Emilie (bekannt als Emilia) Emmanuelle Maria Anna Giuliani-Guglielmi (* 23. April 1813 in Wien; † 25. November 1850 in Pest) war eine italienisch-österreichische Gitarristin und Komponistin sowie eine Tochter des italienischen Gitarristen und Komponisten Mauro Giuliani.

Sie war eine der wenigen berühmten Komponistinnen des 19. Jahrhunderts, neben Clara Schumann (1819–1896), Fanny Mendelssohn (1805–1847) und Louise Farrenc (1804–1875).

Biografie Kindheit und musikalische Ausbildung

Als Mauro Giuliani sich 1806 in Wien niederließ, hatte er seine rechtmäßige Ehefrau Maria Giuseppa del Monaco (1779–1826) sowie drei Kinder in Triest zurückgelassen.Thomas F. Heck: Mauro Giuliani: A Life For the Guitar (GFA Refereed Monographs, Book 2). Veröffentlicht nur als elektronische Ausgabe für Amazon Kindle von The Guitar Foundation of America, 2013. ISBN 978-0-9833602-1-6. In Wien wurde er als Gitarrist und Komponist sehr erfolgreich. Er war ein gefragter Gitarrenlehrer und baute sich ein Netzwerk aus Kontakten in aristokratischen und wohlhabenden bürgerlichen Kreisen auf. Kurz nach seiner Ankunft begann er eine Liebesbeziehung mit der wohlhabenden Wienerin Anna „Nina“ Wiesenberger (1784–1817).Michael Lorenz: New Light on Mauro Giuliani’s Vienna Years. Wien, 2015 Als sie in den Jahren 1808 und 1810 zwei Töchter zur Welt brachte, wurden die Kinder als Töchter einer fiktiven Mutter namens „Willmuth“ in das Register eingetragen. So sollte die bürgerliche Ehre von Nina geschützt werden, die aus einer guten Familie stammte.Gerhard Penn: Mauro Giuliani a Vienna: nuovi documenti, pt 2, IF, no. 170 (2015), 30–51.

Emilia Giuliani war die dritte außereheliche Tochter von Mauro Giuliani und Nina Wiesenberger. Dank der Vermittlung von Marie-Louise von Österreich durfte sie den Nachnamen ihres Vaters annehmen. Dafür wurde sie als Tochter einer selbsternannten Witwe „Maria Anna Giuliany“ und eines unbekannten Vaters eingetragen. Nina Wiesenberger starb kurz nach der Geburt ihrer vierten Tochter im Jahr 1817.

Mauro Giuliani verließ im Herbst 1819 plötzlich Wien. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, es wird jedoch vermutet, dass sie finanzieller Natur waren. Emilia und ihre fünf Jahre ältere Schwester Maria Willmuth wurden daraufhin als Pflegekinder einer Frau anvertraut, bis ihre Tante Emanuela, Mauro Giulianis Schwester, 1822 nach Wien kam, um die beiden abzuholen. Emilia wurde anschließend von Emanuela und ihrem Mann Gaetano Lucci in Palermo aufgenommen. Gaetano Lucci (1769–1856) war ein talentierter Cellist aus Neapel, der zu dieser Zeit im Orchester des Teatro Carolino in Palermo spielte, dem heutigen Teatro Bellini. Zudem war er Professor für Cello und Gitarre und hatte Mauro Giuliani sowie dessen Bruder Nicola viele Jahre zuvor in Barletta ihren ersten Unterricht in diesen Instrumenten gegeben. Auch Emilia Giuliani soll in Palermo ihren ersten Musik- und Gitarrenunterricht von ihm erhalten haben.

Neapel

Emilia kam zusammen mit der Familie Lucci nach Neapel, als diese sich in der zweiten Hälfte des Jahres 1827 von Palermo aus dorthin zurückbegab. In dieser Stadt, die damals die Hauptstadt des Königreichs beider Sizilien war und sich durch ein sehr reges kulturelles Leben sowie eine legendäre musikalische Tradition auszeichnete, lebte Mauro Giuliani bereits seit 1823.

Die folgenden Jahre in Neapel waren für die Karriere von Emilia von entscheidender Bedeutung. Am Abend des 6. Februars 1828 gab die 15-Jährige ihr erfolgreiches Debüt im renommierten Teatro Nuovo. Sie spielte dabei gemeinsam mit ihrem Vater Duette. Es war das erste Konzert von Emilia und zugleich das letzte von Mauro Giuliani. Dessen ohnehin bereits angeschlagene Gesundheit verschlechterte sich später weiter, und er starb im darauffolgenden Jahr.

Am 8. Oktober 1828 gab sie ihren ersten Konzert als Solistin in der Pause der Oper Gianni di Calais von Gaetano Donizetti im Teatro del Fondo vor der Königin und der Prinzessin beider Sizilien sowie dem Prinzen und der Prinzessin von Salerno. Dieser Art von Auftritt während der Pausen einer größeren Theateraufführung war damals üblich, insbesondere bei vielversprechenden jungen Virtuosen. So wie bei ihrer ersten Aufführung zusammen mit ihrem Vater fiel auch der Pressebericht für dieses Konzert sehr positiv aus. Bei einer weiteren Aufführung dieses Typs im Teatro del Fondo am 19. April 1831 spielte Emilia Giuliani nach dem ersten Akt der Opera buffa La casa da vendere. Die Presse berichtete, dass das Publikum so begeistert war, dass es Emilia Giuliani nach dem zweiten Akt mit Beifall zurück auf die Bühne rief. Es folgten ein Solokonzert am 4. November 1832 in Foggia sowie ein weiteres Konzert als Solistin mit Orchesterbegleitung im Real Teatro Ferdinando derselben Stadt am 8. November. Ihr nächstes Konzert in Neapel fand am 11. August 1833 statt.

Im September 1834 heiratete die 21-jährige Emilia den neapolitanischen Sänger, Gesangslehrer und Komponist Luigi Guglielmi (* 12. Mai 1807; † nach 1856).Nicoletta Confalone: Inseguendo Un'Ombra: Émilie Giuliani-Guglielmi Il Fronimo. 40.159, Juli 2012, p. 19. Ihr erstes Kind, Giovan Battista Mauro Carlo Guglielmi, wurde am 25. Juni 1835 in Neapel geboren. Zwei Jahre später kam ihr zweites Kind, Gaetano Guglielmi, zur Welt. Luigi Guglielmi wollte Neapel verlassen, um sein Glück anderswo zu suchen. Emilia und ihr gemeinsamer Sohn sollten ihn begleiten. Er war als Sänger und vor allem als Gesangslehrer geschätzt, aber die wenigen Opern, die er komponierte, waren nie erfolgreich. Emilia setzte ihre Karriere in den Städten fort, in denen sie in den nächsten zehn Jahren wohnten, so gut es ihr Muttersein und die Umstände erlaubten. Die ersten Stationen waren Rom (1836–1838) und Florenz (1839–1840), gefolgt von einem großen Sprung nach Wien (1840–1845) und schließlich Pest (1845–1850).

Rom, Florenz und Wien

1838 wurde Emilia Giuliani in Rom in die renommierte Accademia Filarmonica Romana aufgenommen. Am nächsten Jahr wurde sie von dem deutschen Maler Franz Nadorp aus Anholt porträtiert, der zur Künstlergruppe der Nazarener in Rom gehörte. In dieser Kohlezeichnung blickt sie den Betrachter an, während sie ihre Gitarre in den Händen hält. Im Hintergrund ist der Vesuv zu sehen, der auf ihre Verbindung zu Neapel und dessen musikalischer Tradition verweist. In der Mitte des unteren Bildrands steht ihr Mädchenname, geschrieben in ihrer Handschrift mit Kohle.

Die nächste Station der Familie war Florenz. In dieser Stadt lebten damals zwei ihrer Halbgeschwister aus der Familie von Mauro Giuliani: Michele und Anna. Sie waren in der Musikszene der Stadt gut verankert und verhalfen ihr zu einigen Erfolgen. So teilte sie am 25. Juni 1839 ein Konzert mit Franz Liszt, dem berühmtesten Pianisten seiner Zeit. Die Presseberichte über das Konzert fielen sehr positiv aus und beide Künstler wurden als gleichwertig dargestellt. Zudem gab sie in Florenz am 10. April 1840 ein Solokonzert im privaten Theater des Palazzo Gerini.

Einige Monate später reiste Emilia mit ihrer Familie in ihre Geburtsstadt Wien. Obwohl seit der Abreise von Mauro Giuliani 20 Jahre vergangen waren, war die Erinnerung an seine Erfolge dort lebendig. Als sie am 8. Dezember 1840 ihr Debüt als Solistin in Begleitung eines Orchesters im Musikverein, dem renommierten Saal der Gesellschaft der Musikfreunde, gab, wurde sie herzlich empfangen und als würdige Nachfolgerin ihres Vaters anerkannt. Das Publikum war von ihrer Virtuosität sowie den instrumentalen Effekten in ihren Kompositionen beeindruckt.

In den folgenden Jahren kam es zu familiären Veränderungen, durch die ihre Musikkarriere in den Hintergrund geriet. Am 30. Oktober 1841 kam ihr drittes Kind, Josef Aloys Stefan Guglielmi, zur Welt. Kurz darauf, am 31. Dezember, starb ihr zweites Kind im Alter von vier Jahren. Am 28. Oktober 1843 wurde ihr viertes Kind, Anna Emilia Guglielmi, geboren.

Pest

Zu den Gesangschülern von Luigi Guglielmi in Wien zählte der junge ungarische Adlige Johann (Jovan) Nákó, der ein begeisterter Anhänger der Oper und ein aufstrebender Sänger war. Er war der Neffe 2. Grades des Grafen Alexander (Sándor) Nákó, der sich in Wien als Mäzen einen Namen gemacht hatte und mit zahlreichen Künstlern befreundet war. Dank seiner Vermittlung wurde Luigi Guglielmi 1845 zum Gesangsmeister des Nationaltheaters von Pest ernannt.

In dieser Stadt hat nicht nur Luigi, sondern auch Emilia Gesangsunterricht erteilt. Das war für sie vermutlich finanziell einträglicher, sicherer und weniger anstrengend als ihre Konzerttätigkeit als Gitarristin. Die Schüler des Ehepaars stammten häufig aus dem Adel oder der oberen Mittelschicht, und ihre Dienste waren sehr gefragt. Dabei mag eine Rolle gespielt haben, dass sie nicht nur Italiener, sondern noch dazu Neapolitaner waren und somit Erben der berühmten Tradition der Opera buffa.

Nachdem er seine Stelle in Pest angetreten hatte, erhielt Luigi Guglielmi schließlich den lang ersehnten Auftrag, eine seiner eigenen Opern auf die Bühne zu bringen: Buda liberata. Die Uraufführung am 29. November 1847 war jedoch ein großer Misserfolg. Nach diesem Fiasko folgte er Johann Nákó, als dieser in seinem Geburtsort Comloșu Mare (ungarisch Nagykomlós, deutsch Großkomlosch) ein privates Theater im Familienschloss gründete. In diesem wurden vorwiegend deutschsprachige Stücke aufgeführt und es waren zwei Orchester fest angestellt. Kurz danach machte die ungarische Revolution von 1848 diese Pläne zunichte. Luigi wollte dann nach Mailand fahren, um den Verlegern und Impresarios seine fünf Opern, darunter Buda liberata, vorzuschlagen. Mit dem Erfolg von Giuseppe Verdi hatte jedoch inzwischen eine neue Epoche in der Entwicklung der Oper begonnen, die die Vorlieben des Publikums veränderte.

Emilia Giuliani blieb in Pest, wo sie ihre Konzerttätigkeit wieder aufnahm. Die Presse kündigte für den 25. September 1849 im Sommertheater in Buda eine musikalische und choreografische Darbietung an, bei der das Gitarrenspiel von Emilia eine zentrale Rolle spielte. Leider fand diese Aufführung während der blutigen Auseinandersetzungen statt, in denen russische und österreichische Truppen die ungarische Revolution niederschlugen. Aus diesem Grund war die Presse mit brisanten Nachrichten beschäftigt, sodass keine Rezension dieses Konzerts erhalten ist.

Emilia Giuliani starb im Alter von 37 Jahren am 25. November 1850 in Pest an „Faulfieber“, einem Begriff, der damals für Typhus (Fleckfieber) verwendet wurde, der aber auch eine andere Art von Infektion bezeichnet haben kann.

Werke

Op. 1 Variationen über L’amo aus I Montecchi ed i Capuleti von Bellini, Mailand 1834 Op. 2 Belliniana Nr. 1, ossia varii pezzi tratti dalle opere di Bellini, ridotti e variati, Mailand 1834 Op. 3 Variationen über Ah perchè non posso odiarti von Bellini, Mailand 1836 Op. 4 Belliniana Nr. 2, ossia varii pezzi tratti dalle opere del Maestro Bellini, ridotti e variati, Mailand 1835 Op. 5 Variationen über Non più mesta von Rossini, Mailand 1836 Op. 6 Belliniana Nr. 3, ossia vari pezzi tratti dalle opere del Maestro Bellini, ridotti e variati, Mailand 1835 Op. 7 Belliniana Nr. 4, ossia vari pezzi tratti dalle opere del Maestro Bellini, ridotti e variati, Mailand 1835 Op. 8 Belliniana Nr. 5, ossia vari pezzi tratti dalle opere del Maestro Bellini, ridotti e variati, Mailand 1836 Op. 9 Variazioni su un tema di Mercadante, Mailand 1837 Op. 11 Belliniana Nr. 6, ossia vari pezzi tratti dalle opere del Maestro Bellini, Mailand 1836 Op. 46 Sechs Präludien, Wien 1841

Die Manuskripte der fünfunddreißig Opusnummern, die nie veröffentlicht wurden, gingen möglicherweise während ihrer zahlreichen Wanderungen verloren oder wurden nach ihrem Tod verstreut. Es war üblich, dass Verlage ihren Komponisten bereits im Voraus eine Reihe von Katalognummern reservierten. Es ist möglich, dass Opus 10 beispielsweise nie existiert hat.