0816 ist das fünfte Album des Schweizer Rappers Bligg. Es erschien am 31. Oktober 2008 über das Label Universal Music. Zuvor war bereits das Stück Rosalie als Single veröffentlicht worden. Der musikalische Stil des von Fred Herrmann und Bligg produzierten Albums ist Hip-Hop, ergänzt mit Instrumenten der Schweizer Volksmusik. Auch inhaltlich wird in den Texten auf die Schweizer Kultur Bezug genommen.
Mit 0816 konnte Bligg erstmals Platz 1 der Schweizer Albumcharts sowie Vierfach-Platin erreichen, womit das Album zu den kommerziell erfolgreichsten Hip-Hop-Veröffentlichungen der Schweiz gehört. Insgesamt wurden 120.000 Einheiten des Albums verkauft.
Hintergrund Nachdem Bliggs viertes Album Yves Spink am 11. Mai 2007 erschienen war, trat der Rapper Ende 2007 in der Schweizer Fernsehshow Die grössten Schweizer Hits auf, um seine Single Volksmusigg vorzustellen. Er präsentierte das Lied in einer neu interpretierten Version gemeinsam mit der volkstümlichen Gruppe Streichmusik Alder. Bei der Aufnahme des Titels wurde der über einen Hip-Hop-Beat als Rap vorgetragene Text mit Stilelementen der Volksmusik verbunden. Die Single hielt sich 24 Wochen in den Schweizer Single-Charts und Bligg absolvierte eine Tournee mit der Streichmusik Alder. Da Bligg mit dem Ergebnis der Zusammenarbeit zufrieden war und Volksmusigg ein kommerzieller Erfolg wurde, entstand die Idee für das neue Album verstärkt Einflüsse der Schweizer Volksmusik in die Hip-Hop-Stücke zu integrieren:
Entstehung mini|Rapper Bligg im Jahr 2008 Die Aufnahmen für 0816 fanden im Hitmill Studio statt und dauerten über vier Monate. Marco Bliggensdorfer, so der bürgerliche Name des Rappers, produzierte das Album mit Fred Herrmann, der als Schlagzeuger für Bligg arbeitet und Leiter des Aufnahmestudios ist. Ebenso war Roman Camenzind an der Konzipierung beteiligt. Da Bligg privat keine Volksmusik konsumiert, hörte er sich zu Beginn des Entstehungsprozesses mit Herrmann zunächst über drei Tage lang Alben der Volksmusik an, um sich mit den darin verwendeten Instrumenten «vertraut zu machen».
Für die Aufnahmen wurde anschliessend auf volkstümliche Musiker zurückgegriffen, die ihre Instrumente im Studio für die Titel einspielten. Dabei verlief die Zusammenarbeit mit den Musikern unterschiedlich. Während der Akkordeonist Hubert Kieffer problemlos mit Bligg arbeiten konnte, hatten die Hackbrettspieler Schwierigkeiten sich an den Rhythmus der Hip-Hop-Beats zu halten. Fred Hermann spielte Gitarre, Piano, Schlagzeug und Bass für die Lieder ein und produzierte gemeinsam mit Bligg die Beats als Grundgerüst der Stücke. Nach Abschluss der Aufnahmen erfolgte die Audionachbearbeitung, das sogenannte Mastering, durch Oli Bösch in den Livingroom Studios.Back-Cover des Albums
Bligg spielt mit dem Albumtitel auf die Redewendung 08/15 an, die genutzt wird um etwas als «gewöhnlich» oder «durchschnittlich» zu klassifizieren. «0816» stehe nach Aussage des Rappers für das Gegenteil von 08/15 und solle unterstreichen, dass das Album «etwas ganz Neues wiedergeben soll».
Inhalt Musik Titelliste 0816 Intro – 1:47 Musigg i dä Schwiiz – 3:23 Rosalie – 3:00 Das dörfsch nöd (mit Gölä) – 2:51 10 Chlini Appenzeller – 2:26 S’Lotti schilled – 2:59 Secondos – 3:48 Nur en Söldner – 3:15 D’Heimat – 2:22 Signal – 3:30 Hollywood – 3:25 Ciao Bella – 3:11 1 Tag – 4:12 Bligg war es nach eigener Aussage wichtig, «musikalisch eine moderne Schweiz abzubilden». Das Grundgerüst der Titel bilden Hip-Hop-Beats, die mit wenigen Ausnahmen von Bligg und Fred Herrmann produziert wurden. Diese werden durch Live-Instrumente erweitert, die von der Band des Rappers und aussenstehenden Volksmusikern beigesteuert wurden. Auf den Stücken wird somit Moderne, in Form der Stilelemente des Hip-Hops, mit traditioneller Ländlermusik verbunden.
Für mehrere Titel griffen die Produzenten auf das Handzuginstrument Akkordeon zurück, das von Hubert Kieffer eingespielt wurde. In den Stücken Nur en Söldner und D’Heimat findet das Hackbrett Verwendung. Dieses wurde von Töbi Tobler gespielt. Roman Camenzind produzierte das Lied Signal und co-produzierte Rosalie gemeinsam mit Herrmann und Bligg. Dabei spielte er auch eine Akustische Gitarre und einen Bass ein. Der Bass findet des Weiteren in Ciao Bella und S’Lotti schilled Verwendung. Hierbei wurde das Instrument von Ph!L!pp Schweidler beigesteuert. Der Titel Hollywood wurde von Shuko und 7Inch produziert. Eine von Chris Muzik gespielte Solo-Gitarre kommt in den Stücken Das dörfsch nöd, S’Lotti schilled und 1 Tag vor. Für die musikalische Untermalung des Titels D’Heimat wurden ausserdem Mundharmonika und Bläser verwendet. Roland van Straaten steuerte die Mundharmonika bei und Bernhard Schoch und Steffen Arpagaus spielten die Blasinstrumente, die auch in dem Lied Das dörfsch nöd zu hören sind. Ausserdem kommt in 1 Tag und 0816 Intro das Streichinstrument Cello zum Tragen.
Das für Hip-Hop-Stücke typische Stilmittel des Scratchens wurde von DJ Cutmando, der bereits seit Ende der 1990er Jahre mit Bligg zusammen arbeitet, für einige Album-Titel angewendet. Beim Scratchen wird eine laufende Schallplatte mit der Hand rhythmisch hin- und herbewegt. Die aufgelegte Nadel des Schallplattenspielers spielt somit einen Ausschnitt des Musikstücks analog zur Handbewegung vor und zurück.
Bei der Komposition einiger Stücke bedienten sich Fred Herrmann und Bligg an den Melodien bekannter Lieder. Teile des Titels D’Heimat sind an Nutbush City Limits von Ike und Tina Turner angelehnt. Für Das dörfsch nöd griffen die Produzenten auf Walk this way und All Along the Watchtower, das 1967 von Bob Dylan veröffentlicht und später von Jimi Hendrix neu interpretiert wurde, zurück. In einem Interview äusserte Bligg, dass dies «Verneigungen» vor den Künstlern seien, und unterstrich, dass es sich letztlich um ganz neue Stücke handele.
Gesang mini|Bligg mit dem Rockmusiker Gölä Die Texte des Albums werden von Bligg als Rap, die für Hip-Hop typische Form des Sprechgesangs, vorgetragen. Des Weiteren nutzt der Musiker melodiösen Gesang in den Passagen einiger Stücke, wie zum Beispiel die Hooklines der Titel. Bligg präsentiert seine Lieder seit seinem 2006 erschienenen Album Mit Liib & Seel auch mit melodiösem Gesang. Seine Texte trägt der Rapper in Schweizer Mundart vor, die er seit Beginn seiner musikalischen Laufbahn verwendet und die er damit als Sprache für die Schweizer Hip-Hop-Musik etablieren konnte.
Zur Verstärkung der Stimme des Rappers kommen Backing Vocals zum Einsatz, die in den Liedern die Nebenstimmen zur sogenannten Lead-Stimme darstellen. Diese wurden von Lesley Bogaert und Bligg selbst als Overdub beigesteuert. Ausserdem tritt die Schweizerin Corinne Gfeller als Nebenstimme auf den Titeln Nur en Söldner und Das dörfsch nöd in Erscheinung. Als Stilelement der Volksmusik wurde für Musigg i dä Schwiiz auf die Jodlerin Tamara Roos zurückgegriffen.
Neben der Zusammenarbeit mit Musikern der Volksmusik entstand das Stück Das dörfsch nöd in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Rockmusiker Gölä. Beide Sänger kannten sich bereits zuvor, da sie in den gleichen Orten Konzerte absolviert hatten und Bestandteile des Line-ups von Musik-Festivals gewesen waren. Zur Zeit der Entstehung von 0816 traf Bligg Gölä an einer Hotelbar, wo beide ins Gespräch kamen. Bligg lud den Rockmusiker daraufhin in sein Studio ein, in dem der Titel Das dörfsch nöd später aufgenommen wurde. Die beiden Musiker hatten für die komplette Fertigstellung des Lieds lediglich sechs Stunden Zeit. In einem Interview äusserte sich Bligg lobend über Gölä: «Er ist der grösste Mundartkünstler aller Zeiten, das musikalische Sprachrohr dieses Landes. Und er macht unverblümte, gerade Texte, die das Publikum berühren.» 0816 wurde am selben Tag wie Göläs Album Z’Läbe fägt veröffentlicht, das direkt Platz 1 der Schweizer Album-Charts erreichen konnte.
Texte Wie die Instrumentierung beziehen sich die Inhalte der Texte auf die Schweiz und haben eine authentische Grundlage. So äusserte Bligg in einem Interview: «Der Leitspruch der Szene ist: Keep it real, sei echt. Wenn ein amerikanischer Hip-Hopper von seiner Kindheit und Jugend im Ghetto erzählt, dann ist das echt. Aber wenn Schweizer Rapper Ghettogeschichten erzählen, dann stimmt etwas nicht. Ich will rappen über Dinge, die hier stattfinden, die hier sind, die echt sind.» Dementsprechend behandeln viele Texte «Alltagsgeschichten» und Beobachtungen oder sind das Produkt persönlicher Erfahrungen des Menschen Marco Bliggensdorfer.
Im Anschluss an das Intro des Albums folgt als erstes Lied Musigg i dä Schwiiz. Darin nimmt Bligg Bezug auf diverse Schweizer Musiker verschiedener Stilrichtungen. So spielt er etwa auf My Name Is George, Mani Matter, Plüsch, DJ BoBo, Heidi Happy, Züri West, Schlieremer Chind, Baschi, Adrian Stern, Peter, Sue & Marc und Wurzel 5 an und unterstreicht seine Zuneigung zur Schweiz sowie seine Zugehörigkeit zur helvetischen Musik-Szene im Refrain: «Ich mach Musigg i dä Schwiiz, mag Musigg us Schwiiz. Alles was ich bruuch isch ä Melodie und en Beat. Ich mach Musigg i dä Schwiiz, mag Musigg us Schwiiz. Ich chönnt nöd ohni sie und sie nöd ohni mich.» Die Idee zu dem Titel entstand, nachdem Bligg erneut für einen Auftritt in der Sendung Die grössten Schweizer Hits angefragt worden war. Der Rapper wollte das Konzept der Show, in der verschiedene Musikrichtungen durch Schweizer Künstler präsentiert werden, auf das Lied übertragen.Booklet des Albums
In dem Stück Rosalie geht es inhaltlich um eine Frau, die einer vergangenen Liebesbeziehung hinterhertrauert. Die Frau, die den Namen Rosalie trägt, sitzt in einem Café und wird dort von einem Mann angesprochen. Dieser macht Rosalie Komplimente und bietet ihr eine Rose an, was diese freut («Rosalie, sie fühlt sich im Paradies. […] Er git ihrä Kompliment bis sie sich schämt und völlig erröted.»). Sie fragt daraufhin, wie sie ihm danken könne, worauf er sich als Rosenverkäufer herausstellt und Geld für die Rose verlangt. Abschliessend wird dargestellt, wie der Verkäufer zum nächsten Tisch weitergeht und einer Frau mit dem Namen Melanie eine Rose anbietet. Die Idee zum Stück Rosalie entstand Bligg während einer Mittagspause in einem Restaurant, als ein Rosenverkäufer die Gaststätte betrat und seine Ware anbot.
Gölä bezeichnet den Titel Das dörfsch nöd als «totale[n] Männersong». Bligg greift mit dem Sänger Streitigkeiten auf, die in Beziehungen vorkommen. Dabei stehen vor allem die Verbote und Verhaltensweisen der Frau im Mittelpunkt. So beklagen die beiden Sänger, dass Frauen den Alkoholkonsum der Männer kritisieren und beschweren sich über die Vorliebe der Frauen für Schuhe.
In 10 Chlini Appenzeller wird der Konsum von zehn «Appenzellern» beschrieben. Das lyrische Ich schildert dabei die Eindrücke des zunehmend betrunkenen Zustands. Dabei erscheint etwa die Wirtin wie Ruth Metzler in Strapsen. Nach sieben Appenzellern beginnt die Person, entgegen den eigenen Prinzipien, zudem Marihuana zu rauchen, was zur weiteren Verschlechterung der Wahrnehmung führt.
Mit dem Lied Secondos behandelt Bligg das Thema Immigration im Allgemeinen und die Biografie seines Grossvaters im Speziellen. Der Rapper schildert wie sein Grossvater, der 1930 in der italienischen Stadt Benevento geboren wurde, in die Schweiz auswandert, um auf einem Bauernhof zu arbeiten, Deutsch lernt, sich eine Existenz aufbaut und 1959, ein Jahr nach der Vermählung mit einer Schweizerin, eine Tochter bekommt, die einige Jahre später Bligg gebar. Secondos soll die Bedeutung der Einwanderer für die Schweiz unterstreichen, was in der rhetorischen Frage «Was wäred mir numme ohni sie?» zur Geltung kommt.