auf 38.000 erhöht, indem der Oberrang der Westtribüne von Stehplätzen auf Sitzplätze umgerüstet wurde, was eine Verringerung der Gesamtkapazität auf 60.400 Zuschauer zur Folge hatte. Außerdem wurde der Oberrang der Westtribüne überdacht. Die Umbaukosten betrugen 26 Millionen Deutsche Mark.

Zur Fußball-Europameisterschaft 1988 erfolgten weitere, jedoch kleinere Umbauten.

Etwa 1994 führte die Umrüstung von Holzbänken auf Einzelklappsitze auf der Osttribüne und die Umwandlung von 8000 Stehplätzen im G-Block der Südkurve auf Einzelschalensitze zu einer Kapazitätsverringerung auf 56.000 Plätze.

1997 gab es Pläne eines privaten Investors, einen 40.000 Zuschauer fassenden Superdome zu bauen, die schließlich scheiterten.hannover96online.de

1998 wurde von der Stadt Hannover der Beschluss zu einer Totalsanierung gefasst, die für 68 Mio. Deutsche Mark in zwei Bauabschnitten realisiert werden sollte. Das Stadion sollte Leichtathletikanlagen erhalten und länderspielgerecht saniert werden.

Die zur Verfügung stehenden öffentlichen Mittel von Land Niedersachsen, Stadt und Kommunalverband Hannover in Höhe von gut 42 Mio. Deutschen Mark reichten jedoch für die Realisierung nicht aus und ein privater Investor, der die Deckungslücke schließen sollte, wurde nicht gefunden. Die Realisierung des zweiten Bauabschnitts, der den Abriss und zweirangigen Neubau der Osttribüne und schließlich die Überdachung von 80 Prozent der Stadionplätze vorsah, war damit in weite Ferne gerückt.

Der erste Bauabschnitt führte nach Abschluss im Mai 2000 zu einer Kapazität von etwa 50.000 Plätzen und kostete 13,5 Mio. Deutsche Mark.baunetz.de Die Umstellung von Holzbänken auf Einzelschalensitze und die Verbreiterung des Umlaufs hinter dem Unterrang West, auf dem neue Rollstuhlplätze eingerichtet wurden, waren neben einer sicherheitsbedingten Verringerung der zugelassenen Stehplatzkapazitäten in den unverändert gleich großen Stehplatzblöcken der Grund für den Rückgang um 6000 Plätze.presse-hannover.de

Bis 2003 hatte das Stadion hohe, an Zahnbürsten erinnernde Flutlichtmasten, Leichtathletik-Anlagen inklusive Laufbahn und etwa 60 % unüberdachte Plätze. Die wuchtig-beherrschende Westtribüne mit einem weitüberspannenden Dach, eine relativ kleine Haupttribüne mit einem gewellten Dach, zwei einzeln stehende große Stehplatzblöcke (einer wurde 1994 auf Sitzplätze umgerüstet) sowie die markanten Flutlichtmasten verliehen dem Stadion einen unverwechselbaren Charakter.

Umbau 2003/2004 Durch den Zuschlag der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 für Deutschland wurde eine Komplettüberdachung notwendig, um als Ausrichter von WM-Spielen infrage zu kommen. So kam es 2003/04 zum erneuten Umbau.presse-hannover.de

Hierbei wurde das Stadion zu etwa 70 % abgerissen, darunter auch bereits 1999/2000 sanierte Bereiche, und anschließend zu einem reinen Fußball-Stadion umgebaut. Stehen blieb nur der riesige Wall mit knapp 20.000 Plätzen der Westtribüne, der inzwischen auf seiner Rückseite vollständig mit 50 Jahre alten Bäumen bewaldet war. Das Dach und etwa ein Viertel der Plätze an den Außenrändern der Westtribüne wurden wie die Nord-, Süd- und Osttribüne abgerissen. Der Umbau kostete 63,04 Millionen Euro.

Der Umbau erfolgte im Rahmen eines Konzessionsmodells. Die Niedersachsenstadion Projekt- und Betriebsgesellschaft mbH & Co KG (später Hannover 96 Arena GmbH & Co KG) erhielt als Konzessionärin bis 2030 die Nutzungsrechte am Stadion und ist bis dahin für den Umbau und den Betrieb zuständig. Das Land Niedersachsen, die Region Hannover und die Stadt Hannover sollten den Umbau mit 21,47 Millionen Euro unterstützen. Gemäß Jahresabschluss der Hannover 96 Arena GmbH & Co. KG betrug der Zuschuss tatsächlich 23,17 Mio. Euro. Eigentümerin der Hannover 96 Arena GmbH & Co KG ist die Hannover 96 Sales & Service GmbH & Co KG.e-government.hannover-stadt.de Drucksache Nr. 2694/2002 N1 Niedersachsenstadion / Umbau im Rahmen einer BaukonzessionDrucksache Nr. 2920/2001 Niedersachsenstadion

Die Rasenfläche, unter der ein Drainage-System und eine Bodenheizung installiert wurden, wurde nach Entfernung der Leichtathletik-Anlagen direkt an die Westtribüne herangerückt und die übrigen Tribünen darum gebaut.

Die neue Überdachung ist das eigentliche Novum des Stadions. Das Dach ist unterteilt in zwei Bereiche: Den Außenring, der mit einem Trapezblech bedeckt ist und den Innenring, der mit einer ETFE-Folie bespannt ist. Diese Folie lässt über 90 % des UV-A- und UV-B-Lichtes durch. Ein Austausch des Rasens, wie er etwa im Dortmunder Westfalenstadion oder im Hamburger Volksparkstadion mehrfach pro Saison erfolgt, da der Rasen dort durch die hohen Tribünen- und Dachkonstruktionen nicht ausreichend mit Tageslicht versorgt wird, ist in diesem Stadion daher seltener erforderlich.presse-hannover.de

Statt der bisherigen Anzeigetafel erhielt das Stadion zwei moderne Videotafeln (4:3-Format, 43 Quadratmeter, 64.000 LED) und statt der Flutlichtmasten, im Volksmund „Zahnbürsten“ genannt, 160 moderne Einzelscheinwerfer, die in die Dachkonstruktion integriert wurden und eine Beleuchtungsstärke von 1500 Lux liefern.

Architektonisch unterscheidet sich das Stadion von anderen Stadion-Neubauten vor allem durch seine Asymmetrie. Da die alte Westtribüne mit ihrem geringen Neigungswinkel erhalten blieb und die neue Osttribüne möglichst steil errichtet werden sollte, mussten die Hintertortribünen so konstruiert werden, dass sich die Steigung sukzessive von West nach Ost vergrößert.

Der neue Business- und Logenbereich befindet sich ebenso wie der Pressebereich in der Osttribüne des Stadions. Es gibt ca. 1250 Business-Sitze, 29 VIP-Logen für zehn bis zwölf Personen und 96 Presseplätze. Mit Beginn der Saison 2007/08 wurde im obersten Stockwerk der Osttribüne ein weiterer VIP-Bereich mit dem Namen „Club 96“ eröffnet. Ebenfalls seit diesem Zeitpunkt gibt es den „Stammtisch“, ein zweistöckiges VIP-Zelt, das auf Bestreben des Rechtevermarkters Sportfive errichtet wurde. Direkt unter dem Dach der Westtribüne gibt es seit dem Umbau neue Logen an der Stelle, an der sich zuvor die Pressekabinen befunden hatten.

Das umgebaute Stadion wurde am ersten Fußball-Bundesliga-Spieltag nach der Winterpause (Saison 2004/05) am 23. Januar 2005 mit dem Spiel Hannover 96 – Bayer 04 Leverkusen (0:3) eingeweiht. Es bietet nun rund 49.000 Zuschauern Platz. Davon sind ca. 8000 Plätze Stehplätze, die zu internationalen Spielen in 4000 Sitzplätze umgewandelt werden können. Ebenfalls wurde nach dem Umbau das elektronische Einlass- und Bezahlsystem eingeführt. Die gesamte gastronomische Verpflegung erfolgt seitdem bargeldlos.

Für die Dauer der WM 2006 wurden alle Stehplätze in Sitzplätze umgewandelt. Dadurch reduzierte sich für diese Spiele die Kapazität des Stadions auf 43.000 Plätze. Zu internationalen Spielen von Hannover 96 in den Spielzeiten 2011/12 und 2012/13 waren 44.000 Zuschauer zugelassen.

Umbauten seit 2015 Ein kleinerer Umbau sollte in der Sommerpause 2015 erfolgen. Dabei sollten in der Mitte des Oberrangs der Nordtribüne in den unteren Reihen aus ca. 200 Sitzplätzen etwa 400 Stehplätze geschaffen werden; eine Geste, mit der die Geschäftsführung den protestierenden Ultras entgegenkommen wollte, die seit der Saison 2004/05 in diesem Bereich ihre Plätze haben. Aufgrund einer fehlenden Baugenehmigung verzögerte sich der Umbau schließlich bis zum September 2015.

In der Sommerpause 2018 wurden die beiden 2004 installierten Videotafeln durch 64 Quadratmeter große hochauflösende (636.000 LED) Modelle im 16:9-Format ersetzt.

Im August 2025 kündigte Hannover 96 an, im Jahr 2026 die größtenteils blauen Sitzschalen gegen neue Sitze tauschen zu wollen. Das optische Erscheinungsbild im Stadion soll dann durch die Farbgebung der Sitzschalen die Vereinsfarben Schwarz-Weiß-Grün widerspiegeln.

Neuvergabe eines Erbbaurechts im Jahr 2023