mini|Selbstkarikatur mini|Talmühle 1896 mini|Steigende Nebel 1896 mini|Ruinen im Walde 1898 mini|Winternacht in Königsfeld im Schwarzwald um 1900 mini|Dämmerung 1903 mini|Düsterer Abend II 1904–1906 mini|Blaue Luft 1907

Gustav Kampmann (* 30. September 1859 in Boppard; † 12. August 1917 in Bad Godesberg) war ein Karlsruher Landschaftsmaler und Grafiker.

Kampmann war als Meisterschüler von Gustav Schönleber und Hermann Baisch ein Repräsentant der Karlsruher Landschaftsschule. Er war Gründungsmitglied und Zweiter Vorsitzender des Karlsruher Künstlerbundes und gilt als bedeutendstes Mitglied der Grötzinger Malerkolonie.

Leben Aus einer rheinländischen Familie evangelischer Konfession stammend, in Boppard am Rhein bei Koblenz geboren, lebte Gustav Kampmann seit 1873 in und bei Karlsruhe. Sein Vater war der Arzt Wilhelm Kampmann, Inhaber der Kaltwasseranstalt Marienberg bei Boppard. Zu den Lebensdaten vgl. Stefan Borchardt (Hrsg.), Gustav Kampmann. Zwischen Tag und Nacht. Gemälde Zeichnungen, Lithographien. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2010, S. 89. Seine Mutter war Elisabeth Nottebohm geb. Schmitz. Unter Kampmanns sieben Geschwistern und Halbgeschwistern wurde die Halbschwester, Tochter aus zweiter Ehe der Mutter mit dem aus Wattenscheid stammenden August Nottebohm, die Malerin Jenny Fikentscher geb. Nottebohm, für Kampmanns Lebensweg bedeutsam. Denn sie heiratete später Otto Fikentscher, den Gründer der Grötzinger Malerkolonie, als deren künstlerisch bedeutendstes Mitglied Kampmann gilt.Vgl. Stefan Borchardt (Hrsg.), Gustav Kampmann. Zwischen Tag und Nacht. Gemälde Zeichnungen, Lithographien. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2010, S. 7; S. 9–17; Erika Rödiger-Diruf, Brigitte Baumstark (Hrsg.), Deutsche Künstlerkolonien 1890–1910. Worpswede, Dachau, Willingshausen, Grötzingen, Die Brücke, Murnau. Städtische Galerie Karlsruhe 26. September 1998 bis 17. Januar 1999. Städtische Galerie Karlsruhe, Karlsruhe 1998, S. 236–238; S. 244; Rudolf Theilmann (Hrsg.), Gustav Kampmann. 1859–1917. Zeichnungen aus dem Kupferstichkabinett der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Ausstellung 22. Oktober 1994 bis 29. Januar 1995, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe. Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe 1994, S. 11; Rudolf Theilmann (Hrsg.), Die Grötzinger Malerkolonie. Die erste Generation 1890 – 1920. Karl Biese, Jenny Fikentscher, Otto Fikentscher, Franz Hein, Margarethe Hormuth-Kallmorgen, Friedrich Kallmorgen, Gustav Kampmann. Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe vom 28. November 1975 bis zum 1. Februar 1976. Müller, Karlsruhe 1975, S. 15.

Seine Kindheit verbrachte Kampmann teilweise in Kattowitz in Schlesien, wohin der Stiefvater als Regierungsbaumeister berufen worden war. In Karlsruhe gelangte Kampmann 1878 zum Schulabschluss der Mittleren Reife, des sogenannten Einjährig-Freiwilligen, und trat noch im selben Jahr in die Großherzoglich-Badische Kunstschule in Karlsruhe ein. Dort verweilte er bis 1884, wobei er 1880/1881 seine Ausbildung zur Ableistung des einjährig-freiwilligen Militärdienstes zu unterbrechen hatte. Seine Lehrer waren zunächst Hans Fredrik Gude, dann dessen Nachfolger Gustav Schönleber und schließlich Hermann Baisch, die Letztgenannten ihrerseits beide Schüler des Münchner Landschaftsmalers Adolf Heinrich Lier. Für seine Betätigung als Landschaftsmaler hatten die zahlreichen Studienreisen große Bedeutung, die er seit den 80er Jahren von wechselnden Standorten aus unternahm. 1880 verbringt er den Sommer am Bodensee. In den Jahren 1885 bis 1889 lebt er (mit einer Unterbrechung 1887/88, während der er von Lübeck aus die Ostseeküste bereist) mit seinem Malerfreund Bernhard Buttersack in München und Schleißheim bei München, von wo aus er das bei den Landschaftsmalern der Zeit beliebte Erdinger Moos erkundet und Reisen im süddeutschen Raum unternimmt.

Eine erste Ausstellungsbeteiligung hatte er 1886 an der Königlichen Akademie der Künste in Berlin. Seither regelmäßige Beteiligung an Ausstellungen zunächst in München, dann auch in anderen deutschen Großstädten (Akademie der Künste Berlin 1988, 1892; Große Berliner Kunstausstellung 1893, 1898, 1903, 1905, 1908, 1913; Münchner Glaspalast 1889, 1892, 1897, 1898, 1900, 1911, 1912; Münchener Secession 1893, 1896, 1907; Kollektivausstellung Kaiser-Wilhelm-Museum Krefeld 1916). 1890 zieht er nach Grötzingen, wo er mit seiner Halbschwester und seiner Mutter eine Wohnung in dem von Fikentscher erworbenen und so vor dem drohenden Abriss geretteten Schloss Augustenburg bezieht. Dort entsteht die Grötzinger Malerkolonie. 1891 heiratete er die 1860 in Basel geborene Klavierlehrerin Anna Roth, die er während eines rheumabedingten Kuraufenthaltes 1888 am Walensee in der Schweiz kennengelernt hatte. 1894 kam sein Sohn Hans-Jürgen zur Welt. 1891 unternimmt er eine Studienreise nach Belgien und Holland. 1895 erkundet er den nördlichen Schwarzwald, das Murgtal und die Hornisgrinde, im Jahr darauf die Vogesen. 1898 wird der Schweizer Jura besucht. 1901 führt eine Reise über Frankreich und Spanien nach Tanger in Marokko. 1902 setzt mit der Berufung Friedrich Kallmorgens nach Berlin der Auflösungsprozess der Grötzinger Malerkolonie ein. Auch das Ehepaar Kampmann zieht 1905 nach Durlach, kehrt aber 1908 nach Grötzingen zurück, wohnt jedoch jetzt nicht mehr in der Augustenburg, sondern in einem eigenen kleinen Haus.

Zusammen mit 23 anderen Künstlern gründete Kampmann 1896 den Karlsruher Künstlerbund und wurde 1899 zum zweiten Vorsitzenden gewählt. Der Karlsruher Künstlerbund betrieb mit der Kunstdruckerei Künstlerbund Karlsruhe eine eigene Werkstatt für Lithografie und hatte einen bedeutenden Anteil an der erfolgreichen Einführung der Künstlersteinzeichnung in Deutschland, mit der das doppelte Ziel verfolgt wurde, durch preiswerte Angebote anstelle billiger Reproduktionen wie des Ölfarbendrucks originale Kunst für ein weniger betuchtes Publikum erschwinglich zu machen und dadurch einen Beitrag zur ästhetischen Volksbildung zu leisten sowie den Künstlern ein regelmäßigeres Einkommen zu sichern. Vgl. Karl Storck, Die Künstlerlithographien des Karlsruher Künstlerbundes. Zu unseren Kunstbeilagen, in: Jeannot Emil Freiherr von Grotthuss (Hrsg.), Türmer-Jahrbuch. Greiner und Pfeiffer, Stuttgart 1904, S. 215–240 (mit der Original-Lithografie „Dämmergrund“ G. Kampmanns nach S. 244). Dem volkspädagogischen Anliegen entsprach, dass, entgegen der für Künstlergrafik sonst üblichen Praxis der limitierten Auflage, von beliebten Blättern Auflagen von mehreren tausend, in einem Fall sogar 10 000 Exemplaren produziert wurden. Vgl. Stefan Borchardt, Von Dämmerung zu Dämmerung. Zu den Landschaften Gustav Kampmanns, in: Stefan Borchardt (Hrsg.), Gustav Kampmann. Zwischen Tag und Nacht. Gemälde Zeichnungen, Lithographien. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2010, S. 9–18, hier S. 12f. Kampmann wurde künstlerischer Mitarbeiter der ambitionierten Avantgarde-Zeitschrift Pan, er schuf aber auch Gebrauchsgrafik. So entwarf er beispielsweise im Auftrag des Kölner Schokoladeproduzenten Ludwig Stollwerck Sammelbilder für Stollwerck-Sammelalben, u. a. für die Stollwerck-Sammelalben No. 4 und 5 von 1899 bzw. 1902.Detlef Lorenz: Reklamekunst um 1900. Künstlerlexikon für Sammelbilder, Reimer-Verlag, 2000, S. 116f.

1901 erhielt Kampmann eine mention honorable in Paris. 1904 trat er dem Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein bei. Im selben Jahr erhielt er in Dresden die Kleine goldene Plakette. 1905 wurde er von Großherzog Friedrich I. von Baden zum Titularprofessor an der Großherzoglich Badischen Kunstschule zu Karlsruhe ernannt, nachdem er eine Berufung zum Professor an die Königliche Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe zu Leipzig abgelehnt hatte. 1909 hielt er sich von April bis Juni in Wien auf, 1910 folgte ein Studienaufenthalt im Hegau, 1911 eine Studienreise in den Harz, 1912 eine weitere in die Rhön.

In den Jahren vor dem I. Weltkrieg stand Kampmann in freundschaftlicher Verbindung mit den liberalen Politikern Theodor Heuss und Friedrich Naumann, die als Förderer der Kunsterziehungsbewegung beide anerkennende Würdigungen seines Werkes publizierten.Vgl. Th. Heuss, Gustav Kampmann. Ein deutscher Landschaftsmaler, in: Westermanns illustrierte deutsche Monatshefte 53, 1909, S. 773–785, wiederabgedruckt in: Stefan Borchardt (Hrsg.): Gustav Kampmann. Zwischen Tag und Nacht. Gemälde Zeichnungen, Lithographien. Katalog zur Ausstellung in der Kunststiftung Hohenkarpfen vom 28. März bis 18. Juli 2010. Beuroner Kunstverlag, Beuron 2010, S. 19–27; Friedrich Naumann, Form und Farbe. Buchverlag der „Hilfe“, Berlin-Schöneberg 1909. 1914 zog er vor Beginn des Krieges in die Schweiz, trat aber dann freiwillig in die Karlsruher Reserve ein. Ab 1915 litt er unter einer schweren Hornhautentzündung des linken Auges, was ihm neben seinem nach wie vor starken Rheuma, an dem er von Jugend an litt, die Malerei zur Qual machte. Nachdem er am 28. Februar 1916 zum Hauptmann befördert worden war, erhielt er 1917 zunächst ab Mitte Februar Erholungsurlaub in Grötzingen und erlangte schließlich auf eigenen Wunsch krankheitsbedingt seine Entlassung aus dem Militärdienst. Im selben Jahr starb Kampmann während eines Kuraufenthaltes in Bad Godesberg durch eigene Hand, indem er sich die Pulsadern öffnete. Seine Witwe ließ in der Zeitung verbreiten, er sei seinen Krankheiten erlegen.

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