Die Friedensglocke von Sankt Martin ist eine Kirchenglocke in der Pfarrkirche St. Martin am Ybbsfelde in St. Martin am Ybbsfelde in Niederösterreich.

Die Glocke aus dem Jahr 1200 ist die älteste Oktavglocke der Welt. Sie stammt aus der Zeit der Babenberger. Wo und wann sie gegossen wurde, ist nicht urkundlich belegt. Vermutungen bestehen, dass die Glocke ein Geschenk in Wien für die babenbergisch-königliche Martinskirche gewesen sein könnte. Als Hersteller kommen auch die als begabte Glockengießer geltenden Benediktiner in Frage.

Die Herkunft der Glocke soll nun im Rahmen eines Forschungsprojektes des Instituts für Archäometallurgie der Universität Wien zu mittelalterlichen Bronzen anhand von Materialuntersuchungen erforscht werden.

Die Glocke ist 75 cm hoch und wiegt 600 kg. Beim Anschlagen klingt ein voller A-Moll-Akkord. Das Nachklingen hat eine Dauer von einer Minute. Sie hat eine Umschrift mit dem Text O REX GLORIAE VENI CU(M) PACE MCC (O König der Herrlichkeit, komm mit Frieden 1200). Das Bronzematerial, dessen Reinheit wesentlich zum Klang beiträgt, besteht aus 78 % Kupfer und 22 % Zinn.

Ein Blick auf die Teiltöne zeigt die erstaunliche Exaktheit im Tonaufbau:

Schlagton: a'+3 - Unterton: a°+2 - Prime: a'+2 - Terz: c''+5 - Quinte: e''+-0 - Oktave: a''+3

Zur Schonung der Glocke selbst aber auch des Kirchturms wird sie seit 1957 auf Wunsch des österreichischen Bundesdenkmalamtes nur zu Festtagen und festlichen Anlässen geläutet.

Die Angriffe und Belagerungen der Türken hat die Glocke überlebt, da sie unweit der Kirche vergraben wurde. Lange Zeit wurde sie aber nicht mehr gefunden. Überlieferungen zufolge soll sie erst von Wildschweinen wieder ausgegraben worden sein. 120px|mini|Friedensglocke im Wappen von St. Martin-Karlsbach Während des Zweiten Weltkrieges wurden die anderen drei Glocken der Kirche nach Deutschland transportiert, während die Friedensglocke im Ort blieb. Eine der drei Glocken, die Prieninger-Glocke, kehrte nach dem Krieg unversehrt aus Hamburg zurück.

Das Wappen der Gemeinde Sankt Martin-Karlsbach, das im Jahr 1981 von der niederösterreichischen Landesregierung verliehen wurde, zeigt ein Wappenschild mit der mit Eichenlaub verzierten Glocke.

Die zweite Glocke der Pfarrkirche stammt aus Krems und trägt die Umschrift Sit nomen D.b. Anno 1691.

Neben der Kirche kann man eine Nachbildung der Oktavglocke in einem Glockenhaus betrachten.

Nachbildung der Oktavglocke

Die Nachbildung der Oktavglocke befindet sich neben der Pfarrkirche St. Martin am Ybbsfelde. Sie wurde anlässlich der Feierlichkeiten „800 Jahre Oktavglocke“ im Jahr 2000 errichtet und dient als Erinnerungs- und Informationspunkt zur bedeutenden Glockengeschichte des Ortes.

Im Zuge der Neugestaltung der Nachbildung durch die Dorferneuerung St. Martin-Karlsbach wurde die Anlage im Jahr 2025 umfassend erneuert. Seither ermöglicht eine digitale Klangstation das Abspielen des charakteristischen originalen Glockenklanges. Zusätzlich wurde die Anlage mit einer stimmungsvollen Beleuchtung ausgestattet und zu einem öffentlich zugänglichen Begegnungs- und Informationspunkt weiterentwickelt.

Fundort der Oktavglocke mini|Fundort Lindenplatz Der Fundort der Oktavglocke erinnert an die überlieferte Wiederauffindung der historischen Glocke. Vom Kirchenplatz aus sind die beiden Linden am Hochfeld gut erkennbar, die seit Generationen als Orientierungspunkt dieses Erinnerungsortes gelten. Von den ursprünglich zwei alten Linden ist heute noch eine erhalten. Die zweite, junge Linde ist ein Austrieb der historischen Linde und setzt deren Fortbestand symbolisch fort.

Im Jahr 2025 wurde die Anlage durch die Dorferneuerung St. Martin-Karlsbach neu gestaltet. Informationstafeln vermitteln die Geschichte und Überlieferungen rund um die Oktavglocke. Ergänzt wird der Erinnerungsort durch eine Darstellung der Glocke in Originalgröße.

Weblinks Illustrierte Glockengeschichte (PDF; 2,2 MB) Videopräsentation über die Friedensglocke

Einzelnachweise

Kategorie:Einzelglocke Kategorie:St. Martin-Karlsbach Kategorie:Werk (12. Jahrhundert)