mini|Sklaventransport mini|Sklavenschiff

Sklavenhandel bezeichnet den Handel mit Sklaven, das heißt den Kauf und Verkauf von Menschen als Ware. Verkürzend sind oft die Versklavung von Schwarzafrikanern und ihr Transport über den Atlantik nach Nordamerika und in die Karibik in der frühen Neuzeit gemeint. Trotzdem ist sprachlich bei der Sklaverei streng zwischen den Begriffen Versklavung, SklavenhaltungZitat: „Sklavenhalter (Maskulinum; früher): Eigentümer von Sklaven, jemand, der sich Sklaven hielt.“ Quelle: und Sklavenhandel zu unterscheiden; Nichtsklaven werden erst versklavt und dann gehandelt oder gehalten.

Sklavenhandel gab es seit dem Altertum in vielen Teilen der Welt.

Altertum In der europäischen Antike galt Sklaverei als ein normaler Bestandteil der Gesellschaft. Inwieweit neben dem angeborenen Sklavenstatus, den Sklaveneltern an ihre im Haushalt geborenen Kinder weitergaben, der Sklavenhandel wichtig war, bleibt unklar, weil es für das Altertum keine zuverlässigen Statistiken gibt. Vieles beruht auf Überlegungen, die man aus den relativ wenigen literarischen, epigraphischen und archäologischen Quellen rekonstruierte.

In der Antike bestanden verschiedene Möglichkeiten, zum Sklaven zu werden: im Zuge kriegerischer Handlungen, Schuldknechtschaft, Menschenraub (auch Kindesraub, zum Beispiel bei Aussetzungen), juristisch über Gesetze oder Gerichtsurteile erzwungene Sklaverei, der Verkauf von früheren Hörigen oder eigenen Kindern sowie Geburt in die Sklaverei. mini|hochkant|Grabdenkmal des Sklavenhändlers Caius Aiacius, 30–40 n. Chr., Römisch-Germanisches Museum

Erste Versklavungen geschahen bei der Einwanderung der Griechen, als vorgefundene Völker unterworfen wurden: So wurden die Heloten in Sparta dauerhaft versklavt, auf Kreta die Klaroten. Eine häufige Beschaffungsquelle war der Menschenraub, zum Beispiel über die Piraterie. Schon Homer berichtet von derartigen Kaperfahrten. Die Massenversklavung setzte mit großen Sklavenmärkten ein, die erstmals um 600 v. Chr. entstanden. Laut Theopompos eröffneten Griechen auf Chios den ersten Sklavenmarkt. Nach Herodot (VIII 105) lieferte ein Sklavenhändler aus Chios über den Markt von Ephesos den Persern kastrierte Jungen als Eunuchen. Im Laufe des Peloponnesischen Krieges wurde die Bevölkerung ganzer Städte in die Sklaverei verkauft, darunter der Philosoph Platon.

Das alte Ägypten importierte schwarze Sklaven aus dem heutigen Sudan (Nubien). Die Ptolemäer verboten den Sklavenexport. Die Griechen beschafften sich Sklaven vor allem aus Thrakien, Kleinasien (hier vor allem aus Phrygien und Karien), Syrien und Armenien; die Römer später vor allem aus Griechenland, anderen Regionen des Balkans und aus Gallien.

In der hellenistischen Welt wuchs mit zunehmender Instabilität und grausamerer Kriegsführung der Sklavenhandel vor allem auf dem Seewege. In der Landwirtschaft Ägyptens und des Nahen Ostens waren Sklaven zwar unbedeutender als in Griechenland, doch vermutlich hatte jeder Söldner oder Soldat einen Sklaven als Burschen. Hinzu kam der steigende Bedarf Roms und Karthagos nach den Punischen Kriegen.Michael Rostovtzeff: Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. Band 2, Darmstadt 1998, S. 1012 ff. Die Sklaverei im Römischen Reich betraf die Bevölkerung ganzer Städte (etwa 209 v. Chr. in Tarent, 167 v. Chr. in Epeiros). Kriegsgefangene wurden in der Regel noch auf dem Schlachtfeld verkauft, Sklavenhändler gehörten zum Tross eines römischen Heeres. Im Römischen Reich gab es etwa drei Mal so viele männliche wie weibliche Sklaven.Joyce Salisbury: Encyclopedia of Women in the Ancient World. ABC-CLIO, Santa Barbara 2001, S. 308.

Allgemein war es sowohl bei den Griechen und Römern üblich, versklavte ehemalige Mitbürger zu meiden. So verkaufte man beispielsweise in Athen in die Schuldknechtschaft geratene Bürger in andere Städte. Das Zwölftafelgesetz schrieb den Römern den Verkauf solcher Personen in ein entfernteres Gebiet jenseits des Tibers vor. Zentren des antiken Sklavenhandels waren Delos und Ephesos. Die steigende römische Nachfrage infolge der Latifundienwirtschaft nach in der Landwirtschaft versierten orientalischen Sklaven sowie die Kriege und Anarchie in Syrien seit dem Ende des Reiches von Pergamon ließen kaum noch „zivilisierte“ Griechen, sondern Syrer, Bithyner, Kappadokier und andere zu Sklaven werden; den Sklavenhandel wickelten nunmehr römische Publicani auf dem Seeweg mit Delos als Hauptumschlagsplatz ab, das sich zum Hauptsklavenmarkt der alten Welt entwickelte.Michael Rostovtzeff: Gesellschafts- und Wirtschaftsgeschichte der hellenistischen Welt. Band 2, Darmstadt 1998, S. 624–629. Nach StrabonStrabon, Geographica XIV 5,2. wurden täglich Zehntausende Sklaven in Delos aufgenommen und verschickt.

Der Sklavenhandel war geregelt; schon aus Ägypten sind Kaufverträge überliefert, ebenso bei Platon Regeln, wann ein Sklavenkauf rückgängig gemacht werden konnte. Römische Sklavenhändler mussten Krankheiten und etwaige Verfehlungen eines zum Verkauf stehenden Sklaven angeben. Ob die Preise für Sklaven hoch oder niedrig waren, ist in der Forschung umstritten, da sie je nach Region, Zeit, Qualifikation sowie Angebot und Nachfrage variierten. Für manche Zeiten und Orte liegen Schätzungen der Marktpreise vor. Sklavenhandel war in der Antike ein Wirtschaftsfaktor.

Europäisches Mittelalter Im frühen Mittelalter nahm trotz der Christianisierung der Handel mit europäischen Sklaven zu. Zunächst verkauften vor allem die Franken oft Menschen aus bisher nicht christianisierten Gebieten, mit denen sie Krieg führten, in die Sklaverei, insbesondere Sachsen nach Byzanz und Al-Andalus. Seit dem Erlass von Papst Gelasius I. (492) war der Handel mit heidnischen Sklaven auch den Juden gestattet.Zu mittelalterlichen jüdischen Händlern vgl. etwa: Daniel Niemetz: Gebraucht und verfolgt - Juden im Mittelalter. Ein historischer Überblick. Mitteldeutscher Rundfunk Auf: mdr.de, 2019. In welchem Umfang diese tatsächlich am europäischen Sklavenhandel im frühen Mittelalter Anteil hatten, bleibt fraglich.Siehe dazu Michael Toch: ?יהודי אירופה בימי הבניים המוקדמים: סוחרי עבדים [The European Jews of the Early Middle Ages: Slave-traders?] In: Zion. Band 64, 1999, S. 39–63; vgl. . Toch hält die meisten verfügbaren Quellen zur Klärung dieser Frage für wenig aussagekräftig. Die Ansicht, Juden seien insbesondere im Frühmittelalter die Hauptakteure des Sklavenhandels gewesen, findet sich unter anderem bei Charles Verlinden, wird jedoch von Toch bestritten und von anderen zumindest angezweifelt. - Zur Kritik an Toch vgl. jedoch Friedrich Lotter: Sind christliche Quellen zur Erforschung der Geschichte der Juden im Frühmittelalter weitgehend unbrauchbar? In: Historische Zeitschrift. Band 278, Nr. 2, 2004, S. 311–327 (S. 326: „Als Fazit der Argumentation Tochs bleibt letztlich nur die Feststellung, daß seine aus zunächst ernstzunehmenden Ansätzen entwickelte Methode zu einem System ausgebaut wurde, mit der alles nach Belieben entweder bewiesen oder widerlegt werden kann.“ Zudem S. 325: „Abschließend bleibt nur die Feststellung, daß die Zahl dieser Belege, die sich noch erweitern lassen, bei weitem zu groß ist, als daß man sie durchweg und pauschal als unzuverlässig und unglaubwürdig verwerfen kann.“) Joshua Holo bestreitet zwar die Rolle der Juden im Sklavenhandel nicht, betont aber, es habe ein Sklavenhandelsmonopol der Radhaniten nicht gegeben.Joshua Holo: Byzantine Jewry in the Mediterranean Economy. Cambridge University Press, Cambridge / New York 2009, ISBN 978-0-521-85633-1, S. 192–197.

Seit Mitte des 8. Jahrhunderts beteiligten sich venezianische Händler am Sklavenhandel, verkauften männliche und weibliche Sklaven nach Nordafrika und machten die Adria zu einer Drehscheibe des Handels.Charles Verlinden: L’esclavage dans l’Europe médiévale II. Italie – Colonies Italiennes du Levant – Levant Latin – Empire Byzantin. Gent 1977, S. 115–116. Dort reduzierte die wiederaufgeflammte Justinianische Pest die Bevölkerung. Insbesondere in Ägypten wuchs aber der Bedarf an Arbeitskräften, den nach dem Stopp der islamischen Expansion um 740 Kriegsgefangene nicht mehr deckten. Den Nachschub an Sklaven lieferten fränkische und jüdische Sklavenjäger sowie südslawische Piraten (Narentaner) aus dem nicht-christianisierten venezianischen Hinterland Ost- und Südosteuropas.Michael McCormick: Origins of the European Economy Communications and Commerce AD 300-900. Cambridge (UP) 2001, S. 744–760. Europäische Sklaven erzielten auf den Märkten der muslimischen Welt das Drei- bis Vierfache ihres Einkaufswertes.Michael McCormick: Origins of the European Economy Communications and Commerce AD 300-900. Cambridge (UP) 2001, S. 754–756. Auch wurden Gefangene kastriert und als Eunuchen verkauft. Bis zum 9. Jahrhundert blieb der Sklavenhandel eine der Triebfedern der venezianischen Wirtschaft. Dann erschlossen sich dem Kalifat neue Quellen durch die Eroberung Sizilien und Kretas, während die dalmatinische Küste von den Venezianern befriedet und christianisiert wurde.

Nachdem die sächsischen Gebiete christianisiert worden waren, wurden die Sklaven aus ferner liegenden Gebieten gewonnen, denn Christen durften seit der Zeit Karls des Großen im Prinzip andere Christen nicht versklaven. Daher gerieten immer mehr die slawischen Stämme ins Visier. So fanden seit Heinrich I. bis ins 12. Jahrhundert hinein regelrechte Sklavenjagden unter den Elbslawen statt, die in erster Linie dem großen Gewinn galten, der mit dem Sklavenhandel zu erzielen war.Johannes Fried: Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024. Ullstein, Berlin 1998, ISBN 3-548-26517-0, S. 579 u. 935. Unter den böhmischen Przemysliden-Herrschern wurden seit dem 10. Jahrhundert Sklaven in Mähren und Kleinpolen gejagt. Prag war einer der wichtigsten Umschlagsplätze für Sklaven.Dušan Třeštík: „Eine große Stadt der Slawen namens Prag“. Staaten und Sklaven in Mitteleuropa im 10. Jahrhundert. In: Petr Sommer (Hrsg.): Boleslav II.: der tschechische Staat um das Jahr 1000: internationales Symposium, Praha 9. - 10. Februar 1999. Filosofia, Prag 2001, ISBN 80-7007-151-6, S. 93–138.

Im hohen Mittelalter verschob sich der Sklavenhandel wieder von Zentraleuropa nach Süden in Richtung Mittelmeer, während nördlich der Alpen Sklaverei und Sklavenhandel kaum noch eine Rolle spielten. An diesem „neuen“ Handel waren zunehmend Kaufleute aus den aufsteigenden italienischen Seerepubliken beteiligt, insbesondere Genua und Venedig. Über ihre Handelsniederlassungen im östlichen Mittelmeer (unter anderem Thessaloniki, Chios, Famagusta auf Zypern, Candia auf Kreta) und im Schwarzen Meer (insbesondere Caffa, aber auch Trapezunt und andere), die sie verstärkt seit Beginn des 13. Jahrhunderts (1204 erhielten die Venezianer die Kontrolle über Byzanz) ausbauen konnten, transportierten sie Sklaven vor allem tatarischen und kaukasischen Ursprungs nach Südwesteuropa und in das Ägypten der Mamluken. Auch provenzalische und katalanische Händler, insbesondere die Katalanische Kompanie, waren an diesem Handel von Ost nach West beteiligt, später auch osmanische Kaufleute.Kate Fleet: European and Islamic Trade in the Early Ottoman State. The Merchants of Genoa and Turkey. Cambridge University Press, Cambridge 1999, S. 37–59. Einen Sonderfall stellen die fante dar, die als Kinder „zur Ausbildung“ vom Balkan über die Adria nach Italien kamen. Ihr Status war dem eines Sklaven wohl sehr ähnlich, doch erhielten sie zumindest theoretisch nach einigen Jahren die Freiheit.

So bestand der Sklavenhandel über das gesamte Mittelalter hinweg, trotz teils kontroverser theoretischer Debatten über die Legitimität der Versklavung bestimmter Bevölkerungsgruppen (beispielsweise orthodoxer Christen). Dennoch legitimierte Papst Nikolaus V. noch 1452 in seiner Bulle Divino amore communiti den Sklavenhandel erneut.

Arabomuslimischer Sklavenhandel vom 7. bis zum 15. Jahrhundert