mini|Die Dachkonstruktion von Alt St. Peter in Rom (4. Jh. n. Chr.): Im Sparrendach über dem Mittelschiff (23,68 m lichte Weite) sind Dachbinder (unten) und Kehlbalken mit dem First durch Hängesäulen verbunden.

Die Liste antiker Dachwerke umfasst Dachkonstruktionen der griechischen und römischen Architektur nach ihrer lichten Weite geordnet.

Die hölzernen Dachtragwerke antiker Gebäude sind nicht erhalten. Unterschiedliche Hinweise geben aber eine Vorstellung von den antiken Dachkonstruktionen und erlauben ihren Aufbau zu rekonstruieren: An zahlreichen Bauten können an den erhaltenen steinernen Bauresten Balkenlöcher und Balkenauflager beobachtet werden, die auf den grundlegenden konstruktiven Aufbau und als Negativform auf die vermutlichen Balkenquerschnitte schließen lassen. Der römische Architekturtheoretiker Vitruv beschreibt den Aufbau eines Daches für größere Spannweiten. Vitruv: de architectura 4.2.1 Spätere Bauten erlauben gewisse Rückschlüsse, insbesondere zu Zeiten weniger technischer Innovationen. Im Katharinenkloster in Ägypten hat sich ein spätantikes Dachwerk mit Dachbindern erhalten. Durch Luftabschluss erhaltene Holzkonstruktionen geben eine Einsicht, welche Holzverbindungen grundsätzlich bekannt waren. So sind an antiken Schiffswracks, beispielsweise den sogenannten Nemi-Schiffen, komplizierte Holzverbindungen belegt; es ist aber nicht gesagt, dass diese auch im Bauwesen verwendet wurden. Im Bereich des Bauwesens haben sich hölzerne Rostfundamente erhalten, die aber ihrer Funktion entsprechend keine komplizierten Verbindungen aufweisen.

Die meisten Großbauten im klassischen Griechenland trugen einfache traditionelle Pfettendächer, die bei größeren Spannweiten durch zusätzliche Säulen im Innenbereich abgestützt werden mussten. In den griechischen Kolonien in Unteritalien und auf Sizilien kamen hingegen vermutlich schon um 550 v. Chr. Binderkonstruktionen zur Anwendung, da dort die Spannweiten größer sind, als sich mit einem üblichen Pfettendach überspannen ließe.

Die großen Spannweiten römischer Dächer seit dem 1. Jh. v. Chr. weisen eindeutig darauf hin, dass Binderkonstruktionen zu jener Zeit bereits weit verbreitet waren.Ulrich, 2007, S. 140–149 Tatsächlich belegt ist ein solches Dach über der Vorhalle des Pantheon in Rom aus dem frühen 2. Jh. n. Chr., das zu Beginn der Neuzeit noch erhalten war und in Zeichnungen dokumentiert wurde. Weitgespannte Odeums- und Amphitheater-Überdachung der Römerzeit mit Holzkonstruktionen trug in der Regel keine feste und damit schwere Dachhaut, sondern Zeltstoffe gegen die Sonne. Die gegenüber Mittel- und Nordeuropa wesentlich geringere Dachneigung in Mittelmeerländern auch bei Ziegeldächern war möglich, weil kaum Schnee-Dachlast berücksichtigt werden musste. Das dadurch geringere Eigengewicht der Dachwerke erlaubte eine etwas größere lichte Weite als in nördlicheren Regionen Europas. Das Potential zur Überdachung großer Innenräume kam in der römischen Kaiserzeit zur vollen Entfaltung, als die Dachlichtweiten von Tempeln, Basiliken, Kirchen und andere öffentliche Gebäude mit rechteckigem Grundriss 30 m erreichen konnten. Derartige Dimensionen wurden nur von wenigen antiken Kuppelbauten überboten und übertrafen die Ausmaße der größten Pfettendächer mindestens um das Dreifache.Ulrich, 2007, S. 148f.

Auch bei der Frage, welche Dachtragwerke die älteren griechischen Tempel bedeckten, spielt die Spannweite eine entscheidende Rolle. Dabei gehen in der Forschung die Meinungen auseinander, ob die Cella der sizilischen Tempel deshalb durchschnittlich größer war als die des Mutterlands, weil die griechischen Kolonisten bereits die Konstruktion des Dachbinders kannten (Vorteil: Technik), oder weil sie Zugang zu besserem Bauholz besaßen (Vorteil: Material).Klein, 1998, S. 338f.

Die folgende Liste soll anhand wichtiger Großbauten der Antike den tendenziellen Zusammenhang zwischen Dachtypus und den lichten Innenmaßen verdeutlichen.

Griechische Dachkonstruktionen (alle Angaben in m).

Bild Bauwerk Ort Region Bauzeit Dachtyp Breite zwischen Cellawänden Lichte Weite zwischen Säulenreihen Größte lichte Weite 150px Tempel des Olympischen Zeus (oder Olympieion) Agrigent Sizilien SparrendachVermutet von Hodge, 1960, S. 38–44 12,85 – 12,85Hodge, 1960, S. 39 (Tafel) 150px Herkulestempel Agrigent Sizilien 5. Jh. v. Chr., frühes Sparrendach 11,84 – 11,84 150px Tempel E Selinunt Sizilien 480/70 v. Chr. Sparrendach 11,70 – 11,70 150px Parthenon Athen Griechenland Pfettendach 19,20 11,05 11,05 150px San Biagio Agrigent Sizilien Sparrendach 10,35 – 10,35 150px Athena-Tempel Syrakus Sizilien Sparrendach 9,82 – 9,82 150px Erechtheion Athen Griechenland Pfettendach 9,80 – 9,80 Schatzhaus von Gela Olympia Griechenland SparrendachHodge, 1960, S. 41 9,68 – 9,68 Tempel der Athena Alea Tegea Griechenland Pfettendach 8,94 – 8,94 150px Zeustempel Olympia Griechenland Pfettendach 13,26 8,52 8,52 150px Tempel C Selinunt Sizilien 550 v. Chr. Sparrendach 8,50 – 8,50 Megaron Gaggera Sizilien Sparrendach 8,47 – 8,47 Athener Delos Griechenland Pfettendach 8,34 – 8,34 150px Tempel D Selinunt Sizilien 540 v. Chr. Sparrendach 8,20 – 8,20 150px Heratempel Agrigent Sizilien Sparrendach 7,68 – 7,68 150px Concordiatempel Agrigent Sizilien PfettendachHodge 1960, S. 43 7,55 – 7,55 150px Tempel A Selinunt Sizilien Sparrendach 7,50 – 7,50 150px Apollotempel (4. Jh. v. Chr.) Delphi Griechenland Pfettendach 10,72 7,32 7,32 150px Tempel G Selinunt Sizilien Sparrendach 17,93 7,15 7,15 150px Tempel F Selinunt Sizilien 530 v. Chr. Sparrendach 7,12 – 7,12 Poseidon-Tempel Isthmia Griechenland Pfettendach 11,7 ≈7,0 ≈7,0 150px Sounion Attika Griechenland Pfettendach 6,53 – 6,53 150px Hera-Tempel Foce del Sele Italien, Unter- Pfettendach 6,14 – 6,14 Artemis-Tempel Kalydon Griechenland Pfettendach 6,14 ? 6,14 Tempel von Kardaki Kerkyra Griechenland Pfettendach ≈6,0 – ≈6,0 150px Poseidon-Tempel Paestum Italien, Unter- 480/70 v. Chr. Pfettendach 10,85 5,9 5,9 150px Ceres-Tempel Paestum Italien, Unter- Pfettendach 5,70 – 5,70 Apollo-Tempel Delos Griechenland Pfettendach 5,70 – 5,70 150px Basilika Paestum Italien, Unter- 550–10 v. Chr. Pfettendach 11,44 5,6 5,6 Tav. Pal. Metapontum Italien, Unter- 5,60 – 5,60 Buleuterion (S) Olympia Griechenland Pfettendach 11,07 5,53 5,53 Buleuterion (N) Olympia Griechenland Pfettendach 10,80 5,40 5,40 150px Apollontempel Bassae Griechenland Pfettendach 6,81 5,23 5,23 150px Nemesis-Tempel Rhamnous Griechenland Pfettendach 5,17 – 5,17 Metroon Olympia Griechenland Pfettendach 5,08 – 5,08 150px Heratempel Olympia Griechenland Pfettendach 8,37 4,84 4,84 150px Tempel des Hephaistos (oder Theseion) Athen Griechenland Pfettendach 6,24 4,74 4,74 Artemis-Tempel Kerkyra Griechenland Pfettendach 7,37 4,1 4,1 Asklepios-Tempel Epidauros Griechenland Pfettendach 3,95 – 3,95 150px Aphaiatempel Ägina Griechenland Pfettendach 6,28 3,85 3,85 150px Apollontempel Syrakus Sizilien Sparrendach 9,70 3,6 3,6 alternativtext=|130x130px Apollo-Tempel Korinth Griechenland Pfettendach 8,47 3,45 3,45

Römische Dachkonstruktionen Die Liste ist nach der lichten Weite sortiert (alle Angaben in m).

Bild Bauwerk Ort Region Bauzeit Dachtyp Lichte Weite 150px Odeon des Herodes Atticus Athen Griechenland 161 n. Chr. Bindertragwerk (umstrittene Annahme) ca. 49,50Korres 2015, weist nach, dass das Odeion überdacht war. Er postuliert hierfür eine hybride Bogenbinderkonstruktion nach dem Vorbild gleichzeitiger Brückenkonstruktionen. Auch wenn dieser Rekonstruktionsvorschlag nicht unumstritten ist, erbringt er den Nachweis, dass der Raum mit der damaligen technischen Möglichkeiten überdacht werden konnte. Aula Regia in der Domus Flavia Rom Italien, Mittel- 92 n. Chr. Sparrendach 31,67Ulrich, 2007, S. 149 Odeum Aosta Italien, Ober- Augusteisch Sparrendach 30,49 Diribitorium Rom Italien, Mittel- Sparrendach 29,60? Coenatio Iovis Rom Italien, Mittel- 92 n. Chr. Sparrendach 29,30 150px Konstantinbasilika Trier Deutschland 300 n. Chr. Sparrendach 26,05 Theatrum Tectum (Odeum) Pompeji Italien, Unter- Sparrendach 25,75 150px Odeon des Agrippa Athen Griechenland Sparrendach 25,75 150px Tempel der Venus und der Roma Rom Italien, Mittel- 135 n. Chr. Sparrendach 25,75 150px Basilica Ulpia Rom Italien, Mittel- 113 n. Chr. Sparrendach 25,16 150px Sankt Paul vor den Mauern Rom Italien, Mittel- 385 n. Chr. Sparrendach 24,27 150px Alt St. Peter Rom Italien, Mittel- 330 n. Chr. Sparrendach 23,68

Siehe auch Römische Bautechnik Technik im Römischen Reich

Literatur A. Trevor Hodge: The Woodwork of Greek Roofs. Cambridge University Press, Cambridge 1960, S. 38–44. Nancy L. Klein: Evidence for West Greek Influence on Mainland Greek Roof Construction and the Creation of the Truss in the Archaic Period. In: Hesperia, Band 67, 1998, S. 335–374. Roger B. Ulrich: Roman Woodworking. Yale University Press, New Haven CT 2007, ISBN 0-300-10341-7, S. 123–177 (Chapter 8: Roofing & Ceilings); . Alexander von Kienlin (Hrsg.): Holztragwerke der Antike. Internationale Konferenz 30. März – 1. April 2007 in München. (= Byzas, Band 11), Ege Yayınları, Istanbul 2010, ISBN 978-605-5607-47-0. Manolis Korres: The Odeion Roof of Herodes Atticus and Other Giant Spans. Melissa, Athen 2015, ISBN 978-960-2043-40-0. Buchtitel, Inhaltsverzeichnis und Vorwort. isdistribution.com; abgerufen am 30. Juni 2019.

Weblinks Traianus – Technische Untersuchungen römischer Bauten

Einzelnachweise

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