mini|500px|Vermutete Migrationsroute im Sinne der Out-of-Africa-Theorie und gemäß der mitochondrialen DNA.M. Metspalu, T. Kivisild, E. Metspalu, J. Parik, G. Hudjashov, K. Kaldma, P. Serk, M. Karmin, D. M. Behar, M. T. Gilbert, P. Endicott, S. Mastana, S. S. Papiha, K. Skorecki, A. Torroni, R. Villems: Most of the extant mtDNA boundaries in south and southwest Asia were likely shaped during the initial settlement of Eurasia by anatomically modern humans. In: BMC genetics. Band 5, August 2004, S. 26, . . PMID 15339343. . Die Haplogruppe N ist in der Humangenetik eine Haplogruppe der Mitochondrien (mtDNA).
Sie ist ein Nachkomme der Haplogruppe L3, die an der Auswanderung aus Afrika teilnahm; ihr Ursprung wird in Westasien vor etwa 50.000 bis 80.000 Jahren angenommen. Haplogruppe N ist Vorfahr fast aller europäischen und ozeanischen Haplogruppen, zusätzlich zu vielen asiatischen und amerindischen. Es wird davon ausgegangen, dass sie in Westasien zur gleichen Zeit wie Haplogruppe M entstand. Diese Makrohaplogruppe umspannt mehrere Kontinente.Haplogroups I & N. Sie ist auch am Horn von Afrika in einer niedrigeren Frequenz präsent, die durch eine Rückwanderung nach Afrika vor 30.000 Jahren entstand, gemeinsam mit dem asiatischen Haplotyp M1 und anderen eurasischen Haplogruppen.
Zu den Nachkommen gehören auch die Makrohaplogruppe R (und ihre Nachkommen) und die Haplogruppen N1, A, I, S, W, X und Y.
Stammbaum Dieser phylogenetische Stammbaum der Subgruppen von Haplogruppe N basiert auf einer Veröffentlichung von Mannis van Oven und Manfred KayserMannis van Oven, Manfred Kayser: Updated comprehensive phylogenetic tree of global human mitochondrial DNA variation. In: Human Mutation. 30, 2009, S. E386, PMID 18853457. . und anschließender wissenschaftlicher Forschung.
N N1'5 N1 N1a'c'd'e'I N1a'd'e'I N1a'e'I Haplogruppe_N1a_(mtDNA) N1a1 N1a1a N1e'I I N1e N1d N1c N1b N1b1 N1b1a N1b1b N1b1c N1b1d N1b2 N5 N2 N2a W N9 N9a N9a1'3 N9a1 N9a3 N9a2'4'5 N9a2 N9a2a'b N9a2a N9a2b N9a2c N9a2d N9a4 N9a5 N9a6 N9a6a N9b N9b1 N9b1a N9b1b N9b1c N9b1c1 N9b2 N9b3 Haplogruppe Y N12 N12a N13 N14 N21 N22 A Haplogruppe S (mtDNA) X R
Funde antiker Skelette der mtDNA-Haplogruppe N in Europa
2003: Zwei Cro-Magnon Exemplare aus der Paglicci Höhle, Apulia, Italien trugen Haplogruppe N in sich. Diese Funde waren 23.000 und 24.000 Jahre alt.David Carmelli et al.: Evidence for a genetic discontinuity between Neandertals and 24,000-year-old anatomically modern Europeans. 2003
2005/2010: Wolfgang Haak et al. sequenzierte mitochondriale DNA antiker Skelette (von ca. 5500 bis 4900 v. Chr.) aus Fundorten der Linienbandkeramik-Kultur in Deutschland und Österreich – von 38 gewonnenen DNA-Sequenzen hatten sechs Haplogruppe N1a.Wolfgang Haak: Ancient DNA from European Early Neolithic Farmers Reveals Their Near Eastern Affinities. 2010
2010: Die von Marie-France Deguilloux et al. untersuchten Überreste der Grablege eines Hügelgrabes in Deux Sevres, Frankreich, aus dem Jahre 4200 v. Chr. (Megalithkultur) wurden einer DNA-Analyse unterzogen. Ein Exemplar trug die Haplogruppe N1a in sich.Deguilloux et al.: Ancient DNA from French Megalithic Bural Chamber. (PDF; 965 kB) 2010
2011: Zsuzsanna Guba analysierte die mtDNA von elf jungsteinzeitlichen Skeletten aus Ungarn. Unter fünf Exemplaren der Körös-Kultur konnten zwei mit den Mutationen der Haplogruppe N9a entdeckt werden.Zsuzsanna Guba et al.: Evidence for N9a discontinuity and East Asian haplogroups in the Neolithic Hungary 2010
Funde aus der Antike/dem Mittelalter
2006: Die gefrorenen Überreste eines Mannes in den Bergen der Mongolei (Altai Republik) erwiesen ihn ebenfalls als Träger der mtDNA-Haplogruppe N1a. Der blonde Skythische Krieger lebte vor ca. 2005 Jahren.Genetic analysis of a Scytho-Siberian skeleton . In: Human biology; an international record of research, 76, 2007, PMID 15222683
2007: Eines von insgesamt 13 Skeletten in dem mittelalterlichen Friedhof in Riisby, Dänemark (gegründet 1000 n. Chr.) trug die für Skandinavien äußerst seltene Hg N1a.Linea Melchior, Niels Lynnerup, Hans R. Siegismund, Toomas Kivisild, Jørgen Dissing, Michael Hofreiter: Genetic Diversity among Ancient Nordic Populations. In: PLoS ONE. 5, 2010, S. e11898, .
2007: Ebenfalls selten war die Existenz der Haplogruppe N1a in Ungarn des 10.–11. Jahrhunderts. In einer Studie von 2007 fand man wenige Skelette mit dieser Haplogruppe von Personen mit hohem Status, wogegen Personen von geringerem Status andere, Westeurasien-typischere, Haplogruppen trugen.Comparison of maternal lineage and biogeographic analyses of ancient and modern Hungarian populations. In: American Journal of Physical Anthropology, 2007, doi:10.1002/ajpa.20677
2008: In Sagalassos, Südwesten Anatoliens, wurden reichhaltige Funde gemacht und insgesamt 85 Skelette ausgegraben. Nachdem die DNA-Sequenzen gewonnen waren, stellte man bei einigen die mtDNA Hg N (evtl. N1b) fest. Die Grabungsfunde datieren auf einen Zeitraum von 200 Jahren (11.–13. Jh.) und dieses Gebiet war zu dieser Zeit byzantinisch.Claudio Ottoni et al.: Mitochondrial analysis of Byzantine population reveals the differential impact of multiple historical events in South Anatolia. .
Ludwig XVI von Frankreich
Reste des Blutes von Ludwig XVI. wurden 2010 einem DNA-Test unterzogen. Überraschend war die ungewöhnliche, antike mtDNA Haplogruppe N1b 176G. Auch seine männliche Hg konnte so ermittelt werden.Genetic analysis of the presumptive blood from Louis XVI, King of France. In: Forensic Sci Int Genet. 2011, PMID 20940110 mini|600px|Rekonstruiertes Netzwerk der mitochondrialen DNA der Haplogruppe N1a Siehe auch Ausbreitung des Menschen Mitochondriale Eva Mitochondriale DNA
Weblinks Biologiezentrum Österreich
Einzelnachweise