Teach First Deutschland (frei übersetzt: ‚unterrichte zuerst‘) ist eine gemeinnützige Bildungsinitiative mit dem Ziel, die Chancengerechtigkeit im Bildungswesen zu verbessern. Dafür werden Hochschulabsolventen aller Studienrichtungen für zwei Jahre an Schulen in „sozialen Brennpunkten“ im Unterricht und außerunterrichtlich als zusätzliche Kräfte tätig und unterstützen Schülerinnen und Schüler besonders bei Übergängen zwischen Schulformen und bei Abschlüssen. Träger ist die Teach First Deutschland gemeinnützige GmbH mit Sitz in Berlin. Die Idee stammt von der US-Organisation Teach For America. Teach First Deutschland ist Teil des internationalen Netzwerks Teach for All.

Konzept In Baden-Württemberg des Kultusministeriums Baden-Württemberg vom 1. Juli 2010, Berlin, Brandenburg, HamburgBericht einer Fellow (PDF; 6,1 MB) in: Hamburg macht Schule - Zeitschrift für Hamburger Lehrkräfte und Elternräte 04/2009, Hessen, Nordrhein-WestfalenPressemitteilung der Landesregierung Nordrhein-Westfalen vom 3. Februar 2009 und Schleswig-Holstein sind mit im Schuljahr 2023/2024 rund 167 Hochschulabsolventinnen und -absolventen verschiedener Studienrichtungen für zwei Jahre als Lehrkräfte auf Zeit (sogenannte Fellows) an Haupt-, Real- und Gesamtschulen in „sozialen Brennpunkten“ tätig. Als zusätzliches Personal sollen sie die Möglichkeiten der Schulen zur gezielten Förderung von Schülerinnen und Schülern verstärken.

Interessierte Schulen können sich bei Teach First Deutschland um eine Programmteilnahme bewerben. Die teilnehmenden Bundesländer kommen mit mindestens 1.850,- Euro monatlich für die Vergütung jedes Fellows auf. Vor ihrem Einsatz absolvieren die Fellows ein Vorbereitungsprogramm, während des Einsatzes an den Schulen werden sie seitens Teach First Deutschland begleitet und weitergebildet.

Mittelfristiges Ziel ist, die Bildungsleistungen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern. Die Fellows verstärken die Kapazitäten der Schulen und ermöglichen durch ihren Einsatz im Unterricht, dass zum Beispiel Klassen von einem Lehrer und einem Fellow unterrichtet werden können (Team Teaching) oder Teilungsgruppen möglich werden. Außerhalb des Unterrichts bieten Fellows Lern- und Förderangebote von Schülerfirmen über Lern-Clubs bis hin zu schülergeführten Sport-AGs an. Langfristig sollen aus ehemaligen Fellows „Bildungsbotschafter“ in unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen werden, die sich weiter für mehr Bildungsgerechtigkeit und die Anliegen von Schülerinnen und Schülern einsetzen.

Programmwirkung Die beteiligten Bundesländer bewerten den Einsatz der Fellows positiv.Hamburg: Bildungssenatorin Götsch von Teach First Deutschland angetan, Hamburger Abendblatt vom 12. Mai 2009 Gleiches gilt für die Schulleitungen: 82 Prozent geben den Fellows die beste Note einer dienstlichen Beurteilung.

Ein unabhängiges wissenschaftliches Gutachten beurteilt die Wirkung des Programms ebenfalls positiv:

Geschichte Teach First Deutschland wurde 2007 als Verein in Berlin gegründet. Eine erste Finanzierungsgrundlage stellten die Bosch-, Hertie-, Vodafone- und Zeit-Stiftung zur Verfügung. Außerdem wird das Programm von der Deutschen Post, der Fritz-Henkel-Stiftung, Deutschland rundet auf und Aqtivator sowie von weiteren Unternehmen, Stiftungen und Privatpersonen unterstützt. Zwischenzeitlich gehörten auch Organisationen wie Lanxess, die Manfred-Lautenschläger-Stiftung, Lufthansa, die Robert-Bosch-Stiftung, Siemens sowie McKinsey & Company zu den Unterstützern. Während die Gehälter der Fellows von Ländern und Kommunen gezahlt werden, werden die Kosten der Organisation für Recruiting, Auswahl und Begleitung über Fundraising bei Stiftungen und privaten Spendern gedeckt.

Im Juni 2017 hatte die gemeinnützige GmbH 31 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese werden von Ehrenamtlichen in Gremien und an den Hochschulen (sogenannte Talent Scouts) unterstützt.

Teach First Deutschland ist eine Schwesterinitiative der britischen Teach First und der amerikanischen Teach For America. Zusammen mit diesen ist Teach First Deutschland Mitglied im Netzwerk Teach For All, dem außer Teach First Deutschland 64 unabhängige Länderorganisationen angehören. Darunter sind unter anderem:

Afghanistan: Teach For AfghanistanArgentinien: Enseñá por ArgentinaArmenien: Teach For Armenia Australien: Teach For Australia Bangladesch: Teach For Bangladesh Belgien: Teach For BelgiumBrasilien: Ensina BrasilBulgarien: Teach For BulgariaChile: Enseña Chile China: Teach For China (chin. 中国教育行动) Dänemark: Teach First Danmark Ecuador: Enseña Ecuador Estland: Noored Kooli Deutschland: Teach First Deutschland Frankreich: Le Choix de l'écoleGhana: Lead For GhanaGroßbritannien: Teach FirstHaiti: Anseye Pou Ayiti Indien: Teach For India Israel: Teach First Israel Italien: Teach For ItalyJapan: Teach For JapanKambodscha: Teach For CambodiaKenya: Teach For Kenya Kolumbien: Enseña por Colombia Lettland: Iespējamā Misija Libanon: Teach For LebanonLiberia: Teach For LiberiaLitauen: Renkuosi Mokyti!Malaysia: Teach For Malaysia Marokko: Teach For Morocco Mexico: Enseña por México Nepal: Teach for Nepal Neuseeland: Ako Mātātupu: Teach First NZ Nigeria: Teach For Nigeria Österreich: Teach For Austria Pakistan: Teach For Pakistan Panama: Enseña por Panamá Paraguay: Enseña por ParaguayPeru: EnseñaPerúPhilippinen: Teach For The PhilippinesPortugal: Teach For PortugalQatar: Teach For QatarRumänien: Teach For RomaniaSchweden: Teach For SwedenSierra Leone: Teach For Sierra LeoneSlowakei: Teach For SlovakiaSpanien: Empieza por EducarTansania: Teach For TanzaniaThailand: Teach For ThailandUganda: Teach For Uganda Ukraine: Teach For Ukraine Uruguay: Enseña Uruguay Vereinigte Staaten: Teach For AmericaVietnam: Teach For VietnamZimbabwe: Teach For Zimbabwe

Kritik Vertreter des Landesverbands Hessen der Lehrergewerkschaft GEW kritisierten in der Anfangszeit das Projekt: Jens Wernicke erklärt, dass „es also nicht darum [gehe], das dreigliedrige Schulsystem in Frage zu stellen, sondern, ganz im Gegenteil, dieses vermeintlich »chancengerecht« zu gestalten …“.Jens Wernicke: Teach first und die Bildung, in: Zeitschrift der GEW Hessen für Erziehung, Bildung, Forschung, Heft 1/2, Jan./Feb. 2010, S. 27 Er behauptet weiter, dass „Selektivität und Benachteiligung […] durch dieses Projekt nicht beseitigt, sondern höchstens im Einzelfall kompensiert“ würden. Weiter wirft Wernicke Teach First Deutschland vor, dass es um eine „verstärkte Vermarktlichung der Weiterbildung“ gehe.

Christoph Baumann (ebenfalls GEW Hessen) weist darauf hin, dass die Fellows aus dem Budget der Schule bezahlt werden sollen. Nur die dreimonatige Ausbildung werde von Teach First Deutschland bezahlt. Dies führe dazu, dass reguläre Arbeitsplätze abgebaut würden, da die Fellows mit 1700 € Bruttoverdienst preiswerter seien als normal bezahlte Lehrer.Christoph Baumann: Teach First auch in Hessen?, in: Zeitschrift der GEW Hessen für Erziehung, Bildung, Forschung, Heft 5, Mai 2010, S. 18 Baumann weist auch auf Kritik in den USA hin, wo John Wilson (Lehrergewerkschaft National Education Association) sagt, Teach For America habe zwar ausgezeichnete Arbeit geleistet, was die Vermarktung des Programms betreffe, doch was damit den Kindern angetan werde, sei gewissenlos („done a marvelous job of marketing their program and branding their program — you cannot take away from their business model. But what they're doing to poor children is malpractice“).

Weblinks Teach First Deutschland

Einzelnachweise

Kategorie:Deutsche Organisation (Bildung) Kategorie:Unternehmensgründung 2007 Kategorie:Bildungsorganisation in Berlin