Die Viqueque-Rebellion (auch Bewegung von 1959, Massaker von 1959, lokal: Krieg von 1959) fand im Gebiet der heutigen Gemeinde Viqueque in Portugiesisch-Timor, dem heutigen Osttimor, statt. Sie war der letzte große Aufstand der einheimischen Bevölkerung gegen die portugiesischen Kolonialherren und wurde von einigen unzufriedenen osttimoresischen Beamten und Adligen aus den Gemeindeteilen Uato-Lari und Uatucarbau angeführt. Daneben war auch eine Gruppe von Indonesiern beteiligt, was zu Spekulationen über eine Verwicklung des Nachbarlandes in die Rebellion führte.Janet Gunter S. 30.

Über die Viqueque-Rebellion wurde in der Besatzungszeit durch Indonesien (1975–1999) für Propagandazwecke viel gesprochen. Da diese Rebellion schlecht organisiert war, wird ihrer hingegen im heutigen freien Osttimor nicht in besonderem Maße gedacht. Da ihre Aufdeckung befürchtet wurde, hatten sich die Aufständischen ohne genügende Vorbereitungen zu früh erhoben.Janet Gunter S. 31.

Situation vor der Rebellion

mini|Karte mit Portugiesisch-Timor zwischen Indonesien und Australien

Nach dem Zweiten Weltkrieg und der damit einhergehenden japanischen Besetzung kam die Kolonie 1945 wieder unter portugiesische Kontrolle. Kurz darauf erkämpfte sich Indonesien die Unabhängigkeit von den Niederlanden. Das niederländische Westtimor wurde Teil Indonesiens. 1951 erhielt Portugiesisch-Timor den Status einer Überseeprovinz. 1962 versuchte Indonesien Westneuguinea zu besetzen, um seine Unabhängigkeit zu verhindern, und letztendlich wurde 1963 eine Übergabe an Indonesien vereinbart. Indonesische Diplomaten erklärten vor den Vereinten Nationen, dass ihr Land kein Interesse an Gebieten außerhalb des ehemaligen Niederländisch-Ostindien habe. Portugiesisch-Timor wurde hier explizit genannt. Grund dafür war auch die Bindung indonesischer Kräfte in Westneuguinea, wo man versuchte, die Kontrolle zu gewinnen. Zweifel an der Aussage blieben aber aufgrund der antikolonialen Polemik der Regierung Indonesiens.

In der Nachkriegszeit wurde die Zwangsarbeit durch die Portugiesen wieder vorangetrieben, um die Kriegsschäden zu beseitigen. Jeder Suco musste Arbeiter für jeweils einen Monat zur Verfügung stellen und die Führer der Sucos erhielten ausgeweitete Rechte, um genügend Zwangsarbeiter auszuheben.Patricia Dexter. Menschenrechtsverletzungen durch Beamte und Landbesitzer waren üblich. Unterstaatssekretär für Überseeangelegenheiten Carlos Abecassis hinterließ 1956 nach seinem Besuch in der Kolonie Gouverneur César Maria de Serpa Rosa (1950–1958) entsetzt Anordnungen zur Verbesserung der Situation auf 17 Seiten. Unter anderem wurde die Abschaffung körperlicher Strafen gefordert, es kam aber nur zu wenigen Änderungen.Ernest Chamberlain, abgerufen am 7. September 2013.

Ablauf Der Auslöser für die Rebellion sollen die Zwangsarbeit, hohe Steuern und die allgemeinen Missstände gewesen sein. Einhellige Meinung herrscht aber darüber, dass die Rebellion nicht spontan ausbrach, sondern von langer Hand geplant war. Als Agitatoren werden Indonesier beschuldigt, die zuvor in Portugiesisch-Timor Asyl erhalten hatten. Sie gehörten ursprünglich der vom amerikanischen CIA unterstützten Permesta-Bewegung an, die aus Sulawesi stammte und gegen die Zentralregierung in Jakarta kämpfte. Einige Quellen bezeichnen sie als indonesische Agenten, die einen weitgehenden Aufstand auslösen wollten, um einen Abzug der Portugiesen und eine Integration von Osttimor in Indonesien zu erreichen. Andere Quellen geben an, dass die Permesta-Anhänger planten Portugiesisch-Timor als Basis für Operationen im östlichen Indonesien zu nutzen.Geoffrey C. Gunn.

mini|Dachschmuck in Babulo

Knapp ein Jahr hatte Permesta zuvor das indonesische Westtimor lose unter ihrer Kontrolle gehalten, bis sie im März 1958 von indonesischen Truppen besiegt wurde. 14 Angehörigen von Permesta (vor allem Westtimoresen, dazu ein Mann aus Sumatra und einer aus Manado) gelang am 27. März die Flucht in die portugiesische Exklave Oecusse mit einem Boot voll mit Gewehren und Munition. Portugal gewährte ihnen Asyl als lebendes Propagandaobjekt gegen Dekolonisation. Man brachte sie zunächst nach Baucau, wo sie in der Herberge Estalagem de Santiago untergebracht wurden. Ende Dezember 1958 wurden fünf der Indonesier nach Uato-Lari (heute Uato-Lari Leten, Suco Babulo, Gemeinde Viqueque) gebracht, nachdem es innerhalb der Gruppe zum Streit kam. Die neun Permesta in Baucau beteiligten sich an Plänen timoresischer Aktivisten für einen Aufstand.

Die Indonesier in Viqueque freundeten sich mit José Manuel Duarte an, einem mestizischen Beamten in der Wetterstation, und Amaro Loyola Jordão de Araújo, einem timoresischen Finanzbeamten im Ruhestand, der schwere Vorwürfe gegen die Kolonialverwaltung erhob. Der sino-timoresische Luís „Xina“ da Costa Rêgo, Fahrer der Landwirtschaftsabteilung in Dili, war der führende Kopf unter den an der Verschwörung beteiligten Staatsangestellten. Auf einer Fahrt nach Uato-Lari fand er unter den einheimischen Adligen dort und aus Uatucarbau Verbündete für seine Pläne, darunter António da Costa Soares, auch António Metan genannt, ein Nachkomme des Liurais (Herrscher) von Afaloicai, nördlich von Uato-Lari. Metan war zu diesem Zeitpunkt chefe de povação, ein Dorfvorsteher, der unterhalb eines Liurais stand. Er hegte einen persönlichen Groll gegen den damaligen Administrator des Postos Uato-Lari, Eduardo Caeiro Rodrigues. Ihm warf Metan, neben dem Abschlachten von Vieh in jüngster Vergangenheit, Korruption in der lokalen Verwaltung vor. Laut Metan unterschlug Rodrigues große Anteile der Zahlungen der australischen Firma Timor Oil an den Posto für die Erkundung nach Erdöl bei Aliambata (Suco Babulo).

Xina hatte mit anderen timoresischen Beamten bereits für den 28. Mai 1958 einen Aufstand geplant. An diesem Tag feierten die zwei größten portugiesischen Freizeitclubs den Jahrestag ihrer Gründung. Wegen Verzögerungen verlegte man die Pläne auf die Silvesternacht vom 31. Dezember 1959. Gouverneur Filipe Barata berichtete später, dass die Verschwörer planten, die Kolonialhauptstadt Dili unter ihre Kontrolle zu bringen, nachdem eine Gruppe Aufständischer aus Baucau nach Dili marschiert wären, darunter die neun Permesta-Mitglieder. Gleichzeitig sollte es in Aileu zu einem Aufstand kommen. Die Machtübernahme sollte innerhalb einer Stunde erfolgen und an den eingenommenen Orten die Flagge Indonesiens gesetzt werden. Anderen Angaben zufolge wollte Xina die portugiesischen Verwaltungsmitglieder als Geiseln nehmen und von Lissabon eine neue Regierung fordern. Dabei sollte Gewalt nur im Notfall eingesetzt werden. Später behauptete die Polizei, die Verschwörer hätten ein dramatisches Massaker auf der Neujahrsfeier in Dili, die Freilassung Dutzender Macau-chinesischer Gefangener und die Übernahme des größten Waffen- und Munitionslagers der Kolonie geplant.

„Leutnant“ Gerson Pello, ein Rotinese aus der indonesischen Exilantengruppe, förderte die Gruppe in Viqueque. Pello versprach Xina, Indonesien würde den Aufstand unterstützen. Metan traf Pello erstmals im März 1959. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 34 Mann kampfbereite Mitglieder der Verschwörung in Uato-Lari.

Jedoch hatten die portugiesischen Behörden bereits Ende Mai von der Verschwörung erfahren. Einerseits heißt es, dass die wütende Ehefrau eines der drei Hauptverschwörer die Behörden in Baucau informierte. Nach anderen Angaben hatte ein timoresischer Aktivist Jaime Garcia Goulart, den Bischof von Dili, informiert und dieser die offiziellen Stellen. Xina, João „Chiquito“ Pereira da Silva, eine Krankenschwester aus Manatuto, und José „Zeca“ de Sousa Gama aus Laga wurden bereits am 1. Juni verhaftet. Innerhalb kürzester Zeit nahm die Polizei unter Kommandant Sargento Manuel da Câmara aus Madeira insgesamt 68 Personen in Dili, Aileu, Letefoho und Baucau fest. Oft reichte schon die Nennung eines Namens im Verhör für eine Verhaftung. Viele Aussagen entstanden durch Androhung von Gewalt. Unter den Arrestierten waren Chinesen, vier arabischstämmige Timoresen, Mestizen und afrikanische Beamte. Drei Verhaftete waren Angestellte der Post und des Telegraphenamtes, drei Co-Chauffeure, drei Mitarbeiter des indonesischen Konsulates, zwei von der Staatsdruckerei (Imprensa Nacional), zwei vom Gesundheitsdienst, zwei Seeleute, eine Person von der Mission zur Untersuchung endemischer Krankheiten, ein Beamter der Banco Nacional Ultramarino, ein Zollbeamter, ein Assistenzlehrer, ein Katechist, ein Kellner und ein Maler. Der Rest wurde als Person ohne Beruf registriert, meist Bauern oder arbeitslose Freunde der Beamten. Die größte Aufregung verursachte die Verhaftung von Francisco de Araújo, einem älteren Herren und einem der wenigen einheimischen Timoresen, die Mitglied im Regierungsrat (Concelho do Governo) waren.

mini|Blick auf den Ort Viqueque

Am Abend des 6. Juni wurde auch Artur Marques Ramos, der portugiesische Administrator von Viqueque, von den Behörden in Dili über die Aufstandspläne informiert. Unter anderem wurde angeordnet, Metan zu verhaften, dessen Name in einem Verhör gefallen war. Zufällig hatte Ramos ausgerechnet mit jenen Männern, die nun verdächtigt wurden, zuvor am selben Tag Fußball gespielt. Er beschrieb den Ermittlern gegenüber deren Verhalten als „absolut normal“. Ramos hielt es auch für unwahrscheinlich, dass die Permesta in Uato-Lari darin verwickelt sein könnten. Nur widerwillig beauftragte der Administrator seine Cipaios mit der Verhaftung von Metan. Zudem wies er an, dass Metan, bevor er über Nacht in der Gefängniszelle einsitzen sollte, ein Bad im Fluss nehmen sollte. Es mag Ramos entgangen sein, dass „ein Bad im Fluss nehmen“ auf Timor eine Umschreibung für „Tod“ ist. Metan fürchtete um sein Leben und bat bei seiner Verhaftung, zuerst einen Anzug holen zu dürfen, den er im Haus seines Freundes Amaro Araújo aufbewahre.Janet Gunter, S. 31–32. Dort traf Metan auf Pello und andere Verschwörer und berichtete, dass sie aufgeflogen seien.Janet Gunter, S. 32.

Man sah sich nun gezwungen zu handeln. Der geflohene Metan wurde von Pello mit einem der indonesischen Exilanten nach Uato-Lari geschickt, wo sie nach Einbruch der Nacht ankamen. Metan forderte seinen Cousin, den dortigen Chef der Cipaios, auf, die Flagge Portugals einzuholen und die Telegraphenkabel zu kappen. Andere Quellen berichten von einem erfolgreichen Angriff der Aufständischen auf den portugiesischen Posten in Uato-Lari.

Am Abend versammelten sich in der Stadt Viqueque 30 Rebellen, die indonesischen Exilanten, Zivilbeamte und Arbeiter einer Kokosnussplantage, vor der Verwaltung und dem Sitz des portugiesischen Administrators. Der Administrator und seine Familie sollten als Geiseln genommen werden, doch Ramos gelang die Flucht zum Posten in Ossu, das als loyal zu Portugal galt. Der Legende nach waren die Rebellen von zu viel Palmwein betrunken. Ihnen gelang es aber, einige 8-mm-Kropatscheck-Gewehre und Munition in die Hände zu bekommen. Die Munition war allerdings schon so alt, dass sie nicht mehr funktionierte, und die Gewehre stammten aus dem vorigen Jahrhundert. Ramos verständigte von Ossu aus per Telefon die Verwaltung in Baucau und Dili.