Das ehemalige Benediktinerpriorat Perrecy-les-Forges, von dem nur die heutige Pfarrkirche Saint-Pierre-et-Saint-Benoît (Petrus und Benedikt) und einige wenige Klostergebäude erhalten sind, liegt am südöstlichen Rand der gleichnamigen französischen Ortschaft Perrecy-les-Forges, im südlichen Burgund im Département Saône-et-Loire, zwischen den Wäldern des Morvan und den Weiden des Charolais, etwa 10 km südwestlich der Industriestadt Montceau-les-Mines, etwa 20 km nordöstlich von Paray-le-Monial und am Ufer der Oudrache. Die Prioratskirche erhebt sich prachtvoll über dem sanft zu ihr und der Ortschaft hin ansteigenden Wiesenhang. Das hügelige Gelände reicht auf eine Höhe um 264 Meter über dem Meeresspiegel.

Das Kloster und seine erste Kirche entstanden um die Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert und waren Notre-Dame und Saint-Benoît (Benedikt) gewidmet. Die ältesten Teile der heutigen Kirche und wesentliche Teile der Konventsgebäude wurden zwischen 1020 und 1030 errichtet. Es entstand eine Art Zitadelle. Das Priorat erlebte in den folgenden drei Jahrhunderten seine Blütezeit.

Nach einem verheerenden Brand im Jahr 1500 erholte sich das Kloster. Im 17. Jahrhundert lebten hier wieder 30 Mönche, und zu Beginn des 18. Jahrhunderts erbaute man noch das neue große Haus des Priors. In der Zeit der Revolution wurde das Klosterleben ausgelöscht, die Konventsgebäude wurden bis auf wenige Reste zum Abbruch verkauft. Außerdem hat man den achteckigen Vierungsturm der Kirche bis auf einen Stumpf eingerissen und die Glocken zur Herstellung von Kanonen eingeschmolzen.

Von besonderer kunsthistorischer Bedeutung sind die weitgehend gut erhaltenen Tympanon- und Architravskulpturen des Hauptportals und die Kapitell- und Basisskulpturen des großen dreischiffigen und zweijochigen Portalvorbaus im Westwerk.

mini|hochkant=2.1|Perrecy-les-Forges, Prioratskirche von Osten mini|hochkant=2.1|Perrecy-les-Forges, Rekonstruktion 18. Jh., Ansicht von Süden, Handskizze

Geschichte Ursprünge Die Ursprünge von Perrecy scheinen auf eine gallorömische Domäne (französisch Domaine, Seigneurie) zurückzureichen, die den Namen ihres Grundbesitzers trug, welcher sich hier am Ufer der Oudrache niedergelassen hatte. Er hieß Patriciacus, woraus später Patriciacum, Perraciacum, das heutige Perrecy wurde. Der Ort lag einst an der Römerstraße von Toulon nach Charolles und die Römer und Gallier machten auf dem Weg nach Bibracte, der einstigen Hauptstadt der Äduer, oder später nach Augustodunum, dem heutigen Autun, hier Station.L’église romane de Perrecy-les-Forges. Edition du Millénaire, Brochure editée par la Commune et la Paroisse de Perrecy-les-Forges 2002, ISBN 2-9500644-0-X (Commune), ISBN 2-9500643-0-2 (Paroisse).

Mittelalter

Im 7. Jahrhundert unterstand die Domäne von Perrecy dem Bischof von Bourges.

mini|links|hochkant|Historiengemälde der Schlacht von Poitiers

Die Geschichte von Perrecy wurde im 8. Jahrhundert, ausgelöst durch den Einfall der Sarazenen, einschneidend geprägt. Während Karl Martell (der erste Karolinger) den größten Truppenteil 732 bei Poitiers vernichtend schlug, besiegte sein Bruder Hildebrand I. 736 die Muslime, welche in die Täler von Rhone und Saône vorgedrungen waren. Karl Martell bedankte sich bei seinem Bruder mit der Übergabe der Domäne Perrecy, die ihm die Kathedrale von Bourges als unmittelbaren Besitz abtreten musste. Die Domäne von Perrecy besaß damals schon einen beachtlichen Umfang, ein wahrhaft königliches Geschenk.

mini|links|hochkant|Abtei von Fleury

Über mehrere Generationen blieb sie in der Familie Hildebrands, den historischen Nibelungen, zunächst unter Nibelung I., später als Krongut unter Walter, Nibelung II. und Hildebrand III. Letzterer bemühte sich besonders um die standesgemäße Erziehung seiner Kinder. Dafür bekannt waren die Klosterschulen, besonders die der Benediktinerabtei Fleury, dem heutigen Saint-Benoît-sur-Loire. Dort wurde dann Ekkard II. erzogen, der zukünftige Erbe der Grafschaft, dem Pippin I., König von Aquitanien (817–838), das Gut als Allod überließ. Die am 29. Juni 836 in Vouneuil ausgestellte Urkunde für „seinen getreuen Ekkard“ wurde von Ludwig I., dem Frommen, am 29. Dezember in Poitiers bestätigt. Ekkard besaß bereits riesige Domänen und erhielt damit neue Güter in den Pagi von Autun, die von Perrecy und Sancenay. Ekkard blieb trotz zweifacher Ehe ohne Nachkommen.

Im Januar 876 übertrug er per Testament seine Güter in Perrecy, auf denen sich bereits eine Kirche befand, die dem heiligen Petrus geweiht war, der Abtei in Fleury, in der er studiert hatte. Er entschied sich für diese Abtei, da sich dort die Gebeine des heiligen Benedikt befanden, in deren Nähe er nach seinem Ableben ruhen wollte. Er starb zwischen 877 und 880. In seinem Testament hatte er ausdrücklich vermerkt, dass im Falle eines Normanneneinfalls über die Loire die Mönche von Fleury nach Perrecy flüchten könnten. Gegen 880/885 nahmen erstmals neun Mönche von Fleury dieses Angebot in Anspruch und wurden wahrscheinlich zunächst in der Burg von Perrecy untergebracht, die auf dem Gelände des späteren Priorates stand und zu der vermutlich der Treppenturm an der Nordecke des Westwerkes gehörte.

Ende des 9., wie auch im 10. und 11. Jahrhundert erhielten das Priorat Perrecy und die Abtei Fleury zahlreiche Stiftungen und die Mutterabtei vertraute dem Prior von Perrecy die weltliche und geistliche Verwaltung der Güter in den Pagi von Autun, Mâcon und Chalon an. Die Güter von Perrecy reichten damit über die Grenzen in einer zwischen 898 und 908 erstellten Urkunde hinaus:

nach Osten zwischen den Flüssen Périer und Bourbince im Süden der Bourbince entlang, bis zur Kirche von St.-Jean an der Arroux (bei la Motte Saint-Jean) im Westen der Arroux entlang bis Toulon im Norden entlang der Hauptstraße von Toulon bis Torcy.

Die Mönche errichteten die erste Kirche des Priorats und widmeten sie Notre-Dame (Maria) und Sankt Benedikt und neben ihr im Südwesten die Konventsgebäude. Das Kloster wurde zum ersten Mal 908 im Kartularium (frz. Chartulaire) von Perrecy urkundlich erwähnt. Dort liest man, „dass Aymon, der Abt von St.-Martin in Autun, dem Propst des Priorates von Perrecy Hersand und dem Abt von Fleury Lambertus die Kapelle in ‚Petra fixa‘ (heute St. Quentin in der Ortsgemeinde le Rousset) im Tausch gegen die Kirche von St.-Didier-de-Baugy, in der Nähe von Anzy-le-Duc, abtrat.“

In einer Urkunde aus dem 10. Jahrhundert sind die weit verstreuten Güter des Priorates detailliert aufgelistet, und zwar von 12 villae (lat. große Landgüter), 102 mansi (lat. Bauernhöfe), 7 Kirchen, 4 Priorate und weitere Güter und Einkünfte: Man kann die Gesamtheit aller mansi auf 150 ansetzen, ohne die 9 Mühlen, „Kulturen“, Ländereien oder Coloniae, einer Burg, Weinberge, Wälder und Weiher zu vergessen, die dem Priorat gehörten oder unterstanden. Die meisten davon lagen im Umkreis von 30 Kilometern rund um Perrecy.

mini|hochkant=1.4|Prioratskirche um 1020–1030 oder früher, Rekonstruktion, Grundriss, Handskizze

Unter Abt Gauzlin von Fleury (1004 bis 1029) „bereichert Paoul, der Prior der Mönchsgemeinschaft von Perrecy, dieses Kloster um zahlreiche Bauwerke und was die Basilika betrifft, machte er sie schöner, als je zuvor“. Bei dieser handelt es sich zweifellos um die zwischen 1020 und 1030 erbaute romanische Kirche.

„Sein Nachfolger Wilhelm vollendet den Bau des Gästehauses, errichtet mit Kalk und Sand, so dass es im ganzen Herzogtum von Burgund nichts vergleichbares gibt“. In Gruppen oder alleine reisende Pilger fanden stets darin Aufnahme und Unterkunft, bevor sie weiter zogen.

Der nordöstliche Querschiffarm stürzte 1095 ein und wurde mächtiger und solider neu erbaut, wie man ihn heute noch vorfindet. Er erhielt im Inneren in den Raumecken kräftige viertelrunde Dienste, auf denen sich die neue Kreuzgratwölbung und deren kantige Bögen an den Wänden aufstützten.

Der Klosterschatz enthielt zahlreiche und bedeutende Reliquien, wie die des heiligen Benedikt, der Bekenner Eucharius, und Veran und der Märtyrer Cyprian, Speratus und Pantaleon. Man berichtete von zahlreichen Wundern. Der Ruf, den Perrecy weit über die Grenzen der Region genoss, zog große Scharen von Pilgern an.

mini|hochkant=0.6|Jakobspilger, Holzschnitt von 1568

Perrecy war von einem Netz von Nebenrouten der in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts blühenden Bewegung der Jakobspilger nach Santiago de Compostela umgeben, das die Zahl der hier verweilenden Pilger bedeutend erhöhte. Diese Pilgerbewegungen gingen aber in Gebieten nördlich der Pyrenäen nach Mitte des 12. Jahrhunderts wieder zurück und versiegten mit den Kriegen im 13. und 14. Jahrhundert gänzlich.

mini|hochkant|links|Treffen zwischen Papst Paschalis II. und König Philipp I. 1107 aus Grandes Chroniques de France (1461)

Zwischen 1120 und 1130 hat man die Kirche um ein Joch nach Nordwesten verlängert und vor der Fassade ein gewaltiges Westwerk errichtet. Der Portalvorbau gilt heute noch als einer der originellsten der Romanik. Die Bauarbeiten wurden allerdings abrupt unterbrochen, obgleich der nordwestliche Giebel und der zweite Turm auf der Westecke des Westwerks nicht fertig gestellt waren. Die Ursache lag vermutlich in fehlenden Geldmitteln, da der großzügige Spender der Klosterbauten nach seinem Tode keinen ebenbürtigen Nachfolger hatte.

Während drei Jahrhunderten blühte und gedieh das Priorat, das wie eine Zitadelle befestigt war. 1290 lebten in ihm 20 Mönche. Unter den der Abtei Fleury unterstehenden Klöstern wurde das Priorat Perrecy oft an dritter oder gar zweiter Stelle genannt. In einer Bulle des Papstes Paschalis II. von 1103 stand es sogar auf dem ersten Rang, so auch noch einmal vorübergehend im 17. Jahrhundert. Im 13. Jahrhundert hat man an die Giebelwand des nordöstlichen Querhausarms noch eine zweijochige Kapelle mit Kreuzrippengewölben und einer rechteckigen Chorapsis angebaut.

In seiner Blütezeit gehörte das Priorat Perrecy zu den zehn Erzpriestergemeinden des großen Erzdiakonats der Diözese Autun, die 17 Pfarreien umfassten.

Die Mönche verstanden sich auf die Nutzung lokaler Ressourcen, so auch des Wassers der Oudrache. Sie bauten eine Staumauer im Flussbett und einen Deich, zwischen denen ein mehr als 3000 m langer und etwa 200 m breiter Teich entstand. Der Etang Roussot diente zunächst zur Fischzucht, die zur Ernährung der Ortsbewohner beitrug. Die Regeln des heiligen Benedikt untersagten allerdings den Mönchen das Verzehren von Fischen. Später kam die Nutzung für den Antrieb von Schmiedehämmern (französisch , Mehrzahl = die Schmiede) und Blasebälgen hinzu, der im Hochmittelalter gebräuchlich wurde.

Nach königlichen Urkunden aus den Jahren 1324 und 1335 unterstand das Priorat von Perrecy allein dem König und war damit von jeglicher Rechtsbarkeit der Grafschaft Charolais entbunden, wie auch von derjenigen der Herzöge von Burgund. In den gleichen Genuss kamen seine Nachbarn Paray-le-Monial und Toulon-sur-Arroux, was vielfach bestritten wurde. Andererseits bestätigte Philippe de Touraine, ein Sohn von König Johann II., dass das Schicksal von Perrecy den Offizieren des Herzogtums Burgund anvertraut sei.

Die Nachbardomäne war vom Priorat lediglich durch den aufgestauten Roussot-Teich getrennt, unterstand eindeutig dem Schutz von Burg und Kloster Perrecy. In ihm konnten die Knechte, deren Familien und ihr dürftiger Besitz vor Invasoren und plündernden Horden Schutz finden.

Im Jahr 1423 trotzten Söldner des Herzogtums Burgund unter Kapitän Perrinet-Gressard den Angriffen der französischen Krone.

1476 wurde aus dem Priorat eine Kommende, deren erster Prior der Erzbischof von Lyon, Charles de Bourbon, der sicher nicht in der Klostergemeinschaft wohnte.