Demokratisches Kampuchea (Khmer: , Kâmpŭchéa Prâcheathippadey), in der Bundesrepublik Deutschland offiziell Demokratisches Kamputschea,Länderverzeichnis für den amtlichen Gebrauch in der Bundesrepublik Deutschland. Auswärtiges Amt, S. 56, Stand 7. Januar 2021 (PDF; 1,3 MB). fälschlich Demokratische Republik Kampuchea, Demokratische Republik Kambodscha, Republik Demokratisches Kampuchea genannt, war die offizielle Bezeichnung Kambodschas zwischen 1975 und 1979.

Der Staat wurde gegründet, nachdem die maoistisch-nationalistischen Roten Khmer die von Lon Nol geführte prowestliche Republik Khmer besiegt hatten. Die Verwaltungsorgane hießen Angkar Loeu („Obere Organisation“). Northern Illinois University, Center for Southeast Asian Studies, Interactive Learning Resources for Southeast Asian Languages, Literatures, and Cultures (SEAsite). Die Führung der Kommunistischen Partei Kambodschas (KPK) bezeichnete sich zu dieser Zeit selbst als Angkar Padevat.Khamboly Dy: A History of Democratic Kampuchea (1975–1979). Documentation Center of Cambodia, Phnom Penh 2007, ISBN 99950-60-04-3. Der Führer der Roten Khmer war Pol Pot; ihr Ziel war es, einen autarken Bauernstaat zu errichten, und es kam unter ihrer Herrschaft zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen (u. a. Zwangsarbeit in großem Umfang und Hinrichtungen von potenziellen Gegnern), die zusammenfassend als Genozid in Kambodscha bezeichnet werden.

Nach Massakern an ethnischen Vietnamesen und Angriffen der Roten Khmer auf vietnamesische Dörfer marschierten im Dezember 1978 Truppen der vietnamesischen Volksarmee und pro-vietnamesische Exilkambodschaner in das Gebiet Kampucheas bzw. Kambodschas ein, befreiten das Land vom Pol-Pot-Regime und riefen nach wenigen Tagen die Volksrepublik Kampuchea (VRK) mit einer pro-vietnamesischen Regierung aus. Die Kräfte der Roten Khmer formierten sich entlang der Grenze zu Thailand neu und behielten die Struktur des Staates in den von ihnen kontrollierten Regionen bei. Die meisten westlichen Staaten erkannten das Regime der Roten Khmer weiterhin als die rechtmäßige Regierung des Landes an.

Geschichte

Bürgerkrieg und Errichtung des Regimes 1970 wurde der seit 1955 zuerst als König und ab 1960 als Alleinherrscher regierende Norodom Sihanouk von der Nationalversammlung unter Führung des Premierministers Lon Nol als Staatsoberhaupt abgesetzt. Sihanouk widersetzte sich in einem Bündnis mit den Roten Khmer der neuen Regierung. Wegen der vietnamesischen Besetzung Ostkambodschas, der massiven Flächenbombardierung des Landes durch die US-Streitkräfte in der Operation MENU und gestützt auf Sihanouks Ansehen, welcher von der Landbevölkerung als Gottkönig verehrt wurde, konnten sich die Roten Khmer als eine friedliebende Partei und als Teil einer von der Mehrheit der Bevölkerung getragenen Koalition darstellen. Mit großer Unterstützung durch die Landbevölkerung konnten sie am 17. April 1975 die Hauptstadt Phnom Penh einnehmen. Norodom Sihanouk diente vorläufig auch weiterhin als Repräsentationsfigur der neuen Regierung.

Sofort nach dem Fall Phnom Penhs evakuierten die Roten Khmer die etwa 2,5 Millionen Einwohner (1,5 Millionen Kriegsflüchtlinge mit eingeschlossen), so dass die Umsiedler die Ausfallstraßen verstopften. Die Stadt war schnell fast menschenleer. Die Roten Khmer rechtfertigten die Evakuierungen damit, dass es nicht möglich sei, den Transport einer ausreichenden Menge Nahrungsmittel für die zwischen 2 und 3 Millionen zählende Stadtbevölkerung zu organisieren. Daher wurde argumentiert, dass man nicht die Lebensmittel zu den Menschen, sondern die Menschen zu den Lebensmitteln bringen müsse. Außerdem verbreiteten sie das Gerücht, dass amerikanische Flugzeuge kurz vor der Bombardierung der Stadt stünden.

Ähnliche Evakuierungen wurden in Battambang, Kampong Cham, Siem Reap, Kampong Thom und in anderen Städten durchgeführt. Die Roten Khmer wollten das Land in eine Nation der Landarbeiter verwandeln, in der die Korruption und der „Parasitismus des Stadtlebens“ vollständig ausgemerzt wären.

Gleich nach dem Sieg der Roten Khmer von 1975 kam es zu einem Scharmützel mit vietnamesischen Truppen. Weitere Vorfälle ereigneten sich im Mai 1975. Im Juni reisten Pol Pot und der aus Südvietnam stammende neue Außenminister Ieng Sary in die vietnamesische Hauptstadt Hanoi. Sie schlugen einen Freundschaftsvertrag zwischen den beiden Ländern vor, was von den Führern Vietnams jedoch eher kühl aufgenommen wurde.

Niedergang Nach immer provokanteren Grenzverletzungen und der Ermordung zahlreicher Vietnamesen durch die Roten Khmer entschloss sich die vietnamesische Regierung im Frühjahr 1978, den innerkambodschanischen Widerstand gegen das Pol-Pot-Regime zu unterstützen, was zur Folge hatte, dass sich der Osten des Landes zu einem Brennpunkt des Aufstands entwickelte. Die Kriegshysterie trieb im Demokratischen Kampuchea seltsame Blüten: So erklärte Radio Phnom Penh im Mai 1978 – am Vorabend des Ostzonenaufstands So Phims – dass, wenn jeder kambodschanische Soldat dreißig Vietnamesen töte, nur 2 Millionen Soldaten erforderlich seien, um die gesamte vietnamesische Bevölkerung von 50 Millionen zu vernichten. Anscheinend wurde die Führung in Phnom Penh von unermesslichem territorialem Ehrgeiz ergriffen: So wollte sie das Mekong-Delta zurückerobern, das sie als Khmer-Gebiet ansah.

Nach dem Mai-Aufstand nahmen im Osten die Massaker an ethnischen Vietnamesen und ihren Sympathisanten durch die Roten Khmer zu. Einige Quellen behaupten, Minister Vorn Vet habe im Spätsommer 1978 den Versuch eines Staatsstreichs unternommen.Jeffrey Heyes: Decline of the Khmer Rouge and their Ouster by the Vietnamese. In: Facts and Details. 2008. Ob es diesen Versuch wirklich gegeben hat, ist nicht geklärt. Abgesehen von einem durch Folter erzwungenen Geständnis Vorn Vets soll es keine belastbaren Hinweise auf derartige Aktivitäten geben.Samuel Totten, Paul Robert Bartrop: Dictionary of Genocide: M–Z. Greenwood Publishing Group, Westport (CT) 2008, ISBN 978-0-313-34644-6, S. 461. Gesichert ist in den letzten Monaten des Jahres 1978 eine weitere Säuberungswelle innerhalb der Roten Khmer, der auch Vorn Vet zum Opfer fiel und die vielfach im Zusammenhang mit Pol Pots Paranoia gesehen wird, die sich angesichts eines bevorstehenden Angriffs durch Vietnam nun auch gegen seine eigenen Vertrauten gerichtet habe.Ben Kiernan: The Pol Pot Regime. Race, Power, and Genocide in Cambodia under the Khmer Rouge, 1975–79. Yale University Press, New Haven (CT) 2014, ISBN 978-0-300-14299-0, S. 437.Philip Short: Pol Pot: The History of a Nightmare, Hachette UK, 2013, ISBN 978-1-4447-8030-7.

In der zweiten Hälfte des Jahres 1978 gab es zehntausende Exilanten auf vietnamesischem Staatsgebiet. Am 3. Dezember 1978 verkündete Radio Hanoi die Aufstellung der Vereinigten Bewegung zur Rettung Kambodschas (französisch Front uni national pour le salut du Kampuchéa, FUNSK). Sie war eine heterogene Gruppe aus kommunistischen und nichtkommunistischen Exilanten, die durch ihre Gegnerschaft zum Pol-Pot-Regime und durch ihre nahezu vollständige Abhängigkeit von Schutz und Unterstützung durch die Vietnamesen zusammengehalten wurde.

Vietnamesische Invasion Im Verlauf des Jahres 1978 entschloss sich Vietnam angesichts der kriegerischen Akte der Kambodschaner in der Grenzregion zu einer militärischen Lösung und begann am 22. Dezember eine Invasion mit dem Ziel des Sturzes des Demokratischen Kampuchea. Zunächst überschritten zwei Divisionen die Grenze, ab dem 25. Dezember waren 13 vietnamesische Divisionen mit insgesamt etwa 150.000 Soldaten im Einsatz, die von der Luftwaffe unterstützt wurden. Obwohl die Armee Kampucheas von China finanziell und materiell aufgerüstet worden war, konnte Vietnam in zwei Wochen bereits die Hälfte Kampucheas einnehmen.Stephen J. Morris: Why Vietnam Invaded Cambodia. Political Culture and Causes of War. Stanford University Press, Chicago 1999, ISBN 978-0-8047-3049-5, S. 111. Am 7. Januar 1979 nahmen vietnamesische Truppen die Hauptstadt Phnom Penh ein.

Am folgenden Tag wurde die Volksrepublik Kampuchea ausgerufen, die als Satellitenstaat Vietnams galt. Die neue Regierung wurde durch eine starke vietnamesische Militärpräsenz sowie durch zivile vietnamesische Regierungsberater gestützt. Im Verlauf der 1980er Jahre war die Satellitenregierung der neugegründeten Volksrepublik Kampuchea hauptsächlich mit der Organisation ihres eigenen Überlebens, dem Wiederaufbau der Wirtschaft und der politischen wie militärischen Bekämpfung der Roten Khmer beschäftigt.

Die Roten Khmer zogen sich zunächst nach Thailand zurück. Sie lebten über zwei Jahrzehnte mit Duldung der thailändischen Regierung in mehreren Lagern in der unmittelbar an der Grenze zu Kambodscha gelegenen Provinz Trat und führten von dort aus bis in die 1990er Jahre hinein Guerilla-Operationen gegen die kambodschanische Regierung durch.

Fortwirken als Exilregierung Die Generalversammlung der Vereinten Nationen entschied im September 1979 mit 71 zu 35 Stimmen (bei 34 Enthaltungen), dass das Demokratische Kampuchea weiterhin die legitime Vertretung des Landes bei der UN sei. Dafür sprachen sich insbesondere die damaligen ASEAN-Staaten und die Volksrepublik China, aber auch die USA und die meisten westlichen Staaten (mit der Ausnahme Frankreichs) aus. Dagegen war vor allem der sowjetisch geführte Block, der die mithilfe der vietnamesischen Interventionstruppen installierte Volksrepublik Kampuchea anerkannte. Den Sitz des Ständigen Vertreters bei der UNO nahm anschließend Thiounn Prasith – ein enger Mitarbeiter von Ieng Sary – ein.

Auf Drängen Thailands, der USA und der Volksrepublik China bildeten im Juni 1982 die drei wesentlichen, rivalisierenden Gruppen des anti-vietnamesischen Widerstands die Koalitionsregierung des Demokratischen Kampuchea.Puangthong Rungswasdisab: Thailand’s Response to the Cambodian Genocide. In: Susan E. Cook: Genocide in Cambodia and Rwanda. New Perspectives. Transaction Publishers, 2006, S. 73–118, hier S. 84. Beteiligt waren die monarchistische FUNCINPEC des Prinzen Norodom Sihanouk und die antikommunistisch-republikanische KPNLF von Son Sann;Russell R. Ross: The Khmer People’s National Liberation Front. In: Cambodia. A Country Study. Library of Congress Country Studies, Washington 1987. die Roten Khmer (als „Partei des Demokratischen Kampuchea“) hatten jedoch weiterhin die führende Rolle inne.John Pilger: The Long Secret Alliance: Uncle Sam and Pol Pot. In: Covert Action Quarterly. Herbst 1997. Diese Exilregierung führte bis 1993 mit Unterstützung unter anderem von China und den USA weiterhin Guerilla-Kampfaktionen gegen Kambodscha an und trat gegenüber den internationalen Organisationen als legitime Regierung Kambodschas auf. Nach der Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen in Kambodscha und den Wahlen zur Nationalversammlung im Juli 1993 wurde international das Königreich Kambodscha als legitime Regierung angesehen und das Demokratische Kampuchea isoliert.

Politik Verfassung Die Erarbeitung einer Verfassung für das Demokratische Kampuchea zog sich über ein Dreivierteljahr hin. Zwar hatte die Führung der Roten Khmer bereits im April 1975 die Grundzüge der künftigen verfassungsmäßigen Ordnung festgelegt, erst im Dezember 1975 aber war der Text der Verfassung fertiggestellt. Nach der Annahme am 19. Dezember 1975 wurde sie im Januar 1976 verkündet.Verfassung des Demokratischen Kampuchea vom Januar 1976. Documentation Center of Cambodia.

Legislative