Franz Theodor Hubert Servaes (* 17. Juni 1862 in Köln; † 14. Juli 1947 in Wien) war ein deutscher Journalist, Kritiker und Schriftsteller. Er wurde auch der „Nestor der Wiener Journalisten“ genannt. mini|hochkant|Bertha Czegka: Franz Servaes (1902) Leben Er wurde geboren als Sohn von Franz Friedrich Heinrich Hubert Servaes (* 1830 in Düsseldorf; † 1905 in Goslar) und Adelgundis Bertha Arnoldine Esser (* 1837 in Köln; † 1874 ebenda). Sein Vater war Arzt in Elberfeld, Köln und Goslar. Seine Mutter war die Tochter des Geheimen Justizrates Johann Heinrich Theodor Esser aus Köln.

Servaes studierte an den Universitäten Tübingen, Leipzig und Straßburg Kunstgeschichte und Germanistik und schloss 1887 mit dem Doktorat in Philosophie ab. Er ging nach Berlin, wo er Anschluss an Künstlerkreise suchte, und begann schriftstellerisch tätig zu werden. Ab 1888 arbeitete er an der Deutschen Litteraturzeitung, der Gegenwart und der Nation als Journalist mit, darüber hinaus auch auf Empfehlung von Theodor Fontane bei der Vossischen Zeitung und anderen Blättern. Unter anderem schrieb er für die Münchner Illustrierte Wochenschrift „Jugend“. Servaes heiratete 1893 Martha Haese, ließ sich 1897 von ihr scheiden und heiratete sie 1899 erneut. Aus diesen Ehen sind drei Kinder geboren: Dagmar (Dagny), Roderich und Beate.

Erste Kontakte nach Wien hatte Servaes als Journalist für die dortige Waage. Nachdem Paul Schlenther, der Theaterkritiker der Vossischen Zeitung, als Direktor ans Wiener Burgtheater ging, erhielt Servaes dessen Kritikerstelle. 1899 kam Servaes nach Wien, wo er als Kunstkritiker tätig wurde. Bei der Neuen Freien Presse war er 1900 Berichterstatter bei der Weltausstellung in Paris. Nach dem Tod von Theodor Herzl 1904 übernahm er dessen Feuilleton bei der Zeitung. 1910 erwarb er mit seiner Frau ein Haus mit Garten in Weidlingau. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ihm aber, wie vielen anderen Mitarbeitern der Neuen Freien Presse auch, gekündigt.

Servaes kehrte 1915 nach Berlin zurück. Er arbeitete als Theaterkritiker zunächst für die Ullstein-Presse, ab 1919 für den rechtsnationalen Berliner Lokal-Anzeiger.

Nach dem Tod seiner Frau 1923 heiratete er 1924 Tilly Stiefel, die zehn Jahre später verstarb. 1940 übersiedelte er wiederum nach Wien und lebte hier fortan bei seiner Tochter Dagny Servaes. Servaes starb am 14. Juli 1947 an einem Herzleiden in einer Wiener Klinik, wurde am 19. Juli in Wien eingeäschert und auf dem Steglitzer Friedhof in Berlin in einem Urnengrab beigesetzt. Das Vorwort seiner letzten Schrift Grüße an Wien stammt aus dem Jahr 1946, es endet abrupt in den 1930er Jahren und verdrängt die Ermordung seiner Bekannten und Berufskollegen im Holocaust, so seiner Kollegin im Feuilleton der Neuen Freien Presse Rosa Silberer.Julie M. Johnson: The Memory Factory: The Forgotten Women Artists of Vienna 1900. West Lafayette, Ind. : Purdue Univ. Press, 2012, S. 362f.

1959 wurde die Servaesgasse in Wien-Favoriten nach ihm benannt.

Werke Präludien. Ein Essaybuch. Schuster & Löffler: Berlin, 1899 Der neue Tag. Drama in 3 Akten. Seemann: Leipzig, 1903 Michael de Ruyters Witwerjahre. Der Roman eines Lebensdilettanten. Fleischel: Berlin, 1909 Wenn der Traum zerrinnt. Fleischel: Berlin, 1911 Im Knospendrang. Ein Stück Jugend. Rowohlt: Leipzig, 1911 Agnes und Albrecht. Ein Liebesdrama aus alten Tagen. Deutsch-Österreichischer Verlag: Wien, 1918

Schriften mini|hochkant|Das Werk des Edvard Munch (1894) Die Poetik Gottscheds und der Schweizer literarhistorisch betrachtet. Straßburg, 1887 Berliner Kunstfrühling 1893. Speyer & Peters: Berlin, 1893 Goethe am Ausgang des Jahrhunderts. Fischer: Berlin, 1897 Heinrich von Kleist. Seemann: Leipzig, 1902 Giovanni Segantini. Gerlach: Wien, 1902 Max Klinger. Bard: Berlin, 1902 Fontane. Schuster & Löffler: Berlin, 1904 Albrecht Dürer. Bard: Berlin, 1905 Wien. Briefe an eine Freundin in Berlin. Klinkhardt & Biermann: Leipzig, 1908 Anders Zorn. Velhagen & Klasing: Bielefeld, 1910 Goethes Lili. Velhagen & Klasing: Bielefeld, 1916 Heinrich von Kleists tragischer Untergang. Runge: Berlin, 1922 Rembrandt im Rahmen seiner Zeit. König: Wien, 1926 Jahr der Wandlung. Goethes Schicksalswende 1775. Vieweg: Braunschweig, 1935 Rembrandts Tagebücher 1639 bis 1669. Ein imaginäres Porträt. Keil Verlag: Berlin, 1938 Grüße an Wien. Zsolnay: Wien, 1948

Literatur Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien Bd. 5. Kremayr & Scheriau, Wien 1997 (dort mit falschem Geburtsdatum 17. Juli)

Weblinks

Stammbaum Franz Servaes (https://www.genealogieonline.nl/de/stamboom-servaes/I2385.php)

Einzelnachweise

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