In der Seeschlacht bei Kentish Knock im Ersten Englisch-Niederländischen Krieg trafen am die Flotte der Vereinigten Provinzen der Niederlande unter Witte de With auf die Flotte des Commonwealth von England unter Robert Blake nahe einer Kentish Knock genannten Untiefe in der Nordsee, ungefähr 30 km östlich der Themse-Mündung. Im Niederländischen wird sie Schlacht bei De Hoofden genannt, nach der alten niederländischen Bezeichnung für den Nordausgang des Ärmelkanals. Die niederländische Flotte musste sich angeschlagen zurückziehen.

Vorgeschichte

Der niederländische Admiral Maarten Tromp wurde nach einem Fehlschlag bei den Shetland-Inseln im August durch den holländischen Vizeadmiral Witte de With von der Admiralität von der Maas ersetzt. Es kam zu Differenzen zwischen den Provinzen Seeland und Holland, da De With ein persönlicher Feind von Vizeadmiral Johan Evertesen war, des Befehlshabers der seeländischen Flotte. Innerhalb der niederländischen Flotte gab es vielfältige politische, regionale und persönliche Spannungen.

De With vertrat eine aggressivere Marinepolitik, wollte die feindliche Flotte vernichten und nicht nur die eigenen Handelsschiffe vor englischen Angriffen schützen. Er sah nun die Chance, sich mit dem Geschwader von Michiel de Ruyter zu vereinen und die Seeherrschaft zu erringen. Am 5. Oktober 1652 verließ seine Flotte Schooneveld, um die nahe Dover ankernde englische Flotte anzugreifen. Ein Sturm beschädigte viele niederländische Schiffe, und neun Schiffe De Ruyters mussten zu Reparaturen zurück in einen Hafen. De Ruyter schlug eine defensive Taktik vor, doch De With blieb bei seinen Angriffsplänen.

Die Schlacht Am 8. Oktober trafen 62 Schiffe der Vereinigten Provinzen unter De With auf 68 englische Schiffe unter Robert Blake. In der Nacht vor der Schlacht war die niederländische Flotte erneut in einem Sturm geraten und am Morgen noch in Unordnung. Sie näherte sich von Osten der englischen Flotte, die aus dem Süden kam. Blake wollte den Vorteil des günstigeren Windes ausnutzen und sofort angreifen.

mini|300px|Kämpfe zwischen Schiffen im Ersten Niederländischen Krieg, gemalt von Abraham Willaerts, stellt wahrscheinlich die Schlacht bei Kentish Knock dar. Rechts kämpfen Brederode und Resolution miteinander, links die mächtige Sovereign

De With hatte seine Schiffe versammelt, nur fünf Schiffe waren zu weit nach Norden geraten. Um 14:30 Uhr wollte er mit seiner Flagge von der kleineren Prinses Louise zur Brederode, Tromps früherem Flaggschiff und dem stärksten niederländischen Schiff, übersetzen. Doch die Besatzung der Brederode verweigerte ihm den Zutritt und drohte sogar, mit Kanonen auf sein Boot zu schießen. Der Admiral war bei vielen Seeleuten unbeliebt, und viele waren nach seiner Ernennung desertiert. Als die feindliche Flotte bereits auf eine halbe Meile herangekommen war, hisste der Admiral seine Flagge auf dem großen, aber langsamen VOC-Schiff Prins Willem, wo er die meisten Offiziere betrunken vorfand und die Besatzung schlecht ausgebildet war.

Blake wechselte ebenfalls seine Flagge von der zu großen Souvereign zur wendigeren Resolution. Um 17:00 Uhr versuchte er, die niederländische Linie zu durchbrechen, doch die meisten niederländischen Schiffe wichen nach Osten aus. Der Wind ließ nach, und beide Flotten trieben langsam aneinander vorbei. Die englischen Schiffe waren größer und besser bewaffnet und richteten schwere Schäden beim Gegner an. Doch zuerst gerieten englische Schiffe in Schwierigkeiten: Die Souvereign und die James liefen auf die Kentish Knock-Sandbank und konnten erst nach einiger Mühe wieder flottgemacht werden. Die Resolution und die Dolphin hatten sich zu weit vorgewagt und wurden von Feinden umringt, bis die anderen englischen Schiffe herangekommen waren und sie aus ihrer misslichen Lage befreiten. Die Prins Willem wurde gegen Abend manöverierunfähig und De Withs Führung dadurch sehr eingeschränkt, doch gegen 19:00 setzte die Dunkelheit ein, und die Kämpfe endeten. Zum Abschluss eroberten die Engländer noch die Maria, während sie die Gorcum aufgaben, die von den Niederländern wieder übernommen und in Sicherheit gebracht werden konnte. Die Burgh van Alkmaar war explodiert.

Am Morgen des nächsten Tages drohte De With den seeländischen Kapitänen, worauf ungefähr zehn Schiffe die Flotte verließen, zumeist von seeländischen Kapitänen befehligt, die gegen die holländische Dominanz und gegen de With eingestellt waren. Die Lage der niederländischen Flotte, die inzwischen nur noch 49 Schiffe umfasste, war hoffnungslos. Dagegen hatten die englische Flotte in der Nacht Verstärkungen erhalten und zählte nun 84 Schiffe.

Trotzdem wollte De With angreifen. Die Niederländer standen südöstlich der Engländer, segelten nach Süden und hofften, eine bessere Position zu erringen. Doch einige Schiffe gerieten zu nahe an die Engländer und erhielten schwere Treffer, zudem wechselte der Wind nach Nordost und gab den Engländern wiederum den günstigeren Wind. De Ruyter und Cornelis Evertsen konnten De With vom Rückzug überzeugen, und die niederländische Flotte wich nach Osten aus, von Blakes Flotte verfolgt. Vom Westwind unterstützt, konnten De With und De Ruyter den Rückzug mit einem Dutzend Schiffe decken, und die Niederländer verloren keine weiteren Fahrzeuge. Die englische Flotte brach die Verfolgung ab, als die flämischen Untiefen erreicht wurden.

De With wollte die Flotte im Becken von Wielingen zu See reparieren lassen und danach nochmals die Engländer angreifen. Seine Flaggoffiziere waren entsetzt und verweigerten die Unterstützung. De With musste erkennen, dass er mit seiner Meinung allein stand, und ordnete den Rückzug nach Hellevoetsluis an, das am 12. Oktober erreicht wurde.

Folgen Die Niederländer begriffen, dass sie größere Schiffe benötigten, und beschlossen ein Schiffbauprogramm, das aber erst zum Ende des Krieges umgesetzt wurde. De With war überzeugt, dass die zu geringe Größe der niederländischen Schiffe und das Fehlen von Brandern der Hauptgrund für die Niederlage war. Die öffentliche Meinung gab ihm jedoch die Schuld an dem Fehlschlag. De With erlitt später einen Zusammenbruch und wurde im Mai 1653 als Oberbefehlshaber abgelöst.

Die Engländer glaubten, den Feind vollständig besiegt zu haben, und entsandten zwanzig Schiffe ins Mittelmeer. Diese Fehlentscheidung ermöglichte den Niederländern einen Sieg in der Seeschlacht bei Dungeness. Doch auch im Mittelmeer erlitten die Engländer eine Niederlage in der Seeschlacht bei Livorno.

Beteiligte Schiffe

Auf Seiten der Vereinigten Provinzen standen 62 Schiffe, 1.900 Kanonen und 7.000 Männer; die Vorhut befehligte De Ruyter, das Zentrum De With und die Nachhut Gideon de Wildt von der Amsterdamer Admiralität.

Auf der englischen Seite standen 68 Schiffe mit 2.400 Kanonen und 10.000 Männern unter dem Flottenkommandanten Robert Blake.

Es gibt keine vollständigen Verzeichnisse, besonders auch der englischen Schiffe. Bei den niederländischen Schiffen gibt es Unterschiede zwischen den Listen vom späten September 1652 und dem Logbuch De Withs und anderer Archivquellen.

Vereinigte Provinzen (Witte de With)WP: en:Battle of the Kentish Knock Schiff Kapitän Kanonen Anmerkung Brederode Abel Roelantsz54Maas Admiralität Prins WillemVizeadmiral De With, Flaggkapitän Jacob Gaeuw56VOC (Middelburg) Henriëtte Louise/Prinses LouijseBefehlshaber De Ruyter, Flaggkapitän Pieter Marcussen48VOC (Middelburg) Vredeamtierender Konteradmiral Gideon de Wildt42Amsterdamer Admiralität Aartsengel MichielEmmanuel Zalingen40Amsterdamer Admiralität Graaf WillemKonteradmiral Jan Gideonszoon Verburgh40Amsterdamer Admiralität GroningenAbraham van der Hulst40Amsterdamer Admiralität VogelstruysDouwe Aukes40VOC (Amsterdam) VredePieter Salomonszoon30 oder 40 VOC (Amsterdam) Prins te Paerd or PrinsCorstiaen Corstiaensen38Rotterdam Direktorat Drie ConingenLucas Aelbrechtssen oder Albertszoon36Amsterdamer Admiralität Engel GabriëlIsaac Sweers36Amsterdamer Admiralität Prinses LouiseDe With am 2.Tag36 Maas oder Rotterdam Admiralität ZeelandiaKapitänleutnant Nicolaes Marrevelt36Amsterdamer Admiralität HollandiaAlbert Claesz de Graeff32Amsterdamer Admiralität AmsterdamAdriaan Kempen30Seeländer Admiralität FaemeCornelis Loncke30Seeländer Admiralität GorcumJan Jacobsen van Nes, Willem Arentsz Warmont30 Maas oder Rotterdam Admiralität; verloren und zurückerobert Gouden LeeuwJacob Adriaensen Penssen30Middelburg Direktorat Haes in 't VeldtLeendert den Haen30Stadt Middelburg HaesBastiaen Centsen30Vlissingen LiefdeFrans Crijssen Mangelaer30Seeländer Admiralität MariaClaes Sael30Amsterdamer Admiralität; verloren Wapen van EnckhuysenGerrit Femssen30Noorderkwartier Admiralität Witte LamCornelis van Houten30Amsterdam Direktorat Arke TroijaneAbraham van Campen28Amsterdam Direktorat Bredaamtierender Konteradmiral Adriaan Bruynsveld28Friesländer Admiralität Zeeuwsche LeeuwBefehlshaber Cornelis Evertsen der Ältere28Seeländer Admiralität CampenJoris van der Zaen40Amsterdamer Admiralität GelderlandCornelis van Velsen28Amsterdamer Admiralität GoudaJan Egbertsen Ooms28Amsterdamer Admiralität Leyden Cornelis Holla 28 Amsterdamer Admiralität Prins Maurits Cornelis Pietersen Taenman 28 Noorderkwartier Admiralität Sint Franscisco Stoffel Juriaenssen 28 Amsterdam Direktorat Sint Pieter Leutnant Jan Janssen van der Valck 28 Rotterdam Direktorat Star Jacob Paulussen Cort 28 Amsterdamer Admiralität Westergo Leutnant Tijmen Claessen 28 Friesländer Admiralität Zeeridder Gilles Janssen 28 Seeländer Admiralität Zutphen Ewout Jeroensen 28 Amsterdamer Admiralität Dubbele Arend Allert Janssen, Leutnant Teunis Post 26 Vlissingen Direktorat Kasteel van Medemblick Gabriël Antheunissen 26 Noorderkwartier Admiralität Sint Jan Laurens Lispensier 26 Seeländer Admiralität Ter Goes Cornelis Cuyper 26 Seeländer Admiralität Achilles Dirk Schey 28 Amsterdamer Admiralität Burgh/Wapen van Alkmaer Gerrit Nobel28 Noorderkwartier Admiralität; zerstört Hector van Troijen Reinier Sekema 24 Friesländer Admiralität Hollandsche Tuyn Hilbrandt Jeroensen 24 Amsterdamer Admiralität Monnick Arent Dircksen 24 Noorderkwartier Admiralität Sandenburg Pieter Gorcum 24 Seeländer Admiralität Frisia Schelte Wiglema 28 Friesländer Admiralität Eenhoorn Laurens Josiassen Feuerschiff Graaf Sonderlandt Hendrick Janssen Feuerschiff Vergulde Buys Ary Cornelissen Friesländer Admiralität; Feuerschiff Vos Jan Jacobsen Feuerschiff

England (Robert Blake)WP: en:Battle of the Kentish Knock Schiff Kanonen Anmerkung Sovereign 90 Resolution 88 James 66 Triumph 60 Vanguard 58 Andrew 56 Speaker 54 Lion 50 Convertine 44 Garland 44 Advice 42 Diamond 42 Foresight 42 Pelican 42 Ruby 42 Assistance 40 Assurance 40 Dragon 40 London 40 Handelsschiff Nonsuch 40 President 40 Richard and Martha 40 Handelsschiff Portsmouth 38 Anthony Bonaventure 36 Handelsschiff Hound 36 ex-? Guinea 34 Hercules 34 Handelsschiff Lisbon Merchant 34 Handelsschiff Convert 32 vorher französisch Mary 32 Fleute Exchange 30 Handelsschiff Cullen 28 Handelsschiff Prudent Mary 28 Handelsschiff Advantage 26 vorher niederländisch Falmouth 26 vorher niederländisch Sampson 26 vorher niederländisch Martha 25 Handelsschiff Golden Dove 24 Handelsschiff Old Warwick 24 Pearl 24 Acorn 22 Handelsschiff Cygnet 22 Little President 22 Nightingale 22 Gift 16 Handelsschiff Paradox 12 Renown 10 Brander

Einzelnachweise

Kentish Knock Kentish Knock Kentish Knock Kategorie:Niederländische Marinegeschichte Kategorie:Konflikt 1652 Kategorie:Marinegeschichte (Nordsee)