|torschützenkönig = (8 Tore) |bester spieler = |bester torhüter = |bester junger spieler = |gelbe karten = 227 |gelbrote karten = 3 |rote karten = 3 |strafstöße = 23 |vorheriges turnier = Russland 2018 |nachfolgendes turnier = Kanada/Mexiko/USA 2026 }} Die Endrunde der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 (, ) war die 22. Austragung des bedeutendsten Turniers für Fußballnationalmannschaften und fand vom 20. November bis zum 18. Dezember 2022 im arabischen Golfstaat Katar statt.
Weltmeister wurde zum dritten Mal Argentinien, das im Endspiel Titelverteidiger Frankreich im Elfmeterschießen besiegte. Mit dem Sieg der argentinischen Nationalmannschaft ging der WM-Titel erstmals seit 2002 wieder an eine südamerikanische Mannschaft. Dritter wurde der amtierende Vize-Weltmeister Kroatien im Spiel um Platz 3 gegen die Nationalmannschaft Marokkos, die mit dem vierten Platz die bisher beste Platzierung einer afrikanischen Nationalmannschaft in der WM-Geschichte errang. Gastgeber Katar schied nach drei Niederlagen ohne Punktgewinn bereits nach der Gruppenphase aus und erreichte so das bisher schlechteste Ergebnis eines WM-Gastgebers. Auch Deutschland scheiterte, wie bereits vier Jahre zuvor, in der Gruppenphase. Die Schweiz schied im Achtelfinale aus, Österreich und der amtierende Europameister Italien waren bereits in der Qualifikation gescheitert.
Nachdem die Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar von Anfang an von Bestechungsvorwürfen begleitet worden war, brachten spätestens Enthüllungen 2020 deutliche Hinweise auf den Kauf von Stimmen von FIFA-Funktionären für die Vergabe der WM an Katar. Im März 2015 wurde endgültig entschieden, dass das Turnier wegen der großen Sommerhitze auf der Arabischen Halbinsel erstmals gegen Jahresende stattfindet.
Kritik am Gastgeber entstand im Vorfeld der WM vor allem wegen schwerwiegender Verletzungen der Menschenrechte im Land. Im Februar 2021 nannte die britische Tageszeitung The Guardian die Zahl von 6500 gestorbenen Arbeitsmigranten aus fünf Ländern seit Vergabe der Weltmeisterschaft im Jahr 2010Dinu Gautier, Jan Jirát: WM-Boykott? «Schweigen ist keine Option mehr». In: WoZ.ch. Die Wochenzeitung, 1. April 2021, abgerufen am 14. Februar 2024. – Amnesty International veröffentlichte im August 2021 einen Bericht, nach dem 15.021 Nicht-Katarer zwischen 2010 und 2019 gestorben sind, wobei 70 % der Todesfälle nicht richtig aufgeklärt wurden. Bei beiden Statistiken ist jedoch nicht bekannt, wie viele dieser Todesfälle im Zusammenhang mit dem Bau von WM-Infrastrukturprojekten standen. Während der Vorrunde gestand der Generalsekretär des WM-Organisationskomitees in Katar Hassan al-Thawadi erstmals „zwischen 400 und 500“ Todesfälle bei Arbeiten im Zusammenhang mit der WM.WM-Orgachef spricht von 400 bis 500 toten Gastarbeitern. In: Sportschau.de. 29. November 2022, abgerufen am 14. Februar 2024. Unabhängig von den Todesfällen wurde auch Katars niedrige, teilweise vollständig ausbleibende Bezahlung der Arbeiter, deren Unterbringung und Versorgung kritisiert. Weitere Kritikpunkte am Gastgeber Katar sind insbesondere die Diskriminierung Homosexueller, Katars fehlende international bedeutsame Fußballtradition, die Änderung des Turnierzeitpunkts von Sommer auf Winter, die klimatisierten Stadien mitten in der Wüste in Zeiten des Klimawandels und Katars angebliche Unterstützung von Terrorgruppen.
Für das einmonatige Fußballturnier erwartete Katar – eine Nation mit einer Gesamtbevölkerung von drei Millionen – mehr als 1,2 Millionen Besucher. Laut den Veranstaltern waren vor der WM drei Millionen Tickets verkauft worden. Die 64 Spiele fanden in und nahe der Hauptstadt Doha in acht Stadien statt, die nicht weiter als 68 Kilometer voneinander entfernt liegen.kicker Sonderheft: Weltmeisterschaft 2022, Olympia-Verlag, Nürnberg 2022, , S. 18.
Mit 172 erzielten Toren übertraf diese Weltmeisterschaft die Endrunden der Jahre 1998 und 2014 (jeweils 171 Treffer) und war damit die torreichste WM-Endrunde der Geschichte.
Vergabe mini|hochkant|Logo der Bewerbung Katars
Ablauf Das Exekutivkomitee der FIFA hatte am 19. Dezember 2008 während seiner Sitzung in Tokio beschlossen, die beiden Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gleichzeitig zu vergeben. Die Frist für die Mitgliedsverbände zur Bekundung ihres Interesses an der Ausrichtung endete am 2. Februar 2009. Für die beiden Turniere gingen elf Bewerbungen aus 13 Ländern ein. Dem 2007 modifizierten Rotationsverfahren entsprechend, war für das Turnier 2022 der Kontinentalverband, in dem die vorletzte Weltmeisterschaft stattgefunden hat (Südamerika mit Brasilien 2014), von der Bewerbung ausgeschlossen. Bis zur Vergabe zogen alle europäischen Bewerber für die Weltmeisterschaft 2022 ihre Kandidatur zurück und konzentrierten ihre Bewerbungen auf das Turnier 2018. Die Bewerbung aus Indonesien wurde von der FIFA abgelehnt, da die geforderten Unterlagen und Garantien nicht eingereicht wurden. Der mexikanische Verband zog am 28. September 2009 seine Bewerbung aufgrund der ungeklärten Finanzierung zurück.
Den Gastgeber der WM 2022 gab die FIFA am 2. Dezember 2010 in Zürich bekannt. Dabei setzte sich Katar gegen die Mitbewerber aus den USA, Südkorea, Japan und Australien durch. Bewerber 1. Runde 2. Runde 3. Runde 4. Runde Bemerkung 11 10 11 14 – 3 5 6 8 Ausrichter der WM 1994 4 5 5 – Gemeinsame Ausrichter der WM 2002 3 2 – – 1 – – – –
Anmerkung: Es war eine absolute Mehrheit erforderlich, was zwölf Stimmen entsprach. Bis diese erreicht wurde, schied pro Runde der Bewerber mit den wenigsten Stimmen aus.
Die Endrunde ist mit 29 Tagen die kürzeste seit der WM 1978, die über 25 Tage ausgetragen wurde. Dies wurde möglich, weil an allen Gruppenspieltagen (mit Ausnahme der ersten zwei Tage) vier statt zuvor drei Spiele angesetzt wurden und zwischen den letzten Gruppenspielen und dem Achtelfinale kein Tag Pause lag. Im Mai 2019 legte der FIFA-Rat für das Turnier die Teilnehmerzahl auf 32 fest, was den vorherigen Turnieren entspricht. Die Pläne, erstmals mit 48 Mannschaften zu spielen, wurden somit verworfen.fifa.com: 32 teams.Sport.de: Katar plant mit 32 Mannschaften.
Korruptionsvorwürfe bei der WM-Vergabe Über die WM-Vergabe entschieden die 24 Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees. Nach den Bekundungen eines Ausschussmitglieds der Sektion Südamerika sollen weit im Vorfeld der Katar-Bewerbung schon Stimmen gekauft worden sein. Zwei Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees, Reynald Temarii (Tahiti) und Amos Adamu (Nigeria), wurden dabei von der englischen Wochenzeitung The Sunday Times mit versteckter Kamera gefilmt, wie sie ihre Stimmen für die WM-Vergabe zum Kauf anboten, und wurden schon vor der Abstimmung gesperrt. In einem seiner ersten Interviews nach der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland und Katar bestritt Sepp Blatter die vorgebrachten Vorwürfe bezüglich Korruption und Intransparenz beim Abstimmungsverfahren vehement. Zahlreiche Mitglieder des Exekutivkomitees standen in den Folgejahren im Zentrum von Korruptionsermittlungen, wurden verhaftet oder waren zurücktreten. Von den 22 Wahlmännern bei der WM-Vergabe 2010 waren 2017 nur noch zwei im FIFA-Amt, Ángel María Villar und Hany Abo Rida.Garcia-Report: Fifa zeigt brisanten Bericht zu WM-Vergaben. Auf faz.net, vom 27. Juni 2017. Abgerufen am 6. August 2019. María Villar trat am 27. Juli 2017 kurz nach seiner Suspension durch den spanischen Fußballverband zurück; Abo Rida ist als einziger bis heute im Amt (im mittlerweile umbenannten FIFA-Rat).
Am 1. Juni 2014 erhärtete sich der Korruptionsverdacht, als laut Sunday Times mehrere Millionen US-Dollar gezahlt worden seien, um eine Abstimmung zugunsten Katars herbeizuführen. Die Zeitung will im Besitz konkreter Beweismittel sein. Auch gegen den ursprünglichen Mitbewerber aus Australien wurden vom Sydney Morning Herald Bestechungsvorwürfe erhoben.
Anfang Mai 2020 brachten New Yorker Enthüllungen ans Licht, dass die Stimmen dreier FIFA-Funktionäre, darunter Ricardo Teixeira und Nicolás Leoz, gekauft wurden, um für Katar abzustimmen. Ohne diese drei Stimmen hätte es 11:11 unentschieden gestanden, wodurch der FIFA-Chef den Ausschlag gegeben hätte. Da Sepp Blatter für die USA als Ausrichter gestimmt hatte, wäre die WM dorthin vergeben worden. Trotz der Beweislage wurde Katar die WM nicht wieder entzogen. Der Bau der Stadien war schon zu weit fortgeschritten; so hätte es milliardenschwere Schadensersatzforderungen an die FIFA gegeben. Ohnehin hatten die USA durch die gewonnene Ausrichtung der WM 2026 kaum Interesse an einer Klage. Blatter sagte daher in einem ARD-Interview: „Die WM wird in Katar gespielt.“Sepp Blatter: WM 2022 findet in Katar statt. Auf sueddeutsche.de, vom 3. Mai 2020. Abgerufen am 3. Mai 2020.FIFA-Prozess – neue Enthüllungen zur WM-Vergabe 2022. Auf sportschau.de, vom 3. Mai 2020. Abgerufen am 3. Mai 2020. Ein weiterer Grund sei laut der Whistleblowerin Bonita Mersiades, 2010 Teil der australischen Delegation, dass vor der Vergabe alle Nationen zumindest versucht hätten, Stimmen zu kaufen.
Im November 2022 brachten die ZDF-Dokumentationen Geheimsache Katar und Die Skandal-WM – Wie Katar den Fußball kauft neue Hinweise auf Korruption bei der WM-Vergabe. Im Zentrum steht ein Treffen zwischen dem damaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Scheich Tamim bin Hamad Al Thani (Emir von Katar), Hamad ibn Dschasim ibn Dschabr Al Thani (damaliger Premierminister Katars) und Michel Platini (UEFA-Chef und Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees) am 23. November 2010 im Élysée-Palast, neun Tage vor der WM-Vergabe. Hatte sich Platini vor dem Treffen noch für die USA ausgesprochen, stimmte er bei der Vergabe für Katar; auch Sarkozy äußerte nach dem Sieg Katars seine große Freude. Wie die später veröffentlichte Tagesordnung zeigt, wurden bei dem Treffen die WM-Kandidatur Katars, die Beziehungen zu Frankreich und der Verkauf französischer Kampfflugzeuge vom Typ Rafale an das Land besprochen. Die Dokumentation stellt einen Zusammenhang her zwischen Platinis Stimme, dem Kauf von 24 Flugzeugen für 6,3 Milliarden Euro sowie dem Kauf des hochverschuldeten Fußballvereins Paris Saint-Germain durch Katar im Folgejahr. Durch den Einfluss Platinis auf drei andere Mitglieder des Exekutivkomitees habe man so bis zu vier Stimmen gewinnen können.Die Skandal-WM – Wie Katar den Fußball kauft, ZDF-Dokumentation. Des Weiteren gibt es Hinweise, dass Katar in den folgenden Jahren vieles unternommen habe, um sich die Unterstützung des europäischen Fußballs für diese WM zu sichern. So lud man im Februar 2013 die Mitglieder der European Club Association (unter dem Vorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge) zu einem Luxusaufenthalt ins Fünf-Sterne-Hotel The St. Regis in Doha ein. Rummenigge und weitere äußerten sich nach der Rückkehr sehr wohlwollend über die WM in Katar. Zudem wurden in Rummenigges Gepäck zwei unverzollte Rolex-Uhren im Wert von etwa 90.000 Euro durch den deutschen Zoll am Flughafen München beschlagnahmt; eine Strafe in Höhe von 250.000 Euro wurde für Rummenigge angeordnet. Die Uhren sind laut Rummenigge das Geschenk eines Freundes, nicht der Katarer. Des Weiteren wurde der Kauf von Fernsehrechten an europäischen Fußballligen durch den katarischen Fernsehsender beIN Sports unter die Lupe genommen. In diesem Zusammenhang wurde berichtet, dass beIN Sports in den Folgejahren nach der WM-Vergabe für überhöhte Summen Fernsehrechte an europäischen Fußballligen gekauft habe; so wurden 40 Millionen Euro für die Bundesliga bezahlt, während die bezahlte Summe zuvor bei 11 Millionen pro Saison gelegen haben.Geheimsache Katar, ZDF-Dokumentation. In beiden Dokumentationen wird betont, dass es zwar viele Hinweise auf ein komplexes System an finanziellen Verflechtungen gebe, jedoch keine Beweise.
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