Gerhard Thomas Willy Reintanz (* 1. März 1914 in Cuxhaven; † 18. November 1997 in Halle) war ein deutscher Parteifunktionär der DDR-CDU und Völkerrechtler in der DDR.

Leben Die Volksschule besuchte er in Heide (Holstein) und dort auch einige Zeit die Oberrealschule bis zum Umzug nach Pommern. Die Reifeprüfung legte er 1933 an der Oberrealschule Stolp ab.Habel, Walter (Hrsg.): Wer ist? Das deutsche Who’s Who. 2. ergänzte Auflage, arani-Verlags-GmbH, Berlin-Grunewald, S. 207; DNB-Katalog Reintanz fuhr mit der Bahn vom elterlichen Wohnort Lauenburg bei Danzig dorthin. Das Studium der Rechts- und StaatswissenschaftenSchalück, Andreas: Eine Agentur der Kirchen im Staatsapparat? Otto Nuschke und die Hauptabteilung “Verbindung zu den Kirchen” 1949–1953; ISBN 978-3-05-003467-6, S. 303 [Kurzbiographie: Reintanz, Gerhard] nahm er nach dem Abitur an der Universität Greifswald aufDas Porträt des Monats Dr. Gerhard Reintanz, in: Union teilt mit", Nr. 2 aus 1958. und studierte dort von 1933 bis 1935. Dort gehörte er von 1934 bis 1936 der Burschenschaft Rugia an.Jens Carsten Claus: Die Mitglieder der Greifswalder Burschenschaft Rugia 1856-1944. In: Helma Brunck, Harald Lönnecker, Klaus Oldenhage (Hrsg.): "... ein großes Ganzes..., wenn auch verschieden in seinen Teilen". Beiträge zur Geschichte der Burschenschaft (= Darstellungen und Quellen zur Geschichte der deutschen Einheitsbewegung im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert, 19). Heidelberg 2012, S. 510 (Nr. 566). In Breslau an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität setzte Reintanz 1937/38 das Jurastudium fort.Unser Porträt: Prof. Dr. GERHARD REINTANZ in: „Union teilt mit (Utm)“, Heft 9/1989, S. 20. Zwischenzeitlich wurde er von November 1935 bis Ende März 1935 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen und anschließend hatte er bis 1937 den Wehrdienst in Stettin bei einem Infanterie-Regiment zu leisten.Tabellarischer Lebenslauf für die Deutsche Dienststelle (WASt), angefertigt von Prof. em. Dr. Gerhard Reintanz mit Datum 6. September 1994 Ab 1939 wurde er Kriegsteilnehmer. Am 3. Mai 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1940 aufgenommen (Mitgliedsnummer 8.272.086).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/34320669Harry Waibel: Diener vieler Herren: Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR, Frankfurt am Main 2011; ISBN 978-3-631-63542-1, S. 263.

Der Sohn eines Beamten legte als Wehrmachtsangehöriger Anfang August 1942 das erste juristische Examen am Oberlandesgericht in Stettin ab und in Berlin im Juni 1944 das zweite Staatsexamen (Assessorexamen).Baumgartner, G./Hebig, D.: Biographisches Handbuch der SBZ/DDR 1945–1990, Bd. 2, S. 700, München, 1997, ISBN 978-3-598-11177-8 Am 7. Juni desselben Jahres wurde er zum Stabsintendanten ernannt.

Im Zweiten Weltkrieg war er zunächst Zahlmeister und ab 1941 Oberzahlmeister.Im Offiziersrang eines „Oberzahlmeisters“ (entsprach dem Oberleutnant der Wehrmacht) schrieb Reintanz zwei Artikel: (1) Ein Tag an einer Feldküche in der afrikanischen Wüste; (2) Sandsturm, Kraftwagenkolonne im «Ghibli», zitiert nach Hauptmann G. Bühlmann, Bern: Verpflegungsgrundsätze und Versorgung der deutschen Truppen in Afrika und Russland. In: „Allgemeine Schweizerische Militärzeitung“, Heft 7/1942, (369–382) S. 382; Digitalisiert: .Buch, Günter: Namen und Daten. Biographien wichtiger Personen der DDR, Berlin, Bonn-Bad-Godesberg 1973, S. 228 f., Stichwort: Reintanz, Gerhard; ISBN 978-3-8012-0020-6 Versorgungsschwierigkeiten in Afrika, besonders beim Nachschub an Verpflegung in der südlichen libyschen Wüste im dritten Kriegsjahr, schilderte der 1939 zum Oberzahlmeister beförderte Reintanz in mehreren Zeitschriftenbeiträgen.Beispielsweise in Heft 5/1942 der monatlich vom Wehrmacht-Presse-Verlag, Stuttgart/Berlin, im 7. Jahrgang herausgegebenen „Zeitschrift für die Heeresverwaltung“ () unter der Überschrift «Was ich in Libyen sah», Tagebuchblätter von Oberzahlmeister Reintanz.

Ende des Zweiten Weltkrieges geriet er in sowjetische GefangenschaftGabriele Baumgartner, Dieter Hebig (Hrsg.): Biographisches Handbuch der SBZ/DDR. 1945–1990. Band 2: Maassen – Zylla. K. G. Saur, München 1997, ISBN 3-598-11177-0, S. 700 („Reintanz, Gerhard“) und wurde 1947 entlassen. In die CDU trat er in Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern 1948 ein und nahm im selben Jahr die Tätigkeit eines Stadtkämmerers in Güstrow auf.Biographisches Handbuch der SBZ/DDR: 1945–1990, Band 1 u.2 (München, 1996/97) Hrsg. v. Baumgartner, Gabriele / Hebig, Dieter, S. 700; ISBN 3-598-11130-4 Mit diesem Amt übte er zugleich die Funktion des stellvertretenden Oberbürgermeisters aus.„Union teilt mit (Utm)“, Heft 2/1958: Das Porträt des Monats: Dr. Gerhard Reintanz Am 3. Mai 1949 wurde er an der Universität Rostock mit der Arbeit Das Problem der Gemeindeaufsicht in der neuen demokratischen Ordnung zum Dr. jur. promoviert. In der Festschrift für den Rektor der Universität Rostock und Verwaltungsjuristen Erich Schlesinger anlässlich dessen 75. Geburtstages 1955 schrieb Reintanz einen seerechtlichen Beitrag zum Thema: Gegen die Ölverschmutzung der Weltmeere.Reintanz, Gerhard: Gegen die Ölverschmutzung der Weltmeere. Veröffentlicht in Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock. 5. Jahrgang 1955/56. Sonderheft: Tradition und neue Wirklichkeit der Universität. Festschrift für Professor Dr. jur. Dr. phil. h. c. Erich Schlesinger zu seinem 75. Geburtstage. Herausgegeben von Fritz Müller. Rostock 1955 DNB-Portal

Ab Mai 1950 wurde Reintanz persönlicher Referentvgl. Peter Joachim Lapp: Georg Dertinger: Journalist – Außenminister – Staatsfeind. Verlag Herder, Freiburg / Basel / Wien 2005, ISBN 3-451-23007-0, S. 166 und 193. des Außenministers Georg Dertinger. Zuvor hatte diese Position der parteilose Bernhard Ludwig von Mutius (1913–1979) inne, der „zugleich kommissarischer Hauptabteilungsleiter für Rechtsangelegenheiten“ war.Peter Joachim Lapp: Georg Dertinger: Journalist – Außenminister – Staatsfeind, Freiberg/Basel/Wien 2005, S. 110 f.; ISBN 3-451-23007-0 Zudem wurde Reintanz „Leiter der Grundsatzabteilung“Günter Wirth: Zu einigen „weißen Flecken“ in der DDR-Hochschullandschaft. In: "hochschule ost. leipziger beiträge zu hochschule & Wissenschaft", S. (271–288) 281; im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) der DDR, später Leiter der Hauptabteilung Recht im MfAA in Berlin in der Luisenstraße. Als Außenminister Dertinger zusammen mit dem amtierenden polnischen Außenminister Stanislaw SkrzeszewskiAmtsantritt: 20. März 1951; Ende der Amtszeit als Außenminister: 27. April 1956. das Abschlussprotokoll der Grenzmarkierung der Oder-Neiße-Grenze am 27. Januar 1951 unterzeichnete, assistierte Gerhard Reintanz dem DDR-Minister.Archiv-Foto und Bildunterschrift in Tageszeitung Neue Zeit, 29. März 1990, S. 3, Anmeldung für das Zeitungsportal DDR-Presse; in Neues Deutschland, 28. Januar 1951, S. 1, gleiches Bildmotiv: Reintanz über die Urkunden gebeugt, während Dertinger und Skrzeszewski im Beisein der weiteren Delegationsteilnehmer in Frankfurt/Oder sich die Hände reichen. Anmeldung für das Zeitungsportal DDR-Presse Als Hauptabteilungsleiter im Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten war Gerhard Reintanz Mitglied der DDR-Delegation unter Leitung des Ministers der Justiz, Max Fechner, die 1952 Bulgarien besuchte.ADN-Meldung in: Tageszeitung Neues Deutschland, 6. September 1952, S. 5

Auf einer Tagung des Wissenschaftlichen Arbeitskreises der CDU in Vorbereitung des 6. Parteitages 1952 sah Reintanz es für notwendig an, einen breiteren Meinungsaustausch über das Verhältnis von Staat und Kirche „im sozialistischen Staat“ zu führen.Neue Zeit, 30. September 1952, S. 3

Während seiner Tätigkeit im Außenministerium hielt er nebenberuflich Vorlesungen über „völkerrechtliche Themen“ an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“. An deren Vorgängerin, der „Deutschen Verwaltungsakademie Walter Ulbricht“, hatte er nach seiner Promotion an einem Lehrgang teilgenommen. Zudem las Reintanz im Institut für Archivwissenschaft über „deutsche Rechtsgeschichte“.

Der Bundesleitung des Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands stellte er sich im Rahmen der Reihe „Vorträge zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse“ als Referent zur Verfügung. Der Aufbau-Verlag Berlin veröffentlichte 1952 seinen populärwissenschaftlichen Vortrag Die Außenpolitik der Sowjetunion gegenüber Deutschland und Reintanz nannte im Literaturverzeichnis Schriften von Lenin, Stalin, Molotow, Wyschinski und von Politikern aus der DDR, Wilhelm Pieck, Grotewohl, Ulbricht sowie aus dem DDR-Außenministerium Anton Ackermann.Vorträge zur Verbreitung wissenschaftlicher Kenntnisse, Berlin 1952, S. 34 f.,

Aus dem Außenministerium schied Reintanz 1953 als CDU-Mitglied ausGünter Wirth: Deutsch-deutsches Berufungsgeschehen nach 1989 im Lichte von Professurbesetzungen und Ost-West-Wissenschaftswanderungen in der SBZ und DDR. In: hochschule ost. Nr. 2/01, , S. 193–208, hier S. 194: „Wenn in Halle/Saale ein Unionsfreund Völkerrechts-(speziell Luftrechts-)Lehrer werden konnte (Gerhard Reintanz), dann deshalb, weil er 1953 als Leiter der Hauptabteilung Grundsatzfragen des Außenministeriums nach der Verhaftung des CDU-Außenministers Georg Dertinger … nicht mehr >tragbar< war und aus Berlin >verschwinden< sollte“ und er wurde nach Auffassung des Rechtshistorikers Rolf Lieberwirth (* 1920; † 2019) wie „alle CDU-Mitglieder des Ministeriums aus >Sicherheitsgründen< in andere Dienststellen umgesetzt“.Rolf Lieberwirth: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945, 2., ergänzte Auflage, Universitätsverlag Halle-Wittenberg, Halle an der Saale 2010, S. 76; ISBN 978-3-86977-014-7 Zur Verhaftung seines ehemaligen Chefs, des ersten DDR-Außenministers, im Januar 1990 befragt, antwortete Reintanz schriftlich: „Von der Verhaftung Dertingers erfuhr ich seinerzeit morgens durch die Zeitung. Ich bat den damaligen Staatssekretär Anton Ackermann in dieser Angelegenheit um ein Gespräch und erfuhr dabei, dass gegen mich in dieser Angelegenheit nichts vorläge.“Antwortbrief, datiert vom 14. Januar 1990, an Dr. Schulz – Sammlung Schudi 45

Unter den 15 Mitgliedern der Blockparteien, die „im Zuge einer strengen Kaderüberprüfung“ nach der „Amtsenthebung von Staatssekretär Anton Ackermann (SED)“ im Oktober 1953 aus dem Außenministerium entlassen wurden,Bock, S./Muth, I./Schwiesau, H.: DDR-Außenpolitik. Ein Überblick. Daten, Fakten; Personen (III), Berlin, 2010, S. 285; ISBN 978-3-643-10559-2 befand sich der frühere persönliche Referent Dertingers und spätere Hauptabteilungsleiter.

Der Hallenser Rechtswissenschaftler Lieberwirth bewertete in seinen Erinnerungen die Berufung von Reintanz als Dozent für Völkerrecht im Sommer 1953 als eine „für die Entwicklung der Fakultät sehr günstige“, zumal sich der Völkerrechtler danach „auch auf Seerecht spezialisiert und viele Praktiker auf diesem Gebiet zur Promotion geführt“ hatte. Die Rostocker Universität besaß zu jener Zeit nicht mehr ihre Juristische Fakultät, so dass die Juristenfakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg auch Dissertationen zu seerechtlichen Themen betreute und abschließend das Promotionsverfahren sowie die Verleihung des juristischen Doktorgrades vornahm.Lieberwirth, Rolf: Geschichte der Juristischen Fakultät der Universität Halle-Wittenberg nach 1945. Fakten und Erinnerungen. Gedruckt mit Unterstützung der Erhard-Hübner-Stiftung e. V, Köln/München 2008, S. 54; ISBN 978-3-452-26840-2

Akteur in der Kirchenpolitik