mini|hochkant|Nationaler Geotop Druidenstein Ein Basaltkegel ist ein wissenschaftshistorischer Begriff, der umgangssprachlich noch verwendet wird. Er beschreibt das durch Verwitterung freigelegte, widerstandsfähige Basaltgestein im Innern des Schlotes eines erloschenen Vulkans, das als Härtling die umgebende Landschaft überragt. In den Geowissenschaften wird Basaltkegel als Fachbegriff nicht mehr verwendet. Dies gilt auch für ähnliche Begriffe wie Phonolithkegel oder Porphyrkegel.
Solche Kegelberge entstanden, als Magma aus dem Erdinneren aufstieg und nahe der Erdoberfläche erstarrte.Basaltkegel Hoher Parkstein. Bayerisches Landesamt für Umwelt. Meist handelt es sich um Gestein, das am Ende der Fördertätigkeit im Schlot eines Vulkans erstarrte. Der ursprüngliche Kegelberg wurde im Laufe der Zeit durch die Abtragung der umgebenden weicheren Materialien durch Erosion zerstört, und der obere Teil des Gesteinskerns wurde auf diese Weise freigelegt.
Besonders häufig kommen sie in Mittelgebirgen vor, so etwa Basaltkegel im Steinwald, der Hohen Rhön,Guido Bauernschmitt: . In: Das Biosphärenreservat Rhön verändert sich. Beiträge Region und Nachhaltigkeit, 4/2007. und im Böhmischen Mittelgebirge, aber auch einzeln wie z. B. beim Desenberg (bei Warburg) oder dem Druidenstein (bei Kirchen an der Sieg).
Begriff miniatur|Nach Alexander von Humboldt ist der Hohe Parkstein der „schönste Basaltkegel Europas“. Der Begriff wird vor allem umgangssprachlich als Eigen- und Beiname benutzt, insbesondere wenn es sich um eine Landmarke, ein Wahrzeichen oder ein Geotop handelt, wie z. B. den Hohen Parkstein, den Rauhen Kulm oder den Badacsony am Balaton. (PDF; 1,1 MB) Exkursionsbericht TU Bergakademie Freiberg. In der touristisch orientierten Darstellung von Landschaften werden solche Begriffe heute noch gern verwendet.Berthold Weber: Der Rauhe Kulm. Vereinigung der Freunde der Mineralogie und Geologie, Bezirksgruppe Weiden.https://naturregion-sieg.de/poi/nationaler-geotop-druidenstein-bei-kirchen-herkersdorf
In den Geowissenschaften wird heute von Kegelberg gesprochen, gegebenenfalls mit einem auf die Gesteinsart verweisenden Zusatz oder einen Hinweis auf seine vulkanische Herkunft. So wird der Begriff meist durch eine die Entstehung oder das Gestein genauer beschreibende Bezeichnung ersetzt, so etwa Quellkuppe, Stock oder Schlotfüllung. Neben Basalt bilden auch andere vulkanische Gesteine kegel- und kuppelförmige Erhebungen, so etwa Phonolith und Porphyr.
Verallgemeinerung des Begriffs „Basaltkegel“ Die umgangssprachliche Verallgemeinerung kann deshalb als notwendig erachtet werden, weil die Unterscheidung von Eruptionsgesteinen für den Laien kaum möglich und „Basalt“ ein üblicherweise bekanntes Wort ist. Ein prominentes Beispiel für die abstrakte Verwendung des Begriffs „Basaltkegel“ liefert Bernhard von Cotta. Dieser führte zur Erklärung von Erstarrungs- und Eruptivgesteinen 1867 u. a. aus: .Bernhard von Cotta: Die Geologie der Gegenwart. Leipzig (J.J. Weber) 1867, S. 49. Dieser historische Bezug kann als Hinweis dafür verstanden werden, obwohl die konkrete petrographische Unterscheidung bei den Vulkaniten zu jener Zeit schon so ausgeprägt war, dass der Basalt als Überbegriff in gängiger Anwendung verwendet wurde.
Geschichte miniatur|Der Desenberg mit Burgruine in der Warburger Börde bei Warburg (Nordrhein-Westfalen) mini|Die Amöneburg in Mittelhessen Böhmische Geologen des 19. und 20. Jahrhunderts bevorzugten häufig konkrete Termini wie z. B. Phonolithkegel. Der führende Basaltforscher Böhmens im 19. Jahrhundert, Emanuel Bořický, wendet den Terminus Basaltkegel gezielt bei Eruptionskernen mit Säulenausprägung an. Dazu führt er 1873 aus:Emanuel Bořický: Die Arbeiten der geologischen Abtheilung der Landesdurchforschung von Böhmen, II. Theil, Petrographische Studien an den Basaltgesteinen Böhmens. Prag (Řivnač) 1873, S. 212–213.
Goethe bezeichnet anhand seiner Beobachtungen im Siebengebirge den Basaltkegel als .J.W.v.Goethe. Zur Naturwissenschaft überhaupt. Mineralogie und Geologie. I. Theil. In: Goethes Werke, Weimarer Ausgabe, Abth. II, Bd. 9. Weimar (Herm. Böhlau Nachf) 1892 S. 1–306. Die historische Bedeutung dieses Begriffes geht auf den Neptunistenstreit zurück, in dessen Zentrum die Entstehungsweise des Basalts stand. Nachdem Nicolas Desmarest die vulkanische Herkunft des Basaltes 1771 erstmals wissenschaftlich beschrieb, wandten sich namhafte Geowissenschaftler der Zeit dagegen und argumentierten zu Gunsten einer Sedimenttheorie (Neptunismus/Plutonismus). Es kam zu einer scharfen öffentlichen Kontroverse zwischen Abraham Gottlob Werner einerseits und Johann Carl Wilhelm Voigt, Johann Friedrich Wilhelm Widenmann sowie anderen Naturforschern. Werner argumentierte 1788 im Bergmännischen Journal von Alexander Wilhelm Köhler in direkter Kontroverse mit einer dort abgedruckten Entgegnung von Voigt wie folgt:Abraham Gottlob Werner: Schluß-Anmerkung, welche die weitere Ausführung meiner vorstehenden Antwort enthält. In: Bergmännisches Journal Jg. 1 (1788), Bd. 2, S. 887.
In einigen Standardwerken über die Mineralogie und Gesteinskunde im Verlauf des Neptunisten-Plutonisten-Streits werden markante kegelförmige Berge als Folge ihres basaltischen Aufbaus interpretiert. Johann Friedrich Wilhelm Widenmann schreibt 1794 in seinem Handbuch des oryktognostischen Theils der Mineralogie hierzu: Die Basaltberge zeichnen sich durch ihre kegelförmige Gestalt, und durch die bald mehr bald weniger regelmäßige Säulen, und manchmal auch durch kugelförmig abgesonderte Stücke, in die sie öfters abgetheilt sind, aus. Dabei nimmt er zur Entstehungsweise des Basalts keine Stellung und benennt lediglich die verschiedenen Positionen.Johann Friedrich Wilhelm Widenmann: Handbuch des oryktognostischen Theils der Mineralogie. Leipzig 1794. S. 1024. Diese Auffassung hielt sich verhältnismäßig lange und wird innerhalb der geowissenschaftlichen Literatur des 19. Jahrhunderts weitergetragen. Das Handbuch der Mineralogie von Christian August Siegfried Hoffmann, fortgeführt von August Breithaupt, verzeichnet folgende Beschreibung:C.A.S. Hoffmann, August Breithaupt: Handbuch der Mineralogie. Zweiter Band, zweite Abtheilung. Freiberg 1815. S. 169, 170.
Um einen Kompromiss bemühten sich u. a. Alexander von Humboldt und Johann Wolfgang von Goethe. Die Kontroverse lenkte zeitweilig das Interesse von naturwissenschaftlich orientierten Kreisen auf dieses Gestein und seine Erscheinungsformen in der Landschaft. Die Annahme einer neptunistischen Entstehungsweise von Basalt wurde durch die Reisen Leopold von Buchs in die Auvergne in den Jahren 1802 sowie 1815 endgültig und anerkannt widerlegt.Otfried Wagenbreth: Geschichte der Geologie in Deutschland. Stuttgart (Enke) 1999 S. 36–39.
Siehe auch Lavadom
Weblinks Eintrag im Goethe-Wörterbuch der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
Einzelnachweise
Kategorie:Endogene Morphodynamik Kategorie:Vulkanismus Kategorie:Erosion Kategorie:Topografie Kategorie:Überholte Theorie (Geowissenschaften) Kategorie:Basalt