mini|hochkant=1.4|„Captain America“: durch den Film Easy Rider für viele der Inbegriff des klassischen Choppers
Chopper war ursprünglich in Kalifornien die Bezeichnung für gebrauchte Motorräder (nahezu ausschließlich der Marke Harley-Davidson), die nachträglich extrem modifiziert wurden. Das englische Verb to chop bedeutet „(ab)hacken“. Hunter S. Thompson erklärt die Etymologie des Begriffs in seinem gonzo-journalistischen Borderliner-Roman Hell’s Angels von 1966 damit, dass kalifornische Outlaw-Biker die übergewichtigen, schwerfälligen und lahmen Polizei-Harleys der Cops in ihrer Umgangssprache abfällig als „Hogs“ (Schweine), ihre eigenen, zu leichten und ampelrenntauglichen DIY-Drag-Bikes „umfrisierten“ Bullenmaschinen hingegen, provokativ, als „Chopped Hog“ (faschiertes Schwein, Schweinehack oder Hackepeter) bezeichneten, woraus sich später der Begriff Chopper und das Akronym HOG, sowohl 1983 für Harley Owners Group, als auch 1986 beim Börsengang an der New York Stock Exchange für die Aktie des Unternehmens Harley-Davidson, ableiteten.Hunter S. Thompson: Hell's Angels, S. 91ff: „In the argot of the cycle world the Harley is a "hog," and the outlaw bike is a "chopped hog." Basically it is the same machine all motorcycle cops use, but the police bike is an accessory-loaded elephant compared to the lean, customized dynamos the Hell's Angels ride. ... The Angels refer to standard 74s as "garbage wagons," and Bylaw Number 11 of the charter is a put-down in the grand manner: "An Angel cannot wear the colors while riding on a garbage wagon with a non-Angel." A chopped hog, or "chopper," is little more than a heavy frame, a tiny seat and a massive, 1,200-cubic-centimeter (or 74-cubic-inch) engine. ... A columnist for the Los Angeles Times once described hogs as "the kind of cycle the German couriers used to run down dogs and chickens -- and people -- in World War II: low brutish machines, with drivers to match."“
Bobber mini|Bob Chop im Drag-Style
Der Begriff Bobber bezieht sich im übertragenen Sinn auf einen klassisch modernen Damen-Kurzhaarschnitt, den Bob; beim Chopper insbesondere auf den kurz abgeschnittenen Außenschwung am unteren Ende des Vorderradschutzblechs an alten Harley-Davidson-Modellen. Neben dem Motortuning war eine der ersten Modifizierungen, die ein Motorrad-Enthusiast in den 1940er und 50er Jahren vornahm, wenn er sein Fahrzeug im Rahmen einer „Frisur“ leichter und damit schneller machen wollte, das originale Vorderradschutzblech nach hinten gedreht über dem Hinterrad zu montieren. Das ursprüngliche Hinterradschutzblech wurde weggelassen, das Vorderrad lief ohne Schutzblech. Solche Fahrzeuge hatten am Heck den Bob und hießen deshalb Bobber.
mini|links|Harley-Bobber mit Ape Hanger Die Modifizierungen erfolgten ursprünglich, um einerseits das Gewicht zu reduzieren und so die Fahrleistungen zu verbessern. Andererseits sollte das oft als schwerfällig oder schwülstig empfundene Aussehen verbessert werden. Es war die erste Anlehnung von Straßenmotorrädern an typisch amerikanische Rennmaschinen; in diesem Fall Boardtrack-Racer und Hillclimber. Diese Motorräder wurden zunächst als Bobber oder Bobchops bezeichnet. Der Vorgang, aus einem Motorrad einen solchen Bobchop zu machen, hieß durch Sprachverschleifung, beziehungsweise Verballhornung, umgangssprachlich bald Bob Job. Der Bob Job meinte in Summe: Alles Überflüssige wegschneiden, demontieren, die Maschine leichter machen und ihr über eine eigenwillige Handschrift in der Gestaltung möglichst auch noch einen Gewinn an Style zu verpassen.
Bobber unterscheiden sich vom Chopper in der Regel durch ein kleineres Vorderrad (meist mit dem Hinterrad identisch) und geringeren Nachlauf der Gabel. Die Reifen von Bobbern besitzen einen größeren Querschnitt und haben damit mehr einen Ballon-Charakter. Beliebt sind auch altmodische Profile wie von Firestone, oder auch Weißwand-Flanken. Klassisch kommen, wie bei Choppern auch, Speichenräder zum Einsatz – doch es lassen sich auch modernere Interpretationen mit gefrästen Rädern finden. Wie bei vielen Retro-Umbauten sind auch bei Bobbern Hardtail-Rahmen ohne Heckfederung sehr beliebt.https://www.thunderbike.de/de/bikes/bobber.php
Klassischer Chopper mini|links|„The Billy Bike“, der zweite motorisierte Hauptdarsteller aus Easy Rider
Spätestens seit dem Film Easy Rider aus dem Jahre 1969 werden Motorräder im Allgemeinen dann als Chopper bezeichnet, wenn sie mit einer langen, vergleichsweise flach angestellten Vorderradgabel ausgestattet sind. Auch dieses Designmerkmal war ursprünglich an Rennfahrzeuge angelehnt – in diesem Fall an Drag Bikes und Auto-Dragster, bei denen durch weit nach vorne gestellte dünne Vorderräder der Schwerpunkt zwecks optimaler Traktion auf die dicken Hinterräder konzentriert werden soll. Andererseits kann ein langer Radstand durch das Drehmoment am langen Hebel auch die Wheelie-Neigung verringern, die bei üblichen Motorrädern auch im Straßenbetrieb möglich ist, bei Autos nur bei kompromisslosen Dragstern auf griffiger Strecke auftritt. Durch Abstützung nach hinten mittels Wheelie-Bar hat man im Lauf der Jahrzehnte die Problematik am anderen Ende gelöst. Zudem kann durch großen Nachlauf der Lenkung ein stabileres Geradeauslaufverhalten bei hohen Geschwindigkeiten erreicht werden. Da bei Drag Races keine Kurven gefahren werden, fiel die damit einhergehende Unhandlichkeit der Fahrzeuge nicht weiter ins Gewicht. Beim Chopper dagegen werden allerlei Einschränkungen zu Gunsten des erwünschten Aussehens in Kauf genommen und auf hohe Geschwindigkeiten und Fahrleistungen verzichtet – bei „Captain America“ ließ man vorne Bremse und Schutzblech weg.
Zu den weiteren klassischen Chopper-Stilmerkmalen zählen hohe Lenker („Buckhorn“, „Apehanger“) sowie vorverlegte Fußrastenanlagen. Auch diese Merkmale verschlechtern das Fahrverhalten und die Beherrschbarkeit, trotzdem sind solche Umbauten sehr häufig anzutreffen.
mini|X-Rod: Low Rider im Drag-Bike-Stil Eine andere Stilrichtung nennt sich Drag Styler, Digger oder Low Rider. Das Ziel hierbei ist ein möglichst flacher, lang gestreckter Look (long ’n low) in noch stärkerer Anlehnung an das Aussehen von Drag Bikes. Entsprechend kommen hier statt hohen Lenkern flache Drag Bars zum Einsatz, oft auf nach hinten gezogenen Lenkerklemmböcken (Riser).
Von einem Schwedenchopper spricht man bei bestimmten radikal-puristischen Umbauten bzw. Komplettbauten die seit den 1970ern in Skandinavien üblich sind. Dort hat man durch die Fertigung von Gabelbrücken mit Winkel oder Verstellbereich, nach dem Vorbild der seltenen verstellbaren Gabelbrücke die Harley seit der Hydraglide für Seitenwagenbetrieb angeboten hat, die Einstellung des Nachlaufes in den Griff bekommen, so dass extrem lange und flache Gabel wesentlich fahrbarer sind als mit Großserien-Gabelbrücken. In diesem Genre wird gern auf Anbauteile wie Scheinwerfer, Tachometer oder Vorderradbremsen verzichtet oder alternativ wenigstens die zugehörigen Kabel, Wellen und Leitungen innerhalb des Lenkers, Rahmens oder Gabelrohres verlegt, um den schnörkellosen Anblick derjenigen Teile, die tatsächlich eine zum Fahren unentbehrliche Funktion besitzen, möglichst wenig zu beeinträchtigen. Die Zulassung solcher Fahrzeuge zum öffentlichen Straßenverkehr wirft in Deutschland erhebliche Probleme auf.
Auch wenn manche Fans heute die Annahme bevorzugen, dass „richtige Chopper“ nur auf Harley oder Indian basieren können, waren schon beim Entstehen dieser Subkultur in Amerika genauso europäische und japanische Motorräder mit im Spiel.
In BSA, Triumph oder Norton fanden versierte Schrauber solide Ausgangspunkte zur Modifikation. Yamaha und Honda bewährten sich ebenso wie letztlich alles, was sich günstig kaufen und interessant umgestalten ließ. Gegenüber den teuren Hochglanzprodukten gehen manche Enthusiasten auch back to the roots und bauen Chopper, die sich ein Durchschnittsverdiener leisten kann. Da ist dann das Triebwerk vielleicht noch ein britischer Klassiker oder etwas Preiswertes aus Japan, aus Deutschland.
Cruiser mini|links|Polizeimotorrad in Manhattan (unchopped Cop-Hog) mini|Harley-Davidson Heritage Softail, typischer Cruiser
Cruiser ist etwa seit den 1990er Jahren die Bezeichnung für Motorräder, deren Designmerkmale auf US-amerikanische Serienmaschinen von Harley-Davidson, Indian oder Henderson zurückzuführen sind, wie sie etwa seit den 1930er Jahren insbesondere für den Polizei- und Militäreinsatz gebaut wurden. Stilbildende Merkmale sind langer Radstand, breite Bereifung, großvolumiger Motor, großflächige Kotflügel, breiter Lenker sowie vergleichsweise weit vorn angebrachte Trittbretter und die daraus resultierende aufrechte Sitzposition. Durch Umbau solcher ausgemusterter Behördenmaschinen entstanden ab etwa 1948 die ersten Bobber bzw. Chopper.
Factory Custom: Chopper ab Werk mini|Zweitakt-Chopper Jawa 350 (1994) mini|Harley-Davidson XL1200 Custom Anniversary Edition 2003
Die Firma Harley-Davidson lehnte zunächst derlei radikale Umbauten ab – nicht zuletzt weil diese Motorradgattung mit kriminellen und gewaltbereiten Rockergangs wie den Hells Angels in Verbindung gebracht wurde. Als das Chopper-Design bald darauf im Geschmack der Massen aufging und die Nachfrage stieg, begann jedoch auch Harley-Davidson, Chopper-Stilmerkmale in einige Serienmodelle einfließen zu lassen. Ab 1984 imitierte man mit der Softail-Hinterradfederung das Aussehen eines ungefederten Starrrahmens, und ab 1988 bot man gar die seit 1948 durch die Teleskopgabel abgelöste sogenannte Springergabel, eine Vorderradführung mit geschobener Kurzschwinge, wieder an.
Der in diesem Zusammenhang von Harley-Davidson geprägte Begriff des „Factory Custom“ stellte im Grunde einen Widerspruch in sich dar. Neben dem angestrebten Design war das ursprüngliche Chopper-Konzept ja auch wesentlich von dem Gedanken geprägt, das einheitliche Aussehen eines Großserienmodells zu verändern und so das eigene Motorrad individuell zu gestalten.
Softchopper Bereits in der Mitte der 1970er Jahre begannen auch japanische Hersteller auf die Nachfrage nach Choppern zu reagieren. Man versuchte anfangs „normale“ Straßenmotorräder mit choppertypischen Anbauteilen, wie höheren Lenkern, vorverlegten Fußrasten, Chromteilen und teilweise serienmäßigen Soziuslehnen (Sissybar) für die beabsichtigte Zielgruppe interessant zu machen. Diese werksseitig eher halbherzig umgestalteten Motorräder werden noch heute, oft verächtlich, als Softchopper bezeichnet. Ein typisches Beispiel dafür ist die Yamaha Virago als eine der japanischen Reaktionen auf die amerikanische Subkultur in der eigenen Großserien-Produktion oder die Kawasaki-LTD-Serie.
Spätere Großserien-Modelle wiesen bald ebenfalls die klassische V2-Motorbauweise Harley-Davidsons auf und auch das gesamte Design näherte sich an die amerikanischen Vorbilder an. Diese japanischen Motorräder im Chopper-Stil waren mit den US-amerikanischen Konkurrenzmodellen auch im Hinblick auf ihr unzeitgemäßes Fahrverhalten vergleichbar – die Fahrwerke waren oft unterdämpft, hatten hinten auf Grund des erwünschten flachen Aussehens meist eine unkomfortabel harte Federung mit wenig Federweg, waren wegen ihrer Fahrwerksgeometrie unhandlich und mit leistungsschwachen Bremsen an der Grenze des rechtlich Zulässigen ausgestattet.
In den 1990ern waren japanische Softchopper und Cruiser Standard auf den europäischen Straßen, die stilprägende Bedeutung Amerikas in diesem Genre allgemein anerkannt. So heißt es etwa in der Enzyklopädie des MotorradsEnzyklopädie des Motorrads. Marken, Modelle, Technik. Bechtermünz Verlag 1996, ISBN 3-86047-142-2 auf Seite 253 über die Honda VT 1100 C2 von 1996: „der größte Honda-Chopper im US-Stil“, auf Seite 410 wird die VS 1400 Intruder aus dem gleichen Jahr als „Chopper-Suzuki“ vorgeführt.
Chopper in Österreich
mini|Österreichs Factory Custom: Der KTM Comet Chopper aus der Puch Club Magazin-Session