mini|Stadtwappen

Die Marktkommune Perg war eine Einrichtung des Marktes Perg, welche das Gemeinschaftseigentum der Bürger des Marktes als Sondervermögen unter Aufsicht der Marktgemeinde verwaltete und bis 1938 bestand.

Die Gründung des Marktes Perg ist urkundlich 1269 erwähnt, dürfte aber bereits Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts durch die Babenberger erfolgt sein. Der Markt Perg beziehungsweise die Katastralgemeinde Perg gliederte sich in Markt, Ober- und Untervormarkt, wenige Häuser in Karlingberg, sowie die kaum besiedelte Kickenau.

700 Jahre später, 1969, erfolgte die Erhebung des Marktgemeinde zur Stadt Perg. Einige Jahrzehnte vorher, am 1. November 1938, waren die bisher selbstständigen Katastral- und Ortsgemeinden Pergkirchen und Weinzierl in die Marktgemeinde Perg eingemeindet worden. Mit deren Entwicklung befassen sich die Hauptartikel Pergkirchen und Weinzierl.

Während sich der Hauptartikel Perg mit der Stadtgemeinde Perg einschließlich der wesentlichen historischen Aspekte des heutigen Gemeindegebietes befasst, steht nachfolgend im Wesentlichen der Markt Perg auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Perg im Mittelpunkt.

Das bis zur Schaffung der selbstständigen Marktgemeinde Perg im Jahr 1848 im Markt Perg vorhandene Gemeinschaftseigentum der Bürger des Marktes Perg an Liegenschaften und die damit verbundenen Nutzungs- und sonstigen Rechte beziehungsweise Pflichten wurden in der Gemeindeordnung vom Jahre 1864 als Sondervermögen behandelt, das von einer Gemeinschaft unter Aufsicht der Marktgemeinde verwaltet werden musste. Diese Gemeinschaft erhielt die Bezeichnung Kommune und bestand in Perg zunächst bis zu ihrer erzwungenen Selbstauflösung im Jahre 1938. Juristisch handelte es sich um eine öffentlich-rechtliche Körperschaft.

Die Wiedererrichtung der Marktkommune Perg nach 1945 scheiterte am Einspruch der oberösterreichischen Landesregierung. Schließlich bildete sich die bürgerliche Agrargemeinschaft Marktkommune Perg, die mit der Marktgemeinde Perg 1958 bei der Rückstellungskommission des Landesgerichtes Linz einen Vergleich abschloss und vor ihrer Auflösung die ihr verbliebenen Grundstücke auf die Eigentümer der Markthäuser aufteilte. 25,8 Hektar forstwirtschaftliche Flächen werden weiterhin gemeinschaftlich von der Agrargemeinschaft Perg bewirtschaftet.

Geografie Der Markt beziehungsweise die Katastralgemeinde Perg umfasst eine Fläche von 7,61 km² und grenzt im Norden an die Gemeinde Lebing, im Osten an die Gemeinden Altenburg und Pergkirchen, im Süden an die Gemeinde Naarn und im Westen an die Gemeinde Weinzierl.

Mit 1. November 1938 wurde die Gemeinde Lebing in die Gemeinde Allerheiligen eingemeindet, die Gemeinde Altenburg in die Dorfgemeinde Windhaag und die Gemeinden Pergkirchen und Weinzierl in die Marktgemeinde Perg. Die bisher selbstständigen Ortsgemeinden blieben als Katastralgemeinden erhalten.

Das Gebiet des Marktes Perg zerfiel zur Zeit der Erstellung der Josephinischen Lagerbücher in 17 Fluren im weiteren Sinn, jeweils mit zahlreichen Grundparzellen, den Fluren im engeren Sinn:Florian Eibensteiner, Konrad Eibensteiner: Flurnamen in der Gemeinde Perg. In: Illustriertes Heimatbuch Perg, Oberösterreich. Selbstverlag, Perg 1933, S. 71 f.

Ortsplatz, Hinterbach, Schern, Henerbichl, Eysa, Krautgärten, Oberpoint, Oberfeld, Mitterfeld, Mitterpoint, Unterpoint, Kleinfeld, Unterfeld, Pergerau, Bauernwiesen, Hauswiesen, Burgrechtwiesen in der Kickenau, Kronawitt.Urmappe der Katastralgemeinde Perg ist auf insgesamt 8 Blättern digital verfügbar und bei DORIS abrufbar Aufrufen und hineinzoomen auf die Urkarte

Zum Zeitpunkt der Volkszählung per 1. Jänner 2001 hatte die Katastralgemeinde Perg 4.979 Einwohner, zehn Jahre später 5.411.

Geschichte vor 1848 Das Marktrecht und die kleine Gerichtsbarkeit links|mini|Burgfriedstein unterhalb des Anwesens Scherer mini|Pranger auf dem Hauptplatz von Perg aus 1583

Perg weist einen Rechtecksplatz als Charakteristikum der Stadt- und Marktgründungen in der späten Babenbergerzeit (976 bis 1246) auf.Othmar Hageneder: Das Untere Mühlviertel im Rahmen der Landeswerdung Oberösterreichs. In: Land Oberösterreich (Hrsg.): Das Mühlviertel, Natur-Kultur-Leben, Beiträge zur Landesausstellung 1988 im Schloss Weinberg bei Kefermarkt. Linz 1988. 1269 erhielten die Perger Marktrechte verliehen und 1280 wurde bereits ein judicium (Marktgericht) für Perg beurkundet.

Märkte konnten in größeren und geschlossenen Siedlungen abgehalten werden und mussten auf Grund der mittelalterlichen staats- und verfassungsrechtlichen Vorstellung vom geistlichen oder weltlichen Landesherrn bewilligt werden. Da, wenn viele Menschen zusammenkamen, für Ordnung und Aufsicht gesorgt werden musste, verlieh der landesfürstlichen Marktbann dem privilegierten Ort für die Dauer des Marktes und der Tage zuvor und danach eine Art Sondergerichtsbarkeit (landesfürstliche Freyung). Es ist nicht eindeutig belegt, es wird jedoch vermutet, dass Perg ein solches Marktrecht bereits zwischen 1191 und 1218 erhalten hat.Die Perger Burgfriedsteine. In: Museumsinfoblatt des Verbundes oberösterreichischer Museen. Ausgabe 2/2008, S. 15.

Der Marktrichter stand dem Rat des Marktes vor. Seine Funktion entsprach jener der späteren Bürgermeister. Die Namen der Marktrichter des Perger Marktgerichtes sind für den Zeitraum 1566 bis 1848 bekannt.

Der Wirkungskreis der Gewalt des Marktrichters von Perg war äußerlich markiert und abgegrenzt durch die Burgfriedsteine, von denen es in Perg 18, davon vier Hauptburgfriedsteine, gab. Einer der Hauptburgfriedsteine war nördlich beim Scherer, einer bei Zeitling, westlich, einer in der sogenannten Sauhalt, südlich, und einer östlich unterhalb des Brauhauses Seyr an der Hauderer Bezirksstraße. Leichte Vergehen fahrender Gesellen, durchziehender Personen und Ortsbewohner wurden innerhalb dieser Vermarkungen von dem Marktrichter von Perg nach den Strafen der damaligen Zeit bestimmt.

Der Perger Pranger (Schandpfahl) aus dem Jahr 1583, war das äußere Zeichen der Gerichtsbarkeit und diente als Strafwerkzeug. Es handelt sich um eine Granitsäule, an der Bestrafte gefesselt und öffentlich vorgeführt wurden. Zunächst Folter-Werkzeug und Stätte der Prügelstrafe, erlangten die Pranger ab dem 13. Jahrhundert weite Verbreitung zur Vollstreckung von Ehrenstrafen. Es ist anzunehmen, dass es bereits zur Zeit der Verleihung des Marktrechts 1269 einen Pranger (wahrscheinlich aus Holz) in Perg gab.

Ungeachtet der eigenen, niederen Gerichtsbarkeit, unterstand der Markt Perg zunächst (etwa ab 1230) dem Landgericht Machland auf der Burg Mitterberg, ab 1485 dem Landgericht Greinburg und ab 1591 dem Landgericht Schwertberg. Abweichend dazu wurde Perg 1823 weiterhin dem Landgericht Greinburg zugezählt.

Am 31. Juli 1524 verkaufte Graf Julius Hardegg (Herrschaft Greinburg, damals Heinrichsburg genannt) den Bürgern von Perg unter anderem den Michaelimarkt von Au an der Donau, die Bruggmühle (im 20. Jahrhundert Leitner-Mühle beziehungsweise Dirneder-Mühle) und die Badstube. Erzherzog Ferdinand bestätigte diesen Kauf am 31. August 1524. Ob die aus der Chronik der MühleHomepage der Dirneder-Mühle www.dirnedermuehle.at ersichtlichen Personen zunächst nur die Betreiber der Mühle waren und wann der Übergang in den persönlichen Besitz erfolgte, ist nicht bekannt.

Im Markt Perg waren bis ins 20. Jahrhundert Märkte an folgenden Tagen üblich:Florian Eibensteiner, Konrad Eibensteiner: Das Heimatbuch von Perg, Oberösterreich. Selbstverlag, Linz 1933, S. 80.

Am Aschermittwoch, zu Mittfasten (Mittwoch, Mitte der Fastenzeit), am Dienstag nach Pfingsten, am Jakobitag (seit 1489, 25. Juli, Tag des Kirchenpatrons), am Bartholomäustag (24. August), am Michaelitag (ursprünglich in Au an der Donau, käuflich erworben vom Grafen Julius Hardegg im Jahr 1524, 29. September, dauerte 14 Tage vor und nach Michaeli) und am Kathrinitag (25. November). Der Wochenmarkt wurde ab 1583 jeden Mittwoch als Getreidemarkt abgehalten.

Mit der Einführung der Landgerichte 1810 stellte das Marktgericht seine Tätigkeit ein. Bis 1848 hatte der Markt nebst dem Bürgermeister (=Marktrichter) auch einen Syndikus.

Am Sitz der seit 4. Dezember 1816 dem Grafen Josef von Thürheim gehörenden Herrschaft Schwertberg ist auch der Amtssitz des Distrikt-Kommissariats. Zum Distrikt gehörte unter anderem die Pfarre Perg (Patronatschaft Herrschaft Haus) sowie die Steuergemeinden Perg und Weinzierl. Der Markt Perg war zu dieser Zeit zur Herrschaft Freystadt zu Haus untertänig.

Die Marktbürger und ihre Zünfte mini|Kalvarienbergkirche (18. Jahrhundert) links|mini|Der Hafner (Holzschnitt von Amman) mini|Kreuzwegstation aus dem Jahr 1837 links|mini|Der Steinmetz – (Holzschnitt von Amman) mini|Granitbrunnen von Radler-Wöß (Naarnregulierungen)

Vom Mittelalter bis 1848 galten nur die Bürger eines Marktes oder einer Stadt als berechtigt für die Wahl in den Rat des Marktes (der Gemeindeverwaltung im heutigen Sinne). Als Bürger galten Personen, die einen Hausbesitz in der Stadt oder im Markt hatten und sich durch eine bürgerliche Hantierung, das heißt, von einer selbstständigen Tätigkeit als Handwerker, Händler, Gastwirt, Ackerbürger oder sonstiger Gewerbetreibender ernährte.

Im Markt Perg bestanden sieben Zünfte, von denen die der Mühlsteinbrecher mit 30 bis 40 Bürgern die bedeutendste war. Während zunächst Mühlsteine nur in Auftragsarbeit erzeugt wurden, entstand später die Perger Mühlsteinindustrie, deren Produkte in der gesamten Donaumonarchie verwendet wurden. Die Mühlsteinbrecher hatten ihre Häuser meist im Obervormarkt von Perg.

Von Bedeutung war auch die Zunft der Hafner. Die Perger Hafnerkunst war durch die Anwendung der Malhorntechnik charakterisiert, wobei sogenannte Zwiebel-, Doppeladler- und Gründonnerstagschüsseln sowie Weiß- und Schwarz-Keramik für den Alltagsgebrauch erzeugt wurden. Die Hafner hatten ihre Häuser und Werkstätten meist im Untervormarkt von Perg.

Die 1727 auf der Anhöhe nördlich des Marktes Perg aufgestellte lebensgroße geschnitzte Kreuzigungsgruppe war den Unbilden der Witterung ausgesetzt, sodass sich 1734 der Rat des Marktes Perg zur Erbauung einer Kapelle, der Perger Kalvarienbergkirche entschloss und deren Erhaltung durch die Übernahme einer Bürgerschaft sicherte.

Mehr als einhundert Jahre später stiftete 1837 der Kupferschmied und Perger Bürger, Franz Paur, der Großvater des späteren Perger Bürgermeisters Johann Paur, die Kreuzwegstationen aus Granit entlang des Weges zur Perger Kalvarienbergkirche.

Als nach der Naarnregulierung mit der Erbauung des Naarnkanals der sumpfige Moorboden durch Trockenlegung in Wiesengrund verwandelt wurde, wurden etwa um das Jahr 1780 diese Grundstücke in Streifenform an die Kommunehäuser von Perg, je nach der Größe, aufgeteilt (Einteil, Zwieteil, Driteil). Diese Wiesenstreifen konnten nicht verkauft werden. Sie mussten bei den Kommunehäusern bleiben. Die Besitzer hatten nur die Nutznießung.

In Perg gab es weiters Pregartbeete (eingezäunte Plätze) beim Holzschwemmplatz nächst der Brauerei Seyr (heutige Adresse Naarntalstraße Nr. 2) und Krautgärten gegenüber der Volksschule (Linzerstraße Nr. 20). Diese Grundstreifen waren verkäuflich.

Hinweise auf den Umfang des gemeinschaftlichen Vermögens der Perger Bürger ergeben sich vor allem aus dem anlässlich der Auflösung im Jahr 1958 mit der Marktgemeinde Perg geschlossenen Vergleich.

Geschichte nach 1848 Nach Auflösung der Untertansverhältnisse im Jahre 1848 wurden auf Grund des kaiserlichen Patentes vom 17. März 1849 die Ortsgemeinden in den Grenzen der bereits seit 1784 bestehenden Katastralgemeinden gebildet.

Die alten Bürgergemeinden verloren dadurch ihre wirtschaftliche und politische Stellung, erst mit dem Gemeindegesetz vom 5. Mai 1862 und der Gemeindeordnung und Gemeindewahlordnung vom 28. April 1864 konnten sich die Ortsgemeinden konstituieren.