mini|Siegelmarke Admiralstab der Marine Admiralstab war von 1899 bis 1918 die Bezeichnung für eine der vier obersten Kommandobehörden der deutschen Kaiserlichen Marine. Daneben bestanden das Reichsmarineamt, das Marinekabinett und das Amt des Generalinspekteurs der Marine. Die Zersplitterung der Marineführung ohne einen mit entsprechenden Machtmitteln ausgestatteten Oberbefehlshaber (vergleiche »First Sea Lord«) wirkte sich im Ersten Weltkrieg für Deutschland negativ aus. Erst mit Errichtung der Seekriegsleitung im August 1918 konnte die notwendige einheitliche Führung geschaffen werden. Doch diese Maßnahme erlangte keinen Einfluss mehr auf das Kriegsgeschehen. Am 14. November 1918 wurde der Admiralstab dem Reichsmarineamt unterstellt. Mit Erlass des Reichspräsidenten vom 15. September 1919 wurde der Admiralstab aufgelöst, die Geschäfte wickelte die Admiralität ab.

Entstehung Die Anfänge des Admiralstabs gehen zurück auf Allerhöchste Kabinettsordre (AKO) vom 14. Dezember 1875, mit der analog zum Generalstab der Armee die Einrichtung eines Admiralstabes als einem operativen Führungsorgan des Oberkommandos der Marine verlangt wurde. Als aber 1899 der Kaiser den Oberbefehl über die Marine selbst übernahm und das OKM aufgelöst wurde, blieb von diesem nur die Admiralstabsabteilung übrig. Sie wurde verselbständigt und Wilhelm II. direkt unterstellt.

Aufgaben Neben der Fortführung der bisherigen Aufgaben wurden dem Admiralstab militärpolitisch die im Ausland befindlichen Schiffe unterstellt. Die Generalstabsgeschäfte für das ehemalige Oberkommando der Marine umfassten a) das Studium der Seekriegsgeschichte und die Verwertung der gewonnenen Erkenntnisse für die Kriegsführung, b) Vorarbeiten für die Verwendung der Flotte im Kriege auf Grundlage der vom Kaiser gegebenen Ziele, c) die Durchführung der Mobilmachung, d) Augmentierung der Flotte im Kriege, e) Leitung der Generalstabs-Übungsreisen und der Manöver im Interesse der Mobilmachung, f) Leitung der Generalstabstätigkeit bei allen unterstellten Kommandobehörden. Admiral Alfred von Tirpitz, der bereits maßgeblich an der verhängnisvollen Auflösung des Oberkommandos der Marine mitgewirkt hatte, hielt den Admiralstab von vornherein klein, um in ihm keine Konkurrenz für das Reichsmarineamt entstehen zu lassen. Daher erlangte der Admiralstab zu keiner Zeit die Bedeutung des Generalstabes der Armee. Er blieb vielmehr eine »Studienbehörde für den Krieg« (Hubatsch).

Organisation August 1914

Chef Stellvertretender Chef Abteilungen: Zentralabteilung mit Hauptbüro Chiffrierbüro Druckerei Bibliothek Druckschriftenverwaltung Nachrichtenabteilung Abteilung für Taktik und Admiralstabsausbildung Europäische Abteilung mit den Dezernaten für Mobilmachungsangelegenheiten Rußland und Skandinavien Frankreich, Österreich-Ungarn und Mittelmeerstaaten Großbritannien, Niederlande, Belgien Außereuropäische Abteilung mit den Dezernaten für Überseeischen Dienst der Kriegsschiffe Amerikanische und Westafrikanische Station Ostasiatische, Australische und Ostafrikanische Station

Oktober 1914

Zusätzlich zur Organisation von August 1914:

Operationsabteilung Oberprisengericht in Berlin Prisengericht in Kiel Prisengericht in Hamburg

Mai 1916

Chef Stellvertretender Chef Abteilungen: Operationsabteilung mit Dezernate für die unterschiedlichen Kriegsschauplätze Zentralabteilung mit Hauptbüro Chiffrierbüro Druckerei Bibliothek Abteilung für fremde Marinen Abteilung für Bereithaltung und Verteilung von Personal und Material, organisatorische, allgemeine militärische und technische Fragen Abteilung für Wirtschaftskrieg, Seekriegs- und Völkerrecht Oberprisengericht in Berlin Prisengericht in Kiel Prisengericht in Hamburg Bevollmächtigter in Prisenangelegenheiten in Swinemünde Nachrichtenabteilung Spionage-Abwehr-Abteilung Presseabteilung

Ende des Krieges 1918

Zusätzlich zur Organisation von Mai 1916:

Bevollmächtigter in Prisenangelegenheiten in Swinemünde und Holtenau Kriegsgeschichtliche Abteilung

Führung Chefs des Admiralstabs der Kaiserlichen Marine Konteradmiral Felix von Bendemann --- 14. März bis 31. Dezember 1899 Vizeadmiral Otto von Diederichs --- 1. Januar 1900 bis 19. August 1902 Vizeadmiral Wilhelm Büchsel --- 20. August 1902 bis 28. Januar 1908 Admiral Friedrich Graf von Baudissin --- 29. Januar 1908 bis 5. September 1909 Admiral Max von Fischel --- 6. September 1909 bis 11. März 1911 Vizeadmiral August von Heeringen --- 12. März 1911 bis 31. März 1913 Admiral Hugo von Pohl --- 1. April 1913 bis 1. Februar 1915 Vizeadmiral Gustav Bachmann --- 2. Februar bis 3. September 1915 Admiral Henning von Holtzendorff --- 4. September 1915 bis 10. August 1918 Admiral Reinhard Scheer --- 11. August bis 14. November 1918

Stellvertretende Chefs des Admiralstabs der Kaiserlichen Marine Konteradmiral Johannes Rieve Konteradmiral Paul Behncke --- Juli 1914 bis September 1915 Vizeadmiral Reinhard Koch --- September 1915 bis August 1918 Konteradmiral Friedrich Freiherr von Bülow --- August 1918 bis November 1918

Literatur Walther Hubatsch: Der Admiralstab und die obersten Marinebehörden in Deutschland 1848–1945. Bernard & Graefe: Frankfurt/Main 1958 Hans-Jürgen Witthöft: Lexikon zur deutschen Marinegeschichte. 2 Bände. Köhler: Herford 1977

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Kategorie:Organisation (Kaiserliche Marine) Kategorie:Stabswesen (Militär) Kategorie:Gegründet 1899 Kategorie:Aufgelöst 1918