Der Begriff Flächenverbrauch (verwaltungs- und wissenschaftssprachlich auch Flächeninanspruchnahme,Flächeninanspruchnahme für Siedlungen und Verkehr reduzieren. Umweltbundesamt, abgerufen am 23. August 2025 sowie FlächenneuinanspruchnahmeFlächenneuinanspruchnahme. Sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, abgerufen am 23. August 2025Sachverständigenrat für Umweltfragen (2016): Umweltgutachten 2016, S. 241., Sachverständigenrat für Umweltfragen, abgerufen am 2. Oktober 2025) beschreibt die Umwandlung von naturbelassenen oder landwirtschaftlich genutzten Teilen der Erdoberfläche in Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die jeweilige Zunahme wird mit Stichtag 31. Dezember jährlich vom Statistischen Bundesamt erfasst.
Während der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen in Deutschland noch immer steigt, sollen gezielte Gegenmaßnahmen diesen Anstieg verlangsamen. Die Bundesregierung hat sich den täglichen Flächenverbrauch von 30ha bis 2030 zum Ziel gesetzt.Siedlungs- und Verkehrsfläche. vom 11. August 2025 Umweltbundesamt, abgerufen am 23. August 2025
Globale Veränderungen der Landnutzung weg von biologisch produktiven Flächen hin zu anderen Nutzungsformen werden im Artikel zum übergeordneten Begriff Landverbrauch dargestellt.
Flächenverbrauch ist nicht mit Flächenversiegelung gleichzusetzen, da auch nicht-versiegelte Flächen statistisch zu den Siedlungs- und Verkehrsfläche zählen können, z. B. Hausgärten.
Flächennutzung Global betrachtet werden rund 4.800 Millionen Hektar landwirtschaftlich genutzt, was mehr als einem Drittel der gesamten Landfläche der Erde entspricht. Ein weiteres Drittel beansprucht die Forstwirtschaft. Der Rest entfällt auf Ödland, Wüsten, Gletscher, Hochgebirge und Siedlungen.Land statistics 2001–2022. Global, regional and country trends. Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, abgerufen am 23. August 2025
In Deutschland betrug der Anteil landwirtschaftlich genutzter Fläche im Jahr 2022 rund 50 Prozent der Gesamtfläche des Landes. Das entspricht 16,6 Millionen Hektar. Gut 70 Prozent davon waren Ackerland.Daten und Fakten. Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft mit Fischerei und Wein- und Gartenbau. 1.1: Flächennutzung vom 4. Juli 2024 Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, abgerufen am 23. August 2025Ackerbau. Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, abgerufen am 23. August 2025
Siedlungs- und Verkehrsflächen mini|Bei der Neuanlage der Bundesautobahn 7 kam es zu einer Ausdehnung von Verkehrsflächen Der Begriff „Siedlungs- und Verkehrsfläche“ (SuV) hat eine wichtige Bedeutung in der Flächenstatistik. Er bezeichnet Flächen, die überwiegend siedlungswirtschaftlichen Zwecken dienen. Sie gliedern sich in: Gebäude- und gebäudebezogene Freiflächen für unterschiedliche Nutzungen wie Wohnen, Arbeiten, Bildung, Verwaltung, Handel und Dienstleistungen, Gewerbe und Industrie (2021 in Deutschland 51 % der SuV), Verkehrsnetze, wie das Schienennetz und sonstige Verkehrsflächen (z. B. Straßen, Wege, Plätze, einschließlich Parkplätze), Erholungs- und Grünflächen: Sportanlagen, Campingplätze, Parks, Grünanlagen und Friedhöfe (2021 in Deutschland 11 % der SuV), Betriebsflächen: z. B. für von Bergbau und durch Halden belegte Flächen (2021 in Deutschland 3 % der SuV) Friedhofsflächen
Abbauland (Tagebaue, Kies- u. Sandgruben, Steinbrüche) ist nicht Teil der statistischen Größe Siedlungs- und Verkehrsfläche. Die SuV wird bundesweit jährlich im gleitenden Vierjahresdurchschnitt anhand des Liegenschaftskatasters für Verwaltungszwecke erhoben.
Um die räumliche Verteilung und Entwicklung der Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland zu beschreiben, kann der Monitor der Siedlungs- und Freiraumentwicklung (IÖR-Monitor) herangezogen werden. Datengrundlage ist das digitale Basis Landschaftsmodell (Basis-DLM) aus dem amtlichen topographischen kartographischen Informationssystem (AKTIS).
Städte und Stadtstaaten weisen bedingt durch vergleichsweise geringe Gebietsgröße und hohe Bevölkerungszahlen einen deutlich höheren Anteil an Siedlungs- und Verkehrsflächen auf als ländliche Regionen. Bei einer Bestandsaufnahme im Jahr 2017 fielen, sowohl in den Kernstädten als auch in den Landkreisen, folgende Regionen durch einen hohen Anteil an Siedlungs- und Verkehrsfläche auf: die Metropolregionen Rhein-Ruhr und Rhein-Neckar sowie das Rhein-Main-Gebiet, das Saarland und die Region Stuttgart fallen. Besonders niedrige Werte verzeichneten dagegen Regionen in Mecklenburg-Vorpommern, der Altmark, dem benachbarten Wendland, der Eifel sowie in den ländlich geprägten Gebieten Thüringens und Bayerns. Die niedrigsten Anteile baulich geprägter Siedlungs- und Verkehrsflächen an der Gebietsflächen wiesen 2017 die Landkreise Mecklenburgische Seenplatte (4,3 %) und Garmisch-Partenkirchen (4,3 %) auf, die höchsten Anteile die Landkreise Herne (62,8 %) und München (61,9 %).Anteil Siedlungs- und Verkehrsfläche an der Gebietsfläche auf Kreisebene IÖR-Monitor. Abgerufen am 6. Mai 2020.
Entwicklung des Flächenverbrauches in Deutschland Im Zeitraum 2020 und 2023 wurden täglich durchschnittlich 51 Hektar als Verkehrs- und Siedlungsfläche neu ausgewiesen. Dies entspricht einer Fläche von mehr als 70 Fußballfeldern. Im Vergleich zum vorherigen Vierjahres-Zeitraum von 2019 bis 2022 bedeutet dies eine durchschnittliche Zunahme um 2 Hektar pro Tag.Siedlungs- und Verkehrsfläche wächst jeden Tag um 51 Hektar. vom 5. August 2025 Statistisches Bundesamt, abgerufen am 23. August 2025Flächenverbrauch – Worum geht es? Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, abgerufen am 23. August 2025
Aufgrund der vielfältigen, nachteiligen Effekte strebt die deutsche Bundesregierung eine drastische Reduktion des Flächenverbrauchs auf maximal 30 Hektar pro Tag an, während das Umweltministerium eine Zielvorgabe von nicht mehr als von 20 ha pro Tag für angemessen hält (Stand 2025).
Bereits 2002 wurde im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel formuliert, den Flächenverbrauch bis 2020 auf täglich 30 ha zu reduzieren.
Im Zuge einer Revision wurde die amtliche Flächenstatistik im August 2025 wie folgt nach unten korrigiert. Die Einhaltung der Zielsetzung ist dennoch ungewiss.Flächenverbrauch – Worum geht es? Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit, abgerufen am 23. August 2025 mini|Anteil Siedlungsfläche an Gebietsfläche in Deutschland (Stand: 2019) Die Daten werden bis 2020 in fünfjährigen Abständen und nach der Änderung der Berechnungsgrundlage (ab 2020) in vier-Jahres-Zeiträumen dargestellt: + Flächenverbrauch in DeutschlandJahrSuVZunahme pro JahrZunahme pro Tag1992 40.305 km² 1996 42.052 km² 437 km² 120 ha 2000 43.939 km² 472 km² 129 ha 2005 46.050 km² 430 km² 118 ha2010 47.702 km² 280 km² 77 ha2015 49.066 km² 223 km² 61 ha2017–2020 53 ha2018–2021 53 ha2019–2022 49 ha
Nach Angaben des Statistischen Bundesamts erhöhten sich die für Siedlungs- und Verkehrszwecke belegten Flächen in 30 Jahren (von 1992 bis 2023) von 40.305 auf 52.074 Quadratkilometer. Der Anstieg liegt somit bei gut 29 Prozent bzw. 11.769 km² – darin enthalten ist die Ausdehnung der Siedlungsflächen um 42,2 und die der Verkehrsflächen um 10,3 Prozent. mini|Großbaustelle in Freiham bei München (2025)
Ökologische Folgen mini|Die Hochgebirgsregion am Fellhorn wurde 2008 zu einem gewerblich genutzten Erholungsgebiet umgestaltet. Es verfügt über ein Netz von gut befestigten Wirtschafts- und Wanderwegen. Ein künstlicher See wurde eigens für den Betrieb von Schneekanonen angelegt. mini|Einfache Schlepplifte wurden in vielen Gebirgsorten der Alpenregion in größere und breitere Aufstiegshilfen (hier ein Achtsitzer) verwandelt, mit entsprechend höherem Flächen- und Energiebedarf in ökologisch sensiblen Regionen
Die bauliche Nutzung für Siedlungs- und Verkehrszwecke führt zu einem direkten Verlust von Boden und Lebensräumen. Insbesondere versiegelte Fläche geht für Tiere und Pflanzen als Lebensraum weitgehend verloren. Verkehrswege zerschneiden zusätzliche Lebensräume und behindern die Wanderungen. Zudem werden weitere Flächen durch die menschlichen Aktivitäten entwertet. Insbesondere für kulturflüchtende Arten gefährdet dies das Überleben des Bestandes. Das Verschwinden natürlicher und naturnaher Flächen durch menschliche Eingriffe und Landschaftszerschneidung stellt die Hauptursachen für das Artensterben dar. Flächenverbrauch vermindert die Biodiversität.
So kann beispielsweise Amphibien der Weg zu den Laichgewässern durch Straßen verbaut werden. Die Ausweisung eines Verbundes von Lebensräumen (Netz Natura 2000 und FFH-Gebiete) soll dem entgegenwirken. Die Vereinten Nationen haben in ihren Sustainable Development Goals das Ziel formuliert, Siedlungen nachhaltiger zu gestalten (SDG 11), die Bodendegradation zu beenden und umzukehren, sowie dem Verlust der Biodiversität ein Ende zu setzen (SDG 15).
Ökonomische Folgen Rund 45 Prozent der Siedlungs- und Verkehrsflächen sind versiegelt. Dies hat zahlreiche negative Folgen: Der Boden ist nicht mehr in der Lage, Wasser aufzunehmen. Der Abfluss von Niederschlagswasser wird beschleunigt, Hochwasserereignisse werden begünstigt, die Grundwasserneubildung verringert sich. Versiegelte Flächen heizen sich in Hitzeperioden stark auf, das Stadtklima verschlechtert sich. Diese Flächen begünstigen zudem ein erhöhtes Verkehrsaufkommen, welches mit steigendem Kraftstoffverbrauch sowie einer erhöhten Belastung durch Abgase, Feinstaub und Lärm und die Zersiedelung fördern. Die Errichtung zusätzlicher Gebäude führt dagegen zu einer Erhöhung des Material- und Energieverbrauches (für Heizung, Kühlung und Beleuchtung), was zusätzliche Kohlendioxid-Emissionen mit sich bringt. Irreversible Beeinträchtigung der Bodenstruktur und -funktion entstehen zudem bei der Nutzung von Böden als Deponien, sowie in Bereichen, wo Rohstoffe im Tagebau abgebaut werden. Ehemalige Truppenübungsplätze und Bahnanlagen werden dagegen oft mit einer Bodenkontamination oder einer Verschmutzung des Grundwassers einher. Die Beseitigung dieser Probleme und die Renaturierung der entsprechenden Flächen ist stets mit einem hohen Aufwand und entsprechenden Kosten verbunden.Folgen der Flächennutzung vom 27. Januar 2021 Umweltbundesamt, abgerufen am 23. August 2025Hintergrund: Flächenverbrauch Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ, abgerufen am 23. August 2025
Ursachen für gestiegenen Flächenverbrauch Ein Teil der Ursachen für steigenden Flächenverbrauch ist schon lange bekannt. Zu den wichtigsten Faktoren zählen;Flächensparen – Böden und Landschaften erhalten 31. März 2022 Umweltbundesamt, abgerufen am 23. August 2025Hintergrundpapier: Flächenverbrauch, ein Umweltproblem mit wirtschaftlichen Folgen Juli 2004 Umweltbundesamt, abgerufen am 23. August 2025
Wohnungsbau: Anstieg der Wohnfläche pro Person sowie Zunahme des Baus von EinfamilienhäusernSeit 1950 wurden in der Bundesrepublik Deutschland durchschnittlich 405 000 neue Wohnungen pro Jahr fertiggestellt vom 29. Juni 2023 Statistisches Bundesamt, abgerufen am 23. August 2025 Falsche Anreize durch öffentliche Förderung (wie die „Pendlerpauschale“) Fehlende Vorgaben in der Gesetzgebung z. B. beim Raumordnungsgesetz sozio-ökonomischer Wandel