Radio Förderband war von 1984 bis 2001 ein Berner Lokalradio. Entstanden aus dem 1981 von den Journalisten Urs Schnell, Daniel Leutenegger und Beat Hugi gegründeten Kulturförderverein «Förderband», erhielt es 1983 kurz nach Legalisierung privater Radiosender in der Schweiz vom Eidgenössischen Energie- und Verkehrsdepartement (EVED) eine Versuchskonzession zum Betreiben eines werbefinanzierten Kulturradios in der Region Bern, gleichzeitig mit dem konkurrierenden Vollprogramm-Sender Radio extraBE.
Radio Förderband nahm am 31. Dezember 1983, fünf Minuten vor Ablauf der in der Konzession gesetzten Frist, seinen Betrieb auf. Die Studios befanden sich im Haus des Konzertlokals und Restaurants Bierhübeli, in einer Dreizimmerwohnung im ersten Stock. Das Team aus ehemaligen Zeitungs- und Radiojournalisten und freien Mitarbeitern produzierte zunächst ein Mittags- und Abendprogramm. Darin vertreten waren Sendungen für sprachliche Minderheiten (neben Italienisch, Spanisch auch Türkisch und – damals – Serbokroatisch), Sendungen für die Hörerschaft mit Spezialinteressen (Bücher, Kino, Theater etc.), Sendungen auf der Basis besonderer Musikstile (französische Chansons, italienische Canzoni, tropische Spezialitäten, Jazz, spezielle Schweizer Musik, klassische Musik), eine Kindersendung, eine Frauensendung und Sendungen, die aus mehrstündigen Gesprächen bestanden.Heute Sendebeginn, Thuner Tagblatt, Band 107, Nummer 307, 31. Dezember 1983Cassandre, Construire, 27. Januar 1988 Ab Dezember 1985 stellte Radio Förderband aufgrund der schlechten Finanzlage seinen redaktionellen Betrieb ein.
Da die Empfangssituation auf 96,7 MHz unbefriedigend war, sendete man ab März 1984 auf 104,2 MHz. 1990 wurde dem Sender im Rahmen einer neuen Sendernetzplanung wieder die alte Frequenz 96,7 MHz zugewiesen.
Geschichte
Ein Trägerverein unter den Präsidenten Christoph Reichenau, späterer Kultursekretär der Stadt Bern und Franz Biffiger, SP-Grossrat und Architekt, sollte die Finanzierung sicherstellen. Die Arbeit war jedoch von Anfang an von Geldmangel geprägt; Organisations- und Vereinsstruktur banden die Kräfte der Akteure.
Der Forschungsdienst der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG) wies im ersten Jahr noch einige Tausend Hörer aus; ab 1985 wurde bei den Stichproben kein einziger Förderband-Hörer mehr gefunden. Im gleichen Jahr sagte Roger Schawinski auf Anfrage seine Unterstützung zu. Nach monatelangem Hin- und Her und ablehnender Antwort der Konzessionsbehörden auf vorgeschlagene Änderungen gründeten Schawinski und der Verein Förderband zusammen mit dem Verlag Der Bund und der Genossenschaft Migros Bern eine Vermarktungsfirma (Radig AG). Diese pachtete vom hart am Konkurs schlitternden Verein das gesamte Volumen an Werbesekunden. Ab 14. Juli 1986 sendete Radio Förderband ein neues, kommerzielleres Radioprogramm mit stündlichen Nachrichten. Als Moderatoren weiterhin tätig waren etwa Bänz Friedli, Barbara Messerli, Jürg Hofer, Res Hassenstein und Martin Freiburghaus. Bekannte Mitarbeiter waren Peter Balzli, Matthias Aebischer und Sven Epiney.
Am 16. Juli 1986 verbot das EVED die nicht konzessionierten programmatischen Änderungen, insbesondere das Nachrichtenformat. Während einiger Wochen wurden deshalb die Bern 104 – Radio Förderband-Nachrichten "kulturisiert": Der Berner Rocksänger Polo Hofer, der Jazzmusiker Franz Biffiger und andere sangen die Nachrichten; Redakteure rezitierten ihre Bulletins in Versform, lasen sie als Hörspiele vor oder erzählten sie einander als Stammtischgespräche. Später wurden die Nachrichtenbulletins nicht mehr als Nachrichten von Bern 104 – Radio Förderband präsentiert, sondern über Telefon als deutschsprachiges Nachrichtenbulletin (des französischsprachigen Radiosenders am Genfersee) Radio Thollon vorgelesen. Schliesslich erreichte eine Petition, eine Demonstration mit 7000 Teilnehmern vor dem Bundeshaus, und ein von Jazzmusikern veranstaltetes 'Konzert für Bundesrat Schlumpf' das Einlenken des EVED und die Genehmigung des neuen Programms im September 1986.
Von 6 bis 19 Uhr wurde nun ein kommerzielles, mehrheitenfähiges Tagesprogramm ausgestrahlt, mit stündlichen Nachrichten und drei täglichen Info-Stunden (7–8 h, 12–13 h, 17–18 h). Am Abend erklang eine bunte Mischung von Kultur-, Minderheiten- und Musikspecial-Sendungen. Am Sonntagmorgen hörte man klassische Musik und die Kirchensendung, am Sonntagnachmittag volkstümliche Musik und am Sonntagabend eine zwei- bis dreistündige Gesprächssendung.
Im November 1987 wurde der Sender von Zaffaraya-Sympathisanten besetzt, zeitgleich wie 'Radio ExtraBe'. Die Besetzer strahlten auf beiden Sendern politische Aufrufe aus.
2001 wurde aus Radio Förderband Radio BE1.
Quellen Urs Schnell: Kopfvoran : 10 Jahre Lokalradio, oder, Die Geschichte von Radio Förderband. Maxmedia, Bern 1992, ISBN 3-9520320-0-X. (Inhaltsverzeichnis (aleph.unibas.ch)) Aus Förderband wird Radio BE1
Einzelnachweise
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