Cleistes ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae). Die etwa 75 Arten sind in der Neotropis verbreitet.
Beschreibung und Ökologie miniatur|links|Illustration von Cleistes vinosa (Fig. I, links) und Cleistes rodriguesii (Fig. II rechts) in der Flora Brasiliensis miniatur|Illustration von Cleistes brasiliensis (Fig. I, links), Cleistes rodriguesii (Fig. II, Mitte) und Cleistes latipetala (Fig. III, rechts) in der Flora Brasiliensis
Vegetative Merkmale Die Cleistes-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen. Sie gedeihen terrestrisch. Die Wurzeln sind schlank und faserig, sie bilden Wurzelknollen. Der Spross ist aufrecht und hohl. Er trägt ein bis mehrere Laubblätter. Die ungestielten, einfachen, fleischigen Laubblätter sind mit der Basis den Stängel umfassend und oval bis lanzettlich geformt.
Generative Merkmale Der endständige, traubige Blütenstand enthält manchmal auch nur eine, meist zwei bis sechs Blüten. Die Blüten stehen in den Achseln laubblattartiger Tragblätter. Die Blüten sind resupiniert, relativ groß. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Farbe der Blütenhüllblätter ist weiß, rosafarben oder rotbraun. Die drei Sepalen sind nicht miteinander verwachsen und schmal lanzettlich geformt. Die Petalen gleichen ungefähr den Sepalen, sind aber meist etwas breiter und dünner texturiert. Sie weisen nach vorne und formen über der Säule eine Blütenröhre. Die Lippe ist frei, gelenkig an der Säule ansetzend, einfach oder undeutlich dreilappig. Am Übergang zur Säule sitzen zwei drüsige Schwielen, längs der Spreite verlaufen normalerweise erhabene Leisten und dunkler gefärbte Adern. Die Säule ist länglich und keulenförmig. Das deutlich gestielte, gegenüber der Säulenachse herabgebogene Staubblatt ist haubenartig von Gewebe der Säule (Klinandrium) umgeben, seitlich bildet dieses zwei gezähnte Anhängsel. Das Staubblatt enthält in zwei Kammern den Pollen, der lose als einzelne Pollenkörner (Monaden) oder zu je vier Pollenkörner (Tetraden) vorliegt.
Die Blüten produzieren Nektar, es wurden bei einigen Arten Bienen und Hummeln als Bestäuber beobachtet.
Es werden Kapselfrüchte gebildet.
Vorkommen Die Gattung Cleistes s. str. ist in der Neotropis verbreitet. Von Costa Rica sowie Panama im Norden und der Insel Trinidad reicht das Verbreitungsgebiet bis nach Argentinien und Uruguay im Süden. Die meisten Arten kommen in Brasilien vor.
Die Standorte liegen meist am Rand von Wäldern oder in Savannen. Das Klima ist in der Wachstumsperiode feucht, weist aber meist eine deutliche trockene Jahreszeit auf. Oft sind die besiedelten Böden sandig und sauer. Nur wenige Arten besiedeln größere Höhenlagen.
Systematik und botanische Geschichte Die Gattung Cleistes gehört zur Tribus Pogonieae in der Unterfamilie Vanilloideae innerhalb der Familie Orchidaceae. Der Großteil der Gattung Cleistes, die südamerikanischen Arten, bilden eine monophyletische Gruppe, während die nordamerikanischen Arten näher mit Isotria und Pogonia verwandt sind. Pansarin und de Barros schlugen 2008 die Abspaltung einer neuen Gattung, Cleistesiopsis , vor, die seit 2009 drei, im Südosten der USA beheimatete, Arten enthält.
Die Gattung Cleistes wurde 1840 durch Louis Claude Richard in John Lindley: The Genera and Species of Orchidaceous Plants, S. 409 aufgestellt. Der Gattungsname Cleistes kommt vom griechischen Wort κλειστός kleistos für „geschlossen“, und bezieht sich auf die nicht weit geöffneten Blüten. Typusart ist Cleistes lutea , ein Synonym von Cleistes grandiflora
mini|Illustration von Cleistes aphylla (Fig. IV, Mitte), Cleistes pluriflora (Fig. I, links), Cleistes paranaensis (Fig. III, rechts) und Cleistes quadricallosa (Fig. II, unten) mini|Cleistes libonii mini|Cleistes rosea mini|Cleistes rosea Die Arten der Gattung Cleistes sind: Cleistes abdita : Venezuela Cleistes acuminata : Kolumbien Cleistes angeliana : Brasilien Cleistes aphylla : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes australis : Südliches Brasilien Cleistes ayangannensis : Guayana Cleistes batistana : Brasilien Cleistes bella : Brasilien Cleistes brasiliensis : Brasilien Cleistes buenaventurae : Kolumbien Cleistes calantha : Südöstliches Brasilien Cleistes caloptera : Brasilien Cleistes carautae : Brasilien Cleistes castaneoides : Brasilien Cleistes catharinensis : Südliches Brasilien Cleistes cipoana : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes costaricensis : Costa Rica und Kolumbien Cleistes cuatrecasasii : Kolumbien Cleistes elegantula : Kolumbien Cleistes elongata : Brasilien Cleistes exilis : Brasilien Cleistes fragrans : Brasilien Cleistes gert-hatschbachiana : Südliches Brasilien Cleistes grandiflora : Trinidad bis nördliches Brasilien Cleistes huberi : Venezuela Cleistes humidicola : Südliches Brasilien Cleistes idroboi : Kolumbien Cleistes ionoglossa : Südöstliches Brasilien Cleistes itatiaiae : Südöstliches Brasilien Cleistes latiglossa : Westlich-zentrales und südöstliches Brasilien Cleistes latipetala : Brasilien Cleistes latiplume : Brasilien Cleistes lehmannii : Kolumbien Cleistes lenheirensis : Brasilien Cleistes lepida : Venezuela, Guayana und südöstliches Brasilien Cleistes libonii : Brasilien Cleistes liliastrum : Brasilien Cleistes macrantha : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes magnifica : Südliches Brasilien Cleistes mantiqueirae : Brasilien Cleistes metallina : Brasilien Cleistes miersii : Brasilien Cleistes monantha : Südöstliches Brasilien Cleistes montana : Brasilien Cleistes moritzii : Kolumbien, Ecuador, Venezuela, Guayana Cleistes munchiquensis : Kolumbien Cleistes nana : Nördliches Venezuela Cleistes paludosa : Französisch-Guayana, Suriname, Venezuela und Brasilien Cleistes paranaensis : Östliches Bolivien, Brasilien, Paraguay Cleistes parviflora : Nördliches Südamerika bis nördliches Brasilien Cleistes paulensis : Brasilien Cleistes pluriflora : Brasilien Cleistes pusilla : Brasilien Cleistes quadricallosa : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes ramboi : Brasilien und Argentinien Cleistes revoluta : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes risaraldensis : Kolumbien Cleistes rodeiensis : Südöstliches Brasilien Cleistes rodriguesii : Brasilien Cleistes rosea (Syn.: Cleistes venusta ): Costa Rica, Panama, Trinidad und tropisches Südamerika Cleistes silveirana : Brasilien Cleistes speciosa : Westlich-zentrales und südöstliches Brasilien Cleistes strangii : Brasilien Cleistes stricta : Südwestliches und südliches Venezuela Cleistes tamboana : Nordwestliches Ecuador Cleistes tenuis : Trinidad und tropisches Südamerika Cleistes triflora : Kolumbien und Venezuela Cleistes uliginosa : Westlich-zentrales Brasilien Cleistes unguiculata : Südöstliches Brasilien Cleistes unifoliata : Suriname, südöstliches Venezuela Cleistes uribei : Kolumbien Cleistes vargasii : Peru Cleistes vinosa : Südöstliches und südliches Brasilien Cleistes violascens : Brasilien
Belege Die Informationen dieses Artikels stammen überwiegend aus:
Literatur
Einzelnachweise
Weiterführendes Liste der Orchideengattungen
Kategorie:Orchideen Kategorie:Orchidaceae