Madeleine Dietz (* 1953 in Mannheim) ist eine deutsche Bildhauerin, Installationskünstlerin und Performancekünstlerin, die insbesondere für ihre Skulpturen aus Erde und Stahl bekannt geworden ist. Ihre minimalistischen Arbeiten behandeln Themen wie Erinnerung, Materialität und der Umgang mit der Natur. Madeleine Dietz lebt und arbeitet in Landau in der Pfalz.
Biographie und künstlerische Entwicklung Von 1970 bis 1974 absolvierte Madeleine Dietz ein Studium an der Werkkunstschule Mannheim (heute Technische Hochschule Mannheim). Zunächst begann sie ihre künstlerische Tätigkeit mit Videoarbeiten und Rauminstallationen. Durch die wegweisende Erfahrung während einer Sahara-Reise, bei der Dietz die Veränderung des Bodens während und nach einer Dürreperiode beobachtete, wurde ihre weitere künstlerische Arbeit maßgeblich geprägt. Der Kontrast zwischen trockener, rissiger Erde und neu aufkeimendem Leben wurde zu einem zentralen Motiv ihres Schaffens. Seit Mitte der 1980er-Jahre beschäftigt sich Dietz neben Videokunst, Bildhauerei und Installation zudem mit Lichtinstallationen und Performances, darunter die Performance „In Bearbeitung“ von 1993 im Mannheimer Kunstverein.
1996 erhielt sie ein Stipendium bei der Cité Internationale des Arts in Paris. Ein Jahr später wurde sie für das Gaststipendium der Villa Romana in Florenz eingeladen und erhielt 1998 ein Arbeitsstipendium in Houston (USA). Ab Mitte der 1990er-Jahre arbeitet Dietz auch zunehmend im öffentlichen Raum und schafft Denkmäler, Mahnmale und Arbeiten im sakralen Raum. Diese Werke und Installationen entwickelt sie bis heute aktiv weiter.
Von 1999 bis 2000 ging einer Lehrtätigkeit an der Hochschule der Bildenden Künste Saar in Saarbrücken nach. 2003 wurde ihr der Ernst Barlach Preis in Hamburg verliehen, wobei der Preis mit einer großen Einzelausstellung im Ernst-Barlach-Museum Hamburg-Wedel verbunden war. 2004 widmete sich Dietz zudem dem Medium der Radierung und arbeitete in der Radierwerkstatt Tristán Barbara in Barcelona. Während dieses Aufenthalts entstanden monumentale Radierungen, welche in ihrer Struktur an plastische Zeichnungen erinnern.
Madeleine Dietz war in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen sowie auf Kunstmessen und in Galerien vertreten. 2024 wurde ihr Werk mit dem Lebenswerkpreis für Bildende Kunst des Bezirksverbands Pfalz gewürdigt. Der Preis ist mit einer großen Retrospektive verbunden, die für 2026 geplant ist.
Werk Skulpturen aus Erde und Stahl mini|Madeleine Dietz, Kein Brunnen, 1991, Erde und Stahl mini|Madeleine Dietz, Stück um Stück, 1993, Erde und Stahl Madeleine Dietz arbeitet mit vielfältigen Medien und Materialien. Dafür mischt sie Erde mit Wasser, streicht diese Masse entweder auf dem Boden oder direkt in einer stählernen Konstruktion aus und lässt sie trocknen. Die Erde bekommt mit der Zeit Risse und erhält so den gewünschten Effekt – Dietz bewegt sich in ihrer künstlerischen Technik demnach an der Schnittstelle von Kontrolle und Zufall. Für einige ihrer Arbeiten, wie z. B. „Kann Sein…“ von 1992/93 formt Dietz außerdem die nasse Erde zu Backsteinen, wobei sie diese nach dem Trocknungsprozess ihren Stahlkonstruktionen hinzufügt und die Skulptur dadurch räumlich und inhaltlich erweitert.
Die Kunsthistorikerin Ulrike Lorenz beschreibt in ihrem Essay Erde und Stahl: Zur Existenz-Bildhauerei von Madeleine Dietz die künstlerische Bildsprache eben dieser Erd-Stahl Arbeiten mit den folgenden Worten: „Die postminimalistischen Räume von Madeleine Dietz verdichten sich in der konkreten Interaktion zwischen Betrachter und Skulptur zu Orten selbstbestimmten Handelns und leibhaftiger Erfahrung. (…) Angesiedelt ist sie im Spannungsfeld von Plastik und Installation, Objekt und Aktion, am Schnittpunkt von Material, Struktur und Raum. An den durchlässigen Grenzen zwischen Masse und Leere, Geometrie und Rhythmus insistiert die Künstlerin auf den klassischen Kernfragen und kontrapunktischen Kategorien von Skulptur als „qualitativer Physik“ (Octavio Paz). Einer Physik, die Raum nicht verdrängt, sondern ihn artikuliert und dabei den Ort, an dem sie ins Werk gesetzt wird, lebendig macht, ihm Charakter verleiht. Mehr noch, in ihrer Erd-Stahl-Dialektik stellt Madeleine Dietz den Begriff des Ortes als Schauplatz menschlicher Existenz überhaupt erst her.“
Arbeiten im öffentlichen und sakralen Raum mini|Madeleine Dietz, Kolumbarium in Webenheim, 2021 Madeleine Dietz arbeitet auch intensiv im öffentlichen und sakralen Raum. Bekannt ist hier beispielsweise ihr Altar-Objekt 1997 zur documenta X in der Martinskirche (Kassel). Außerdem hatte Dietz mit ihrer Arbeit „side by side“ im Museum für Sepulkralkultur in Kassel 2007 parallel zur documenta XII in einem vierjährigen Prozess mit Hilfe von Regierungen, Institutionen, Privatpersonen und Unterstützenden Friedhofserde aus nahezu allen Ländern dieser Erde zusammengetragen und zu einem Kunstprojekt zusammengeführt hat. 2020 schaffte sie mit ihrer Installation „Entfestung“, welche aus Stahlplatten, Erde und Digitaldrucken einer Felsenlandschaft besteht, gleichzeitig einen Erinnerungsort und ein historisches Mahnmal im ehemaligen KZ Osthofen.
Seit einigen Jahren hat Dietz auch die Malerei für sich entdeckt, wobei sie ihrer Materialverbundenheit treu bleibt und mit Erde sowie dem Pigment verbrannter Weinreben auf Leinwand malt.
Auszeichnungen 1992: Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis für Bildhauerei und Plastik. 1996: Cité Internationale des Arts Paris, Stipendium des Landes Rheinland-Pfalz 1997: Florenz, Villa Romana, Gaststipendium 2003: Ernst Barlach Preis 2013: Kulturpreis Kunst und Ethos, Verlag Schnell und Steiner, Regensburg 2024: Pfalzpreis für Lebenswerk des Bezirksverbandes Rheinland-Pfalz mini|Worms-Hochheim, BergkircheAltar 3-teiligStahl/Erdstücke2001 mini|210 × 200 × 25 cm Stahl/Erdstücke2006
Projekte, Skulpturen und permanente Installationen 1993: Projekt „Kirchgänge“ in Landau 1998: „Schatzkästchen“, Luisenpark MannheimJochen Kronjäger, Christmut Präger (Hrsg.): Figur und Abstraktion: Skulpturen und Plastiken der Sammlung Heinrich Vetter. Ilvesheim 2007. 1999: Feldgarten, mit Ulrike Hullmann und Thomas Kocheisen, im Tal (Skulpturenpark) zwischen Hasselbach und Werkhausen 2007: Projekt „Side by side“ Museum für Sepulkralkultur, Kassel 2008: Projekt „Friedenszeichen“, Friedhof der Stadt Engen 2009: Projekt „Erdurnen - Columbarium“ Bad Dürkheim, Klosterkirche 2012: Lager Mühlau, Tuttlingen 2013 Skulptur für Thomas Nast, Landau 2014: TOR, Christlicher Pavillon Landau 2017: Gedenkort Lübecker Märtyrer, Johannes Prassek Osnabrück 2017: Kolumbarium Kloster Kirchberg 2021: Kolumbarium Webenheim bei Blieskastel 2022: Friedhof Regensburg, Skulptur KEIN BRUNNEN 2023: Denkmal Otto Hörner, Ettlingen
Einzelausstellungen (Auswahl) 1989: Heidelberg: Heidelberger Kunstverein, „Leben geben“ 1991: Stuttgart: Hospitalhof Stuttgart 1996: Bochum: Museum Bochum: „Konkretum - Abstraktum“ (m. M. Eicher) 1996: Wiesbaden: Museum Wiesbaden, „280 Tage“ 1999: Paderborn: Abdinghofkirche, „Korrespondenzen“ 2000: Mannheim: Kunsthalle Mannheim, „Konvertibel“ 2001: Bremen: Gerhard-Marcks-Haus, „Terra“ 2002: Houston (Texas): Galerie Sonja Roesch 2002: Halle (Saale): Galerie Moritzburg, „Einmal noch das Meer sehen“ 2003: München, DG Deutsche Gesellschaft für christliche Kunst e. V., „Kein Wesen kann zu nichts zerfallen“ 2003: Hamburg-Wedel: Ausstellung im Ernst-Barlach-Museum zum Ernst-Barlach-Preis, auf ernst-barlach.de 2004: Agathenburg, Schloss Agathenburg 2005: Würzburg: Museum im Kulturspeicher, „Über der Erde die Sonne“ 2006: Madrid: Galeria La Caja Negra, „Kann sein“ 2006: Mannheim: Galerie Sebastian Fath Contemporary 2006: Stuttgart: Galerie Harthan 2007: Berlin: Galerie Georg Nothelfer 2007: Kassel: Museum für Sepulkralkultur, Begleitveranstaltung zur documenta 12, side-by-side 2008: Trier: Dom Kreuzgang, „In Würde sein“ 2009: Buchholz, Kunstverein Buchholz, „Hier ist Niemand“ 2010: Baltimore: Galerie C. Grimaldis, „Elements“ 2011: Thessaloniki: Macedonian Museum of Contemporary Art (mit Annette Sauermann) 2012: Berlin: Galerie Georg Nothelfer 2013: Houston (Texas): Galerie Sonja Roesch 2014: Ulm: Museum Ulm, „Weg und Ort“ 2015: Stuttgart: Galerie Harthan 2016: Berlin: Galerie Hollinger + Galerie G. Nothelfer 2017: Berlin: Galerie Nothelfer 2018/2019: Mainz: Landesmuseum, als Interventionen in der Dauerausstellung und im Innenhof: „Madeleine Dietz: Korrespondenzen Skulpturen, Installationen, Malerei“ 2019: Osthofen: KZ Osthofen, Erinnerungsstätte, „Kunst trotz(t) Ausgrenzung“ 2020: Speyer: Städtische Galerie Speyer, „Singen und Klagen“ 2022: Düsseldorf: Galerie Franz Swetec, „Verbergen – Entbergen“
Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 1992: London: Wall Hall University, Bildhauersymposium 1993: Zielona Góra (PL): V. Biennale of New Art 1999: Aachen: Ludwig Forum, „Natural Reality“ 2004: Hamburg-Wedel: Ernst-Barlach-Museum, Sammlung Reinking, „Da Sein“ 2005: Barcelona: Galerie Hartmann, Tristán Barbara Editions, „Grand Dimensiones“ 2006: Hörstel: Kunsthaus Kloster Gravenhorst, „Memoria“ 2007: Berlin: Galerie Nothelfer, „grand cru d’árt“ 2009: Berlin: Sammlung Marli-Hoppe Ritter, Landesvertretung Bad. Württemberg 2011: Bingen: Schönheit und Natur am Rheinkilometer 529 2011: Koblenz: Bundesgartenschau Koblenz, Festung Ehrenbreitstein, Festungskirche 2011: ARCO Madrid, ART Basel, ART Cologne, Galerie Nothelfer, Berlin 2011: ART Miami, Galerie C. Grimaldis, Baltimore 2012: Berlin: Deutscher Künstlerbund, Berlin, „Blätterwald oder Die Quintessenz des Buches“ 2012: Schussenried: Neues Kloster Bad Schussenried, Kunststiftung BC pro arte, „Ewigkeit“ 2013: Graz, Museum der Minoriten, „Seelenwäsche“ 2014: Remagen: Arp Museum Bahnhof Rolandseck, Macht. Wahn. Vision. Rapunzel & Co. 2015: Landau: Villa Streccius, „Stille Zeichen“ 2014: Hamburg: Museum für Völkerkunde Hamburg, Sammlung Reinking, „Beyond Melancholia“ 2014: Bremen: Museum Weserburg Bremen, Sammlung Reinking Kunstverein Wilhelmshöhe Ettlingen, Stahlplastik in Deutschland 2022: Germersheim: Kunstverein Germersheim 40 Jahre 2023: Mannheim: Kunsthalle Mannheim, „Woman only“ 2023: Hamburg: Woods Art Institut, Sammlung Reinking, „homo ludens“ 2025: Ludwigshafen: Wilhelm-Hack-Museum, „Our voices. 75 Jahre Deutscher Künstlerbund“
Galerien Galerie Franz Swetec, Düsseldorf Galerie Georg Nothelfer, Berlin Galerie Angelika Harthan, Stuttgart Galerie Sonja Roesch, Houston TX Galerie Sebastian Fath Contemporary, Mannheim Galerie Vayhinger, Radolfzell Galerie C. Grimaldis, Baltimore Galerie Linde Hollinger, Ladenburg Galerie Peter Lindner, Wien Galerie Dagmar Rehberg, Horn Galerie Rottloff, Karlsruhe Galerie Ruppert, Landau Galerie Stahlberger, Weil a. Rhein
Literatur
Madeleine Dietz, Leben geben Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen 1988. Madeleine Dietz: Side by side. Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Kassel 2007. Friedhelm Mennekes: Künstlergespräch zwischen Pater Friedhelm Mennekes und Madeleine Dietz. DG, München 2004. Madeleine Dietz, Kein Wesen kann zu nichts zerfallen. GD, München 2003 Madeleine Dietz, Einmal noch das Meer sehen. Staatliche Galerie Moritzburg Halle, Kunstmuseum Sachsen-Anhalt. 2003. Madeleine Dietz: Konvertibel. Kunsthalle Mannheim. Plöger, Annweiler 2000. Madeleine Dietz: … über der Erde die Sonne. Museum im Kulturspeicher Würzburg 2005. Madeleine Dietz 2004–2009, verbergen - entbergen. Kunstverein Buchholz Madeleine Dietz – Dein Plan für das Paradies, Sakrale Räume. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2013. Madeleine Dietz: Weg und Ort. Zur Ausstellung im Museum Ulm, 2014. Madeleine Dietz, Korrespondenzen. Landesmuseum Mainz Walter Zahner (Hrsg.) Schnell & Steiner, Regensburg 2018, ISBN 978-3-7954-3391-8.
Weblinks
Homepage von Madeleine Dietz Seite beim Deutschen Künstlerbund
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer (Deutschland) Kategorie:Mitglied im Deutschen Künstlerbund