Der WienTourismus ist die Destinationsmarketing- und -managementorganisation der Stadtgemeinde bzw. des Bundeslandes Wien. In Bezug auf Österreichs Tourismusmarketingstruktur ist der Verband eine der neun Landestourismusorganisationen, die mit der für das gesamtösterreichische Marketing zuständigen Österreich Werbung zusammenarbeiten, ihr aber nicht angehören. Die Organisation besteht seit 1955.
Gesetzliche Grundlage Tourismus ist in Österreich, da er in der Bundesverfassung nicht als Bundeskompetenz erwähnt wird, eine Materie in der Kompetenz jedes einzelnen Bundeslandes. Wien hat in seiner Eigenschaft als Land 1955 das Wiener Fremdenverkehrsförderungsgesetz beschlossen, das heute als Wiener Tourismusförderungsgesetz (WTFG)Wiener Tourismusförderungsgesetz bezeichnet wird.
Dieses Landesgesetz bestimmte die Errichtung des Fremdenverkehrsverbandes für Wien, wie der Verband ursprünglich genannt wurde (sein Büro hieß bis 1972 Fremdenverkehrsstelle der Stadt Wien). Später wurde der Verbandsname zu Wiener Fremdenverkehrsverband vereinfacht und 1992 der Begriff Fremdenverkehr durch Tourismus ersetzt.
Der Verband ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft, kein privatrechtlicher Zusammenschluss. Der Begriff „Verband“ wird im Gesetz nicht im vereinsrechtlichen Sinn (wie z. B. beim Verband Alpiner Vereine Österreichs) verwendet. Der Wiener Tourismusverband hat keine Mitglieder.
Das Gesetz bestimmt weiters die Organe, die Aufgaben und die Finanzierung des Verbandes.
Organe Präsident An der Spitze steht eine Präsidentin oder ein Präsident, von der Landesregierung vorgeschlagen und von der Tourismuskommission gewählt:
Hans Mandl, 1955–1966 Gertrude Fröhlich-Sandner, 1966–1984 Hans Mayr, 1984–1997 (trat 1994 als Stadtrat zurück, hatte sich aber ausbedungen, anstelle seines Nachfolgers Rudolf Edlinger Präsident des Verbandes zu bleiben) Brigitte Ederer, 1997–2000 Sepp Rieder, 2000–2007 Renate Brauner, 2007–2018 Peter Hanke, 2018–2025 Barbara Novak, seit 2025
Seit Bestehen des Verbandes haben das Präsidentenamt (ausgenommen 1994–1997 und Mai / Juni 2018) stets amtsführende Stadträte innegehabt; bis 1984 die jeweilige Kultur- bzw. Bildungsstadträtin, seit 1984 der jeweilige Finanz- und Wirtschaftsstadtrat.Wiener Tourismusverband (Hrsg.): Wien-Tourismus – 50 Jahre & die Zukunft – 1955–2005. Wien 2005, S. 36 f.
Der Präsident ist politisch verantwortlich und gegenüber dem Geschäftsführer bzw. der Geschäftsführerin und allen Angestellten des Verbandes weisungsbefugt, fungiert aber de facto wie ein Aufsichtsratsvorsitz und lässt sich vom Geschäftsführer bzw. von der Geschäftsführerin über den Fortgang der Verbandstätigkeit berichten. Diese konnte unter dem Präsidenten Hans Mayr stark ausgeweitet werden.
Tourismuskommission Das aus dem Präsidenten bzw. der Präsidentin und 17 Mitgliedern bestehende Gremium ist der Aufsichtsrat des Verbandes. Er beschließt grundsätzliche Richtlinien der Arbeit und das Budget.Wiener Tourismusverband (Hrsg.): Tourismus-Bilanz 2007. Wien 2008, S. 20 f. 14 Mitglieder werden von der Landesregierung nach dem Stärkeverhältnis der in der Landesregierung vertretenen Parteien bestellt; je ein Mitglied wird von den öffentlich-rechtlichen Interessenvertretungen Wirtschaftskammer Wien, Kammer für Arbeiter und Angestellte in Wien und Wiener Landwirtschaftskammer entsandt. Zwei Mitglieder der Tourismuskommission werden von ihr zu Vizepräsidenten des WienTourismus gewählt; derzeit sind dies: Dominic Schmid, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Wien Katharina Weninger, Landtagsabgeordnete und Gemeinderätin
In der Tourismuskommission wurden in den letzten drei Jahrzehnten, ihrer politischen Besetzung zum Trotz, nur einstimmige Beschlüsse gefasst.
Die Tourismuskommission hat das Recht, zur Beratung spezieller Themen Fachausschüsse einzusetzen, deren Mitglieder der Tourismuskommission nicht angehören müssen. Derzeit bestehen zwei Fachausschüsse: Klassifizierung der Wiener Beherbergungsbetriebe (Vorsitz: Brigitte Weiss) Kongressförderung (Vorsitz: Alena Sirka-Bred)
Geschäftsführung Der Geschäftsführer trug bis 1972 den Titel Generalsekretär, ab 1973 wurde er als Landesfremdenverkehrsdirektor bezeichnet. Seit 1992 wird die Bezeichnung Tourismusdirektor verwendet. Als Geschäftsführer fungierten bzw. fungiert: Bruno Kohl, 1955–1957 Walter Minarz, 1957–1972 Helmut Krebs, 1973–1991 Karl Seitlinger, 1991–2007 Norbert Kettner, seit 2007
Die Geschäftsführung ist im Rahmen des von der Tourismuskommission auf Vorschlag des Präsidenten bzw. der Präsidentin und des Geschäftsführers beschlossenen Jahresbudgets für den gesamten Geschäftsbetrieb des Verbandes verantwortlich. Sie hat tourismuspolitisch bedeutende Fragen mit dem Präsidenten bzw. der Präsidentin und der Tourismuskommission abzustimmen und nach deren Grundsatzbeschlüssen vorzugehen.
Rechnungsprüfer Als Rechnungsprüfer fungierte bis 2010 gesetzlich der Stadtrechnungshof, bis 2013 Kontrollamt der Stadt Wien genannt. Seit 24. September 2010LGBl. Nr. 50 / 2010 hat die Tourismuskommission gemäß § 8 Wiener Tourismusförderungsgesetz (WTFG) die Pflicht, auf Vorschlag von Präsident bzw. Präsidentin und Geschäftsführung einen staatlich befugten Wirtschaftsprüfer mit der jährlichen Rechnungsprüfung zu beauftragen. Der Verband lässt seine Gestion überdies steuerrechtlich prüfen, unterliegt aber nicht der Einkommensteuer. Der Verband unterliegt gemäß § 8a WTFG außerdem weiterhin der Kontrolle durch den Stadtrechnungshof, die nun aber nicht mehr jährlich stattfindet.
Organisationsstruktur Der Verband hatte seinen Sitz 1957–1973 im 1. Bezirk, Stadiongasse 6–8, und 1973–1991 im 9. Bezirk, Kinderspitalgasse 5. 1991–2014 domizilierte er im Palais Grassalkovics im 2. Bezirk, Obere Augartenstraße 40, gegenüber dem Haupteingang des Augartens. Das Vienna Convention Bureau und das Team Wien-Hotels & Info waren in der Dependance Untere Augartenstraße 38 untergebracht.
Der Verband nahm am 1. Juli 2014 den Betrieb am neuen Bürostandort im 3. Bezirk, Invalidenstraße 6, Ecke Landstraßer Hauptstraße, in unmittelbarer Nachbarschaft des Bahnhofs Wien Mitte auf.Aussendung des WienTourismus vom 30. Mai 2014
Der Wiener Tourismusverband ist in fünf Abteilungen und eine Stabsstelle gegliedert:
Stabsstelle Corporate Public Relations
Fünf Abteilungen:
B2B Management Brand Management Destinationsmanagement Kaufmännische Services Medienhaus
Der WienTourismus beschäftigt insgesamt 142 Personen (124,88 Vollzeitäquivalente), davon 72,83 % Frauen. (Stichtag 1. Jänner 2025)
Aufgabenbereich Laut § 3 Wiener Tourismusförderungsgesetz hat der Verband folgende Aufgaben: Tourismusförderung in Wien Interessenvertretung des Landes Wien auf dem Gebiet des Tourismus
Insbesondere nennt das Gesetz: touristisches Destinationsmarketing Bereitstellung von Informationen an potentielle und an in Wien anwesende Gäste Mitwirkung bei allen den Tourismus erheblich berührenden Maßnahmen des Magistrats (der WienTourismus wird quasi als Sachverständiger einbezogen) Mitwirkung bei der Vorsorge für zeitgemäße Tourismuseinrichtungen Förderung und Durchführung einschlägiger gesellschaftlicher Veranstaltungen Förderung des Verständnisses der Bevölkerung für den Tourismus und seine wirtschaftliche Bedeutung Förderung des Wiener Kongresswesens Bereitstellung von Statistiken und Tourismus- bzw. Marktforschungsergebnissen für Wiener Tourismusbetriebe und -einrichtungen
In der Praxis befasst sich der WienTourismus nicht mit der direkten Förderung einzelner Tourismusbetriebe (etwa durch Zuschüsse für Hotelinvestitionen) oder der Mitfinanzierung einzelner Kulturveranstaltungen.
„Optimum Tourism“: Die Weiterentwicklung von Wiens Visitor Economy Strategie Im April 2025 präsentierte der WienTourismus seine aktualisierte Visitor Economy Strategie. Mit dem Titel „Optimum Tourism“ steht die Weiterentwicklung von Wiens Visitor Economy Strategie mehr denn je für gutes Wachstum und ein Ausbalancieren der Bedürfnisse von Einheimischen und Gästen.
Ziel ist ein Wachstum, das die Qualitäten der Stadt stärkt und nicht abnutzt. Die Strategie basiert auf Eckpfeilern, um Tourismus optimal zu gestalten, die in drei Hauptzielen zusammengefasst werden: Der „Sweet Spot“ bezeichnet den Optimal-Bereich der Zustimmung von Bevölkerung und Besuchern – Ziel dabei ist, die Balance zu halten. Die Tourismus-Strategie fokussiert außerdem auf sogenannte „Wunschgäste“: Zwei Drittel der Gäste sollen künftig diesem Idealbild entsprechen: Als Freizeitgast fragen sie Kunst und Kultur nach, als Geschäftsreisender besuchen sie insbesondere Kongresse oder Firmentagungen, als Luxusgäste konsumieren sie im High-End-Bereich.
Das dritte Ziel lautet: Mindestens eine von zehn Nächtigungen in Wien soll – langfristig stabil – aus dem Tagungssegment kommen. Denn Gäste, die für Meetings anreisen, fügen sich nahtlos ins Gefüge der Stadt ein und konsumieren hochwertig. Um diese Ziele zu erreichen und das qualitätsvolle Wachstum zu erhalten, wendet der WienTourismus das Prinzip des „Destination Stewardships“ an, mittels dessen Stadtverwaltung, Hotellerie, Gastronomie, Kultur- und Freizeitbetrieben, Meetingindustrie und viele weitere Player der Visitor Economy Herausforderungen auf der jeweiligen Entscheidungsebene angehen. Entscheidungen werden dabei transparent anhand von standardisierten und öffentlich einsehbaren Kennzahlen getroffen.
Seit April 2025 ist Wien daher Mitglied des „UN Tourism International Network of Sustainable Tourism Observatories“ (INSTO). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Institutionen, vielfach auf Destinationsebene, die Tourismusentwicklungen laufend und zeitnah anhand von Daten und Kennzahlen beobachten, seine wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Auswirkungen analysieren, transparenten Austausch forcieren und den Weg zu mehr Nachhaltigkeit gemeinsam gehen wollen. Wiens „Sustainable Destination Observatory“ nach den Leitlinien der Welttourismusorganisation bildet das Herzstück der Zusammenarbeit aller Akteure am Standort – und darüber hinaus. Es ist der Kompass, auf dem die strategischen Aktivitäten des WienTourismus fußen.
Destinationsmanagement: Strategische Entwicklung der Destination Destinationsmanagement bedeutet, die Vernetzung lokaler Partner gezielt voranzutreiben, die Bewohner der Stadt als Zielgruppe einzubeziehen und die wichtigen strategischen Herausforderungen der Zukunft des Städtetourismus aktiv anzugehen. Die Visitor Economy Strategie benennt drei zentrale Handlungsfelder, die der WienTourismus in den kommenden Jahren zusammen mit der Wiener Tourismuswirtschaft bzw. Visitor Economy vorantreiben wird:
Place Making & Place Marketing: Neue spannende Ziele innerhalb der Destination sollen für Gäste zusätzliche Anziehungspunkte schaffen und dazu beitragen, die positiven Effekte der Visitor Economy noch besser in der Stadt zu streuen. Meeting Destination Vienna: Die Kongress- und Business Events Industry, schon heute eines der erfolgreichen Vorzeigesegmente der Wiener Visitor Economy, soll künftig noch mehr zum Hebel für die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Wien werden. Smart Solutions: Die Wiener Visitor Economy bekennt sich zu einem sorgsamen und nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen und entwickelt smarte Lösungen, damit die Destination auch für die kommenden Generationen von Besuchenden wie Bewohnenden jene Lebensqualität bietet, die Wien auszeichnet.