Schwätzen, auch Schwatzen, heißt im Deutschen allgemein, sich in entspanntem Umfeld zu unterhalten, oder ein Gespräch ohne besondere Tiefgründigkeit zu führen. Das Substantiv Geschwätz ist deutlich negativ besetzt und meint dumm daherreden, synonym dafür stehen Gebrabbel, Schnack. Daneben hat Schwätzen eine spezielle Sonderbedeutung, nämlich die (unerwünschten) Gespräche von Schülern während des Unterrichts.
Wortherkunft Schwatzen ist nach Grimms Deutschem Wörterbuch 1854 ff. , und ist erst seit dem 15. Jahrhundert belegt. Laut moderner Sprachwissenschaft (Linguistik) ist der Begriff indogermanischer Herkunft und somit mit einigen indogermanischen Sprachen der Welt verwandt, insbesondere mit Sprachen, die noch in ihrer archaischen Form erhalten geblieben sind so wie das Persische, wo die verwandten Begriffe sobat (sprechen: sobat kardan) und savât (Edel, Verstand, Klarheit, Mündigkeit und Bildung) existieren. Damit auch verwandt ist das persische Wort Chatiât (wirrwarr, dummes Geschwätz, Blödsinnigkeit) und das englische Chat (plaudern) und in den indischen Dialekten vorkommenden sota, svati und svaaya. Verwandtschaft besteht womöglich im deutschen Sprachgebiet zu schwadern ‚schwanken, schwappen‘ – vergleiche die analoge Herleitung der zu Schwatzen relativ synonymen Begriffe Geschwafel und Geschwurbel, aber auch schwadronieren, das ursprünglich zu Schwadron ‚Schar‘ (eigentlich über frz. esquadre ital. squadra ‚Viereck‘ wie Quader; dt. auch Schwader, verg. Geschwader) steht, aber dann zunehmend die Bedeutung ‚(wirr) umherschweifen‘ annimmt, bis es dem Wort Schwatzen ähnelt, etwa als Schwadronneur ‚Schwätzer, Angeber‘. Überlebt hat der Begriff wohl nur, weil er in das Hochdeutsche aus vereinzelten und miteinander eng verwandten deutschen Idiomen (wahrscheinlich aus Ostdeutschland oder noch genauer aus der nordöstlichen Region Deutschlands) übernommen wurde oder sich selbst im Hochdeutsch etablieren konnte wie einige andere Begriffe (malochen usw.) aus den noch lebenden Dialekten im deutschen Sprachraum.
mini|hochkant|‚Schwätzweiber‘ auf einem alten Marktbrunnen in Sindelfingen (Württemberg) Schwätzen im Sinne plaudern ist der ursprüngliche Sinn, und fand sich anfangs vornehmlich im Oberdeutschen. Das Wort ist – auch in der Hochliteratur – beliebt gewesen, und hat zahlreiche, heute meist altertümlich anmutende oder ausgestorbene Begriffe wie Schwatzgeist, Schwatzmaul, Schwatzsucht und Ähnliches produziert, aber auch Schwatzmarkt ( 16. Jh.).Salzburger taid. 194, 23. Zit. nach
Schon die Brüder Grimm geben ‚schwatzen‘ als die hochsprachliche, und ‚schwätzen‘ als die dialektsprachliche Form, erwähnen aber auch: Deutlich wird diese richtig erkannte Trennung, indem es heute nur mehr die Formen ‚Geschwätz‘ und ‚Schwätzer‘ gibt, und diese ausdrücklich als ‚leeres Gerede‘ negativ konnotiert sind – während Geschwatz hochsprachlich ausgestorben scheint. Davon abweichend negativ besetzt ist sonst nur die Schwatzhaftigkeit, Im Österreichischen wird das Wort prinzipiell in abwertender Bedeutung verwendet.
Schwätzen im Sinne eines Gesprächs, das mehr oder minder leise zwischen zwei oder mehreren Schülern während des Unterrichts geführt wird, ist in dieser Bedeutung jüngeren Ursprungs.
Siehe auch Geschwurbel, Labern, Geseier Klatsch (Getratsch) Konversation Skas, eine russische Literaturgattung
Literatur Plutarch: Ueber die Geschwätzigkeit. In: Plutarchs moralische Abhandlungen. Aus dem Griechischen übersetzt von Johann Friedrich Salomon Kaltwasser. 9 Bände Johann Christian Hermann, Frankfurt am Main 1783–1800, Band 4 (1789), S. 449–502 (Digitalisat). Karl-Heinz Göttert: Schwätzer – Leben mit Flegeln, Philipp Reclam jun., Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-020200-5.
Weblinks
Skaz-Eintrag im Lexikon der Filmbegriffe
Einzelnachweise
Kategorie:Methode der Kommunikation Kategorie:Mündliche Kommunikation