Die Zeche Hannover in Bochum war ein Steinkohlen-Bergwerk und gehört heute zu den acht LWL-Museen für Industriekultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Das Bergwerk besaß insgesamt sechs Schächte, die in zwei Schachtanlagen zusammengefasst waren (1/2/5 und 3/4/6). Benannt wurde die Zeche nach der Herkunft der Kapitalgeber aus Hannover.
Aufbau der Zeche (1847–1872) mini|links|Fördermaschinenhaus und Schachtgebäude. Der graue Turm rechts und die gelbe Einschienenhängebahn gehören zur Zeche Knirps. (Foto: 2006) mini|links|Malakow-Turm über Schacht 1 und das angebaute Fördermaschinengebäude (Foto: 2007) mini|Malakow-Turm von der Rückseite des Gebäudes aus (Foto: 2007) mini|Grubenlüfter mit Austrittsdiffusoren (Foto: 2013) mini|Innenraum des Malakow-Turms mini|Dreietagiges Fördergestell mini|Die restaurierte Fördermaschine von Schacht 1. In der Bildmitte die Treibscheibe (Koepe-Scheibe), über deren Mitte das Förderseil lief, das durch die Dachöffnungen zu den Seilscheiben in der Turmspitze und von dort in den Schacht geführt war (Foto: 2006) mini|Lager der Treibscheibe (Koepe-Scheibe) mini|Arbeitsplatz des Fördermaschinisten Am 14. Juni 1847 wurden dem Rittergutsbesitzer Karl Richard vom Hymmen in Kaiserswerth und dem Kaufmann Julius Möller in Elberfeld die Schürferlaubnis in der Landgemeinde Hordel erteilt. Eine Probebohrung mit dem Bohrturm Sechs Brüder auf dem Gelände des Landwirts Schulte-Schünen genannt Ahmann erreichte in 92 Metern Tiefe das Steinkohlengebirge. Die politischen Bedingungen unterbrachen zunächst weitere Mutungstätigkeiten. An einem weiteren Bohrturm Sechs Schwestern stieß man am 29. Dezember 1854 wieder auf Steinkohle. In den Jahren 1854/1855 wurde für die Felder Sechs Brüder, Wupperthal, Anton Ernst und Sechs Schwestern die Konzession erteilt. Die Größe des Feldes betrug 4,16 Quadratkilometer. 1856 kaufte die Hannoversche Bergwerksgesellschaft Hostmann & Co. AG die Berechtsame für das Grubenfeld. Am 1. März 1857 wurde mit dem Abteufen des Schachts Karl (Schacht 1) begonnen.Sechs Brüder & Sechs Schwestern. In: Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. 3. Auflage, Bochum 2006, S. 885. Vier Monate später begannen die Teufarbeiten für den 50 Meter südlicher gelegenen Schacht 2, der den Namen Christian (später Hermann) erhielt. Die Abteufarbeiten wurden durch Wassereinbrüche und finanzielle Probleme begleitet. Die Familie Hostmann musste das Grubenfeld 1860 an die Hannoversche Bergwerksgesellschaft Böstighaus & Co. verkaufen. Aber auch dieser Gesellschaft mangelte es an Kapital, die hohen Investitionen für die Errichtung der Zeche durchzustehen. Die Gesellschaft wurde 1868 nach einem ergebnislosen Versteigerungsversuch für 30.000 Taler und Schuldenübernahme von 317.000 Talern verkauft. Die Hannoversche Bergwerksgesellschaft zu Bochum übernahm sämtliche Kuxe.
In den Jahren 1859 und 1860 wurde bei dem Abteufen der Schächte 1 und 2 das Steinkohlengebirge erreicht. Über den Schächten entstanden zwei wuchtige Malakow-Türme mit einem dazwischen liegenden Maschinenhaus für die beiden Fördermaschinen. Der Schacht 1 erreichte 1870 bei 162 Meter Teufe die erste Bausohle, und eine regelmäßige Förderung kam zustande. Der Deutsch-Französische Krieg 1870/1871 brachte einen wirtschaftlichen Aufschwung, so dass die Zeche erstmals Gewinn erwirtschaftete.
Übernahme der Zeche durch Alfred Krupp (1872–1899) Jahresförderung Jahr 1000 t 1903 860 1913 2270 1929 2300 1945 250 1948 800 1953 1450 1954 1960 1959 1721 1960 1644 1961 1654 1962 1691 1963 1743 1965 1800 ab 1899 Förderung von Hannibal und Hannover, ab 1954 mit Königsgrube
Am 27. Juni 1872 wurde die noch wenig bedeutende Zeche von Alfred Krupp zu einem Preis von 5.649.000 Mark erworben und ausgebaut. Die Schächte wurden bis 304 Meter Tiefe geteuft, wobei sie in der Mergelzone mit Tübbings ausgekleidet wurden. Über Tage wurden die Waschkaue, die Verladebrücke und die Werkstätten ausgebaut. Es wurde eine Gasbeleuchtung eingerichtet und eine Wasserleitung verlegt.
Auf dem Gebiet der Gemeinde Günnigfeld begannen am 13. Oktober 1873 die Abteufarbeiten für die Schächte 3 und 4. Im Folgejahr wurde das Steinkohlengebirge erreicht. Die erste Zechenkolonie wurde 1874 an der Friedrichstraße in Eickel errichtet; 1872–77 entstand die Kolonie an der Derfflingerstraße.
Die Zeit von 1873 bis 1887 war durch die Gründerkrise, d. h. durch wirtschaftlichen Niedergang und starken Rückgang der Kohlepreise gekennzeichnet. Aufgrund der gesicherten Kohlenabnahme durch Krupp wirkte sich die Entwicklung nicht so drastisch auf die wirtschaftliche Situation der Zeche Hannover aus. Im Jahr 1876 wurde die Streckenförderung von der 161-m-Sohle zur 234-m-Sohle verlegt.
Im Untertagebetrieb änderte man die Kohlengewinnung vom streichenden Pfeilerbau zum schwebenden Pfeilerbau. 1881 wurde der Bergeversatz eingeführt, um die Oberflächensenkungen zu reduzieren.
Eine bedeutende Innovation bei der Ausführung der Förderanlage ging von Bergwerksdirektor Carl Friedrich Koepe aus. Am Schacht 2 wurde 1878 die Seilführung geändert. Das Förderseil wurde um die Treibscheibe herumgeführt und über eine zweite Seilscheibe in den Schacht zurückgeführt. Es war als Endlosseil angeordnet. Es wurden zwei Förderkörbe angehängt, die an versetzten Spurlatten geführt wurden. Die Anordnung der Förderkörbe war so gewählt, dass einer der Körbe in Höhe der tiefsten Fördersohle hing während der andere sich in Höhe der Hängebank befand. Durch das frei hängende Unterseil wurde das Gewicht des Förderseils kompensiert. Die Fördermaschine musste nur noch das Drehmoment der unterschiedlichen Beladung der Körbe ausgleichen. Mit dieser Ausführung wurde der Seilverschleiß und damit auch das Risiko eines Seilbruchs erheblich verringert. Diese Seilanordnung wurde nach ihrem Erfinder Koepe-Förderung genannt.
Im Jahre 1888 wurde die Fördermaschine auf Schacht 2 ersetzt. Basierend auf einem Vorschlag von Carl Friedrich Koepe wurde die Maschine im Schachtturm aufgestellt. Die Dampffördermaschine hatte einen Zylinderdurchmesser von 980 und 1440 mm bei einem Zylinderhub von 1570 mm. Die Maschine war für eine Dampfdruck von 4,5 atü konzipiert. Es wurde zunächst von der 384-m-Sohle gefördert mit einer maximalen Geschwindigkeit des Förderkorbes von 13 m/s. Der Korb konnte auf 3 Böden 6 Förderwagen aufnehmen. Die Maschine war 40 Jahre bis zum Ende der 1920er Jahre im Einsatz und wurde dann verschrottet.
Hannover war 1892 im Oberbergamtsbezirk Dortmund die erste Zeche, die eine Streckenförderung mit Seilbahnen einrichtete, die die Pferdeförderung ersetzte. Im selben Jahr wurde die Leistungsfähigkeit der Förderanlagen auf Schacht 1 wesentlich erhöht. Es wurde eine stärkere Compound-Dampffördermaschine eingebaut und die Abzugsvorrichtungen am Füllort wurden verbessert. Die Förderschichtleistung des Schachtes wurde so von 400 auf 750 t erhöht. Als Maßnahme gegen Kohlenstaubexplosionen wurde zu der Zeit die Berieselung der Grubenbaue eingeführt.
Die Zechenverwaltung kaufte 1891 das Rittergut Dahlhausen mit 469 Morgen Land und weitere neun Höfe. Hier wurde eine Wohnbebauung vorgesehen.
Vereinigung der Zechen Hannover und Hannibal (1899–1918) Nachdem auch die benachbarte Zeche Hannibal von Krupp übernommen war, wurden die beiden Zechen 1899 vereinigt. 1905 wurde mit dem Abteufen des Schachtes 5 neben den Schächten 1/2 begonnen, der im Mai 1908 mit zwei Förderungen fertiggestellt wurde. Im gleichen Monat wurde auch die neue Kohlenwäsche auf der Anlage 1/2 in Betrieb genommen, die die alte Wäsche aus dem Jahr 1878 ersetzte. Der erhöhte Dampfbedarf wurde durch eine neue Kesselanlage gedeckt. Bis 1907 wurde elektrischer Strom nur in geringem Umfang erzeugt und ausschließlich für die Beleuchtung verwendet. Als Energiequelle stand ansonsten nur der Dampf zur Verfügung. Auch die Wasserhaltung unter Tage erfolgte durch Dampfmaschinen. Druckluft stand nicht zur Verfügung.
Im Kraftwerk 1 wurde nach der Errichtung 1907 auch Koksofengas-Generatoren aufgebaut, die Strom lieferten. Das Kraftwerk wurde an das Stromnetz der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke angeschlossen, um daraus bei Betriebsstörungen Strom beziehen zu können. Die Koksofengas-Generatoren bewährten sich allerdings nicht und wurden durch Dampf-Turbogeneratoren ersetzt. Da nunmehr elektrische Energie zur Verfügung stand, wurde auf der 515-m-Sohle eine zentrale Wasserhaltung mit sechs elektrischen Kreiselpumpen mit einer Leistung von je 30 m³/min eingebaut.
1905 begann man mit dem Bau einer Siedlung mit 715 Beamten- und Arbeiterwohnungen in der Siedlung Dahlhauser Heide auf dem Gelände des früheren Rittergutes Dahlhausen. Dazu gehörte ein großzügig bemessener Saalbau. Die Häuser wurden im Gartenstadtstil – teilweise mit Fachwerkgiebel – errichtet. Die Bauten für Beamten- und Arbeiterwohnungen wurden voneinander getrennt angelegt. Die Arbeiterfamilien wohnten in Doppelhaushälften mit Anbauten für Ställe, die eine Kleinviehhaltung und somit eine teilweise Selbstversorgung ermöglichten.
Die Zeche Hannibal teufte von 1901 bis 1903 den Schacht 3 und von Mai 1914 bis Mai 1915 den Schacht 4 ab. Vor dem Ersten Weltkrieg erfuhren die Zechen einen großen Aufschwung. Zu Beginn des Krieges wurden viele qualifizierte Bergleute zum Militär eingezogen; die Verluste konnten aber in der Folge ausgeglichen werden. Es bestand ein riesiger Bedarf an Kohle und Koks für die Rüstungsproduktion.
Weimarer Republik bis Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg (1918–1945) mini|Ein Tagesangriff am 12. Oktober 1944. Über dem Flügel des Flugzeugs ist die Zeche Hannover und links oben die Siedlung Dahlhauser Heide, die Kläranlage und das Zwangsarbeiterlager der Zeche Hannover zu erkennen. Nach dem Krieg beeinträchtigten die unruhigen politischen Verhältnisse, Inflation und die Besetzung des Ruhrgebietes 1923 die Produktion. Während der Besetzung wurde passiver Widerstand ausgeübt; alle Betriebe wurden bestreikt. Nur zwingend notwendige Arbeiten zur Aufrechterhaltung der Betriebsfähigkeit wurden durchgeführt. Infolge des Krieges wurde die Arbeitszeit von 8½ Stunden unter Tage einschließlich Ein- und Ausfahrt auf 7 Stunden verkürzt. Die Förderquoten gingen zurück und es gab Lohnauseinandersetzungen.
Als Folge des wirtschaftlichen Niedergangs erfuhren die Zechen einen erheblichen Absatzrückgang und mussten Bergleute entlassen. Von den etwa 9000 Beschäftigten verblieben bis zum Oktober 1932 noch 2769. Daher fasste die Werksleitung 1932 den Entschluss, die Förderungen auf dem Bergwerk Hannover-Hannibal zusammenzufassen; auf Hannibal 2 war sie bereits 1926 eingestellt worden. Nach umfangreichen Vorarbeiten unter Tage wurde am 28. Februar 1932 auch die Förderung auf der Schachtanlage Hannover 3/4 in Günnigfeld aufgegeben. Die beiden Schächte dienten weiter der Bewetterung. Schacht 3 und 4 hatten eine Endteufe von 615 Metern, Schacht 6 von 950 Metern erreicht. Hannover 1/2 wurde als Förderstandort ausgebaut. Die Hauptförderung übernahm zunächst Schacht 5.
Der Bedarf an elektrischer Energie hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts deutlich erhöht. So wurde 1921 ein neues Kraftwerk auf Hannover 1/2 errichtet, das das alte Kraftwerk ersetzte. Es wurden zunächst 24 Zweiflammrohrkessel aufgestellt, die schon bald durch vier Steilrohrkessel mit einer Dampfleistung von je 10 t/h abgelöst wurden. Für die Stromerzeugung standen drei Turbogeneratoren mit insgesamt 13 MW zur Verfügung. Im Jahre 1921 wurde das elektrische Geleucht eingeführt, das die Benzinsicherheitslampe ersetzte.
In den Jahren 1929/31 wurde auf Hannover der Transport unter Tage von Seilbahn auf Diesellokomotiven umgestellt.