mini|rechts|Luftbild von Maselheim (1983) mini|Maselheim aus Osten (2008) mini|Sulmingen aus Osten (2008) mini|Dürnach vor Maselheim mini|Saubachtal zwischen Laupertshausen und Äpfingen
Maselheim ist eine Gemeinde sowie eine Ortschaft im oberschwäbischen Landkreis Biberach.
Geographie Lage und Umgebung Die Gemeinde Maselheim befindet sich im Südosten des Landes Baden-Württemberg und im Regierungsbezirk Tübingen. Sie liegt in Oberschwaben und im nördlichen Zentralteil des Landkreises Biberach. Die kleinste übergeordnete Verwaltungseinheit in der die Gemeinde organisiert ist, ist die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Biberach. Das Gemeindegebiet liegt relativ zentral in einem Städte-Dreieck zwischen dem zehn Kilometer entfernten Laupheim im Norden, dem neun Kilometer entfernten Ochsenhausen im Südosten und dem sieben Kilometer entfernten Biberach im Südwesten.
Durchzogen wird die Gemeinde von zwei in Süd-Nord-Richtung zur Donau hin fließenden Bächen, der Dürnach und dem Saubach. Die beiden Bäche werden durch einen Höhenzug getrennt. Zur jeweils anderen Seite der Täler erheben sich wiederum Höhenzüge. Diese drei Höhenzüge sind zu einem großen Teil bewaldet, wohingegen in den Niederungen der Täler Ackerbau und Wiesenwirtschaft das Bild prägen. Die höchste Erhebung der Gemeinde befindet sich im Südwesten und erreicht 619 m ü. NN. Zudem gibt es die folgenden, mit Namen bezeichneten Erhebungen: Hungerberg (575 m), Romersbühl (589 m) und Ölberg (610 m).Landkreis Biberach (Hrsg.): Rad- und Wanderkarte – Mit Freizeitinformationen und den Wanderwegen des Schwäbischen Albvereins (Maßstab 1:50.000). 1997.
Geologie Der geologische Untergrund wird von einem paläogenen Molassebecken gebildet. Dieses Becken entstand, als vor 100 Millionen Jahren die Alpenauffaltung begann. Dabei wurden die Alpen und die Schwäbische Alb infolge der kontinentalen Kollision von Europa und Afrika in die Höhe gehoben. Das Gebiet dazwischen senkte sich dagegen ab und war Auffangbecken für Erosionsprodukte aus den Bergen. So wurden im Laufe der Jahre mächtige Schichten abgelagert. Weil das Becken immer wieder von Meeren überflutet wurde, unterscheidet man die Ablagerung der Produkte als Sedimentation im Meer und die Ablagerung durch fluviale Prozesse. Als Schichtfolge wird dabei unterschieden zwischen der untersten Schicht, der Unteren Meeresmolasse, der darüberliegenden Unteren Süßwassermolasse, der überlagernden Oberen Meeresmolasse und der sich an der Erdoberfläche befindenden Oberen Süßwassermolasse. Im Quartär wurde die Landschaft von kaltzeitlichen Gletschern überprägt.Arne Heidel: Geomorphologie des deutschen Alpenanteils und Alpenvorlandes. 1998; abgerufen am 23. Juni 2009. Während der Mindelkaltzeit befand sich das Gemeindegebiet im Endmoränen-Bereich des Gletschers. Die folgenden Kaltzeiten Riß und Würm drangen nicht mehr so weit vor, so dass periglaziale Prozesse die Oberfläche formten.Otto Geyer, Manfred Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg. 4. neubearbeitete Auflage. Schweizerbart, Stuttgart 1991. Mindelkaltzeitliche Hinterlassenschaften wurden dabei abgetragen oder mit neuem, kaltzeitlichem Erosionsmaterial verfüllt. Im Westen der Gemeinde finden sich Mindel-Moränensedimente, die östlich von Oberer Süßwassermolasse gefolgt wird. Nach Norden finden sich Obere Meeresmolasse und Riß-Schotter. Weiter nach Osten sind zudem im Bereich der Dürnach Hochwassersedimente auf Flussschottern, Mindel- und Günz-Deckenschotter vorhanden. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau; abgerufen am 23. Juni 2009.
Als Teilgebiet des Alpenvorlands liegt Maselheim in der Bodengroßlandschaft Altmoränen-Hügelland.Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau: Bodengroßlandschaften (PDF; 671 kB). Abgerufen am 23. Juni 2009. Außerhalb der Flussbereiche herrscht die Parabraunerde als Bodentyp vor. Nahe den beiden Bächen finden sich vom Grundwasser beeinflusste Gley-Böden.
Ausdehnung und Nutzung des Gemeindegebiets Das Gemeindegebiet umfasst eine Fläche von 47,02 km². Damit ist Maselheim die flächenmäßig zwölftgrößte Gemeinde des Landkreises Biberach.
Im Vergleich zu der Flächennutzung im Land Baden-Württemberg, unterscheidet sich die Gemeinde Maselheim nicht wesentlich. Lediglich der Anteil an Gebäude-, Frei- und Wasserflächen ist um knapp die Hälfte geringer. Bei Sport- und Grünflächen ist der Anteil sogar weniger als die Hälfte des Landesdurchschnitts.
Fläche nach NutzungsartStatistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinde Maselheim. Abgerufen am 21. Juni 2009. Landwirt- schafts- fläche Wald- fläche Gebäude-, Frei- und fläche Verkehrs- fläche Wasser- fläche Sport- und Grünfläche sonstige Nutzung Fläche (in km²) 23,25 18,66 1,85 2,25 0,29 0,13 0,34 Anteil an Gesamtfläche 49,4 % 39,7 % 3,9 % 4,8 % 0,6 % 0,3 % 1,1 %
Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn grenzt die Gemeinde Maselheim an die Gemeindegebiete von Mietingen im Norden, gefolgt nach Osten von Schwendi und Gutenzell-Hürbel. Im Süden folgen die Stadtgebiete von Ochsenhausen und Biberach. Nach Westen bilden Warthausen und Schemmerhofen den Abschluss.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Maselheim gliedert sich in vier Ortsteile. Neben dem Hauptort Maselheim setzt sich die Gemeinde aus den Teilorten Äpfingen, Laupertshausen und Sulmingen. Zu Maselheim gehören darüber hinaus die Weiler Heggbach, Luxenweiler und Zum Stein, der Wilhelms- und Ziegelhof sowie die Heggbacher Mühle und das Haus Zur Sägmühle. An Laupertshausen angegliedert ist dazu Ellmannsweiler, der Weiler Unterschnaitbach sowie die Höfe Mittel- und Oberschnaitbach. Mit 16,3 km² hat Maselheim den größten Anteil an der Gemeindefläche, gefolgt von Laupertshausen (12,6 km²), Äpfingen (11,8 km²) und Sulmingen (6,4 km²).
Klima Klimatisch liegt das Gemeindegebiet in der gemäßigten Zone und hat ein feuchtes, kühlgemäßigtes Klima. Es wird beherrscht von Westwinden, die vom Atlantik feuchte Luftmassen zuführen, was der Grund für relativ milde Winter und nicht zu heiße Sommer ist. Ein besonderer, das Klima beeinflussender Effekt ist der Föhn, der zeitweise warme Luftmassen über die Alpen nach Norden führt. Die Jahresmitteltemperatur lag in der Periode zwischen 1971 und 2000 bei 7,6 bis 8,0 Grad Celsius, wobei der kälteste Monat Februar das Minimum mit durchschnittlich −1,4 bis −1,0 Grad Celsius darstellte und die wärmsten Monate Juli sowie August das Maximum mit durchschnittlich 17,1 bis 17,5 Grad Celsius darstellten. In derselben Periode betrug der mittlere Jahresniederschlag zwischen 800 und 851 Millimeter. Das Minimum fand sich dabei in den Monaten Januar, Februar und März mit Niederschlägen zwischen 41 und 50 mm, das Maximum im Juli mit 101 bis 110 mm.Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg: . Abgerufen am 20. Juni 2009.
Geschichte Hauptort 1245 wurde Maselheim erstmals in einer Urkunde erwähnt, als Besitz eines Rudolfus de Masilhain (Rudolf von Masilhain) an das Kloster Heggbach überging. Zur Namensherkunft wird vermutet, dass im 6. oder 7. Jahrhundert ein alemannischer Siedler mit Namen Masalo zu siedeln begann. An der Dürnach wurde eine Lanzen-Spitze gefunden, die aus einem Merowinger-Grab stammen könnte.Roland Schmid: 750 Jahre Maselheim. S. 12 f.
In den Jahren nach 1245 kaufte das Kloster zahlreiche Höfe im Dorf und gelangte so mehr und mehr in den Besitz des Dorfes. Zuvor hatten unter anderem die Herren von Berg und die Herren von Steußlingen Besitz in Maselheim. 1269 war das Kloster endgültig alleiniger Eigentümer am Dorf geworden. Daraufhin wurde das Dorf aufgelöst und die Höfe als Grangie vom Kloster aus betrieben, 1324 beschreibt das Bistum Konstanz das Dorf als entvölkert. Die Grangie wurde 1330 aufgelöst und das Dorf wieder besiedelt. 1442 bekam das Kloster die Blutgerichtsbarkeit über Maselheim, nachdem es die Niedere Gerichtsbarkeit bereits seit 1267 ausgeübt hatte. Nach 1451 konnten wieder Zehntbauern in Maselheim nachgewiesen werden. 1520 gab es in Maselheim acht Eigengüter. Der Bauernkrieg ließ das Gemeindegebiet relativ unbehelligt, im März 1525 wurde das Kloster von den Bauern überfallen und am 12. April marschierte Georg Truchsess von Waldburg-Zeil in Sulmingen ein.
1803 ging Maselheim nach der Säkularisation in Besitz des Reichsgrafen von Waldbott von Bassenheim über. Drei Jahre später folgte die Eingliederung ins Oberamt Biberach unter dem Königreich Württemberg. 1828 war die Landesvermessung in Maselheim und die Höfe erhielten Hausnummern. Josef Probst fand 1857 am Buchhaldenberg Fossilien. Seit 1862 war Maselheim vom Landpostbotendienst bedient worden und hatte ab 1899 eine Postagentur. Im gleichen Jahr folgte durch die Öchsle-Bahn der Anschluss an das Eisenbahnnetz. Die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen erbauten die Bahnhofgebäude in Äpfingen und Maselheim als Einheitsbahnhöfe vom Typ IIa.
Der Ort wurde 1912 an die Stromleitung angeschlossen. Von 100 Kriegsteilnehmern am Ersten Weltkrieg fielen 30. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Maselheim 1938 zum Landkreis Biberach. Im Zweiten Weltkrieg starben 36 Soldaten und zwölf wurden vermisst. Zwischen 1942 und 1945 waren 14 belgische Kriegsgefangene zur Zwangsarbeit in Maselheim. Am 23. April 1945 folgte der Einmarsch der Franzosen mit etwa 100 Panzern und Fahrzeugen. Maselheim wurde Teil der Französischen Besatzungszone und kam somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.
Erst 1972 wurde die Durchgangsstraße mit Asphalt versehen und Maselheim damit vom Staub befreit.Roland Schmid: 750 Jahre Maselheim. S. 241 ff. Im Februar 2012 wurde die Gemeinde Maselheim mit dem European Energy Award (eea) ausgezeichnet, mit einem Ergebnis von 56,4/100 Prozent. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, 9. Februar 2012; abgerufen am 17. Februar 2012.Stefanier Järkel: Ministerium zeichnet Maselheim aus – Gemeinde erhält European Energy Award für seine Klimaschutz-Bemühungen. schwaebische.de, 10. Februar 2012. Abgerufen am 17. Februar 2012. Bemühungen der Gemeinde sind unter anderem die Passivhausbauweise beim Neubau des Dorfgemeinschaftshauses in Sulmingen zwischen 2011 und 2012 oder einem Bauleitfaden für Neubauten und Sanierungen. Maselheim nimmt seit 2007 am eea-Prozess teil.Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Kurztexte zu den mit dem European Energy Award® (eea) ausgezeichneten Gemeinden, Städten und Landkreisen. (PDF) (PDF; 127 kB). um.baden-wuerttemberg.de, 9. Februar 2012. Abgerufen am 17. Februar 2012.
Teilorte Äpfingen
Zum ersten Mal erwähnt wurde Äpfingen im Jahr 1228 und die Ortsnamensendung ingen lässt auf eine alemannische Gründung schließen. Der Ursprung des Dorfes wird östlich des Saubachs, im Bereich der heutigen Sulminger- und Hinteren Straße, vermutet. Als Ortsherren traten die Herren von Äpfingen auf, deren Burg wohl auf dem Berg in Richtung Sulmingen lag. Allerdings verhindert die Namensähnlichkeit mit Öpfingen, eine genauere Zuordnung im Mittelalter. Das Bistum Würzburg hatte bis 1287 Besitz in Äpfingen, das danach in Besitz des Zisterzienserklosters Salem überging. Die Vogteirechte hatten unter anderem 1281 die Herren von Essendorf und 1385 sowie 1392 die Biberacher Bürger. Sie gingen 1469 ebenfalls an das Kloster Salem, das 1606 auch die Blutgerichtsbarkeit übernahm. Wegen der Säkularisation wurde Äpfingen Besitz der Fürsten von Thurn und Taxis. 1806 wurde Äpfingen Gemeinde im Königreich Württemberg.Roland Schmid: 750 Jahre Maselheim. (S. 235).
Laupertshausen