Die Kurden in Deutschland sind eine ethnische Gruppe. Das BAMF gibt eine geschätzte Zahl von 500.000 bis 1 Million Menschen kurdischer Abstammung in Deutschland an. Die Kurdische Gemeinde schätzt die Zahl auf 1,5 Millionen. Die erste Einwanderung von Kurden nach Deutschland reicht auf die 1920er Jahre zurück.https://www.migazin.de/2020/01/23/chronologie-100-jahre-kurdische-einwanderung-nach-deutschland/

Statistiken Die Anzahl der Kurden ist nicht amtlich erfasst, weil Menschen (In- und Ausländer) in amtlichen Statistiken nach ihrer Staatsangehörigkeit erfasst werden. Da aber kein selbständiger kurdischer Nationalstaat existiert, kann es somit auch keine kurdische Staatsangehörigkeit geben. Das kurdische Siedlungsgebiet in Vorderasien erstreckt sich über Staatsgrenzen hinweg. Die Mehrheit der Kurden (im Sinne von Menschen kurdischer Muttersprache und Kultur) sind Bürger der Türkei, des Irak, des Iran, Syriens oder Staatsangehörige ihrer Wahlheimat außerhalb dieses Siedlungsgebiets. Amtlich erfasst wurden und werden Kurden als solche in Deutschland nur, wenn jemand als Asylbewerber angibt, als Kurde in seinem Herkunftsland politischer Verfolgung ausgesetzt zu sein. Seit der Einführung des Geburtsortsprinzips in das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht am 1. Januar 2000 gelten Kurdischstämmige, die ab 2000 in Deutschland geboren wurden, automatisch als deutsche Staatsangehörige. Im Regelfall kann ihnen in den 2020er Jahren dieser Status nicht mehr entzogen werden, wenn sie in Deutschland aufgewachsen und Bildungsinländer sind.

Geschichte der kurdischen Migration Deutschland 1961 bis 1973 Die erste Hauptwelle der Zuwanderung von Kurden (1961–1973) begann mit dem Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei, das am 30. Oktober 1961 in Bad Godesberg unterzeichnet wurde. Von 1961 bis zum Anwerbestopp 1973 kamen etwa 867.000 Arbeitnehmer, fast ausschließlich Männer, als „Gastarbeiter“ genannte Arbeitsmigranten aus der Türkei in die Bundesrepublik Deutschland. 500.000 von ihnen kehrten wieder zurück. Die Gebliebenen holten ihre Familien nach, sodass 1978 1,2 Millionen türkische Staatsangehörige in der Bundesrepublik Deutschland registriert waren (1980 waren es 1,5 Millionen, 1998 2,1 Millionen).Luft 2014 Die ersten Arbeitsmigranten aus der Türkei wurden aus den westlichen und zentralen Landesteilen rekrutiert, die Kurden waren daher zunächst unterrepräsentiert. Dies änderte sich im Laufe der 1970er Jahre, als der Anteil der Gastarbeiter aus dem östlichen Teil der Türkei, v. a. Mardin, Tunceli (Dersim), Diyarbakır, Urfa, Bingöl, Şırnak, Elazığ, Muş, Batman, Adıyaman, Siirt sowie Teilen von Erzurum, Malatya, Kahramanmaraş und Erzincan, zunahm. Wenn man die Zahl (2,1 Millionen) der Türkeistämmigen in Deutschland im Jahr 1998 mit der damaligen Zahl der Kurden in der Türkei in Relation setzt, ist davon auszugehen, dass mindestens 500.000 (ein Viertel) der nach Deutschland zugewanderten Türkeistämmigen kurdischstämmig waren.Kenan Engin: Kurdische Migrant_innen in Deutschland. kassel university press GmbH, 2019, ISBN 3-7376-0648-X ()

Die meisten dieser Migranten betrachteten sich noch 1961 bis 1973 in erster Linie als Türken in Deutschland, da viele von ihnen die offizielle Doktrin der Türkei, dass jeder Bürger der Türkei ein Türke sei, „verinnerlicht“ hatten oder sich (vor allem durch die in der Türkei praktizierte Assimilationspolitik) als Türken empfanden. Die Wiederentdeckung der „kurdischen“ Identität bzw. die Betonung des „Kurdisch-Seins“ entstand bei vielen erst durch die Aktivitäten kurdischer Studenten und (ab den 1980er Jahren) vor politischer Verfolgung Geflüchteter. Die nächsten Generationen, bestehend aus den in Deutschland aufgewachsenen Kurdischstämmigen, sind tendenziell stärker an kurdischer Identität und kurdischer Politik interessiert als ihre Eltern, obwohl sie wie diese überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Viele Eltern kehrten unter dem Einfluss ihrer Kinder zu ihren kurdischen Wurzeln zurück, sofern sie sich nicht überwiegend als Deutsche empfanden.van Bruinessen 2000

Dem Internationalen Bildungs- und Beratungszentrum für Frauen und ihre Familien in Berlin-Spandau zufolge bildeten 1973 Kurden ein Drittel (d. h. ca. 400.000) der angeworbenen „Gastarbeiter“ aus der Türkei.HÎNBÛN – Internationales Bildungs- und Beratungszentrum für Frauen und ihre Familien in Berlin-Spandau:

1979 bis 1990 Die zweite Welle (1980–1990) der kurdischen Migration nach Deutschland setzte 1979 ein; sie dauerte bis zum Ende der 1990er Jahre. Relativ viele Kurden kamen seit der Islamischen Revolution 1979 im Iran, dem Militärputsch 1980 in der Türkei, während des Libanonkrieges (1982), dem Türkei-PKK-Konflikt (1984), sowie nach den Übergriffen des Regimes Saddam Husseins im Irak (vor allem nach dem Giftgasangriff 1988 auf Halabdscha) als Asylbewerber in die Bundesrepublik Deutschland. Allein durch die genozidalen Maßnahmen des irakischen Baath-Regimes während der „Anfal-Operation“ zwischen 1988 und 1989, die in acht Phasen hauptsächlich gegen die kurdische Bevölkerung angewendet worden waren, waren 180.000 Menschen ermordet worden.

1990 bis 2000 Die dritte Welle (1990–2000) der Zuwanderung ins inzwischen wiedervereinigte Deutschland betrifft vor allem Kurden, die aus ihren Herkunftsländern geflohen oder vertrieben worden waren.

Die späten 1990er Jahre bildeten den Höhepunkt der Asylbewerberwelle.NAVEND – Zentrum für kurdische Studien: (PDF; 10 kB) In dieser Zeit kamen ca. 80 Prozent aller der in Statistiken der Türkei zugeordneten Asylbewerber in Deutschland aus den Kurdengebieten.Deutsch-Kurdische Gesellschaft: , Facharbeit, S. 13 f.79 Prozent aller türkischen Asylbewerber im Jahr 2007 waren kurdischer Volkszugehörigkeit: , BMI, 10. Januar 2008.Zeit Online – Für eine neue deutsche Kurdenpolitik

Ein Drittel bis über die Hälfte der Flüchtlinge aus dem Irak, die seit Ende der neunziger Jahre in den deutschen Sprachraum kamen, waren Kurden.35 Prozent Kurden bei 17.167 irakischen Asylantragstellern im Jahr 2001: Asylbewerberzahlen 2002 Quelle: BMI Pressemitteilung vom 8. Januar 2003 und , bpb, Migration und Bevölkerung Ausgabe 06/01 (September 2001).gut die Hälfte Kurden von 1983 irakischen Asylantragstellern im Jahr 2005: BMI 8. Januar 2006.43 Prozent Kurden von 6.836 irakischen Asylbewerbern im Jahr 2008: https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/Broschueren/broschuere-asyl-in-zahlen-2008.pdf?__blob=publicationFileAsyl in Zahlen 2008, BAMF

2011 bis 2018 Die vierte kurdische Migrationswelle (2011 bis 2018) in die Bundesrepublik Deutschland begann mit dem „Arabischen Frühling“, dem Ausbruch des syrischen Bürgerkrieges sowie der Entstehung der religiös motivierten fundamentalistischen Bewegungen in Syrien und im Irak, die ihren Höhepunkt 2016 erreichten. Laut Berechnungen des BAMF von 2016 wurden 266.250 Personen als Asylbewerber aus Syrien beim Amt registriert; davon waren 29 % kurdischstämmig.Kenan Engin, Kurdische Migrant_innen in Deutschland: Lebenswelten – Identität – politische Partizipation. Kassel University Press. Kassel 2019. (online) Zu den 77.312 kurdischen Asylbewerbern in Deutschland, die 2016 aus Syrien geflohen waren, kamen im selben Jahr 56.022 kurdische Asylbewerber hinzu, die aus dem Irak geflohen waren.

2019 bis 2025 Seit 2022 stellen mehr kurdische Volkszugehörige in Deutschland in dem Bezugsjahr einen Erstantrag auf Asyl, die aus der Türkei geflohen sind, als solche, die aus Syrien kamen. Von dort aus waren zuvor die meisten kurdischen Asylbewerber geflohen.

Ergebnis der Zuwanderung Die Anzahl der in Deutschland lebenden Kurden wird von der Kurdischen Gemeinde Deutschland e. V. auf über 1 Million geschätzt. Das BAMF hingegen nennt die Zahl 500.000 bis 1 Million Kurden in Deutschland.

Die meisten in Deutschland geborenen Türkeistämmigen, also auch die Kurdischstämmigen unter ihnen, sprechen fließend Deutsch. Insbesondere im Hinblick auf das Verständnis von Geschlechtsrollen passen sich Angehörige der zweiten Generation und ihre Nachkommen überwiegend allmählich den Normen der Aufnahmegesellschaft an. Personen mit deutscher Staatsangehörigkeit sind laut BAMF in der Regel besser in die deutsche Gesellschaft integriert, haben durchschnittlich eine höhere Bildung und sprechen besser Deutsch als Personen mit türkischer Staatsangehörigkeit. Die Staatsangehörigkeit hat dem BAMF zufolge Effekte in zwei Richtungen: Zum einen verbessere die Annahme der deutschen Staatsangehörigkeit die Integration und eröffne somit bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Zum anderen hätten besonders gut integrierte Personen eine hohe Motivation, sich einbürgern zu lassen, und erfüllten auch in der Regel die zur Erteilung der deutschen Staatsangehörigkeit erforderlichen hohen Anforderungen an die Integration.Susanne Schührer: Studie: Integration von Türkeistämmigen in Deutschland. Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). 16. Oktober 2018

Andererseits berichtet Tahsim Durgun in seiner 2025 erschienenen, viel gelesenen Autobiographie „Mama, bitte lern Deutsch!“ (siehe den Abschnitt „Literatur“) über eine Vielzahl von Zurückweisungen und Ausgrenzungen durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft sowie über eine unfreundliche, teils auch feindselige Haltung von Staatsorganen ihnen gegenüber, die auch integrationswilligen Kurden das Leben schwer machten. Insbesondere seien Kurden ohne deutsche Staatsangehörigkeit oder einen langfristig gesicherten Aufenthaltsstatus durch Abschiebungen bedroht.

Im Dezember 2024 stellte Hannah El-Hitami im Amnesty Journal ein Buch vor, das von Kerem Schamberger, Alexander Glasner-Hummel und Monika Morres veröffentlicht wurde, mit dem Titel: Geflohen. Verboten. Ausgeschlossen. Wie die kurdische Diaspora in Deutschland mundtot gemacht wird. Demnach werde die kurdische Freiheitsbewegung in Deutschland in Deutschland auf unzulässige Weise kriminalisiert. Aus Rücksichtnahme auf die deutsch-türkischen Beziehungen seien Bestrebungen wenig aussichtsreich, das „nicht mehr zeigemäß[e]“ PKK-Verbot (El-Hitami) im deutschen Recht aufzuheben.

Die Debatte um den türkischen Einmarsch in das kurdisch kontrollierten Nordsyrien ab September 2019 heizte Konflikte zwischen deutschen Türken und Kurden weiter an.Türken und Kurden – Konflikt erreicht Deutschland

Religionen Von den im deutschen Sprachraum, vor allem in Deutschland, lebenden Kurden sind der Großteil sunnitische Muslime aus dem Südosten der Türkei, dem Irak sowie Syrien.

Die meisten davon folgen der schafiitischen Rechtsschule, ein kleiner Teil der hanafitischen Rechtsschule. Ebenfalls vertreten sind Zwölfer-Schiiten wie Faili-Kurden und die aus der Schia hervorgegangenen Bajwan. Rund 40 Moscheen in Deutschland gehören dem islamischen Dachverband Islamische Gesellschaft Kurdistans (kurdisch Civaka Îslamiya Kurdistan, abgekürzt CÎK) an. Der Dachverband hat seinen Sitz in Hagen.

Die Schätzungen zur Anzahl der in Deutschland lebenden Aleviten variiert zwischen 450.000 bis 800.000. Fast alle stammen aus der Türkei. Sehr viele der hierzulande lebenden Aleviten sind kurdischen Ursprungs.