mini|Alois Auer Ritter von Welsbach. Lithographie. Alois Auer Ritter von Welsbach (* 11. Mai 1813 in Wels, Österreich ob der Enns, als Alois Auer; † 10. Juli 1869 in Hietzing bei Wien) war ein österreichischer Drucker, Erfinder und botanischer Illustrator. Er war vor allem in den 40er und 50er Jahren des 19. Jahrhunderts aktiv. Er verfasste neben zahlreichen Werken auf Deutsch und anderen Sprachen das erste über den Naturselbstdruck. Er war Direktor der österreichischen Staatsdruckerei, die Bildbände von wissenschaftlichem Interesse produzierte.
Leben und Wirken
Alois Auer entstammt der Flößerfamilie Matthias Auer und Maria Anna, geborene Mayr. Am 16. Oktober 1849 heiratete er in der Wallfahrtskirche Maria Schauersberg bei Thalheim bei Wels Therese, Tochter des Kaufmanns Neuditschka.Trauungsbuch Thalheim bei Wels, Duplikate 1849 Sie waren die Eltern von Leopoldine Maria (geb. 18. Oktober 1850Taufbuch Wien-St.Karl Borromäus, Bd. 14, S. 221), Alois Johann Maria (geb. 4. Mai 1854Taufbuch Wien-Stephan, Bd. 116, S. 256), Amalia Josepha Maria (geb. 5. Februar 1856Taufbuch Wien-Stephan, Bd. 117, S. 9) und Carl Johann Joachim (1858–1929), dem späteren österreichischen Chemiker, Erfinder und Unternehmer. 1860 wurde die Familie Auer als Ritter von Welsbach in den Adelsstand, 1901 Sohn Carl zum Freiherren erhoben.
Auers berufliche Laufbahn begann in Wels als Buchdruckerlehrling, er wurde Setzer und studierte nebenbei neuere Sprachen, sodass er 1836 in Wien seine Lehramtsprüfung ablegen konnte. 1837 wurde er Lehrer der italienischen Sprache am Lyzeum in Linz und verfasste eine italienische Sprachlehre. 1839 bereiste er Deutschland, Frankreich und England, um die ausländische Typographie kennenzulernen und wurde 1841 Direktor der k.k. Hof- und Staatsdruckerei, die durch ihn großes Ansehen erlangte. Die von Auer entwickelten Schmucktypen ermöglichten größere Flexibilität, und das Unternehmen wurde sehr erfolgreich durch die Möglichkeit, zahlreiche, auch orientalische Sprachen darzustellen.Lexikoneintrag Neue Deutsche Biographie über Auer und seinen Sohn, den Erfinder und Unternehmer Carl Auer von Welsbach auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 10. August 2026.
Das erste veröffentlichte Werk über Naturselbstdruck war Die Entdeckung des Naturselbstdruckverfahrens.Wien: K.u.K. Hof- und Staatsdruckerei, 1853. 4 Bände; Italienisch, Französisch, Englisch, Deutsch. Hierin beschrieb Auer detailliert die Nutzung von pflanzlichem Material, Gestein und Textilgewebe, das in Blei oder Gummi gedrückt wurde, um zu demonstrieren, was er als einen großen Fortschritt in der Produktion botanischer Werke sah. Seine Absicht war, „künstlerisch-wissenschaftliche Objekte“ zu erschaffen und dabei die Probleme bei der Herstellung von Herbarien und anderen naturhistorischen Werken weitgehend zu vermindern. Ein anderer Illustrator, Henry Bradbury, begann an ähnlichen Produktionsprozessen zu arbeiten, nachdem er Auers Erfindung gesehen hatte.
mini|230 px|Polygraphie vonAlois Auer von WelsbachSalzdruck (Fotografie), 1853
Sein Interesse an Naturwissenschaften und Sprachen schlug sich sowohl in Publikationen nieder, die seine Werke über die zahlreichen Druckverfahren enthielten, als auch in dem außergewöhnlichen Erfolg der Staatsdruckerei selbst. Abgesehen von den Bänden und Tafeln, die durch das Naturselbstdruckverfahren entstanden, veröffentlichte er auch einige der ersten Bücher mit fotografischen Anteilen. Die Publikation Microphotographie soll die erste gewesen sein.
Er erfand ein „typometrisches“ System, das die Nutzung vieler fremder Alphabete mit Schmucktypen erleichterte, die im Drucksatz verwendet wurden. Dies wurde beschrieben in seinem Werk Der polygraphische Apparat.
Sein Amt als Direktor der Wiener k. u. k. Hof- und Staatsdruckerei von 1841 bis 1864 brachte einige Fortschritte hinsichtlich des automatisierten Hochgeschwindigkeitsdrucks, des Kupferplattendrucks und neuer typographischer Verfahren, womit die Druckerei unter seiner Leitung zu einem Unternehmen von Weltruf wurde.
Er hielt Vorträge über Sprachen, und er übernahm später das Direktorat der österreichischen staatlichen Porzellanfabrik.
Auer war der erste Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Wels, wo im Villenviertel südöstlich des Bahnhofs die Alois-Auer-Straße nach ihm benannt ist. Im Jahr 1856 wurde er zum Mitglied der Gelehrtenakademie Leopoldina gewählt. Er ruht in der Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof.
mini|Grab von Alois Auer von Welsbach in der Familiengruft auf dem Hietzinger Friedhof
Literatur
Rudolf Schmidt: Auer, Alois, Ritter von Welsbach. In: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 1. Berlin und Eberswalde 1902, S. 14–15. (Online auf zeno.org.)
Adolph Lehmann: Auer Rit. v. Welsbach Alois, Dr. – Namenseintrag in: Lehmann's Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger. A. Hölder, Wien 1859–1942, Jahrgang 1861, [Namensverzeichnis] I. Nachweis sämmtlicher Einwohner von Wien nebst Umgebung mit Ausschluß …, S. 6.
Weblinks
Alois Auer Ritter von Welsbach. Wels 1813 - Wien 1869. Eintrag auf art Directory – Informationsportal für Kunst und Kultur.
The LuEsther T. Mertz Library of The New York Botanical Garden: Plants and Gardens Portrayed. (englisch) Abgerufen am 25. Jänner 2011. Bücher von Auer Alois auf Irving Zucker Art Books. Abgerufen am 28. Mai 2018. Digitalisiertes Quellenmaterial zu Alois Auers polygrafischem Konzept
Einzelnachweise
Kategorie:Buchdrucker (Österreich) Kategorie:Erfinder Kategorie:Illustrator (Österreich)
Kategorie:Ehrenbürger von Wels Kategorie:Unternehmer (Kaisertum Österreich) Kategorie:Botanischer Illustrator Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Kategorie:Person (Kronland Österreich ob der Enns) Kategorie:Geboren 1813 Kategorie:Gestorben 1869 Kategorie:Mann