Seiyō Kottō Yōgashiten (jap. , dt. „Laden westlicher Kuriositäten und Süßigkeiten“), auch bekannt als Antique Bakery, ist eine Manga-Reihe der japanischen Zeichnerin Fumi Yoshinaga aus den Jahren 1999 bis 2002. Die Reihe wurde als Dorama und Anime-Fernsehserie verfilmt und gewann 2002 den Kōdansha-Manga-Preis in der Kategorie Shōjo.

Das Werk handelt von einer von vier Männern betriebenen Konditorei und lässt sich in die Genres Comedy, Gourmet und Boys Love einordnen.

Inhalt Handlung Die Konditorei Antique wurde von Keiichirō Tachibana eröffnet, der den kleinen, unscheinbaren Laden mit Café zu einem der besten Tokios machen will. Dafür findet der Sohn aus reichem Hause in Yūsuke Ono bald einen talentierten Konditor, der jedoch schon oft den Job wechseln musste. Denn in Ono verlieben sich alle Männer um ihn herum und auch er verfällt oft seinen Kollegen, sodass er immer wieder Probleme verursachte. Doch Tachibana erkennt Ono wieder, den er nach seinem Coming-out am Ende der Oberschule zurückgewiesen und beleidigt hatte. Jetzt tut es ihm leid. Ono ist darüber hinweg und nur zu gewillt, bei Tachibana zu arbeiten, denn er würde sich gewiss nicht in ihn verlieben. Der junge Eiji Kanda stößt bald zu ihnen hinzu, der von Onos Backhandwerk begeistert ist und bei ihm in die Lehre gehen will. Schließlich kommt als weiterer Kellner Tachibanas Kindheitsfreund Kobayakawa hinzu, dessen Eltern bei ihm im Haus dienten. Wegen seiner Tollpatschigkeit kommt Kobayakawa nicht allein zurecht und nun soll Tachibana ihn mit dem Job im Antique unterstützen.

Mit der Zeit lernen die vier Männer einander besser kennen und die Zusammenarbeit gelingt immer besser. Doch neben der täglichen Arbeit mit manchen ungewöhnlichen Gästen – wie dem Geschäftsmann mittleren Alters, dessen versteinertes Gesicht sich nur bei Süßigkeiten im Antique aufhellt – begegnen ihnen immer wieder Hindernisse. Jean-Baptiste, früherer Lehrer und Liebhaber Onos, taucht auf, will ihn zurückgewinnen und lädt ihn nach Paris ein. Auch Tachibanas Exfreundin Muramatsu kommt ins Café, will hier aber vor allem ihren Frust von der Arbeit loswerden. Und Tachibanas Familie drängt ihn, endliche eine Familie zu gründen. Schließlich taucht in der Nachbarschaft ein Serienmörder auf, der eine auffällige Vorliebe für Süßigkeiten und für Männer hat. Es wird offenbart, dass Tachibana als Kind entführt wurde. Er kann sich nur noch daran erinnern, von seinem Täter täglich mit Kuchen gefüttert worden zu sein. Die Konditorei eröffnete er, um den bis heute nicht gefassten Täter doch zu finden. Bei dem nun aufgetauchten Mörder könnte es sich um den Entführer aus seiner Kindheit handeln und die Ermittlungen drehen sich wegen der Vorlieben des Täters auch um das Café.

Charaktere Keiichirō Tachibana () Der Sohn aus reichem Hause hat die kleine Konditorei mit Café eröffnet, in der man mit antikem Geschirr bedient wird und die sich in einem früheren Antiquitätenladen befindet – weswegen er den Namen Antique auswählte. Der 32-jährige war bis vor kurzem hoher Angestellter im Unternehmen seiner Eltern. Mit deren Geld eröffnete er auch den Laden, in dem er nun als Kellner arbeitet. Er selbst mag Süßigkeiten nicht besonders, hofft aber in seinem Laden viele Frauen kennenlernen zu können. Auch ist er nicht talentiert im Backen, sodass er Unterstützung sucht und in Form der drei anderen Männer findet.

Yūsuke Ono () In den in Frankreich ausgebildeten, sehr talentierten Konditor verliebt sich fast jeder Mann um ihn herum. Auch heterosexuelle Männer können seinem Charme nicht widerstehen. Durch den dadurch entstandenen Streit aber schon oft gekündigt oder sein Arbeitgeber musste schließen. Hin und wieder kann Ono auch nicht widerstehen, seinen Charme bewusst einzusetzen, wenn er sich verliebt hat. In der Küche aber hat er aber ein ruhiges, unauffälliges Auftreten. Seinen Charme und sein Playboy-Verhalten spielt er nur außerhalb der Arbeit aus. Er kennt Tachibana aus der Oberschule und ist entsprechend ebenfalls 32 Jahre alt. Seit seine Mutter eine Affäre mit einem Lehrer an seiner Schule hatte, hat Ono Angst vor Frauen und ist daher als Kellner nicht geeignet. Mit der Zeit kann er diese Angst ein Stück weit überwinden.

Eiji Kanda (神田 えいじ) Der fröhliche, aber oft auch ordinäre 21-Jährige lernt bei Ono, den er bewundert, das Backhandwerk. Von Ono wird er – anders als von vielen anderen – als unattraktiv empfunden und kann auch dessen Charme widerstehen. Eiji ist ein Waise und war lange Zeit seiner Jugend einsam. Er strebte einmal eine Karriere als Boxer an, konnte diese aber wegen einer Netzhautablösung nicht fortführen. Als Lehrling ist Eiji schnell von allem begeistert und will, viel mehr als sein Meister es verstehen kann, mit aller Anstrengung lernen, so wie er früher für den Sport trainiert hat.

Chikage Kobayakawa () Der einfach gestrickte und kräftige, 34 Jahre alte Kindheitsfreund von Tachibana lernt bei ihm das Kellnern. Seine Familie dient im Haus der Tachibanas, doch er ist tollpatschig und stellt sich ungeschickt an. Entsprechend kann er nur schwer für sich selbst sorgen. Nun soll Tachibana dies, auch für Kobayakawas Familie, für seinen alten Freund tun, indem er ihn anstellt. Ono verliebt sich bald in den gutaussehenden Mann, doch Kobayakawa ist zu begriffsstutzig, um dessen gelegentliche Annäherungsversuche überhaupt zu begreifen. Deutlich größer als die drei Anderen und ständig mit einer Sonnenbrille auf der Nase, um seine empfindlichen Augen zu schützen, ist er der Auffälligste im Café.

Konzeption und Veröffentlichung Der Manga erzählt großteils über Kurzgeschichten aus dem Leben der vier Protagonisten und deren Alltag im Antique. Die meist komischen oder albernen Episoden drehen sich um die Interaktion zwischen den Vieren sowie mit deren Kunden. Nach und nach werden in diesen Episoden die Figuren eingeführt und Hintergrundgeschichten der Männer erzählt, ihre Charakterentwicklung und warum sie geworden sind, wie sie jetzt sind. Insbesondere im vierten und letzten Band liegt der Fokus stärker auf diesem eher ernsthaften, düsteren Teil der Episoden. Zunächst humorvoll beginnende Szenen können sich plötzlich zu ernsthaften wandeln, wenn sie in die Hintergrundgeschichte einer Figur eindringen. Die Darstellungen der Süßigkeiten werden von Yoshinaga bewusst intensiv und detailliert als eine Form von Fanservice platziert, auch wenn diese nicht zur eigentlichen Geschichte beitragen und keine tiefere, symbolische Bedeutung hätten. Die Beschreibungen und Erklärungen zum Gebäck sind von ihr oft aufwändig recherchiert.

Der Manga erschien von Juni 1999 bis September 2002 im Manga-Magazin Wings des Verlags Shinshokan. Die Einzelkapitel wurden von Juni 2000 bis September 2002 in vier Sammelbänden veröffentlicht. Bei Digital Manga Publishing erschien der Manga auf Englisch, Ching Win Publishing brachte eine chinesische Fassung heraus. Die englische Ausgaben erhielten eine Ausstattung, mit der die Cover nach Kratzen auf dem Bild nach dem abgebildeten Kuchen riechen.

Die Geschichten um die vier Männer wurden von Fumi Yoshinaga in Form von selbstveröffentlichten Dōjinshi fortgesetzt. Einige der insgesamt 14 Erzählungen sind erotischer oder pornografischer Natur und zeigen Yaoi-Geschichten mit Beziehungen zwischen eigentlich heterosexuellen Figuren oder führen die nur angedeuteten homosexuellen Beziehungen explizit aus. Sie drehen sich vor allem um den Konditor Ono, dessen Vergangenheit, Gegenwart und seine Fantasien. Diese expliziteren Geschichten, so Yoshinaga selbst, wären im Magazin Wings nicht möglich gewesen. Die Dōjinshi erschienen, trotz großer Beliebtheit in der Boys-Love-Fanszene, nicht bei einem Verlag oder in Übersetzung und wurden von Verlag und Magazin des offiziellen Teils der Serie auch nie beworben.Xuan Bach Tran: Reading Food in Boys Love Manga. A Gastronomic Study of Food and Male Homosexualityin the Manga Work of Yoshinaga Fumi. AUT University, School of Hospitality and Tourism, 2018. S. 17, 27, 43–51, 80. (Dissertation) Aoyama schätzt die Geschichten als keinesfalls nur pornografisch sein, sondern sie würden den Humor der Serie und die Blicke in die Charaktere fortführen.

Einordnung in Genre und Werk der Autorin Das Magazin, in dem die Serie erschien, richtet sich an jugendliche Mädchen und ist daher der Shōjo-Gattung zuzuordnen. Die Serie selbst wird von Kritikern wegen der erwachsenen Charaktere und entsprechender Themen eher dem an erwachsene Frauen gerichteten Josei zugeordnet, auch weil die meisten Charaktere im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30 sind. Obwohl die Geschichte von Lesern und Kritikern in der Regel als, wenn auch ungewöhnlicher, Boys Love eingeordnet wird, da es auch um die romantischen Beziehungen zwischen Männern geht und gutaussehende Männer im Zentrum der Geschichten stehen, lehnte Yoshinaga diese Einordnung ab, da es sich um „echte Homosexuelle“ drehe. Die Einordnung der Leserinnen ist ihr aber bewusst wird von ihr akzeptiert. Das Werk soll von jedem so gelesen und eingeordnet werden, wie es für richtig empfunden wird. Xuan Bach Tran beschreibt Antique Bakery als „nicht einen BL-Manga, aber eine Shōjo-Serie mit viel BL-Aroma“. Tomoko Aoyama sieht das Werk als Shōjo-Serie, die viele BL-typischen Konventionen nutzt und parodiert. Grace En-Yi Ting nennt die wunderschönen Männer als der Tradition des BL entnommen, während die exotisierte, fetischisierte westliche Kultur – besonders französische Backkunst – und die damit verbundene dekorative Ästhetik dem Shōjo zuzuordnen ist.

Vor Antique Bakery hatte Yoshinaga bereits mehrere Geschichte bei Verlagen und Magazinen veröffentlicht, nachdem sie ihre Zeichnerkarriere mit Dōjinshi begonnen hatte. Die vorherigen Werke sind alle eindeutig dem Genre Boys Love zuzuordnen, von dessen Konventionen sie sich mit dieser Serie entfernte. Dennoch wurde Antique Bakery besonders in der Boys-Love-Fanszene beliebt. Die Serie gehört bis heute zu den bekanntesten Werken von Yoshinaga und war ihr künstlerischer Durchbruch in Japan sowie international. In den späteren Werken, insbesondere in Kinō Nani Tabeta?, hielt Yoshinaga an einer an Realismus und Alltagsproblemen orientierten Darstellung von Homosexualität fest. Die Verbindung der Themen Homosexualität und Kochen findet sich sowohl in älteren als auch jüngeren Werken der Autorin. Auch Lektionen und Anleitungen finden sich in anderen ihrer Serien, wobei sie in Antique Bakery erstmals Lektionen fürs Kochen beziehungsweise Backen gibt. Diese sind als Anmerkungen neben oder Beschreibungen der Kuchen Teil des Mangas. Zuvor gingen diese Lektionen eher um Beziehungsfragen. Im ab 2007 entstandenen Kinō Nani Tabeta? sind dann vollständige Rezepte und Kochanleitungen zu finden. Auch im Zeichenstil entspricht Antique Bakery Yoshinagas übrigen Schaffen. Die Figuren sind meist mit rechteckigen Gesichtern gezeichnet, Bishōnen treten selten und eher als Parodien auf. Die Gestalt der Figuren ändert sich häufig je nach Situation und in komischen Szenen wechseln sie in deformierte, stark vereinfachte Form. Dabei verändert sich nicht nur deren Äußeres, sondern auch Persönlichkeit und Haltung. Das Aussehen der Figuren lässt auch nur wenig auf ihre Eigenschaften schließen: der 33-jährige Cafébetreiber wirkt eher wie Anfang 40, der mit großen Charme ausgestattete Ono wirkt meist unauffällig und schüchtern. Die Hintergründe sind einfach und minimalistisch, sodass der Blick des Lesers nicht von den Protagonisten und dem detailliert dargestellten Gebäck abgelenkt wird.

Adaptionen

Dorama 2001 wurde die elfteilige Dorama-Serie Antique – Seiyō Kottō Yōgashiten () produziert, Regie führten Katsuyuki Motohiro und Eiichirō Hasumi. Die Drehbücher schrieb Yoshikazu Okada. Der Sender Fuji TV strahlte die elf Folgen vom 8. Oktober bis zum 17. Dezember 2001 aus.

Hörspielserie Von 2003 bis 2004 erschienen in Japan vier von Shinshokan beauftragte Hörspiele zum Manga auf CD.

Anime