Cobalt (chemische Fachsprache; lateinisch cobaltum, standardsprachlich Kobalt; vom Erstbeschreiber Georg Brandt (1694–1768) nach dem Kobalterz als Ausgangsmaterial Cobalt Rex benannt) ist ein chemisches Element mit dem Elementsymbol Co und der Ordnungszahl 27. Es steht in der 9. Gruppe bzw. Cobaltgruppe des Periodensystems. In der älteren Zählweise zählt es zur 8. Nebengruppe oder Eisen-Platin-Gruppe.

Cobalt ist ein silbergraues, hartes und eher sprödes Metall, welches bereits seit 1739 bekannt ist. Es ist ferromagnetisch. Cobalt wird in Akkumulatoren, Katalysatoren, blauen Pigmenten (die u. a. benutzt werden, um Kobaltglas herzustellen) sowie in Legierungen verwendet. Als Bestandteil von Vitamin B12 ist Cobalt für alles menschliche und tierische Leben essenziell.

Geschichte Cobaltpigmente mit ihrer blauen Farbe sind schon seit langer Zeit bekannt. Diese wurden für das Färben von Glas (Cobaltglas), Keramiklasuren und als Porzellanfarbe genutzt. In Eridu (Mesopotamien) wurde ein 2000 v. Chr. entstandenes cobalthaltiges blaues Glasstück gefunden.Harry Garner: An Early Piece of Glass from Eridu. In: Iraq. 1956, Band 18, Nummer 2, S. 147, . Im Alten Ägypten begann die größere Produktion von Cobaltglas in der 18. Dynastie (etwa 1550 v. Chr.) Hierfür wurde wahrscheinlich cobalthaltiger Alaun genutzt, der in Dachla und Charga gefunden wurde.Andrew Shortland, M. S. Tite, I. Ewart: Ancient exploitation and use of cobalt alums from the western oases of egypt. In: Archaeometry. 2006, Band 48, Nummer 1, S. 153–168, . Eine weitere, schon seit dem Altertum genutzte Mine für Cobalterze, liegt in Qamsar in der Nähe von Kashan (Persien, heute Iran). Hier wurden vor allem Cobaltit und Erythrin abgebaut.Moujan Matin, Mark Pollard: Historical Accounts of Cobalt Ore Processing from the Kashan Mine, Iran. In: Iran. 2015, Band 53, Nummer 1, S. 171–183 . In China sind cobalthaltige Pigmente erstmals in der Sancai-Glasurtechnik aus der Tang-Dynastie im 7. Jahrhundert bekannt. Später, vor allem während der Yuan- und Ming-Dynastie wurden cobalthaltige Pigmente als Unterglasurfarbe für Blau-Weiß-Porzellan verwendet.Yun Zhang, A. Mark Pollard: The archaeological and scientific analysis of blue‐decorated ceramics in the Tang and Song dynasties. In: Archaeometry. 2022, Band 64, Nummer 6, S. 1394–1410, . Anfangs wurden Cobalterze aus Persien importiert, später auch lokale Lagerstätten genutzt.Howell G. M. Edwards, Philippe Colomban: Blue by Fire: A Marker of the Technical History of Glass and Ceramics. Springer, 2025, ISBN 978-3-031-77122-4, S. 50–53.

Wann die Cobaltlagerstätten im Erzgebirge erstmals zur Gewinnung von Erzen genutzt wurden, ist nicht geklärt. Die 1684 erschienene Chronik Christian Meltzers nennt Peter Weidenhammer, der angeblich um 1520 in Schneeberg erstmals blaue Farbe hergestellt und nach Venedig verkauft habe. Es gibt aber auch Hinweise darauf, dass schon seit dem 12. Jahrhundert Cobaltpigmente im Erzgebirge produziert und beispielsweise nach Italien exportiert wurden. Um 1540 entwickelte Christoph Schürer gemäß Christian Lehmann in der Eulenhütte angeblich das Pigment Smalte und begründete damit die Blaufarbenwerke Böhmens und Sachsens.A. Zucchiatti, Anne Bouquillon, I. Katona, A. D’Alessandro: The 'della Robbia blue’: A case study für the use of cobalt pigments in ceramics during the italian renaissance. In: Archaeometry. 2006, Band 48, Nummer 1, S. 131–152 .Die sächsischen Blaufarbenwerke. In: Louis Oeser (Hrsg.): Album der Sächsischen Industrie. Band 1, 1856, Seite 78–81 (online auf Wikisource). Georgius Agricola nennt im 1530 entstandenen Bermannus cobaltum als ein Cobalt- oder Arsenhaltiges Mineral.Dominik Berrens: Names and Things: Latin and German Mining Terminology in Georgius Agricola’s Bermannus. In: Antike und Abendland. 2020, Band 65-66, Nummer 1, S. 232–243 .

1735 konnte Georg Brandt aus Smalte, den er aus Linneit hergestellt hatte, ein unbekanntes Metall gewinnen, das er cobalt regulus nannte. Er klassifizierte es als Halbmetall, um es von den schmiedbaren „richtigen“ Metallen zu unterscheiden.Edwin M. Gusenius: Beginnings of Greatness in Swedish Chemistry: Georg Brandt, (1694-1768). In: Transactions of the Kansas Academy of Science. 1967, Band 70, Nummer 4, S. 413 . Nachdem andere Forscher seine Entdeckung zunächst in Zweifel gezogen hatten, bestätigte schließlich 1780 Torbern Bergman, dass es sich bei Cobalt um ein eigenständiges Metall handelt.Anders Lennartson: Carl Wilhelm Scheele and Torbern Bergman: The Science, Lives and Friendship of Two Pioneers in Chemistry. Springer Nature. 2020, ISBN 978-3-030-49194-9, S. 225.

Der Name Cobalt oder Kobalt leitet sich vom Berggeist Kobold ab. Dies beruht darauf, dass die Bergleute bei der Suche nach Silber Kobalterze für wertlos hielten und glaubten, dass ein Kobold das Silber gestohlen und ihnen dann das wertlose Cobalterz untergeschoben hätte. Im Deutschen wurde lange Zeit Kobalt als Name des Elements verwendet. Die offizielle Schreibweise wurde 1975 von einer Kommission der Gesellschaft Deutscher Chemiker, der Schweizerischen Chemischen Gesellschaft und der Gesellschaft Österreichischer Chemiker geändert und an die international übliche Schreibweise Cobalt angepasst.W. Klemm: Vorwort zur deutschen Fassung der zweiten Ausgabe. Veröffentlicht in: International Union of Pure and Applied Chemistry (Hrsg.): Nomenklatur der Anorganischen Chemie. Deutsche Ausgabe der Empfehlungen 1990. Wiley-VCH, 1993, ISBN 978-3-527-60319-0, S. XXIV-XXVII.

Vorkommen Cobaltit auf Chalcopyrit|mini|links Cobalt ist mit einem Gehalt von 25 ppm in der kontinentalen Erdkruste ein zwar verbreitetes, aber nicht sehr häufiges Element. Wird dagegen die gesamte Erde betrachtet, ist Cobalt mit einem Gehalt von 900 ppm deutlich häufiger. Dies liegt daran, dass Cobalt ein siderophiles (eisenliebendes) Element ist, weswegen sich die größte Menge Cobalt im Erdkern und Erdmantel befindet. So besteht der Erdkern zu etwa 0,255 % aus Cobalt.Rebecca A Fischer, William F McDonough: Earth’s core composition and core formation. In: Ariel Anbar, Dominique Weis (Hrsg.): Treatise on Geochemistry. 3. Auflage, Elsevier, 2025, ISBN 978-0-323-99763-8, S. 27. Dementsprechend sind auch ultramafische Gesteine wie Dunit oder Serpentinit besonders cobaltreich.Quentin Dehaine, Laurens T. Tijsseling, Hylke J. Glass, Tuomo Törmänen, Alan R. Butcher: Geometallurgy of cobalt ores: A review. In: Minerals Engineering. Band 160, 2021, Artikel 106656, . Der durchschnittliche Cobaltgehalt von ultramafischem Gestein beträgt 110 ppm.Olivier Pourret, Michel-Pierre Faucon: Cobalt. In: William White (Hrsg.): Encyclopedia of Geochemistry. Springer, 2018, ISBN 978-3-319-39311-7, S. 291–294.

In der Erdkruste ist Cobalt sowohl lithophil (gesteinsliebend) als auch chalcophil (schwefelliebend) und besitzt einen ähnlichen Ionenradius wie Eisen, Nickel und Mangan. Dadurch wird Cobalt bei der Kristallisation von Lava häufig in gesteinsbildende Eisen-Mangan-Minerale eingebaut. Es bildet nur wenige eigenständige Minerale, sondern findet sich überwiegend als Nebenbestandteil in eisen- oder nickelhaltigen Gesteinen.

Erze mit einem höheren Cobaltgehalt können sich auf mehrere Arten bilden. Zum einen enthält vulkanische Lava Cobalt, so dass magmatische Lagerstätten wie Sudbury in Kanada oder Norilsk in Russland neben Nickel und Kupfer auch Cobalt enthalten, das als Nebenprodukt abgebaut werden kann. Typischerweise enthalten diese Lagerstätten 0,04 bis 0,08 % Cobalt.Stephen Roberts, Gus Gunn: Cobalt. In: Gus Gunn (Hrsg.): Critical Metals Handbook. Wiley-VCH, 2014, ISBN 978-0-470-67171-9, S. 122–149. Durch Verwitterung insbesondere von ultramafischen Gesteinen kann sich Cobalt anreichern. Dies geschieht etwa bei der Bildung von Nickel-Cobalt-Lateriten unter subtropischen Bedingungen. Hierbei entstehen Erze mit einem durchschnittlichen Cobaltgehalt von 0,08 %. Zum dritten kann sich Cobalt über hydrothermale Prozesse anreichern und Adern mit einem durchschnittlichen Cobaltgehalt von bis zu 0,92 % bilden. Auch Cobaltminerale wie Cobaltit bilden sich hydrothermal.Cobaltite. In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America. 2001 (englisch, handbookofmineralogy.org [PDF; 61 kB; abgerufen am 6. Juli 2020]). Durch Verwitterung und Metamorphose von Gesteinen, die reich an hydrothermal entstandenen Cobalterzen waren, entstanden die besonders cobaltreichen Erze des Copperbelts im Lufilian-Bogen in der Demokratischen Republik Kongo und Sambia.

mini|links|Erythin Cobalt kommt auch in Manganknollen der Tiefsee mit einem Gehalt von 0,3 bis 1,2 % vor.Xu Wang, Wenqing Qin, Maolin Li, Xueduan Liu, Yangrui Cheng, Shiping Chen, Congren Yang: Mineralogy of Deep-Sea Manganese Nodules and Advances in Extraction Technology of Valuable Elements from Manganese Nodules. In: Metals. Band 14, 2024, Artikel 1359, . Eine mögliche Erklärung für den Gehalt von Cobalt in Manganknollen ist, dass das in geringen Mengen als Co2+ im Meerwasser gelöste Cobalt durch festes Mangan (Mn4+) in einer Redoxreaktion zu Co3+ oxidiert wird und anschließend Eisen (Fe3+) in den Mineralen der Manganknollen substituiert.

Das Element bildet vor allem mit Schwefel und Arsen verschiedene Minerale wie Cobaltit CoAsS, Skutterudit CoAs3, Safflorit (Co,Ni,Fe)As2, Carrollit CuCo2S4, Cattierit CoS2 und Linneit Co2+Co3+2S4. Wichtigstes oxidisches Cobaltmineral ist Heterogenit Co3+O(OH), daneben ist noch das Cobaltarsenat Erythrin Co3(AsO4)2 · 8 H2O häufig. Insgesamt sind 2025 67 verschiedene Cobaltminerale anerkannt.The mineralogy of Cobalt. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. November 2025. Die sulfidischen und arsenidischen Minerale sind dabei überwiegend hydrothermal entstandene primäre Minerale, während Arsenate oder Oxide als Sekundärminerale durch Verwitterung und Oxidation entstanden sind. Wichtige Fundorte von Cobalt-Mineralen sind Schneeberg und Jáchymov im Erzgebirge, in Deutschland dazu Wittichen, das Siegerland und Richelsdorfer Gebirge, Tunaberg und Filipstad in Schweden, Lavrio in Griechenland, Bou-Azzer in Marokko, der Copperbelt in der Demokratischen Republik Kongo und Sambia, Timiskaming District in Kanada und Mount Isa in Australien. Robert M. Hazen, Grethe Hystad, Joshua J. Golden, Daniel R. Hummer, Chao Liu, Robert T. Downs, Shaunna M. Morrison, Jolyon Ralph, Edward S. Grew: Cobalt mineral ecology. In: American Mineralogist. Band 102 Heft 1, S. 108-116, .

Gediegenes Cobalt wurde durch Luna 24 im Mare Crisium auf dem MondA. V. Mokhova, T. A. Gornostaeva, P. M. Kartashov, A. P. Rybchuk, O. A. Bogatikov: Native Cobalt from Regolith of Mare Crisium. In: Doklady Earth Sciences. Band 491, Nr. 2, 2020, S. 42–45, . sowie in 9,63 km Tiefe der Kola-BohrungT. A. Gornostaeva, A. V. Mokhov, P. M. Kartashov, K. V. Lobanov: Native Cobalt in Deep Levels of the Kola Superdeep Borehole. In: Geology of Ore Deposits. Band 65, Nr. 8, 2023, S. 886–894, . gefunden. Es ist jedoch nicht als Mineral anerkannt.Native Cobalt. In: mindat.org, Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 12. November 2025. Anerkannt ist die Cobalt-Eisen-Legierung Weirauit mit etwa 50 % Cobalt.G. A. Challis, J. V. P. Long: Wairauite—a new cobalt-iron mineral. In: Mineralogical Magazine. Band 33, Nr. 266, 1964, S. 942-948, .