Rusová () ist ein Ortsteil von Kryštofovy Hamry (Christophhammer) in Tschechien.

Geographische Lage mini|links|Windkraftanlage in der Nähe des ehemaligen Standorts des Dorfs

Das 1974 abgerissene Dorf befand sich in Nordböhmen am Kamm des mittleren Erzgebirges im Einzugsgebiet der Talsperre Preßnitz.

Geschichte mini|300px|2012 abgerissene Ruine des Bahnhofsgebäudes mini|hochkant|Barocksäule mit der Statue des Guten Hirtens am heutigen Standort in Hora svatého Šebestiána mini|Restauriertes Kriegerdenkmal in der Reischdorfer Flur mini|Kriegerdenkmal, Sockel In einer Urkunde von 1367 wird der Ort erstmals als Reuzentorff erwähnt. Es befand sich an einer alten Handelsstraße von Prag über Saaz in Richtung Leipzig, die über den Preßnitzer Pass führte. Viele Einwohner waren früher Fuhrleute, die als Getreidehändler bis nach Südosteuropa kamen. Darüber hinaus wurde im Ort Spitzenklöppelei betrieben.

1872 erhielt Reischdorf einen Bahnhof an der Strecke Komotau–Weipert der Buschtěhrader Eisenbahngesellschaft (BEB). Das Projekt einer Verlängerung der Schmalspurbahn Wolkenstein–Jöhstadt vom sächsischen Jöhstadt über Preßnitz (Přísečnice) bis Reischdorf scheiterte später aus finanziellen Gründen.

Nach 1945 wurde die deutsche Bevölkerung des Ortes fast vollständig vertrieben, eine Wiederbesiedlung mit Tschechen gelang nur teilweise. Die ehemaligen Einwohner von Reischdorf leben heute als Flüchtlinge in der Bundesrepublik Deutschland.

1948 erhielt Reischdorf den neuen tschechischen Namen Rusová. 1964 wurde Rusová nach Přísečnice eingemeindet. Im Zusammenhang mit dem Bau der Talsperre Preßnitz wurde Rusová Anfang der 1970er Jahre geräumt und bis 1974 abgerissen.

Eine von 1715 datierende Barocksäule mit der Statue des Guten Hirten – am 3. Mai 1958 in das Staatliche Verzeichnis der Kulturdenkmäler aufgenommen – wurde abgebaut und in Hora Svatého Šebestiána wiedererrichtet.

Die Ruine des Bahnhofs wurde als letztes verbliebenes Gebäude 2012 abgerissen. Heute erinnern die gebüsch- und baumbestandene Wüstung und ein restauriertes Kriegerdenkmal an das Dorf.

In der Umgebung befinden sich heute mehrere Windparks.

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1843 1818 in 225 Häusern, darunter eine protestantische FamilieJohann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 14: Saazer Kreis, Prag 1846, S. 172, Ziffer 10.1869 2122 1880 2919 1890 3213 1900 3571 deutsche EinwohnerMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig und Wien 1908, S. 290, Eintrag Preßnitz.1910 2927 1921 2248 1930 2045 1939 2082

+ Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr 1950 1961 1970 1980 Einwohner 328 304 207 0

Töchter und Söhne des Ortes

Erhard Goschala (1928–2003), deutscher Keramiker

Literatur Oliver Hach: Atlas der verschwundenen Dörfer im böhmischen Erzgebirge. Verlag Tschirner & Co, Leipzig 2026, ISBN 978-3-9827881-2-8 Rudolf Hemmerle: Sudetenland. Bechtermünz Verlag, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-183-X Veronica Kupková & Kollegen: Prisecnice zije – Preßnitz lebt. Teleskop Verlag, Kadan 2019, ISBN 978-3-95915-069-9

Einzelnachweise

Weblinks

Reischdorf Reischdorf auf www.zanikleobce.cz

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