mini|hochkant|General Justus von Siebein Justus Ritter von Siebein (* Juli 1750 in Iggelheim; † 24. August 1812 in Polozk, Russisches Kaiserreich, heute Belarus) war ein bayerischer General, Kommandeur des Militär-Max-Joseph-Ordens und Ritter der Französischen Ehrenlegion.

Leben Herkunft mini|Grabplatten der Eltern General Siebeins, Friedhof Iggelheim Justus Siebein war der Sohn des kurpfälzisch reformierten Kirchenrates und Pfarrers Johann Nikolaus Siebein und dessen aus Haßloch stammender Frau Anna Maria, geborene Müller. Siebein war das zweite von insgesamt acht Kindern. Der Junge erhielt den Taufnamen Justus Heinrich, wovon der letzte Name auf den Taufpaten Johann Heinrich Morèe, reformierter Pfarrer in Mutterstadt verweist. Vater Siebein, in Mannheim als Sohn eines kurfürstlichen Schloss-Bäckers und Hafermessers geboren, amtierte seit 1746 als reformierter Pfarrer in Iggelheim. 1755/56 ließ er die heute noch bestehende, reformierte Kirche des Ortes neu erbauen (unter Beibehaltung des historischen Turmes), 1764 das Pfarrhaus (Hasslocher Str. 6) und 1769 ein neues reformiertes Schulhaus. Nach dem frühen Tod seiner Frau 1765, heiratete der Geistliche 1769 erneut. Die zweite Frau hieß Susanna Piscator, Pfarrerstochter aus Annweiler. Die Grabsteine beider Eltern des Generals sind bis heute erhalten und befinden sich im Außenbereich der genannten Kirche. Auf den Grabmalen vermerkte Charakterisierungen lauten bei der Mutter: „…lebte in einer guten Ehe … wandelte vor Gott mit aufrichtigem Herzen…“; beim Vater (Pfarrer Siebein): „…der Welt als Menschenfreund, Deiner Gemeinde als ein treuer Hirt, Deinen Kindern als der zärtlichste Vatter…“. Das genaue Geburtsdatum von General Siebein ist wegen Beschädigung des Kirchenbuches in den Franzosenkriegen nicht mehr bekannt. Schon 1810, zu seinen Lebzeiten angestellte Ermittlungen ergaben, dass „das Protokoll (=Kirchenbuch) durch die Kriegsunruhen versteckt und dadurch äußerst corrupt (=schlecht, verdorben) geworden“ sei.

Militärkarriere mini|hochkant|General Justus von Siebein Siebein trat am 4. März 1766, 15-jährig, als Kadett beim Infanterie-Regiment „Pfalzgraf Karl August“ in die Kurpfälzische Armee ein. Offenbar erkannte man schon bald die militärische Begabung des jungen Mannes, denn er stieg rasch auf der Karriereleiter auf. Am 30. April 1771 avanciert er zum Fähnrich, am 8. Januar 1776 zum Adjutanten. 1777 wurden die Kurpfalz und Bayern unter Kurfürst Carl Theodor vereinigt. In der neuen Pfalzbayerischen Armee (ab 1803 Bayerischen Armee) erhielt Siebein am 1. Juli 1778 die Beförderung zum Unterleutnant, am 8. März 1781 zum Oberleutnant, am 13. Januar 1787 zum Hauptmann und schließlich am 20. November 1788 zum Major. 1792 fand er im neu errichteten Generalstab Verwendung, bevor er am 24. Dezember 1792 Oberstleutnant wurde und in dieser Charge bis 1799 in verschiedenen Infanterieregimentern (Füsiliere und Grenadiere) diente. Unter dem 7. Mai 1799 stellte man aus einer Kompanie des 3. Füsilierregiments, einer Kompanie des 12. Füsilierregiments und zwei Kompanien des Zweibrücker Garde-Regiments ein eigenständiges Bataillon auf und ernannte Siebein zu dessen Kommandeur. Das Bataillon hieß zunächst „Kombiniertes Bataillon Siebein“, später nur noch „Bataillon Siebein“. Mit dieser Formation kam Siebein im August 1799 zu jenem pfalzbayerischen Kontingent, welches in der Schweiz unter dem Oberbefehl des Generals Freiherrn von Bartel als von England finanzierte Subsidientruppe der russischen Armee von General Korsakow unterstellt war. Hier machte er den Feldzug gegen die französischen Revolutionstruppen, namentlich das Gefecht vom 17. Oktober 1799 beim Kloster Paradies, mit. Ende März 1800 wurde Siebein Befehlshaber eines kombinierten Grenadier Bataillons, mit welchem er unter Oberst Carl Philipp von Wrede an den nun wieder beginnenden Kämpfen gegen Frankreich teilnahm. Hier zeichnete er sich besonders in den Gefechten von Mößkirch (5. Mai 1800), sowie bei Biberach und Memmingen (9. und 10. Mai 1800) aus. Der zum Generalmajor beförderte Wrede schrieb am 17. Mai 1800 an Kurfürst Max IV. Joseph (den späteren König von Bayern): Mit Datum vom 26. Mai 1800 erfolgte dann auch Siebeins Beförderung zum Oberst und Kommandeur beider Bataillone, welche er im weiteren Verlauf des Feldzugs führte und sich hierbei am 5. Juni auf der Weidenbühler Höhe, besonders aber am 27. Juni im Treffen bei Neuburg an der Donau, derartig auszeichnete, dass ihm mit Kabinettsorder vom 20. August 1800 das Kurpfalz-Bayerische Militär Ehrenzeichen, damals der höchste Tapferkeitsorden des Kurfürstentums, verliehen wurde. Bevor die Kämpfe gegen die Franzosen endeten, verteidigte Siebein mit seinem Bataillon am 28. November 1800 noch den Brückenkopf bei Wasserburg am Inn und behauptete sich dort erfolgreich.

Als nach dem Krieg eine Kommission zusammentrat, um das bayerische Heereswesen allgemein zu verbessern, berief man dazu auch Siebein. Seit Juni 1801 kehrte er wieder in den aktiven Felddienst zurück. Ab 28. August 1802 befehligte er das Truppenkontingent, welches das bisherige Hochstift Bamberg für Bayern in Besitz nahm, wobei der Beauftragte des Fürstbischofs, Kommissarius Anton Joseph Martin, konstatiert, Siebein zeige sich als Staatsmann und Soldat gleichermaßen; „als Staatsmann wegen seinen ausgebreiteten politischen Kenntnissen, als Soldat wegen seinem ernsthaften, allenthalben Achtung zu Wege bringenden Benehmen“.

An der Seite Frankreichs Am 28. September 1804 avancierte Siebein zum Generalmajor und wurde fast genau ein Jahr später, am 27. September 1805, Chef der 6. Bayerischen Brigade, die er im Kriege gegen Österreich führte. Hier war er mit seinen Truppen erst bei Ingolstadt aufgestellt, operierte vom 14. bis zum 17. Oktober gegen den österreichischen General Franz Freiherr von Werneck, verblieb an der Ilm, um den Rücken der französischen Armee gegen die Österreicher zu decken und wurde schließlich in Eilmärschen nach Tirol gesandt, um das dortige bayerische Korps unter General Wrede zu verstärken. Der Armeebefehl vom 6. Januar 1806 übertrug Siebein das Oberkommando über die bayerischen Truppen in Tirol. Bayern, dreimal zwischen die Fronten der kriegführenden Parteien geraten, hatte sich von der antifranzösischen Koalition gelöst, war seit September 1805 mit dem übermächtigen Frankreich verbündet und trat zur Festigung dieser Allianz auf Verlangen Napoleons auch in verwandtschaftliche Beziehungen mit dessen Familie. Nach der an Silvester 1805 erfolgten Zustimmung der Kurfürsten-Tochter Auguste zu ihrer Hochzeit mit Napoleons Stiefsohn (später adoptiert) Eugen Beauharnais, Vizekönig von Italien, konnte der Reichsherold bereits am Neujahrstag 1806 in den Straßen Münchens verkünden, dass Kurfürst Maximilian IV. Joseph den Titel „König von Bayern“ angenommen habe; er nannte sich von da an König Maximilian I. Joseph. Der neue König stiftete alsbald, am 1. März 1806, als höchste Tapferkeitsauszeichnung des nunmehrigen Königreiches den nach ihm benannten Militär-Max-Joseph-Orden, der bis 1918 verliehen wurde. Siebein gehörte zu den ersten Rittern dieses renommierten Ordens, denn als Träger des pfalz-bayerischen Militär Ehrenzeichens, der bisher höchsten Tapferkeitsdekoration, nahm man ihn bei Stiftung des neuen Militär-Max-Joseph Ordens automatisch in diesen auf, verbunden mit dem persönlichen Adelstitel eines „Ritter von“. Siebein erhält sogar unmittelbar die 2. Klasse des Ordens, das Kommandeurkreuz.

Zusammen mit Frankreich fand 1806/07 der Feldzug gegen Preußen statt, in dem Siebein die 1. Brigade der 1. Bayerischen Division „Deroy“ befehligte und sich besonders im November 1806 vor Glogau, im Dezember 1806 vor Breslau sowie im Juni 1807 vor Glatz hervortat. Seine Tapferkeit wird dabei ausdrücklich in den verschiedenen Armeebefehlen erwähnt. 1809 marschieren Franzosen und Bayern gemeinsam gegen Österreich, wobei ihre Armeen in die legendären Gefechte mit den aufständischen Tirolern unter Andreas Hofer verwickelt werden. Siebein kommandiert hier zunächst die 3. Bayerische Division. Diese gibt er an den ranghöheren General Erasmus von Deroy ab, als Kronprinz Ludwig (der spätere König Ludwig I.) auf dem Kriegsschauplatz erscheint und selbst eine Division übernimmt. Als nunmehriger Führer der 1. Infanterie-Brigade der 3. Bayerischen Division „Deroy“, macht Ritter von Siebein den Rest des Feldzuges in Österreich und Tirol mit und wird am 15. Juni 1809 schließlich auch mit dem höchsten französischen Tapferkeitsorden, dem Kreuz der Ehrenlegion dekoriert. Gegen Ende der Kampagne avanciert der Pfälzer, am 9. Juni 1810, zum Oberbefehlshaber aller in Tirol stehenden bayerischen Truppen. Nach Abschluss der Kämpfe übernahm er am 11. Februar 1811 eine kurze Friedensstellung als Chef des Generalkommandos Nürnberg, ehe er mit 61 Jahren in jenen schrecklichen Krieg gegen Russland zog, den er und so viele seiner Kameraden mit ihrem Leben bezahlen sollten.

Feldzug gegen Russland Es ist bekannt, dass König Max Joseph sich nur widerwillig an diesem Feldzug beteiligte. Bei einem siegreichen Ausgang wäre er gegenüber dem übermächtigen Frankreich noch unbedeutender und geriete in noch größere Abhängigkeit. Eine Niederlage konnte leicht zur Katastrophe ausarten, vielleicht sogar Land und Thron kosten, denn die Sieger würden sich auch an ihm, als Napoleons Waffengefährten, schadlos halten. Überdies war die Zarin eine Schwester seiner Frau; sein Sohn, Kronprinz Ludwig (später König Ludwig I.), stand dem Unternehmen ohnehin ablehnend gegenüber und verweigerte – nachdem er gesehen hatte, wie die Franzosen mit den Tirolern umsprangen – jegliche aktive Teilnahme. Die etwa 30.000 zum Feldzug gegen Russland befohlenen Bayern bildeten (abgesehen von sechs Regimentern Kavallerie und dem 13. Infanterieregiment, die später separat verwendet wurden) unter dem französischen Generaloberst Laurent de Gouvion Saint-Cyr, das VI. Armeekorps der „Großen Armee“, welches wiederum in die 19. (bay.) und die 20. (bay.) Division unter den kommandierenden bayerischen Generälen Erasmus von Deroy und Carl Philipp von Wrede aufgeteilt war. Siebein führte die 1. Infanterie-Brigade der 19. (bayerischen) Division unter General Deroy. Durch Görlitz, Glogau und Lissa marschierten die Bayern nach Polen, setzten im Mai 1812 über die Weichsel und erreichten am 22. Juni Lyck. Wenige Tage später überquerten sie den Njemen, um am 13. Juli 1812 – bisher kampflos – in Wilna einzurücken. Am 14. Juli, zwischen 10 und 11 Uhr vormittags, nahm Kaiser Napoleon, südwestlich dieser Stadt den Vorbeimarsch der bayerischen Truppen ab. Es war ein trostloser Tag, der Himmel grau und wolkenverhangen, es regnete in Strömen. Dennoch defilierten die beiden bayerischen Divisionen – unter ihnen auch General Siebein – mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen, alles in schönster Ordnung und tadelloser Haltung. Die beiden bayerischen Kommandeure Deroy und Wrede nahmen einige Schritte rechts und links hinter dem Kaiser auf ihren Pferden die Parade ab und freuten sich über dessen Lob und Anerkennung. Ohne weitere Verzögerung wurde der Marsch nun fortgesetzt, über Asinski (14.7.), Trokiniki (15.7.), Glubokoje (21.7.) und Uschatz (25.7.) nach Beschenko. Dort stellte man zunächst die Verfolgung der ins Landesinnere ausweichenden Zarenarmee ein und gönnte der Truppe einige Ruhetage. Schon am 5. August befahl Napoleon den Weitermarsch im Eiltempo, um dem bei Polozk/Weißrussland in harte Kämpfe verwickelten II. Armeekorps unter Marschall Charles Nicolas Oudinot zu Hilfe zu eilen.

Erste Schlacht von Polozk mini|Schlacht bei Polozk, 18. August 1812